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Sonntag, 4. Mai 2014 / Nr. 18

Zentralschweiz am Sonntag

Kantone

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«Viele Auswanderer überschätzen sich»

Schweiz/Portugal Ein junger Luzerner und seine Freundin sind nach Portugal gezogen, haben dort ein Tourismusunternehmen aufgebaut. Im Gegensatz zu vielen Auswanderern – auch solchen aus dem Fernsehen – haben sie Erfolg. Dafür bezahlen sie aber einen hohen Preis.

DAnIEL SchrIbEr redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Als Stephan Rohrer (30) und Jacque- line Stettler (27) im Frühling 2010 zu einer dreimonatigen Reise quer durch Europa aufbrachen, ahnte das junge Paar nicht, wo diese dereinst enden wird. Ausgehend von Dänemark, reisten die beiden durch zahlreiche Länder, immer weiter in Richtung Süden. Ir- gendwann erreichten sie Portugal, ge- nauer gesagt: die Algarve – eine be- liebte Ferienregion im Südwesten des Landes. Die Gegend gefiel den beiden auf Anhieb, und bald schon sagten sie sich: «Hier bleiben wir.»

Schock vor der abreise

Über Beziehungen fand Stettler eine befristete Anstellung in einem portugie- sischen Restaurant. «Kaum war der Vertrag vorbereitet, ging alles ziemlich schnell.» Stephan Rohrer, der damals bei einer Versicherung in Kriens tätig war, kündigte seinen Job, seine Woh- nung, Handy- und andere Verträge. Stettler, die Gastronomin aus dem Kan- ton Bern, tat es ihm gleich. Ihr Hab und Gut verstauten sie in einem Container. Kurz vor der Abreise jedoch folgte die böse Überraschung: Der Betrieb, in dem Stettler arbeiten sollte, wurde unverhofft verkauft. Das Paar fuhr trotzdem – «uns blieb ja eigentlich nichts anderes übrig». Und immerhin hatten sie genug Geld gespart, um sich die mehrmonatige Auszeit auch ohne Job leisten zu können. Also mieteten sie sich eine kleine Woh- nung, zirka 15 Minuten von der Hafen- stadt Lagos entfernt.

Per zufall zum eigenen geschäft

Statt einer weiteren bösen Überra- schung folgte nun ein Glücksfall: Schon nach wenigen Wochen erhielt das Paar die Gelegenheit, ein kleines Tourismus- unternehmen zu übernehmen. «Portu- gal Service» – so der Name der Firma. «Viel mehr als der Name war jedoch nicht vorhanden», erzählt Rohrer. Das Paar zögerte trotzdem nicht lange, sag- te zu – und baute die Firma von Grund auf neu auf. Heute vermieten und ver- kaufen sie Immobilien, vornehmlich für Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ausserdem organisieren

sie Gruppenreisen, Wanderungen und Golfferien. Doch warum gerade Portugal? Was ist so toll an der Algarve? Die Frage ist kaum zu Ende gesprochen, da ruft Jacqueline Stettler bei unserem Ge- spräch via Videotelefonie (Skype) ins Mikrofon: «So viel!» Kein Wunder, sie ist halbe Portugiesin. Die beiden kom- men ins Schwärmen. Die Freiheit, die Strände, das Klima, die Leute, das Essen, die Preise. «Für uns ist es das perfekte Gesamtpaket», sagt Stephan Rohrer, der sich in der neuen Heimat noch immer mit Englisch durchschlägt.

erfolglose tV-auswanderer

Das klingt alles sehr gut. Zu gut vielleicht? Scheitern nicht viele Aus- wanderer genau an den Tücken der scheinbar perfekten Wahlheimat, in der alles besser und schöner werden soll als in der Heimat? So zumindest wird es in zahlreichen Reality-Formaten im deutschen Fernsehen dargestellt. Stett- ler und Rohrer lachen. Auch sie sind im «Auswanderer»-Fieber, verpassen kaum eine Folge der beliebten Sen- dung, die wöchentlich auf einem Pri- vatsender zu sehen ist. Wo also liegt das Problem bei den TV-Auswande- rern? «Viele Auswanderer sind kom- plett unvorbereitet», sagt Rohrer. Diese Leute wollen zu viel in zu kurzer Zeit – und sie überschätzen sich zum Teil masslos», sagt Stettler. Zumal viele von ihnen nicht einmal zu Hause in der Heimat je was Rechtes hingekriegt hätten. «So funktioniert das nicht», sagt auch Stephan Rohrer. Beide – Stephan Rohrer und Jacque- line Stettler – sind gut ausgebildet, haben in der Schweiz gearbeitet, Wei- terbildungen absolviert, sich eine Exis- tenz aufgebaut. «Auswandern ist ein Abenteuer», sagt Rohrer. «Es ist nicht so leicht, wie es von aussen aussieht.» Es brauche Mut, Ehrgeiz, Energie – und in jedem Fall auch ein gewisses Kapital.

Ferien? – Fehlanzeige

«Wer glaubt, wir liegen hier ständig unter den Palmen, der irrt gewaltig»,

liegen hier ständig unter den Palmen, der irrt gewaltig», Relaxen am Strand liegt nur selten drin:

Relaxen am Strand liegt nur selten drin: Stephan Rohrer und Jacqueline Stettler in ihrer Wahlheimat Portugal.

PD

sagt Stephan Rohrer. Zwei Jahre ist es her, seit die beiden zuletzt Ferien ma- chen konnten. Seit November 2011 war der Luzerner nicht mehr in seiner Heimat. Und be- sonders jetzt, wenn in Portugal langsam die Tourismus-Hauptsaison beginnt, sind die beiden oft von frühmorgens bis spätabends am Arbeiten. So hofft das Paar, dass es im Winter ein paar Tage Zeit für Ferien in der Schweiz findet. Freunde und Familie – das ver- missen die beiden.

Sich an eigenheiten gewöhnen

Auch sonst ist in der Wahlheimat Portugal nicht immer alles einfach. Wie vielerorts im Süden nehmen es die Einheimischen auch in der Algarve mit der Pünktlichkeit nicht immer so ge- nau. «Das braucht manchmal ganz

schön Nerven», sagt Stephan Roher. Doch daran gewöhne man sich nach einer gewissen Zeit – wie auch an andere lokale Gepflogenheiten. Bereut haben Rohrer und Stettler ihren Ent- scheid bis heute nie. «Überhaupt nicht», wie sie betonen. Eine Rückkehr in die Schweiz ist für das Paar deshalb kein Thema – auch langfristig nicht. «Wir wollen hier etwas aufbauen, mit unserem Unternehmen Portugal Ser- vice weiter wachsen», sagt Rohrer. Heute leben die Schweizer Auswan- derer zirka zehn Minuten vom Meer entfernt, in einem Mietshaus mit gros- sem Umschwung für ihre beiden Hun- de. Manchmal, wenn sie nach einem langen Arbeitstag etwas Zeit für sich haben, fahren sie für ein, zwei Stunden ans Meer. «Das ist fast wie Ferien», denken sie sich dann.

Das Florida Europas

Steuern ds. Portugal ist besonders für Rentner ein beliebtes Auswan- dererland. Auch deshalb wird das Land mancherorts als «Florida Euro- pas» bezeichnet. Der Grund: Aus- ländische Rentner bezahlen über mindestens zehn Jahre keine Steu- ern. Rentner, die von den Steuer- vorteilen profitieren wollen, müssen ihren Lebensmittelpunkt nach Por- tugal verlegen und mindestens 183 Tage pro Jahr im Land verbringen. Damit will Portugal betuchte Senio- ren aus der Schweiz, Deutschland und anderen europäischen Ländern ins Land locken.

Ex-Nottwil-Trainer verkaufte zweifelhafte Sparpläne

luzern Ein junger handwer- ker unterschrieb bei Sergio Da costas* Firma einen Sparplan mit einer Laufzeit von sagen- haften 480 Monaten. nun hat sich ein prominenter Luzerner Anwalt eingeschaltet.

Am vergangenen 9. September setzte ein damals 25-jähriger Handwerker aus einer Luzerner Landgemeinde seine Unterschrift unter einen sogenannten Verico-Sparplan. Möglicherweise war das ein grosser Fehler. Denn ob der junge Mann sein Geld je wiedersehen wird, ist fraglich. Das rührt daher, weil erstens die

im Kanton Zug domizilierte Firma, die das Produkt unter die Leute brachte, heute in Liquidation ist. Und zweitens, weil der Verwaltungsratspräsident Sergio Da Costa*, ehemals Trainer beim FC Nottwil, sowie sein Kompagnon nach wie vor in Untersuchungshaft sitzen. Wir be- richteten bereits im Februar und im März über den Fall.

toni Schwingruber hilft

Der junge Luzerner zahlte nach Ver- tragsabschluss eine Art Ersteinlage von rund 5000 Franken ein. Danach überwies er monatlich 500 Franken. Als er sich Ende Jahr bei der Firma nach einem Vermögensauszug erkundigen wollte, wurde er stutzig: Mehrmals liess man ihm ausrichten, der Geschäftsleiter be- finde sich «in Spitalpflege». Das wurde dem Handwerker zu bunt – er schaltete

Das wurde dem Handwerker zu bunt – er schaltete «es macht den anschein, dass mein Mandant

«es macht den anschein, dass mein Mandant bewusst betrogen wurde.»

TonI SchwInGrubEr, AnwALT unD LuzErnEr ALT rEGIErunGSrAT

einen Anwalt ein. Beim Rechtsexperten handelt es sich um niemand Geringeres als den Luzerner alt Regierungsrat Toni Schwingruber. Er sagt: «Ich bin eigentlich nicht mehr anwaltschaftlich tätig. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Handelt es sich beim Betroffenen doch um eine Person, mit dessen Familie ich freundschaftlich verbunden bin.» Schwingruber handelte zügig und wurde bei den Zuger Behörden vorstellig. Er sagt: «Es macht den Anschein, dass mein Mandant bewusst betrogen wurde. Ein solcher Sachverhalt muss von Amtes wegen untersucht werden.»

Komplett unrealistisch

Für Marc Weber, Geschäftsleitungsmit- glied vom schweizweit tätigen VZ Ver- mögenszentrum, wirft der «Verico-Spar- plan» viele Fragen auf, und das nicht nur

im Zusammenhang mit der absurd lan- gen Laufzeit von 480 Monaten (40 Jah- ren!). Weber sagt: «Ich halte das Produkt für höchst unseriös. Zum einen, weil die Renditeversprechung mit 6 Prozent sehr hoch ist. Und zum anderen soll das Ganze, so wie man ihm versprach, auch noch ‹völlig risikolos› sein. So etwas halte ich für ausgeschlossen. Niemand kann ein solches Angebot garantieren.» Für Weber ist der ominöse «Verico-Spar- plan» nicht nur komplett unrealistisch, sondern: «Das Ganze widerspricht auch den Richtlinien der Bankiervereinigung für Aufträge im Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung.»

* Name von der Redaktion geändert.

ThoMAS hEEr thomas.heer@zentralschweizamsonntag.ch

IMPRESSUM Herausgeberin: Neue Luzerner Zeitung AG, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. Verleger Erwin Bachmann, Präsident des
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Herausgeberin: Neue Luzerner Zeitung AG, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. Verleger Erwin Bachmann, Präsident des Verwaltungsrates, E-Mail: erwin.bachmann@luzernerzeitung.ch Verlag: Jürg Weber, Geschäfts- und Verlagsleiter; Ueli Kaltenrieder, Lesermarkt; Bruno Hegglin, Werbemarkt; Edi Lindegger, Anzeigen- markt. Ombudsmann: Andreas Z’Graggen, andreas.zgraggen@ luzernerzeitung.ch

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