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Unser täglich Brot | Band 3

Unser täglich Brot | Band 3

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Texte aus dem Wort Gottes und aus den Schriften Emanuel Swedenborgs
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UNSER TÄGLICH BROT III

UNSER TÄGLICH BROT
TEXTE AUS DEM WORT GOTTES UND AUS DEN S CHRIFTEN EMANUEL SWEDENBORGS

zusammengestellt und bearbeitet von Heinz Grob

Auflage 2008 © Heinz Grob Herstellung: Swedenborg-Verlag

VORWORT DES HERAUSGEBERS
Die Entstehung dieser Textsammlung ist derselben Überlegung zuzuschreiben, wie ich sie dem zweiten Band vorangestellt habe: man solle die Möglichkeit haben, sich weit vom bereits Gelesenen zu entfernen, bis man zwangsläufig wieder darauf zurückgreifen muss. Die Bibelstellen entstammen in dieser Zusammenstellung ausschließlich den Evangelien, der Offenbarung und den Psalmen. Es zeigt sich hierbei sehr deutlich, dass sowohl das Wort als auch sein Ausdeuter sich auf einige Schwerpunkte abstützen, nämlich das Gute und Wahre, die Liebe zum Herrn und zum Nächsten, die in unzähligen vergleichbaren Bildern und Geschehnissen wiederholt werden. Ich habe auf solche Ähnlichkeiten durch Verweis auf die jeweiligen Tagesdaten aufmerksam gemacht; denn es handelt sich dabei ja nicht um austauschbare Identitäten, die Schwerpunkte sind durchaus verschieden. Beispiele sind etwa die «Berührungen» oder das «Essen».

Abkürzungen der benutzten Werke Emanuel Swedenborgs
EL EO OE GV GLW HG HH JG KD Lv Gl oder LG LL LvHS LvH NJ WCR Eheliche Liebe Enthüllte Offenbarung Johannis Erklärte Offenbarung Johannis Die Göttliche Vorsehung Die göttliche Liebe und Weisheit Die Himmlische Geheimnisse Himmel und Hölle Vom Jüngsten Gericht Kurze Darstellung der Lehre der Neuen Kirche Lehre vom Glauben Lebens-Lehre * Lehre von der heiligen Schrift * Lehre vom Herrn * Vom Neuen Jerusalem Die Wahre Christliche Religion * Zusammengefaßt in „Die vier Hauptlehren“

Neujahr
Und er kam gen Nazareth, wo er erzogen wurde, und ging nach seiner Gewohnheit am Tag des Sabbath in die Synagoge und stand auf, um zu lesen. Und man übergab ihm das Buch des Propheten Jesajah und er schlug das Buch auf und fand den Ort, wo geschrieben ist: Der Geist des Herrn ist auf mir, darum hat er mich gesalbt, dass ich den Armen die gute Botschaft verkündige; er hat mich gesandt gesund zu machen, die zerknirschten Herzens sind, zu verkündigen den Gefangenen Freisetzung und den Blinden, dass sie wieder sehen sollen, die Zerschlagenen freigesetzt auszusenden, das angenehme Jahr des Herrn zu verkündigen. Und er tat das Buch zu, gab es dem Diener zurück und setzte sich wieder, und aller Augen in der Synagoge sahen fest auf ihn. Er aber fing an zu ihnen zu sprechen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. Luk 4, 16 - 21

Der Herr hat das Wort in allen Einzelheiten erfüllt. Dies geht deutlich aus allen jenen Stellen hervor, in denen es heißt, er habe das Gesetz oder die Schrift erfüllt. Die Erfüllung des Gesetzes bezieht sich also nicht nur auf die zehn Gebote, sondern auf alle Einzelheiten des Wortes. Der Herr ist nun die Liebe und Weisheit, also das Gute und Wahre selbst und er ist es dadurch geworden, dass er alles Gute und Wahre im Wort erfüllt hat. Wer nämlich nur das Wahre denkt und redet, wird schließlich selbst zu diesem Wahren; und wer nur das Gute will und tut, wird am Ende selbst zu die7

sem Guten. Der Herr aber wurde zum Guten und Wahren, weil er alles göttliche Wahre und Gute im Wort erfüllt hat, und zwar sowohl im natürlichen als auch im geistigen Sinn. WCR 262
2. Januar Johannes war in der Wüste, taufte und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Mar 1, 4.

Die Wüste bedeutet im Wort das wenig Bewohnte und Angebaute und damit eine relative Dunkelheit, wie zum Beispiel die der geistigen im Verhältnis zur himmlischen Kirche, aber sie bedeutet auch das gar nicht Bewohnte und Angebaute, wo es an Wohnungen, Ställen und Wasser fehlt, wobei diejenigen gemeint sind, die im Hinblick auf das Gute verwüstet und im Hinblick auf das Wahre verödet sind. Damals war die Kirche völlig verwüstet und es war weder Gutes noch Wahres mehr vorhanden, was deutlich daraus hervorgeht, dass niemand mehr wusste, dass der Mensch ein Inneres hat, dass das Wort einen inneren Sinn hat und dass der Messias oder Christus kommen werde. Johannes predigte und taufte also, um den Zustand der Kirche darzustellen. HG 2708
3. Januar Und eine Stimme geschah aus den Himmeln: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und alsbald trieb ihn der Geist hinaus in die Wüste. Und er war allda in der Wüste vierzig Tage, versucht vom Satan, und war bei den wilden Tieren; und die Engel dienten ihm. Mar 1, 11 – 13

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Kein Mensch kann von einem anderen geboren werden, ohne Böses von diesem mitzunehmen; aber das Erbböse vom Vater unterscheidet sich von demjenigen von der Mutter. Was vom Vater stammt, ist innerlich und bleibt in Ewigkeit, denn es kann nicht ausgerottet werden. So etwas hat der Herr nicht gehabt, weil er von Jehovah als Vater geboren und somit im Inneren göttlich oder Jehovah war. Das Böse von der Mutter gehört dem äußeren Menschen an und war im Herrn vorhanden, ebenso das Falsche, was daraus hervorging. So wurde der Herr mit Schwachheiten geboren wie ein anderer Mensch. Daher musste er Versuchungen bestehen. Es kann niemand versucht werden, der kein Böses aufweist, denn durch dieses Böse wird er versucht. So wurde auch der Herr versucht und bestand schwere Versuchungen, von denen ein Mensch nicht einmal ein Zehntausendstel aushalten kann. Mit den wilden Tieren ist hierbei die Hölle gemeint. HG 1573
4. Januar Jesus antwortete (den Pharisäern) und sagte zu ihnen: Und wenn ich auch von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis wahr; dieweil ich weiß, von wannen ich komme und wohin ich gehe; ihr aber wisset nicht, von wannen ich kommen und wohin ich gehe. – Ich bin, der ich von mir selbst zeuge, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von mir. Joh. 8, 14. 18.

Das göttliche Wahre heißt Zeugnis, weil es vom Herrn zeugt. Dieses Wahre ist das Wort, denn dieses handelt im höchsten Sinn vom Herrn allein; daher ist das Wort göttlich und daher kommt seine Heiligkeit. HG 9503 Die heilige Schrift oder das Wort ist das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre, und das ausgehende Göttliche ist der 9

Herr selbst im Himmel und in der Kirche. Wenn daher gesagt wird, dass die Schriften von ihm zeugen, wird darunter verstanden, dass der Herr selbst von sich zeugt. – Zeugen bedeutet anerkennen und bekennen, dass hauptsächlich die Anerkennung des Göttlichen in seiner Menschennatur vom Herrn selbst stammt. Deshalb wird gesagt, er zeuge von sich selbst. OE 635
5. Januar Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und segnete und brach die Brote und gab sie seinen Jüngern, dass sie ihnen vorlegten; auch die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie hoben zwölf Körbe auf voll Brocken und von den Fischen. Mar 6, 41. 42.

Die Zehnerzahlen bedeuten «viel» und «alles»; daher bedeutet die Zahl fünf «etwas», somit einen Teil oder auch wenig und wenige, vor allem, wenn eine große Zahl vorausgegangen ist oder nachfolgt. Dann bedeutet «fünf» aber auch «soviel, wie ausreicht». Dass am Ende zwölf volle Körbe übrig blieben, deutet auf das Volle hin, auf die vollständige Belehrung und den vollen Segen. OE 548
6. Januar Das Wort war bei Gott und Gott war das Wort und in ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Joh 1, 1. 4. 9.

Der Herr heißt das Wort, weil das Wort das göttliche Wahre darstellt. Es heißt auch das Leben, weil alles, was lebt, von die10

sem Licht lebt. Von ihm haben auch wirklich die Engel die Einsicht und Weisheit, aus der ihr Leben besteht. Wer das Leben von anderswoher ableitet als aus der göttlichen Kraft, die vom Herrn ausgeht und die im Himmel das göttliche Wahre genannt wird und dort als Licht erscheint, ist in einem gewaltigen Irrtum. OE 196
7. Januar Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele ein. Und zur Stunde des Abendmahls sandte er seinen Knecht aus und ließ denen, die geladen waren, sagen: Kommet, denn alles ist schon bereitet. Und sie fingen alle übereins an, sich zu entschuldigen … und ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin sie zu prüfen. Ich bitte dich, entschuldige mich. Luk 14, 16. 17. 19.

Durch Ochsen werden im Wort natürliche Neigungen beschrieben. Durch fünf Joch Ochsen werden alle diejenigen Neigungen oder Antriebe dargestellt, die den Menschen vom Himmel ablenken. Unter dem großen Gastmahl sind aber der Himmel und die Kirche im Hinblick auf geistige Ernährung oder Belehrung zu verstehen, zu denen eben diese Leute eingeladen wurden. Wer kann nicht sehen, dass die Zahl fünf in diesen Gleichnissen ein Geheimnis in sich schließt, weil sie vom Herrn immer wieder erwähnt wird? OE 548
8. Januar Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich

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gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen, und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer einen dieser Kleinen nur mit einem Kelch kalten Wassers tränkt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Mat 10, 40 – 42 Der Prophet ist das Wahre der Lehre, der Jünger deren Gutes, der Gerechte das Gute des Lebens; sie aufzunehmen in ihrem Namen heißt diese Dinge aus Liebe zu ihnen aufzunehmen. Einen Propheten im Namen eines Propheten aufzunehmen bedeutet also, das Wahre der Lehre zu lieben, weil es wahr ist, und das Wahre um des Wahren willen aufzunehmen. Wer einen Gerechten im Namen eines Gerechten aufnimmt, liebt und tut das Gute, weil es gut ist, er nimmt es vom Herrn auf aus Liebe oder Neigung des Herzens. Wer es nämlich um des Guten willen liebt, der liebt es aus dem Guten heraus, das heißt vom Herrn, von dem es ja ausgeht. Und weil ein solcher es nicht um des eigenen Vorteils oder um der Welt willen liebt, liebt er es geistig; und geistige Liebe erwartet den Menschen nach dem Tod und führt ihn ins ewige Leben. Lohn empfangen heißt hierbei, diese Liebe mit zu bringen und die Seligkeit des Himmels aufzunehmen. Einen der Kleinen im Namen des Jüngers mit kaltem Wasser zu tränken bedeutet, aus Unschuld die Unschuld zu lieben und aus ihr das Gute und Wahre aus dem Wort. Tränken mit einem Trunk kalten Wassers heißt lieben und lehren aus Unschuld; unschuldig sind auch die Kleinen. Sie stellen im abstrakten Sinn also auch die Unschuld dar. Der Jünger bedeutet dabei das Gute der Lehre vom Herrn. OE 624

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9. Januar Dann wird das Reich der Himmel gleich sein zehn Jungfrauen, die nahmen ihre Lampen und gingen aus zur Begegnung des Bräutigams. Fünf aber von ihnen waren klug, fünf dagegen töricht. Die Törichten nahmen zwar ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit sich. Aber die Klugen nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden alle schläfrig und schliefen ein. Mat 25, 1-5

Die Kirche ist das Reich des Herrn auf Erden; zehn Jungfrauen bedeuten alle Angehörigen der Kirche, nämlich sowohl diejenigen, die im Guten und Wahren, als auch die anderen, die im Bösen und Falschen sind. «Zehn» sind im inneren Sinn Überreste und auch das Volle, somit alle. Als Jungfrauen werden an vielen Stellen im Wort die Angehörigen der Kirche bezeichnet. Dass sie ihre Lampen nahmen, bedeutet Geistiges, in dem der Glaube, die Liebe zum Herrn und die tätige Liebe zum Nächsten enthalten sind. Die Törichten stellen nun diejenigen dar, in deren Wahrheiten und Glauben das Gute der tätigen Liebe fehlte, denn Öl bedeutet im inneren Sinn dieses Gute; die klugen jedoch besaßen das Gute in ihrem Glauben; die Gefäße stehen für Lehren des Glaubens. «Schläfrig werden» ist ein Ausdruck für Nachlässigkeit in den Angelegenheiten der Kirche und «Einschlafen» bedeutet Zweifel, wobei dieser bei den Klugen eine Bejahung, bei den Törichten eine Verneinung enthält. HG 4638
10. Januar Um Mitternacht entstand ein Geschrei: siehe, der Bräutigam kommt, geht aus zu seiner Begegnung!

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Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen; aber die törichten sprachen zu den klugen: gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: es würde nicht reichen für uns und euch; geht also lieber hin zu den Verkäufern und kaufet euch selber. Mat 25, 6-9

Mitternacht ist die Zeit, in der die alte und die neue Kirche aneinander grenzen. Diese Zeit wird im Wort als Nacht bezeichnet, wenn es um den Zustand der Kirche geht. Das Geschrei weist auf Veränderungen hin. Dass nun der Bräutigam kommt, ist ein Ausdruck für das Gericht, die «Begegnung» für Annahme oder Verwerfung. «Da standen sie auf» steht für die Bereitschaft aller; denn die mit den Wahrheiten, in denen das Gute fehlt, glauben, sie würden ebenso angenommen wie die, in deren Glauben das Gute vorhanden ist. Sie sind der Meinung, der Glaube allein mache selig, und wissen nicht, dass es ohne tätige Liebe gar keinen Glauben gibt. «Gebt uns von eurem Öl» ist nun der Ausdruck für den Wunsch, man möge ihren gehalt- und gestaltlosen Glauben mit dem Guten von anderen füllen; denn alles Geistige und Himmlische wird im anderen Leben gegenseitig mitgeteilt, allerdings nur über das Gute. So gaben die klugen zur Antwort, das könne nicht geschehen, denn es werde umgekehrt ihnen das wenige verbliebene Wahre noch genommen, weil sie Gutes, das ihnen gegeben würde, für sich behalten wollten und es dadurch verunreinigen würden. Sie sollen also zu den Verkäufern gehen, die für diejenigen stehen, die sich ein Verdienst zuschreiben und sich damit brüsten. Sie gehören zu denen, die sagen «Herr, Herr, haben wir nicht…» (Mat 7, 22) HG 4638 14

11. Januar Da sie aber hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam und die bereit waren gingen ein mit ihm zur Hochzeit und die Tür wurde verschlossen. Nachher kamen auch die übrigen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tue uns auf. Er aber antwortete und sprach: Amen, ich sage euch, ich kenne euch nicht. – Wachet also, weil ihr nicht wisst den Tag noch die Stunde, in der der Sohn des Menschen kommen wird. Mat 25, 10-13

Die im Guten und Wahren leben, wurden in den Himmel aufgenommen. Der Himmel wird entsprechend der himmlischen Ehe mit einer Hochzeit verglichen, die zwischen dem Guten und dem Wahren vollzogen wird. Der Herr ist ein Bräutigam, weil die Verbindung mit ihm stattfindet. Dass die Tür verschlossen wurde, weist darauf hin, dass keine anderen zugelassen werden. Dass dann doch noch «die übrigen Jungfrauen» kamen, zeigt an, dass sie auf den Glauben allein pochten und die gleichen Rechte erwarteten. Er aber «kannte sie nicht», das heißt, er verwarf sie, weil ihnen die Liebe fehlte. Man solle «wachen, weil man weder Tag noch Stunde kenne» ist die Aufforderung, das Leben nach den Geboten des Glaubens zu richten. Weder Zeit noch Zustand für die Annahme sind den Menschen bekannt, was ausgedrückt wird durch «Ihr wisst nicht den Tag noch die Stunde». HG4638
12. Januar Und er ging abermals hinein in die Synagoge; und es war da ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie hielten auf ihn, ob er ihn am Sabbath heilen würde, auf dass sie eine Anklage

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wider ihn hätten. Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Tritt hervor in die Mitte. Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbath Gutes zu tun oder Böses zu tun, die Seele zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen still. Und er blickte sie rings umher mit Zorn an und war betrübt über die Verstocktheit ihres Herzens; da sprach er zu dem Menschen: strecke deine Hand aus! Und erstreckte sie aus, und seine Hand ward wiederhergestellt, gesund wie die andere. Mar 3, 1 – 5

Das Wort Sabbath bedeutet im Hebräischen die Ruhe. Er symbolisiert den Sieg des Herrn über die Höllen und die Ruhe, die darauf folgte. Der Tag war also ein Sinnbild des Ziels der ganzen Erlösung und darum die Heiligkeit selbst. Als aber die Symbolik infolge des Kommens des Herrn endete, diente dieser Tag nur noch der Unterweisung in den göttlichen Dingen und der Verwirklichung der Nächstenliebe. Dies beweisen die Taten des Herrn am Sabbath. WCR 301
13. Januar Und nach sechs Tagen nimmt Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und bringt sie hinauf einen hohen Berg besonders. Und er ward verwandelt vor ihnen und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Mat 17, 1. 2.

An vielen Stellen wird durch die Sonne die Liebe und durch den Mond der Glaube bezeichnet, durch die Sterne aber die Erkenntnisse des Guten und Wahren. Dass der Herr im Himmel als Sonne erscheint, zeigt sich bei seiner Verklärung 16

vor Petrus, Jakobus und Johannes. So erschien der Herr den Jüngern, als sie dem Körper entrückt und im Licht des Himmels waren. Aus diesem Grund wandten die Alten, bei denen sich eine sinnbildliche Kirche befand, beim Gottesdienst ihr Antlitz der Sonne im Osten zu und aus demselben Grund richtete man die Tempel nach Osten aus. HH 119
14. Januar Jehovah ist König, die Erde frohlocke, es seien fröhlich die vielen Inseln. Wolke und Wetternacht sind rings um ihn, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Festigung. Ps 97, 1. 2.

In der Kirche ist bekannt, dass der Herr zwei Ämter auf sich vereinigte, das priesterliche und das königliche. In Bezug auf sein priesterliches Amt wurde der Herr «Jesus», in Bezug auf sein königliches Amt wurde er «Christus» genannt. Im Hinblick auf sein priesterliches Amt heißt er im Wort auch Jehovah und Herr, im Hinblick auf sein königliches Amt Gott oder auch König. Diese beiden Ämter unterscheiden sich voneinander wie die Liebe von der Weisheit oder wie das Gute vom Wahren. WCR 114 Mit Inseln (…der Völkerschaften; s. 1 Mos 10, 5.) sind diejenigen gemeint, die … untereinander in tätiger Liebe, aber in Unkunde lebten, indem sie nichts vom Herrn wussten und ebenso wenig von den Glaubenslehren der Kirche und vom inneren Gottesdienst. Sie hatten aber einen äußeren Dienst, den sie gewissenhaft beobachteten. Solche werden im Wort Inseln genannt. Daher wird durch die Inseln im inneren Sinn der weiter entfernte Gottesdienst bezeichnet. HG 1158 Der Herr wird also diejenigen beschützen, die sich nach seinen Wahrheiten richten. GE

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15. Januar Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt und wer mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Joh 14, 21.

Der Herr hatte es bei der Vereinigung seines menschlichen Wesens mit dem göttlichen auf seine Verbindung mit den Mensche abgesehen. Dies war sein Endzweck und seine Liebe bestand darin, dass ihm die Beseligung der Menschheit die innigste Freude bereitete. Diese hatte er bei seiner Vereinigung mit dem Vater beabsichtigt. Im Text wird beschrieben, was unter Vereinigung zu verstehen ist, nämlich seine Gebote kennen und sie halten, das heißt, den Vater lieben. HG 2034
16. Januar Fortsetzung

Ich sprach hierüber mehrmals mit den Engeln, die sich verwundert darüber äußerten, dass die Menschen der Kirche nicht wissen, was es heißt, den Herrn und den Nächsten lieben, nämlich das Gute und Wahre lieben und aus Neigung tun, wo sie doch wissen könnten, dass ein jeder seine Liebe durch das Wollen und Tun dessen bezeugt, was der andere will. Erst dadurch wird er ja auch seinerseits wiedergeliebt und mit dem anderen verbunden, nicht aber dadurch, dass er ihn liebt und seinen Willen dennoch nicht tut, was an sich soviel wie Nichtlieben ist. Auch könnten die Menschen wissen, dass das vom Herrn ausgehende Gute sein Ebenbild ist, weil er in ihm ist, und dass jene als seine Ebenbilder mit ihm verbunden werden, die das Gute und Wahre zum Inhalt ihres Lebens machen, indem sie es wollen und tun. HH 16

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17. Januar Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Reden Gottes; denn Gott gibt ihm den Geist nicht nach Maß. Joh 3, 34.

Wenn bekannt ist, was der Geist beim Menschen bedeutet, kann man wissen, was der Geist bedeutet, wenn er im Zusammenhang mit Jehovah oder dem Herrn erwähnt wird, dem alles zugeschrieben wird, was der Mensch besitzt: Gesicht, Augen, Ohren, Arme, Hände wie auch ein Herz und eine Seele. Es ist also der Geist, der im Wort der Geist Gottes genannt wird, der Geist Jehovahs, der Geist seiner Nüstern, der Geist seines Mundes, der Geist der Wahrheit, der Geist der Heiligkeit und der heilige Geist. Darunter ist das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre zu verstehen. OE 183
18. Januar Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Und keiner derselben fällt zur Erde ohne euern Vater. Es sind aber auch die Haare eures Hauptes alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht. Ihr seid mehr denn viele Sperlinge. Mat 10, 29 – 31

Das Haupt steht für den ganzen Menschen, somit für das Ganze. Es ist das Höchste und in ihm das Innerste des Menschen. Vom Höchsten geht aber alles aus, was unterhalb ist, so wie auch vom Innersten alles ausgeht was außerhalb ist, denn beides stammt davon ab. Es gibt zweierlei, was das Ganze bedeutet, nämlich das Oberste und das Unterste. Dass auch das Unterste oder Letzte dies bedeuten kann, kommt daher, dass alles Innere vom Ersten oder Höchsten aus in das Letzte ausläuft und hier bei19

sammen ist. Daher kommt es, dass das Höchste durch das Letzte alles Innere, was in der Mitte liegt, in seiner Verknüpfung und Form zusammenhält, so dass es auf ein gemeinsames Ziel hinstrebt. Weil auch das Letzte alles oder das Ganze bedeutet, wird auch das Haupthaar, das Haar, der Bart, die das Letzte sind, was beim Menschen hervor wächst, für das Ganze genommen. HG 10044
19. Januar Denket nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, bis dass Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Jota oder Häkchen vom Gesetz vergehen, bis dass alles geschehe. Mat 5, 17. 18.

Wenn der Herr mehrmals sagt, in ihm müsse alles erfüllt werden, was in der Schrift steht, so schließt dies alles in sich, was im inneren Sinn des Wortes enthalten ist, denn in diesem wird einzig vom Reich des Herrn gehandelt und im höchsten Sinn vom Herrn selbst. Dies und was der Herr an anderen Stellen von der Erfüllung des Gesetzes oder der Schrift sagt, schließt alles in sich, was über ihn im inneren Sinn vorausgesagt worden war. In diesem Sinn bezieht sich alles und jedes bis auf das kleinste Jota oder bis auf das geringste Häkchen auf den Herrn. Deshalb wird gesagt, kein Jota oder Häkchen solle vergehen im Gesetz, bis es alles geschehe. HG 7933
20. Januar Das Reich der Himmel ist gleich einem Menschen, einem Hausherrn, der mit dem Morgen ausging,

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um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Er wurde aber mit den Arbeitern eins über einen Denar den Tag und sandte sie aus in seinen Weinberg. Und um die dritte Stunde ging er aus und sah andere müßig im Markte stehen … Um die sechste und neunte Stunde ging er wieder aus und tat gleich also. Als er aber um die elfte Stunde ausging, fand er andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr so den ganzen Tag müßig? Sie sagen zu ihm: Es hat uns niemand gedungen. Sagt er zu ihnen: Geht auch ihr hin in den Weinberg und was gerecht ist, sollt ihr empfangen. Mat 20, 1 – 4

Unter diesen Stunden werden in der Welt Zeiten verstanden, im Himmel jedoch Lebenszustände, weil es im Himmel keine Stunden gibt, und zwar aus dem Grund, weil es dort keine messbaren Zeiten gibt, die in Tage und Stunden abgeteilt werden könnten wie in der Welt. Daher erkennen sie statt dieser Zeiten die Lebenszustände der Menschen, die als Greise, junge Männer, Jünglinge oder Knaben sterben und sich auf gleiche Weise geistiges Leben verschafft haben. Im Weinberg arbeiten heißt, sich dieses zu erwerben durch Erkenntnisse des Wahren und Guten aus dem Wort, die zu nützlichen Leistungen des Lebens angewandt werden. Durch die dritte, sechste und neunte Stunde wird ein jeweils gleicher Lebenszustand bezeichnet, denn alle Zahlen im Wort haben eine Bedeutung, jene also ebenfalls. Dass der Weinberg im Wort die geistige Kirche und im Menschen das geistige Leben bedeutet, sehe man anderswo. Die drei bedeutet einen vollen oder bis zum Ende erfüllten Zustand, ebenso sechs und neun. Elf jedoch bedeutet einen noch nicht vollen, aber immerhin aufnahmefähigen Zustand, wie er sich in gutartigen Knaben und Kindern findet. OE 194 21

21. Januar Antworte mir, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit! Aus der Bedrängnis bringst Du mich ins Weite. Sei mir gnädig und hör auf mein Beten. Ps 4, 2.

Dass «antworten» hier keine Antwort im gewöhnlichen Sinn bedeutet, ergibt sich daraus, dass um eine Antwort gebeten wird ohne eine Frage. Es geht also nicht um eine Antwort, sondern um das Einfließen ins Denken, um ein Sich Vernehmen Lassen und auch um Hilfe zu schaffen aus Barmherzigkeit. Daher kommt es, dass die Antworten, die sich auf den Herrn beziehen, Wahrnehmungen aus dem Einfluss bedeuten. Man soll aber wissen, dass alles, was vom Herrn in das innere Empfinden eindringt, Einfluss heißt. OE 471
22. Januar (Die Begegnung mit Zachäus: Luk 19, 1.ff) … Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geworden, sintemal auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist. Luk 19, 9. 10.

Der Herr wird überall da «des Menschen Sohn» genannt, wo es um die Erlösung, die Seligmachung, die Umbildung und Wiedergeburt geht, wie aus vielen Beispielen hervorgeht: Mat. 18, 11.; Luk. 9, 56.; Joh. 3, 17. Es ist von der Erlösung und Seligmachung die Rede, und weil diese vom Herrn durch das Wort vollbracht werden, nennt er sich hier des Menschen Sohn. Wenn es bei Mat 8, 20. heißt: Die Füchse haben Baue und die Vögel Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. 22

Dann ist damit gemeint, das Wort finde keinen Platz für sich bei den Juden. LvH 27
23. Januar Wenn jemand hundert Schafe hat und eines davon hat sich verirrt, wird er nicht die neunundneunzig auf den Bergen lassen und hingehen und das verirrte suchen? Mat 18, 12.

Durch die Schafe auf den Bergen werden Menschen (und Geister) bezeichnet, die sich dem Guten der Liebe verschrieben haben und tätige Liebe üben. Das verirrte Schaf ist eine Seele, die dies nicht tut, weil sie aus Unwissenheit falsch denkt. Wo Falsches ist, kann nichts Gutes sein, weil das Gute dem Wahren angehört. OE 405
24. Januar Und er sah, dass sie Not hatten im Rudern, weil der Wind ihnen entgegen war. Und er kam um die vierte Wache der Nacht zu ihnen und wandelte auf dem Meer und wollte an ihnen vorübergehen. Da sie ihn aber auf dem Meer wandeln sahen, meinten sie, er wäre ein Gespenst und schrieen auf. Denn alle sahen ihn und erbebten. Und er redete alsbald mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin’s fürchtet euch nicht. Und er stieg zu ihnen in das Schifflein und der Wind legte sich. Und sie waren außer sich und verwunderten sich ungemein.

Mar 6, 48 – 51 Das Meer ist das Letzte des Himmels und der Kirche, weil an den äußersten Grenzen des Himmels Meere sind. Das 23

Wandeln des Herrn auf dem Meer stellt die Gegenwart und den Einfluss des Herrn dar, aus dem diejenigen, die im Letzten des Himmels (und der Liebe) sind, Leben aus der göttlichen Kraft erhalten. Dass die Geschichte sich in der vierten Wache der Nacht abspielte, zeigt den ersten Zustand der Kirche, in dem Dämmerung herrscht und der Morgen graut, denn dann fängt das Gute an durch das Wahre zu wirken und das Kommen des Herrn findet statt. Dass das Meer unterdessen durch den Wind bewegt wurde und dass der Herr ihn stillte, bedeutet den natürlichen Zustand des Lebens, der vorausgeht, ein Zustand der gleichsam unfriedlich und stürmisch ist. Wenn aber der dem Morgen nächste Zustand eingetreten ist, nämlich der erste Zustand der Kirche im Menschen, dann tritt im Gemüt Ruhe ein, weil jetzt der Herr im Guten der Liebe gegenwärtig ist. OE 514
25. Januar Die Offenbarung von Jesus Christus, die Gott ihm gab, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll. Und er deutete es, durch seinen Engel, (den er) an seinen Knecht Johannes entsandte. Off 1, 1.

Dies sagt der Herr, weil unter dem Knecht und dem Diener derjenige verstanden wird, der durch das Leben dient (der Knecht) und bedient (der Diener). Von der Person abgesehen ist unter den beiden das göttliche Wahre, das er selbst war, zu verstehen. Da nun der Knecht denjenigen darstellt, der das göttliche Wahre lehrt, ist klar, dass an dieser Stelle der Offenbarung mit den Knechten diejenigen gemeint sind, die im Wahren aus dem Guten oder im Glauben aus der tätigen Liebe sind. Denn diese können vom Herrn aus lehren; das heißt, der Herr kann durch sie lehren und bedienen. EO 3 24

26. Januar Die Juden antworteten: Was für ein Zeichen lässest Du uns sehen, dass du solches tust Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten. Joh 2, 16. 18. 19.

Durch «ein Zeichen sehen lassen» soll hier heißen, durch irgendetwas Staunenswertes oder durch eine Stimme vom Himmel eine Art von Legitimation vorzuweisen; das ist klar. Weil aber ein solcher Beweis sie viel mehr verdammt als selig gemacht hätte, redete der Herr bei seiner Antwort vom Tempel, worunter er seinen Körper verstand. Dieser sollte abgebrochen, das heißt getötet werden und verherrlicht am dritten Tag wieder auferstehen. Dies ist es auch, was der Herr unter dem Zeichen des Propheten Jonas verstand, der drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seefisches verbracht hatte. (Luk. 11, 29. 30.) OE 706

27. Januar Spricht zu ihm (Philippus) Jesus: So lange Zeit bin ich bei euch und du erkennst mich nicht? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Joh 14, 9. 10. Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war daselbst. Aber auch Jesus und seine Jünger waren auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: sie haben keinen

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Wein. Spricht zu ihr Jesus: Weib, was ist mein und dein? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Joh 2, 1 – 4

Im Stand der Erniedrigung betete der Herr zu dem Vater als zu einem von ihm verschiedenen; im Stand der Verherrlichung aber redete er mit dem Vater wie mit sich selbst. In diesem Zustand sagte er, der Vater sei in ihm und er im Vater und der Vater und er seien eins. Im Stand der Erniedrigung aber unterzog er sich den Versuchungen und litt am Kreuz und bat, der Vater möge ihn nicht verlassen; denn das Göttliche konnte nicht versucht werden und noch viel weniger am Kreuz leiden. Daraus zeigt sich, dass er durch die Versuchungen und die beständigen Siege in diesen und durch das Leiden am Kreuz als der letzten der Versuchungen die Höllen völlig besiegt und seine Menschennatur vollkommen verherrlicht hat, wie oben gezeigt wurde. Dass der Herr die menschliche Natur von der Mutter entfernt und das menschliche Wesen aus dem Göttlichen in ihm angenommen hat, zeigt sich darin, dass er, sooft er mit seiner Mutter sprach, sie nicht Mutter, sondern Weib nannte. LvH 35
28. Januar Es ging ein Sämann aus zu säen, und als er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten und die Vögel des Himmels fraßen es auf; einiges aber fiel auf steinige Orte und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Wurzel hatte; einiges fiel mitten unter die Dornen und die Dornen gingen mit auf und erstickten es; und einiges fiel auf gutes Land und als es aufgegangen war, brachte es vielfältige Frucht. Luk 8, 5 – 8

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Der Sämann ist hier der Herr und der Same ist sein Wort, also die Wahrheit. Der Same auf dem Weg soll zeigen, dass es Leute gibt, die sich um die Wahrheiten überhaupt nicht kümmern. Derjenige auf den steinigen Orten trifft auf Menschen, die die Wahrheiten wohl wahrnehmen, aber nicht um der Wahrheiten selbst willen, das heißt, nicht von innen heraus. Der Same inmitten der Dornen ist zu Leuten gelangt, die sich den Verführungen des Bösen ergeben haben. Der auf gutes Land gesäte Same dagegen ist das Bild für die Wahrheiten, die von Menschen als Gaben des Herrn geliebt und befolgt werden, so dass sie Früchte bringen. LL 90
29. Januar Jesus sagte von dem Knaben, den er in die Mitte der Jünger stellte: Sehet zu, dass ihr keinen von diesen Kleinen verachtet. Ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln immer sehen das Angesicht meines Vaters, der in den Himmeln ist. Mat 18, 10

Es heißt hier «ihre Engel sehen», weil bei jedem Menschen Geister und Engel sind, und zwar solche Geister und Engel, wie sie zum Wesen des Menschen passen. Bei kleinen Kindern sind Engel aus dem innersten Himmel; diese sehen den Herrn als Sonne, denn sie sind in der Liebe zu ihm und in der Unschuld. Dies wird im naheliegenden Sinn darunter verstanden, dass ihre Engel das Angesicht ihres Vaters sehen. Unter dem Angesicht des Vaters ist die göttliche Liebe zu verstehen, die im Herrn war, also das göttliche Wesen selbst, das Jehovah ist; denn der Vater war in ihm und er im Vater und sie waren eins, wie er selbst lehrt. Aber dieselben Worte bedeuten im reinen geistigen Sinn, dass der Herr im Hinblick auf sein göttliches Gutes im Guten der Unschuld ist, denn dieses wird durch das 27

Kind im geistigen Sinn symbolisiert und durch das Angesicht des Vaters das göttliche Gute des Herrn. OE 412
30. Januar Den Weg deiner Befehle lass mich verstehen. Den Weg der Lüge entferne von mir und dein Gesetz verleihe mir gnädiglich. Den Weg der Wahrheit habe ich erwählt. Den Weg deiner Gebote will ich laufen. Ps 119, aus 26. 27. 29. 30. 32. 35.

Der Weg der Befehle und Gebote ist der Weg der Wahrheit, dem der Weg der Lüge entgegen gesetzt ist. HG 627 Der Weg ist auch die Lehre. Er wird im Wort im Zusammenhang mit Wahrheiten genannt, weil die Wahrheiten zum Guten führen und aus dem Guten hervorgehen. Der Weg ist also die Lehre, insofern als die Lehre in einem Inbegriff alles in sich schließt, was zum Guten, das heißt zur tätigen Liebe, führt. HG 2234
31. Januar Deshalb sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was sollen wir essen, was sollen wir trinken, womit sollen wir uns kleiden? Nach solch allem trachten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dessen bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; dann wird euch dies alles hinzugetan. Mat 6, 31 – 33

Die Himmlischen wirken als ein Ganzes zusammen, freilich nicht aus sich, sondern unter dem Einfluss des Herrn; denn auf ihn blicken sie als ihren einzigen Urgrund und auf sein Reich als das Ganze. Seine Gerechtigkeit suchen heißt, 28

sein Gutes suchen. Wer in der Welt das Beste des Vaterlandes mehr als sein Eigenes und das Beste des Nächsten wie sein Eigenes liebt, der sucht und liebt im anderen Leben das Reich des Herrn; denn dort nimmt dies die Stelle des Vaterlandes ein. Die anderen aber, die gern den Mitmenschen um des Guten willen Gutes tun, die lieben den Nächsten. Denn dort ist das Gute der Nächste. HH 64
1. Februar Der gute Baum bringt nicht böse Frucht und der böse Baum bringt nicht gute Frucht. Jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt, denn nicht von den Dornen sammelt man Feigen und nicht vom Brombeerstrauch liest man Trauben. Luk 6, 43. 44.

Wenn der Mensch die Lehre seiner Kirche nach allen Teilen ganz genau kennt, wenn er sie durch das Wort und durch Logik bekräftigen kann, wenn er die Lehren aller Kirchen von Anfang an und zugleich die Aussprüche aller Kirchenversammlungen beherrscht, ja wenn er die Wahrheit kennt und sie auch in der Anschauung hat und versteht …, so ist er doch nicht weise, wenn er das Böse nicht als Sünde flieht. … Gleichwohl sind die Erkenntnisse höchst nötig, weil sie lehren, wie der Mensch handeln soll. Dies alles lehrt das Wort an vielen Stellen. Es lehrt aber auch, dass niemand zugleich im Guten und im Bösen, oder dass niemand im Hinblick auf seine Seele zugleich im Himmel und in der Hölle sein kann. LL 27. 28.
2. Februar Das Volk sprach: Wir haben gehört aus dem Gesetz, dass Christus in Ewigkeit bleibet, wie sagst

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denn du, es muss der Menschensohn erhöht werden, wer ist dieser Menschensohn? Es antwortete ihnen Jesus: Nur kurze Zeit ist das Licht bei euch, wandelt so lange ihr das Licht habt, damit nicht die Finsternis euch ergreife, denn wer in Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht; solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes seid. Joh 12, 34 – 36

Hieraus ergibt sich, dass durch «Menschensohn» dasselbe dargestellt wird wie durch Licht, mit dem das vom göttlichen Menschentum des Herrn ausgehende Wahre gemeint ist; denn als sie fragten, wer dieser Menschensohn sei, antwortete der Herr, er sei selbst das Licht und damit das Wahre, an das sie glauben sollten. HG 2813, 9807; OE 63
3. Februar Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und in drei Maß Mehl barg, bis dass es ganz durchsäuert war. Mat 13, 33.

Was das Gesäuerte und Ungesäuerte anbelangt, muss man wissen, dass die Reinigung des Wahren vom Falschen im Menschen durchaus nicht ohne eine sogenannte Gärung stattfinden kann, das heißt ohne Kampf das Falschen mit dem Wahren und des Wahren mit dem Falschen. Aber nachdem der Kampf stattgefunden und das Wahre gesiegt hat, fällt das Falsche wie Hefe zu Boden und das Wahre geht gereinigt hervor. So auch der Wein, der sich nach der Gärung klärt, während die Hefe zu Boden sinkt. HG 7906

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4. Februar Wenn meine Feinde hinter sich zurück weichen, straucheln sie und gehen zu Grunde vor dir, denn du tust mir Gericht und Recht; du sitzest auf dem Thron, ein gerechter Richter. Ps 9, 4. 5.

Der Thron stellt den Himmel, aber auch das Gericht dar, denn die Könige saßen auf Thronen, wenn sie Gericht hielten. Hier handelt es sich um das Jüngste Gericht. EO 229 Weil alles Gericht den Wahrheiten gemäß vor sich geht, das Gericht in den Himmeln also gemäß dem göttlichen Wahren, darum ist vom Thron die Rede, wenn der Herr im Zusammenhang mit dem Gericht erwähnt wird. OE 253
5. Februar Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause. Mat 13, 57. Es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme. Luk 13, 33.

Der Herr wollte bis zum Leiden am Kreuz versucht werden, weil er der Prophet an sich war. Propheten aber symbolisierten ehemals die Lehre der Kirche aus dem göttlichen Wort, und daher bildeten sie den Zustand der Kirche auf verschiedene Arten ab, je selbst durch ungerechte, harte und frevelhafte Dinge, die ihnen von Gott auferlegt worden waren. Da nun der Herr das Wort an sich war, stellte er, der auch der Prophet an sich war, durch sein Kreuzesleiden die Entweihung des Wortes durch die jüdische Kirche dar. Dazu kommt noch, dass er auf diese Weise in den Himmeln als Heiland beider Welten anerkannt werden sollte; denn alle Einzelheiten seines Leidens stel31

len Dinge dar, die zur Entweihung des göttlichen Wortes gehören und die von den Engeln geistig, von den Menschen der Kirche aber natürlich verstanden werden. WCR 129
6. Februar Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam, habt ihr keinen Glauben? Mar 4, 40.

Die Furcht Gottes ist der Gottesdienst, entweder aus Furcht oder aus dem Guten des Glaubens oder aus dem Guten der Liebe. Je mehr Furcht im Gottesdienst, desto weniger Glaube und desto noch weniger Liebe ist darin; und umgekehrt, je mehr Glaube im Gottesdienst ist, und noch weiter, je mehr Liebe, um so weniger ist Furcht darin. Es ist zwar in jedem Gottesdienst Furcht, aber unter einer anderen Gestalt und in einer anderen Weise; es ist eine heilige Furcht. Diese heilige Furcht gilt jedoch weniger der Hölle oder Verdammnis als der Gefahr, dass man etwas tun oder denken könnte, was wider den Herrn oder den Nächsten gerichtet wäre, also gegen das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens. Damit bildet sie eine ernste Scheu und die Grenze des Heiligen des Glaubens und der Liebe. HG 2826

7. Februar Wenn ihr aber fastet, sehet nicht düster drein wie die Heuchler. Wenn du aber fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht vor den Menschen scheinest mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater im Verborgenen. Mat 6, 16 – 18

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Fasten bedeutet trauern, weil man beim Trauern fastete und weil man dann von Bezeugungen von Fröhlichkeit abließ. Deshalb pflegte man sich dann auch nicht mit Öl zu salben wie es bei Daniel heißt: Ich, Daniel, trauerte drei Wochen. Köstliches Brot habe ich nicht gegessen und Fleisch und Wein kam nicht in meinen Mund; ich wurde nicht gesalbt, bis dass erfüllt wurden die Tage dreier Wochen. (10, 3.) Hieraus wird klar, dass es gebräuchlich war, sich selbst und andere mit Öl zu salben, nicht mit dem Öl der Heiligkeit, womit die Priester, die Könige, der Altar und die Hütte gesalbt wurden, sondern mit gewöhnlichem Öl, weil dieses Öl das Fröhliche und Vergnügte darstellt, das der Liebe zum Guten angehört. HG 9954
8. Februar Jesus sprach: Wenn zwei unter euch eins geworden sind auf Erden in meinem Namen über irgend eine Sache, um die sie bitten wollen, so wird sie ihnen zu Teil werden von meinem Vater im Himmel; denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Mat 18, 19. 20.

Glauben an den Herrn heißt nicht, ihn nur anbeten und verehren, sondern auch durch ihn leben. Man lebt durch ihn, wenn man nach dem Wort lebt, das von ihm stammt. An ihn glauben heißt daher auch glauben, dass er den Menschen wiedergebäre und den Wiedergeborenen das ewige Leben schenke. Dasselbe wird auch verstanden unter «an seinen Namen glauben», denn der Name des Herrn stellt die ganze Beschaffenheit des Glaubens und der Liebe dar. Dies erfolgt weil den Personen in der geistigen Welt nur Namen gegeben 33

werden, die der Beschaffenheit ihrer Neigung und ihres Lebens entsprechen. Deshalb wird dort jeder schon an seinem Namen erkannt, wie er beschaffen ist; daher stellt er sich, wenn sein Name ausgesprochen wird und man die Beschaffenheit liebt, die unter ihm verstanden wird, als gegenwärtig dar und es findet dann eine Verbindung statt wie zwischen Genossen und Brüdern. Die Beschaffenheit des Herrn umfasst aber das Ganze des Glaubens und der Liebe, wodurch der Mensch von ihm selig gemacht wird; diese Beschaffenheit ist das von ihm ausgehende Wesen. Wenn daher der Mensch über diese Beschaffenheit nachdenkt, stellt sich der Herr in ihm als gegenwärtig dar, und wenn sie geliebt wird, verbindet sich der Herr mit ihm. Daher kommt es, dass die, die an seinen Namen glauben, das ewige Leben haben. OE 815
9. Februar So habe ich euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben; denn so ihr nicht glaubt, dass ich bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. Joh 8, 24.

Dass niemand an den Herrn glauben kann, wenn er nicht im Guten ist, d.h. dass keiner den Glauben haben kann, wenn er nicht in der tätigen Liebe ist, steht auch in 1, 12. 13. Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er Macht Kinder Gottes zu sein, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Dass aber diejenigen, die im Bösen sind, d.h. im Leben des Bösen, gar nicht glauben können, dass alles Heil vom Herrn kommt, konnte ich an denen sehen, die aus der Christenheit ins andere Leben kamen, an denen, die im Leibesleben nach der Glaubenslehre mit dem Mund bekannt und sogar gelehrt 34

hatten, ohne den Herrn sei kein Heil möglich, während sie jedoch ein Leben des Bösen führten. Diese erfüllten, wenn der Herr auch nur genannt wurde, die Sphäre sogleich mit lauter Ärgernissen, denn auch was sie im anderen Leben bloß denken, wird wahrgenommen und verbreitet von sich aus eine Sphäre, in der sich offenbart, was für einen Glauben sie haben. HG 2343
10. Februar Wie lieblich sind deine Wohnungen o Jehovah der Heerscharen. Meine Seele lechzet und verzehret sich nach Jehovahs Vorhöfen: Mein Herz und Fleisch jubeln dem lebendigen Gott zu. Ps 84, 2. 3.

Der Himmel heißt aber darum die Wohnung Gottes, weil das Göttliche des Herrn darin wohnt; denn das göttliche Wahre, das aus dem göttlichen Guten des Herrn hervorgeht, ist es, das den Himmel macht, weil es dem Engel, der darin ist, sein Leben gibt. Weil der Herr in dem wohnt, was aus ihm bei den Engeln ist, heißt der Himmel die Wohnung Gottes, und die göttlichen Wahrheiten aus dem göttlichen Guten, deren Aufnahmegefäße die Engel oder Engelgesellschaften sind, werden auch Wohnungen genannt. Es ist also die göttliche Kraft, die aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn hervorgeht, die eigentlich Wohnung genannt wird. HG 9594
11. Februar Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste hinaufgeführt, auf dass er vom Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Mat 4, 1. 2.

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Durch die Zahl 40 wird im Wort die völlige Verwüstung und Vollendung dargestellt. Diese findet statt, wenn alles Gute der Kirche verwüstet und das Böse vollendet ist. Durch die Zahl wird auch die völlige Versuchung beschrieben (ebenso bei 2 Mos 34, 28.): Und er (Mose) war dort mit Jehovah vierzig Tage und vierzig Nächte; er aß kein Brot und trank kein Wasser und er schrieb die Worte des Bundes, die zehn Worte, auf die Tafeln. Dahin gehören auch die 40 Jahre Wanderung in der Wüste und viele andere Beispiele. Und ebenso gilt sie für die Wiederherstellung oder Reformation der Kirche, symbolisiert z.B. durch den Einzug in das Land Kanaan. OE 633
12. Februar Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias und sie unterredeten sich mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Hier ist gut sein. Mat 17, 3.

Weil Moses den Herrn im Hinblick auf das historische Wort und Elias den Herrn im Hinblick auf das prophetische Wort darstellten, erschienen, als der Herr verklärt wurde «Moses und Elias mit ihm redend». Als in der Welt sein göttliches Wesen erschien, konnten keine anderen mit dem Herrn reden als diejenigen, die das Wort symbolisierten, denn das Reden mit dem Herrn geschieht durch das Wort. HG 6752
13. Februar Und am folgenden Tag, da sie von Bethanien ausgegangen waren, hungerte ihn. Und er sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte. Er ging hin, ob er wohl etwas auf ihm fände. Und da

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er dahin kam, fand er nichts als Blätter, denn es war noch nicht die Zeit für Feigen. Und Jesus hob an und sprach zu ihm: nie mehr esse von dir jemand Frucht in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten es. Und da sie am Morgen vorüberkamen, sahen sie den Feigenbaum von der Wurzel auf verdorrt. Mar 11, 12 – 14. 20.

Wer nicht weiß, dass alles im Wort einen geistigen Sinn enthält, kann glauben, der Herr habe dies dem Feigenbaum aus Unwillen getan, weil er hungerte. Aber durch den Feigenbaum wird hier kein Baum verstanden, sondern die Kirche im Hinblick auf das natürlich Gute, insbesondere die jüdische Kirche. Dass in dieser nichts natürlich Gutes, weil nichts Geistiges war, sondern nur einige Wahrheiten aus dem Buchstabensinn des Wortes, wird beschrieben durch «als Jesus einen Feigenbaum von Ferne sah, … der nichts als Blätter hatte». Durch Blätter werden die Wahrheiten aus dem Buchstabensinn des Wortes dargestellt. Dass bei jenem Volk gar nichts natürlich Gutes, das der Kirche angehört, zu finden ist, weil sie in grobem Falschem und in bösen Liebestrieben leben, wird bezeichnet durch «Jesus sagte: von dir wird nimmermehr jemand eine Frucht essen» und dadurch, dass der Baum von den Wurzeln an verdorrte. Auch wird gesagt: «Es war nicht die Zeit der Feigen», worunter verstanden wird, die Neue Kirche habe noch nicht begonnen. OE 386
14. Februar Jesus aber rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass die, so als Oberste gelten, über die Völkerschaften herrschen und ihre Großen Gewalt über sie üben. Also aber sei es nicht bei euch. Sondern wer groß unter euch sein will, der soll euer

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Diener sein und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein Mar 10, 42 – 44

Wenn vom Herrn «Knecht» gesagt wird, bezieht sich das auf sein Göttlich-Menschliches. Nicht dass dieses ein Knecht wäre, denn es ist ja auch Jehovah. Aber der Herr dient durch sein Göttlich-Menschliches der Menschheit, denn durch dieses wird der Mensch selig gemacht. Wenn nämlich der Herr nicht das göttliche Wesen mit dem menschlichen vereinigt hätte, damit der Mensch den Herrn in seinem Gemüt als Menschen anschauen und anbeten und sich so dem Göttlichen nähern konnte, hätte der Mensch nicht selig werden können. Die Verbindung des Menschen mit dem göttlichen Selbst, das Vater genannt wird, geschieht durch das Göttlich-Menschliche, das Sohn heißt. Hieraus wird klar, weshalb es Knecht genannt wird: Es dient dem göttlichen Wesen, damit der Mensch einen Zugang zu diesem finden kann. HG 3441
15. Februar Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot von allen ist: Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Herr. Und du sollst lieben den Herrn deinen Gott von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele und von deiner ganzen Gesinnung mit deiner ganzen Stärke. Dies ist das erste Gebot. Mar 12, 29. 30.

Dass «Herr» gesagt wird, wo vom Guten gehandelt wird, geht aus dem Wort des Alten Testamentes hervor. Dort wird Jehovah Gott bald Jehovah genannt, bald Gott oder der Herr, bald Jehovah Gott, der Herr Jehovih oder Jehovah Zebaoth, und zwar aus einer geheimen Ursache, die man nicht erkennen kann ohne den inneren Sinn. Im Allgemeinen wird, wenn von 38

den himmlischen Dingen, der Liebe oder vom Guten die Rede ist, Jehovah gesagt; wenn aber von geistigen Dingen des Glaubens oder vom Wahren gehandelt wird, heißt es Gott, und wenn es um beides geht, Jehovah Gott. Handelt es sich aber um die göttliche Macht des Guten oder die Allmacht, dann steht da Jehovah Zebaoth oder Jehovah der Heerscharen oder auch der Herr. Jehovah Zebaoth und Herr haben also gleichen Sinn und Bedeutung. Dass im Neuen Testament nur der Herr genannt wird, hat folgende Gründe: Wenn zu damaliger Zeit gesagt worden wäre, Jesus sei Jehovah, der so oft im Alten Testament erwähnt ist, hätten sie es nicht geglaubt und angenommen. Der Herr war im Hinblick auf seine Menschennatur nicht Jehovah geworden, bevor er das göttliche Wesen mit dem menschlichen und umgekehrt ganz und gar vereinigt hatte, was nach der letzten Versuchung am Kreuz erfolgte. Deshalb nannten ihn die Jünger nach der Auferstehung immer Herr. Der Herr war (innerlich) Jehovah. Daher sagte er zu den Jüngern: Ihr nennet mich Meister und Herr, und ihr sagt es richtig, denn ich bin es. HG 2922
16. Februar Spricht Jesus zu ihnen: Habt ihr nicht in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein (auch Grundstein) geworden? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Völkerschaft gegeben werden, die seine Früchte bringt. Mat 21, 42. 43.

Der Stein ist der Herr, die Bauleute sind die Angehörigen der Kirche. An dieser und ähnlichen Stellen ist die Rede vom Herrn, dass die Heiden zu ihm kommen werden. Und sie kom39

men zu ihm, wenn sie ihn als ihren Gott anerkennen; und, was wunderbar ist, die Heiden beten den einigen Gott unter menschlicher Gestalt an. Wenn sie daher vom Herrn hören, nehmen und erkennen sie ihn an. Eine neue Kirche kann auch wirklich bei keinen anderen errichtet werden. HG 9257
17. Februar Und der fünfte Engel blies und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war, und es wurde ihm der Schlüssel zum Brunnen des Abgrunds gegeben. Und er öffnete den Brunnen des Abgrunds und es stieg ein Rauch aus dem Brunnen empor wie der Rauch eines großen Ofens und die Sonne und die Luft wurden vom Rauch des Brunnens verfinstert. Off 9, 1. 2.

Dieser Schlüssel bedeutet die Gemeinschaft und Verbindung mit den Höllen. Er steht für Öffnung, was auf einer Erscheinung in der geistigen Welt beruht. Dort sind Häuser und Gemächer und Türen, durch die man eingeht, und es gibt Schlösser und Schlüssel, mit denen diese geöffnet werden. Dies alles bedeutet Dinge, die zum Menschen gehören. Das Haus entspricht dem Inneren, das seiner Gesinnung und seinem Gemüt angehört, die Gemächer ebenfalls. Die Türen entsprechen den Gemeinschaftsverhältnissen, die zwischen dem Inneren des Gemüts und der Gesinnung stattfinden, und der Schlüssel entspricht der Zulassung und der Öffnung (und dem Durchgang) vom einen Teil zum anderen. Kurz: das Einzelne eines Hauses, worin Engel und Geister wohnen, entspricht dem Einzelnen, das in ihnen ist. OE 536

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18. Februar

Fortsetzung Dass «den Brunnen des Abgrunds öffnen» die Gemeinschaft und Verbindung mit den Höllen bedeutet, kommt daher, dass die Höllen nur geöffnet werden, wenn böse Geister hineingehen, was geschieht, wenn ihre Zeit in der Geisterwelt abgelaufen ist. Es darf kein böser Geist aus der Hölle herausgehen, nachdem er einmal dorthin geworfen worden ist. Geht er aber dennoch heraus, sinkt er alsbald dorthin zurück. Hingegen ist jeder Mensch mit Geistern verbunden, die in der Geisterwelt sind und zwar von gleicher Art wie er selbst. Daher wird der Mensch, der das Wort verfälscht, indem er es zu Bösem des Lebens verwendet und zu Falschem, das dieses begründet, mit gleichen Geistern verbunden und durch diese mit den Höllen, die in gleichem Falschen sind. Jeder Mensch wird nach dem Tod ein Geist und wird sogleich mit entweder höllischen oder himmlischen Gesellschaften verknüpft gemäß dem Leben, das er in der Welt geführt hat. Und alle Geister sind, ehe sie in die Hölle hinab geworfen oder in den Himmel erhoben werden, zuerst in der Geisterwelt und dann bei den Menschen, die in der Welt leben, böse Geister bei bösen und gute bei guten. OE 537
19. Februar Und ich sah und siehe das Lamm stand auf dem Berg Sion und mit ihm hundert und vierundvierzig Tausend, die den Namen seines Vaters auf ihren Stirnen geschrieben trugen. Off 14, 1

Dies bedeutet die Gegenwart des Herrn im Himmel und in der Kirche, um die Guten von den Bösen zu trennen und um das Gericht zu halten. Das Lamm ist der Herr im Hinblick auf 41

sein Göttlich-Menschliches; dass es oben steht, will sagen gegenwärtig sein und verbunden werden. Der Berg ist der Himmel und die Kirche, wo der Herr durch sein göttliches Wahres regiert. – Der Herr ist beständig gegenwärtig im ganzen Himmel und in der ganzen Kirche, denn der Himmel besteht nicht als Himmel durch das Eigene der Engel und die Kirche nicht durch das Eigene der Menschen in ihr, sondern durch das Göttliche des Herrn in ihnen. Denn das Eigene der Engel kann den Himmel nicht machen, ebenso wenig wie das Eigene der Menschen die Kirche, weil das Eigene der Engel wie auch dasjenige der Menschen nicht gut ist. Daher mach das vom Herrn ausgehende Göttliche das von ihnen aufgenommen wird, den Himmel und die Kirche bei jedem im Besonderen und dadurch bei allen im Allgemeinen, in denen der Himmel und die Kirche ist. Die Gegenwart des Herrn ist also ständig bei allen, die im Himmel und in der Kirche sind. OE 850
20. Februar

Fortsetzung Diese Gegenwart ist eine friedliche, ruhige, erhaltende und stützende, durch die alles im Himmel und auf der Erde in seiner Ordnung und in seinem Zusammenhang beständig erhalten oder auch hineingebracht wird und ebenso in den Höllen. Aber die Gegenwart, die hier unter dem Stehen auf dem Berg Sion verstanden wird, ist eine tätige und außerordentliche Gegenwart zu dem Zweck, seine göttliche Kraft durch die Himmel in die unteren Regionen einfließen zu lassen und dort die Guten von den Bösen zu scheiden und diese aus den Orten zu vertreiben, wo sich scheinbare Himmel gebildet haben. Diese Gegenwart und Verbindung des Herrn mit den Himmeln und den dadurch bewirkten 42

Einfluss wird durch «stehen» ausgedrückt wie auch an anderen Stellen. OE 850
21. Februar Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Joh 1, 14.

Fleisch werden bedeutet das Wort werden im Untersten. Wie er als das Wort im Untersten beschaffen war, zeigte er den Jüngern, als er verklärt wurde. Der Herr als das Wort im Untersten wird auch in der Offenbarung beschrieben, wo alle Teile der Beschreibung von ihm das Unterste des göttlichen Wahren oder des Wortes bedeuten:
Und inmitten der sieben Leuchter einer, der dem Menschensohn ähnlich war, mit einem Talar angetan und um die Brust mit einem goldenen Gürtel umgürtet. Sein Haupt aber und die Haare weiß wie weiße Wolle, wie Schnee und seine Augen wie eine Feuerflamme. Und seine Füße ähnlich dem Glüherz, wie im Ofen geglüht und seine Stimme wie die Stimme vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne und aus seinem Mund ging aus ein scharfes zweischneidiges Schwert und sein Angesicht wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft. Off 1, 13 – 16

Der Herr war zwar früher das Wort, aber im Ersten, denn es heißt:
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott. Joh 1, 1. 2.

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Als aber das Wort Fleisch wurde, wurde der Herr auch das Wort im Letzten. Dadurch wurde der Zustand der Kirche völlig verändert. Alle Kirchen, die vor seiner Ankunft bestanden, waren bildlich vorstellende Kirchen, die das göttliche Wahre nur im Schatten sehen konnten. Nach seiner Ankunft in die Welt aber wurde seine Kirche von ihm gegründet, die das göttliche Wahre im Licht sah, ein Unterschied wie der zwischen Abend und Morgen. Der Zustand der Kirche vor seiner Ankunft wurde auch der Abend genannt und der Zustand der Kirche nach seiner Ankunft heißt der Morgen. Der Herr war zwar vor seiner Ankunft bei den Menschen in der Kirche gegenwärtig, aber mittelbar durch den Himmel, hingegen nach seiner Ankunft ist er bei den Menschen in der Kirche unmittelbar gegenwärtig, denn in der Welt nahm er das göttliche Natürliche an. LvHS 98, 99
22. Februar

Fortsetzung Dass der Herr das Wort ist, wird von wenigen verstanden. Sie denken, der Herr könne durch das Wort den Menschen zwar erleuchten und belehren, er könne aber deshalb noch lange nicht das Wort genannt werden. Sie sollen aber wissen, dass jeder Mensch seine Liebe und folglich sein Gutes und Wahres ist. Nur dadurch ist der Mensch Mensch und nichts anderes in ihm ist Mensch. Weil der Mensch sein Gutes und Wahres ist, sind auch die Engel und Geister Menschen; denn alles Gute und Wahre, das vom Herrn ausgeht, ist seiner Form nach Mensch. Der Herr aber ist das göttliche Gute und das göttliche Wahre an sich, somit ist er der Mensch an sich, von dem aus jeder Mensch erst Mensch ist. LvHS 100

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23. Februar Und Jesus antwortete und sprach zu den Jüngern: Habt Glauben an Gott. Wahrlich, ich sage euch, wer da sagt zu dem Berg: hebe dich und wirf dich ins Meer und nicht zweifelt in seinem Herzen, sondern glaubt, dass geschehen werde, was er sagt, dem wird werden, was er gesagt hat.

Mar 11, 22. 23. Wer die Geheimnisse des Himmels und den geistigen Sinn des Worts nicht weiß, kann meinen, der Herr habe dies nicht vom seligmachenden Glauben geredet, sondern von einem anderen Glauben, den man den historischen und Wunderglauben nennt. Aber der Herr hat es ausgesagt vom seligmachenden Glauben, der mit der tätigen Liebe verbunden ist und ganz vom Herrn stammt. Deshalb nennt der Herr ihn den Glauben an Gott; und weil der Herr durch ihn, der ja von ihm stammt, alles Böse entfernt, was aus den Trieben der Selbst- und Weltliebe entspringt und es in die Hölle verbannt, woher es auch stammt, deshalb sagt er die obigen Worte. Durch den Berg wird das Böse jener Triebe bezeichnet, durch das Meer die Hölle. Daher bedeutet «sagen zu diesem Berg: hebe dich» die Triebe würden entfernt und «wirf dich ins Meer», sie würden in die Hölle hinab geworfen. In dieser Bedeutung des Berges und des Meeres liegt der Grund dafür, dass dies bei den Alten eine allgemeine Redensart wurde, wenn von der Macht des Glaubens die Rede war, wobei es also nicht darum geht, dass Berge durch ihn ins Meer geworfen werden könnten, sondern das Böse, das aus der Hölle stammt, kann in diese zurückgeworfen werden. OE 405

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24. Februar Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet, denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden. Mat 7, 1. 2. Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein gerechtes Gericht. Joh 7, 24.

Das Wort besteht im buchstäblichen Sinn aus lauter Entsprechungen, damit in ihm das Geistige und Himmlische zugleich enthalten und jedes einzelne Wort eine Hülle und Stütze dieser Wahrheiten sein kann. Daher gibt es im buchstäblichen Sinn an einigen Stellen nicht nackte, sondern bekleidete Wahrheiten, die man die äußeren Erscheinungen des Wahren nennt. Es gibt Verschiedenes, was der Fassungskraft der Einfältigen unbequem ist, weil sie ihre Gedanken nicht über das, was sie vor Augen haben, erheben können. Einiges kann so als Widerspruch erscheinen, während es doch im Wort, in seinem Licht betrachtet, keinerlei Widersprüche gibt. Ohne Lehre kann man über das erste Zitat aussagen, man dürfe vom Bösen nicht sagen, es sei böse; man dürfe also nicht urteilen, der Böse sei böse. Nach der Lehre ist es jedoch erlaubt zu urteilen, jedoch gerecht. LvHS 51
25. Februar Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, die Seelen der Menschen zu verderben sondern zu erhalten. Luk 9, 56

Unter Seele wird im Wort alles Lebendige verstanden, und sie wird auch den Tieren beigemessen, aber im eigentlichen Sinn wird dieses Wort von der Seele des Menschen gebraucht und wird Seele genannt, weil sie sein Leben im Allgemeinen 46

darstellt, im Besonderen aber das Leben des Verstandes oder den Verstand selbst und auch das Leben des Willens oder den Willen selbst. Im geistigen Sinn jedoch ist unter Seele das Leben des Wahren zu verstehen, das dem Glauben angehört, und dasjenige des Guten, das zur tätigen Liebe gehört. Im Allgemeinen ist sie daher der Mensch selbst im Hinblick auf seinen Geist, der nach dem Tod weiterlebt. Die Seele töten, Schaden an der Seele leiden, die Seele verderben bedeutet, geistig sterben oder verdammt werden. HG 7021
26. Februar Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringet; bleibt in meiner Liebe. Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Joh 15, 8. 10. 14.

In der Welt glaubt man, diejenigen, die die göttlichen Wahrheiten kennen und darüber reden, besäßen Weisheit und ererbten den Himmel, auch wenn sie nicht diesen Wahrheiten gemäß leben. Ich kann aber versichern, dass sie keineswegs Weisheit besitzen. Sobald sie nämlich in ihrem Geist sind und für sich allein denken, sind sie ganz unverständig, faseln Blödsinn und stellen sich gegen die Wahrheiten, über die sie gesprochen haben. Ich habe dort viele mit solcher Weisheit reden hören, dass ich glaubte, sie gehörten zu den Engeln des inneren Himmels; dennoch aber wurden sie Teufel, denn sie hatten aus bloßer Gier nach Ruhm ihr Gedächtnis mit solchen Kenntnissen gefüllt, lebten aber nicht demgemäß. Anders ist es bei denen, die den göttlichen Wahrheiten folgen; sie denken und reden wirklich weise. Gott verherrlichen bedeutet dem göttlichen Wahren gemäß leben und Frucht bringen. Und die Herrlichkeit des Herrn 47

erleuchtet Menschen und Engel und macht sie durch Weisheit und Seligkeit glücklich. OE 874
27. Februar Der Bruder aber wird den Bruder und der Vater das Kind dem Tod überantworten und Kinder werden wider die Eltern aufstehen und sie zu Tode bringen. Mar 13, 12

Töten heißt zerstören, was sich auch auf den Glauben beziehen kann. Der Glaube gehört der Kirche an und ist mit ihr vereinigt. Wer in jemandem den Glauben zerstört, tut das gleichzeitig mit der Kirche in dem Betroffenen. Das heißt auch, ihn töten, denn wer den Glauben wegnimmt, nimmt auch das geistige Leben. Was übrig bleibt, kann Tod genannt werden. Bruder, Kinder und Eltern sind im inneren Sinn Gutes und Wahres der Kirche, um deren letzte Zeiten es hier geht. Töten heißt also, ihr Gutes und Wahres zerstören. HG 6767
28. Februar Jeder der euch tränkt mit einem Becher Wasser in meinem Namen, darum dass ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch, er wird nicht verlieren seinen Lohn. Mar 9, 41

Im Wort wird häufig der Becher genannt oder das Trinkgeschirr oder der Kelch. Durch diese wird im geistigen Sinn das geistig Wahre dargestellt, das heißt das Wahre des Glaubens, das aus dem Guten der tätigen Liebe stammt. Es ist also dieselbe Bedeutung wie beim Wein und natürlich gibt es auch die gegenteilige Bedeutung, nämlich das Falsche aus dem das Böse erwächst und natürlich auch das Falsche, das aus dem 48

Bösen stammt. Dass der Becher dasselbe bedeutet wie Wein oder Wasser, kommt daher, dass der Becher das Enthaltende, das Getränk das Enthaltene ist, weshalb sie zusammen eins bilden. «Tränken mit einem Becher Wasser in meinem Namen» bedeutet belehren in den Wahrheiten des Glaubens, allerdings auf Grund schwacher tätiger Liebe. HG 5120
1. März Ich gehe hin, euch einen Ort zu bereiten; und wenn ich hingegangen bin und euch einen Ort bereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid. Joh 14, 2. 3.

Den Himmel bereiten heißt nämlich, diejenigen vorbereiten, die in den Himmel eingeführt werden sollen, denn gemäß der Vorbereitung, das heißt gemäß der Aufnahme des Guten wird der Himmel geschenkt, weil der Himmel im Menschen ist und dieser eine Stätte im Himmel hat gemäß dem Zustand des Lebens und Glaubens, in dem er ist. Deshalb erscheint auch der Ort im anderen Leben dem Zustand des Lebens gemäß und ist an sich selber ein Zustand. HG 9305
2. März Es wird ebenso geschehen, wie geschehen ist in den Tagen Lots; an dem Tag, an dem er von Sodom ausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und verderbte alle. Ebenso wird es geschehen an dem Tag, an dem der Sohn des Menschen offenbart werden wird. Luk 17, 28 - 33

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Schwefel stellt die Lust dar, Gutes und Wahres der Kirche durch Falsches zu zerstören, und Feuer symbolisiert die Selbstliebe und alles Böse, das zerstört. Es geht also um diejenigen, die sich aus Selbstliebe im Bösen durch Falsches gegen das Wahre und Gute des Himmels und der Kirche bestärken und bei sich alles Wahre der Lehre aus dem Wort und das Gute der geistigen und himmlischen Liebe ganz ausrotten. Wenn diejenigen, die in Bösem aus dieser Liebe sind, zu Grunde gehen würden, wie es am Tag des Gerichts geschehen ist, erschiene es als ob es Schwefel und Feuer vom Himmel regnete; das habe ich gesehen. EO 653
3. März Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinet- und um des Evangeliums willen verliert, wird es erhalten. Mar 8, 34. 35.

Das Leben ist das Eigene, das Kreuz die Versuchungen, also der Kampf gegen das Böse. Diesen Kampf führt der Herr allein im Menschen; es kommt dem Menschen nur so vor als kämpfte er aus sich. Der Herr will das jedoch, weil es ohne diesen Schein keinen Kampf und keine Umbildung gäbe. Der Kampf ist nicht schwer, außer bei denen, die ihren Lüsten die Zügel schießen lassen und ihnen aus Vorsatz nachgeben, und bei denen, die das Heilige des Wortes und der Kirche von sich stoßen. Für alle Übrigen ist er nicht schwer. Sie sollen nur einmal in der Woche oder zweimal im Monat dem Bösen mit Anstrengung widerstehen und sie werden schon eine Veränderung spüren. LL 96 – 99

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4. März Es ist nicht der Wille des Vaters, dass eines von den Kleinen verloren gehe. Mat 18, 14.

Der Wille des Menschen ist seine Liebe und der Wille Gottes ist die göttliche Liebe. Wenn also im Wort vom Willen die Rede ist, geht es um die göttliche Liebe, denn was die Liebe an sich will, ist das Gute der Liebe. Im Menschen ist der Wille das Gefäß, das das Gute der Liebe aufnimmt. Er ist somit das Sein des menschlichen Lebens. Lieben ist Wollen und auch Tun. Was der Mensch liebt, das will und tut er. Den Willen Gottes tun, heißt die Gebote erfüllen, und das ist unter dem Willen Gottes oder des Vaters zu verstehen, wobei mit «Vater» das göttliche Gute gemeint ist. OE 295
5. März (Jesus im Gespräch mit Nikodemus) Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht, auf dass seine Werke offenbar werden, weil sie in Gott getan sind. Joh 3, 21.

Es gibt weder eine Nächstenliebe noch einen Glauben allein, und daher kann auch nicht gesagt werden, die Nächstenliebe für sich allein zeitige irgendwelche guten Werke, ebenso wenig wie dies der Glaube allein vermag. Es verhält sich damit wie mit Wille und Verstand; keiner von beiden könnte irgendetwas bewirken, vielmehr geht jede Wirkung von beiden zugleich aus. Wir möchten aber behaupten, dass der Glaube noch weniger imstande ist, gute Werke hervorzubringen als die bloße Nächstenliebe, weil der Glaube Wahrheit ist und seine Aufgabe darin besteht, Wahrheiten hervorzubringen. Diese aber erleuchten nur die Nächstenliebe und ihre Ausübung. Wenn also der Mensch in Übereinstimmung mit den 51

Wahrheiten gute Werke vollbringt, so geschieht es im Licht, d. h. verständig und weise. WCR 377
6. März Alles, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Joh 16, 23.

Hier ist nicht gemeint, sie sollten den Vater im Namen des Herrn bitten, sondern den Herrn selbst; denn zum göttlichen Guten, das der Vater ist, steht kein Zugang offen, außer durch das göttlich-menschliche Wesen des Herrn, wie auch in den Kirchen bekannt ist. Daher heißt: den Herrn selbst bitten, gemäß den Wahrheiten des Glaubens bitten. Wenn man diesen gemäß bittet, wird es gewährt, wie er selbst auch in der vorher genannten Stelle bei Johannes sagt: HG 6674
Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Joh 14, 13.

7. März Und ich hörte eine starke Stimme im Himmel, die sagte: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus geworden. Off 12, 10.

Die starke Stimme bedeutet die Freude der Engel des Himmels aus dem Licht der Weisheit, in dem sie dort sind, über die Tatsache, dass der Herr jetzt die Macht hat, diejenigen selig zu machen, die seiner Kirche angehören, und zwar durch sein göttliches Wahres, wenn sie dieses mit Herz und Seele aufnehmen. Das Heil ist die Seligmachung, die Macht oder Kraft ist das Können oder die Möglichkeit. Das Reich stellt den 52

Himmel und die Kirche dar, «unseres Gottes» deutet auf den Herrn im Hinblick auf seine Göttlichkeit. Es wird also gesagt, dass der Herr jetzt selig machen könne. Er konnte das nicht, solange nicht der Drache mit seinen Engeln aus dem Himmel ausgetrieben war, was bedeutet, dass diejenigen, die das Leben des Glaubens oder die tätige Liebe bekämpften, vom Himmel getrennt und zur Hölle verdammt worden waren. OE 745/46
8. März Wie er aber dem Tor der Stadt nahte, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe und ein großes Gedränge aus der Stadt mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben und er sprach zu ihr: weine nicht. Und er kam hinzu und berührte den Sarg und die ihn trugen standen. Und er sprach: Jüngling ich sage dir: Stehe auf. Luk 7, 12 – 14

Berühren mit der Hand heißt mitteilen und auf den anderen übertragen. Das kommt daher, dass in die Hände alle Kraft des Menschen aus dem Leib übertragen ist. Was das Gemüt will, dass der Leib tun soll, führen die Arme und Hände aus; daher wird im Wort durch Arme und Hände die Macht symbolisiert. Diese Macht ist aber natürlich und die Mitteilung geschieht durch die Leibeskräfte. Geistige Macht jedoch bedeutet, das Beste für den anderen wollen und auf ihn nach Möglichkeit übertragen, was man selber hat. Diese Macht ist es, die durch die Hand im geistigen Sinn dargestellt wird, und ihre Mitteilung und Übertragung durch die Berührung mit der Hand. So hat der Herr durch anrühren und berühren, das Leben aus sich mitgeteilt und auf verschiedene Bedürftige übertragen. OE 79 53

9. März Mein ist alles Wild des Waldes, die Tiere auf den Bergen der Tausende; ich kenne alle Vögel der Berge und das Wild meines Feldes ist bei mir. Ps 50, 10. 11.

Das Wort «Wild» bedeutet in der Grundsprache Leben oder Lebendiges, im Wort jedoch nicht bloß das Lebendige, sondern auch das gleichsam nicht Lebendige oder eben das Wild. Wer den inneren Sinn nicht kennt, kann auch nicht wissen, was gemeint ist. Der Grund für die Doppelbedeutung liegt darin, dass der Mensch der ältesten Kirche in der Selbsterniedrigung vor dem Herrn sich als nicht lebendig bezeichnete, ja nicht einmal als ein Tier, sondern als ein Stück Wild. Er wusste, dass der Mensch – an sich oder in seinem Eigenen betrachtet – so beschaffen ist. Im genannten Text bedeutet, das «Wild meines Feldes bei mir» den Wiedergeborenen oder das Leben in ihm. HG 908
10. März Jesus spricht zu ihm (Petrus): Wer gewaschen ist, hat nichts Weiteres nötig, als an den Füßen gewaschen zu werden, dann ist er ganz rein.Joh 13, 10.

Wasser bedeuten die Wahrheiten des Glaubens, die Füße das Natürliche im Menschen. Dieses muss als erstes die Wahrheiten vom Herrn aus dem Wort aufnehmen und wird zuletzt wiedergeboren. Wenn es aber soweit ist, ist der ganze Mensch wiedergeboren. Es ist klar, dass der natürliche oder äußere Mensch mit dem geistigen oder inneren in Entsprechung stehen muss, daher kann der Mensch nicht wiedergeboren sein, ehe sein Natürliches wiedergeboren ist. HG 9325 54

11. März Am Teich von Bethesda lag eine große Menge Kranker und ein Engel fuhr zu einer bestimmten Zeit hinab zu dem Teich und bewegte das Wasser; wer dann zuerst hinein stieg, nachdem das Wasser bewegt worden war, wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch immer behaftet war.

Joh 5, 2 – 7 Bewegung bedeutet eine Zustandsveränderung. Das kommt daher, dass die Bewegung (wie wir sie sehen) im Raum und in der Zeit stattfindet. Im anderen Leben gibt es jedoch keine Vorstellung von Raum und Zeit, sondern an ihrer Stelle die des Zustandes. Wasser bedeutet Glaubenswahrheiten, durch die alle Reinigungen geschehen. Dass die Kranken geheilt wurden, sagt aus, ihr geistiges Leben sei wiederhergestellt worden. HG 3365, 10083
12. März Befreie mich von dem bösen Menschen und vor dem Mann der Gewalttat bewahre mich; denn sie sinnen Böses im Herzen; den ganzen Tag versammeln sie sich zum Krieg. Sie spitzen ihre Zunge wie die Schlangen. Ps 140, 2 – 4

Der böse Mensch und der Mann der Gewalttat sind diejenigen, die die Wahrheiten des Wortes verdrehen. Als Mann der Gewalttat wird bezeichnet, wer den Wahrheiten des Wortes in böser Absicht Gewalt antut, indem er sie verkehrt. Die böse Absicht wird noch weiter beschrieben durch «Böses sinnen im Herzen». Auch «sich den ganzen Tag zum Krieg versammeln» heißt, die Wahrheiten des Wortes verdrehen, wobei der «Krieg» für die spitzfindigen Argumente steht, mit denen sie siegen. 55

Aus diesem Grund wird noch hinzugefügt: Sie spitzen ihre Zunge wie die Schlangen. OE 734
13. März Das Reich Gottes ist so beschaffen, wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; der Same aber geht auf und wächst, ohne dass er es weiß; denn die Erde bringt von selbst hervor, zuerst das Gras, danach die Ähren und dann den vollen Weizen in den Ähren. Wenn aber die Frucht reif ist, schickt er die Sichel, denn die Ernte ist da. Mar 4, 26 – 29

Der Mensch nimmt das Wirken der göttlichen Vorsehung in seinem Inneren nicht wahr, weil dies seine Willensfreiheit aufheben würde und daher auch seine Fähigkeit wie aus sich zu denken. Damit wäre aber auch die Freude an seinem Leben aufgehoben und der Mensch wäre wie ein Automat, bei dem keine Gegenwirkung und keine Verbindung möglich ist; er wäre dann ein Knecht und kein Freier. Dass die göttliche Vorsehung so geheim waltet, dass kaum eine Spur von ihr erscheint, obwohl sie die Gedanken und den Willen des Menschen, die sich auf seinen ewigen Zustand beziehen, bis ins Einzelne leitet, geschieht hauptsächlich deshalb, weil der Herr fortwährend seine Liebe und dadurch auch seine Weisheit einflößen und ihn dadurch zu seinem Ebenbild machen will. Würde der Mensch etwas von diesen Geheimnissen erkennen, könnte er nicht davon abgehalten werden sich selbst zu führen, und zwar vom Himmel weg in die Hölle. OE 1153

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14. März Dein Wächter wird nicht schlafen, siehe, der Wächter Israels schläft und schlummert nicht; Jehovah ist dein Wächter, Jehovah ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich am Tag die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Jehovah bewahrt dich vor allem Bösen. Er bewahrt deine Seele. Ps 121, 3 – 6

Die Wächter standen auf den Mauern und sahen sich um, ob ein Feind käme, und zeigten durch lautes Rufen an, was sie sahen. Unter ihnen ist im inneren bildlichen Sinn der Herr zu verstehen und durch seine Wache seine beständige Gegenwart und Beschützung. Durch die Gegenwart des Herrn werden diejenigen, die im Guten und daher im Wahren sind, erleuchtet und diejenigen, die im Bösen und daher im Falschen sind, verfinstert. HG 7989, 8211
15. März Diese sind es, die sich mit Weibern nicht befleckt haben, denn sie sind Jungfrauen. Diese wurden erkauft von den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm; und in ihrem Mund wurde kein Trug gefunden, denn sie sind unbefleckt vor dem Thron Gottes. Off 14, 4. 5.

«Sich mit Weibern beflecken» heißt die Wahrheiten des Wortes verfälschen. Es ist dasselbe wie Unzucht und Hurerei. Durch Hurerei, Unzucht und Ehebruch, die so oft in den prophetischen Büchern des Wortes genannt sind, werden Verfälschungen und Schändungen des Wahren und Guten der Lehre der Kirche und somit auch des Wortes ausgedrückt. Die hier als Jungfrauen bezeichnet werden und solche, die sich mit 57

Weibern nicht befleckt haben, sind diejenigen, die in der Neigung oder Liebe zum Wahren sind um des Wahren willen, denn sie können die Wahrheiten nicht verfälschen. Die Neigungen zum Wahren finden sich fast bei allen Menschen, besonders wenn sie noch Kinder sind oder im Jugendalter stehen, und diese natürlichen Neigungen zielen auf verschiedene Belohnungen, namentlich guten Ruf, Ehre und Gewinn. Solche Neigungen werden aber nicht unter den Jungfrauen verstanden, sondern diese sind geistige Neigungen zum Wahren und haben das ewige Leben zum Ziel und den allgemeinen Nutzen für dieses Leben. Sie lieben die Wahrheiten, weil sie wahr sind und ohne auf Ruhm, Ehre und Gewinn der Welt zu schielen. OE 862, 863
16. März Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem und des Menschen Sohn wird den Hohepriestern und den Schriftgelehrten überantwortet werden und sie werden ihn zum Tode verdammen und ihn den Heiden überantworten. Mar 10, 33.

Der Herr nennt sich bald den Sohn, bald den Sohn Gottes, bald den Sohn des Menschen, überall der Sache gemäß. Wenn es um seine Gottheit geht, um seine Einheit mit dem Vater, seine göttliche Macht, den Glauben an ihn oder das Leben von ihm, dann nennt er sich den Sohn oder den Sohn Gottes. Er wird aber des Menschen Sohn genannt, wo vom Leiden, vom Gericht, von der Ankunft und überhaupt von der Erlösung, Seligmachung, Umbildung und Wiedergeburt die Rede ist. Es kommt daher, dass «des Menschen Sohn» den Herrn als das Wort darstellt; und als das Wort hat er gelitten, richtet er, kommt er in die Welt, erlöst, beseligt, erneuert und gebiert neu. LvH 22. 23. 58

17. März Wer auf dem Dach ist, steige nicht herab in das Haus und gehe nicht hinein, etwas aus seinem Haus zu holen. Mar 13, 15.

Das Dach ist das Innerste, weil es das Oberste oder Höchste ist. Es stellt dasselbe dar wie das Haupt des Menschen, denn alle Bilder in der Natur beziehen sich auf die menschliche Gestalt und haben daher ihre Bedeutung. Das Innerste wird das Himmlische genannt, das Mittlere das Geistige und das Äußere das Natürliche. Beim Menschen entsprechen diese Grade dem Haupt, der Brust und den Füßen. Weil das Dach das Himmlische darstellt, steht es auch für das Gute, denn das Gute ist überall das Innerste. Im genannten Text geht es um die letzte Zeit der Kirche. «Auf dem Dach» beschreibt den Zustand des Menschen, der im Guten ist. «Hinabsteigen in das Haus» käme einem Rückschritt in einen früheren Zustand gleich. HG 10184
18. März So tut nun würdige Früchte der Buße und fanget nicht an, in euch zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist aber auch die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Jeglicher Baum nun, der nicht gute Frucht trägt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Luk 3, 8. 9.

In der Kirche glaubt man, der Sohn sei vom Vater gesandt worden, um für die Menschen einzustehen, und dies sei durch das Leiden am Kreuz geschehen. Damit habe er die Verdammnis weggenommen und ohne dies wäre die 59

Menschheit eines ewigen Todes gestorben. Nun ist aber die Zurechnung dieses Verdienstes des Herrn ein Wort ohne Sinn, wenn man nicht die Sündenvergebung nach der Buße darunter versteht, denn vom Herrn kann dem Menschen nichts zugerechnet werden. Das Heil aber kann vom Herrn zugesagt werden, nachdem der Mensch Buße getan, das heißt, nachdem er seine Sünden gesehen und anerkannt hat und danach von ihnen absteht. LvH 18
19. März Er gebot ihnen (den Jüngern), dass sie nichts nehmen sollten auf den Weg, denn nur einen Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Erz im Gürtel, sondern angetan mit Schuhen; auch sollt ihr nicht angetan sein mit zwei Röcken. Mar 6, 8. 9.

Der Rock ist das göttliche Wahre vom Herrn. Weil es ein einziges ist, nämlich dasjenige aus dem göttlichen Guten, wurde den zwölf Jüngern, als sie gesandt wurden das Evangelium des Reiches zu predigen, befohlen, sie sollten nicht zwei Röcke haben. Auch der Schuh bedeutet Wahrheiten, womit sie angetan werden sollten, der Stab jedoch die Macht des Wahren aus dem Guten. Der Schuh ist das unterste Natürliche im Hinblick auf das Wahre, der Rock hingegen das inwendige natürlich Wahre. HG 4677
20. März Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an sich mit ihm zu befragen und ersuchten von ihm ein Zeichen vom Himmel, dass sie ihn versuchten. Und er seufzt auf in seinem Geist und spricht: Was sucht dies Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich ich

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sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden. Mar 8, 11. 12

Unter dem Zeichen, das sie vom Himmel forderten, wird eine Bezeugung verstanden, damit sie überzeugt werden und glauben könnten, dass der Herr der Sohn Gottes sei, obwohl Wunder geschehen waren, die sie nicht Zeichen nannten. Dass dies so ist, geht daraus hervor, dass der Herr im Geist seufzend sprach: Warum sucht dieses Geschlecht ein Zeichen? Dass sie keins bekommen beruht auf Folgendem: Wenn ihnen aus dem Himmel deutlich offenbart und gesagt worden wäre, dass der Herr der Messias und der Sohn Gottes war und sie es mit Überzeugung anerkannt und geglaubt hätten, so hätten sie es nachher doch wieder verworfen. Nach der Anerkennung und dem Glauben solches verwerfen heißt aber entweihen, und das Los derer, die entweihen, ist das allerschlimmste in der Hölle. OE 706
21. März Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Joh 3, 18.

Man versuche doch einmal, sich das Wesen des Herrn vorzustellen, wenn er die Bösen mit Zorn und die Guten mit Barmherzigkeit anblickte. Er würde die Guten aus Gnade selig machen und die Bösen aus Rache verdammen. Der Herr rechnet aber jedem Menschen das Gute und niemandem das Böse zu. Er verurteilt niemanden zur Hölle, sondern erhebt alle, soweit sie ihm folgen, zum Himmel. Was als richten und Gericht bezeichnet wird, ist die Wahrheit, und diese besagt, dass alles Böse aus der Hölle stammt, dass also das Böse und 61

die Hölle eins sind. Wird daher ein Böser vom Herrn zum Himmel erhoben, zieht ihn sein Böses abwärts, und weil er das Böse liebt, folgt er seinem Zug nach unten ganz von selbst. WCR 652
22. März Und da er in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch lag, kam ein Weib, das hatte eine Alabasterbüchse mit Salbe von echter köstlicher Narde, und sie zerbrach die Alabasterbüchse und goss sie auf sein Haupt. Mar 14, 3.

Dass das Haupt das ganze Menschliche oder den ganzen Menschen darstellt, kommt daher, dass vom Haupt das Ganze des Menschen abstammt, denn der Leib ist eine Ableitung daraus; deswegen stellt sich auch, was der Mensch im Kopf denkt und will, in seiner Wirkung im Körper dar. Das Haupt verhält sich wie das Höchste oder Innerste in den Himmeln: dieses steigt hinab und fließt ein in die Himmel, die unterhalb sind. Es bringt sie hervor und leitet sie aus sich ab. Deshalb entspricht auch das Haupt am Menschen dem innersten Himmel, dem mittleren Himmel aber der Leib bis zu den Lenden und dem untersten Himmel die Füße. HG 10011
23. März Nichts ist verborgen, das nicht aufgedeckt und nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Darum, was ihr im Finstern gesprochen habt, wird man im Lichte hören und was ihr ins Ohr gesagt habt, wird auf den Dächern ausgerufen werden. Luk 12, 2. 3.

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Jedem bösen Geist werden all seine bösen, ruchlosen Taten, Räubereien, Kunstgriffe und Betrügereien handgreiflich vorgeführt. Sie werden seinem eigenen Gedächtnis entnommen und so wird er schließlich überführt. Es bleibt ihm keine Möglichkeit zur Leugnung, weil alle Unstände zur gleichen Zeit auftauchen. Es kann als feststehende Tatsache gelten, dass der Mensch sein ganzes Gedächtnis mit hinüber nimmt und dass in der Welt nichts so gut verborgen ist, dass es nicht nach dem Tod offenbar würde, und zwar gemäß den (oben genannten) Worten des Herrn. HH 462a
24. März Selig der Mensch, dem Jehovah die Missetat nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist.

Ps 32, 2. Unter dem Geist des Menschen ist genau genommen nichts anderes als sein Gemüt zu verstehen, ist doch das Gemüt dasjenige, was nach dem Tod fortlebt und dann ein Geist genannt wird, ein Engelgeist und anschließend ein Engel, wenn er gut ist, ein satanischer Geist und danach ein Satan, wenn er böse ist. Da nun der Geist des Menschen aus dem Verstand denkt und aus dem Willen handelt, der Körper aber nicht aus sich, sondern aus dem Geist, so folgt, dass unter dem Geist des Menschen seine Einsicht und die Neigung seiner Liebe zu verstehen ist, ebenso natürlich, was daraus hervorgeht und wirkt. WCR 156
25. März Jesus antwortete und sprach zu ihm (Judas, nicht der Ischariot): Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben

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und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Joh 14, 23.

Aus der Ordnung der Schöpfung kann man erkennen, dass vom Ersten bis zum Letzten ein stetiger Zusammenhang existiert und sie zusammen ein Ganzes bildet, in dem das Frühere vom Späteren ebenso wenig getrennt werden kann wie die Ursache von der Wirkung, und das gilt auch für die geistige und die natürliche Welt und für den Engelshimmel und die Menschheit. Es ist deshalb vom Herrn dafür gesorgt, dass das eine dem anderen wechselseitige Dienste leistet, nämlich der Engelshimmel den Menschen und diese dem Engelshimmel. Daher kommt es, dass die Wohnungen der Engel zwar im Himmel, dem Anschein nach von den Wohnungen der Menschen getrennt, dennoch aber im Menschen in seinen Neigungen zum Guten und Wahren sind. JG 9
26. März Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer. Luk 6, 20.

Der Himmel steht allen offen, die ein Leben des Glaubens und der Liebe führen, seien sie nun reich oder arm. Der Mensch darf durchaus Reichtümer erwerben und Vermögen ansammeln, soviel er Gelegenheit dazu findet – vorausgesetzt freilich, dass es nicht mit List oder Betrug geschieht. Er darf gut essen und trinken, wenn er nur nicht sein Leben darein setzt; er darf seinem Stand gemäß prächtig wohnen und geselligen Umgang pflegen wie andere auch, Unterhaltungslokale besuchen, sich über weltliche Dinge besprechen und hat es nicht nötig, andächtig, mit niedergeschlagenen Augen, mit Seufzen und hängendem Kopf einherzugehen, sondern darf fröhlich 64

und wohlgemut sein. Er muss auch nicht sein Eigentum den Armen schenken, wenn ihn nicht Neigung dazu treibt. Mit einem Wort: Er kann äußerlich ganz wie ein Weltmensch leben, da diese Dinge den Menschen nicht im geringsten daran hindern, in den Himmel zu kommen, vorausgesetzt, dass er innerlich geziemend an Gott denkt und den Nächsten gegenüber aufrichtig und gerecht handelt. HH 357, 358
27. März Der Samen, der in das gute Land fiel, gab Frucht, die aufstieg und wuchs und es trug der eine dreißig- und der andere sechzig- und der dritte hundertfältig. Mar 4, 8. 20.

Die Zahl dreißig bedeutet im Wort etwas von Kampf und bedeutet auch das Volle der Überreste. Diese doppelte Bedeutung kommt daher, weil sie zusammengesetzt ist aus fünf und sechs, miteinander multipliziert, und auch zusammengesetzt ist aus drei und zehn, ebenfalls miteinander multipliziert. Im Hinblick auf fünf, sechsmal genommen, bedeutet sie etwas von Kampf, nämlich fünf steht für «etwas» und sechs für Kampf. In Beziehung auf drei, zehnmal genommen, bedeutet sie das Volle der Überreste, wobei drei das Volle und zehn die Überreste darstellt. Dazu kommt, dass eine zusammengesetzte Zahl immer alles in sich schließt, was ihre Teilzahlen, bedeuten, aus denen sie besteht. HG 5335 Fünf hat eine doppelte Bedeutung, nämlich wenig und daher auch etwas und sie bedeutet auch die Überreste. Dass sie «wenig» bedeutet kommt von ihrem Verhältnis zu den Zahlen her, die «viel» bedeuten, nämlich tausend, hundert und zehn. Davon bildet fünf immer die Hälfte und daher wenig oder etwas. Wenn sich fünf aber auf zehn bezieht, bedeutet sie auch die Überreste. HG 5291 65

28. März Furcht ergriff alle und sie lobten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden. Luk, 7, 16

Der Herr wollte bis zum Leiden am Kreuz versucht werden, weil er der Prophet war. Propheten aber stellten ehemals die Lehre der Kirche aus dem göttlichen Wort dar und daher symbolisierten sie den Zustand der Kirche auf verschiedene Arten, ja selbst durch ungerechte, harte und frevelhafte Dinge, die ihnen von Gott auferlegt worden waren. Da nun der Herr das Wort selbst war, stellte er, der auch der Prophet war, durch sein Kreuzesleiden die Entweihung des Wortes durch die jüdische Kirche dar. Dazu kommt noch als weiterer Grund, dass er auf diese Weise in den Himmeln als Heiland beider Welten anerkannt werden sollte; denn alle Einzelheiten seines Leidens bedeuten solche Dinge, die zur Entweihung des göttlichen Wortes gehören. WCR 129
29. März Sättige uns mit deiner Barmherzigkeit am Morgen, damit wir uns freuen und fröhlich sind all unsere Tage. Ps 90, 14.

Es werden häufig Freude (oder freuen) und Fröhlichkeit genannt, weil die Freude sich auf das Gute und die Fröhlichkeit auf das Wahre beziehen oder die Freude auf die Liebe, die Fröhlichkeit jedoch auf die Weisheit. Denn die Freude liegt im Herzen, die Fröhlichkeit aber in der Seele, oder die Freude ist eine Regung des Willens, die Fröhlichkeit eine des Verstandes. Darin steckt auch ein Bild der ehelichen Verbindung des Herrn mit seiner Kirche, was in Jer. 7, 34. deutlich wird: 66

Die Stimme der Freude und die Stimme der Fröhlichkeit, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut. LvHS 87
30. März Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen um den Sohn des Menschen willen. Luk 6, 22

Um des Sohns des Menschen willen heißt, um des göttlichen Wahren willen, das vom Herrn ausgeht: Das göttliche Wahre ist die Gesamtheit des Glaubens und der Liebe zum Herrn. Weil die Bösen diese leugnen, und weil diejenigen, die es leugnen, es auch hassen, die Guten es aber anerkennen und lieben, wird gesagt, sie seien selig. OE 63
31. März Jesus sprach zu den siebzig, die er aussandte: Wenn ihr in ein Haus hineingeht, so sagt zuerst: Friede sei mit diesem Haus. Und wenn ein Kind des Friedens da ist, wird auf ihm euer Friede ruhen; wo aber nicht, wird er auf euch zurückkehren. Luk 10, 5. 6.

Dass sie sagen sollten: «Friede sei mit euch», hat das Ziel, zu erkennen, ob die Bewohner den Herrn aufnehmen würden. Sie predigten das Evangelium vom Herrn und daher vom Himmel, von der himmlischen Freude und vom ewigen Leben, denn dies alles ist unter dem Frieden zu verstehen. Diejenigen, die es annahmen, sind die Kinder des Friedens, auf denen dieser ruhen sollte. Wenn sie aber den Herrn nicht anerkannten und nicht annahmen, was ihm und dem Frieden zugehörte, wurde ihnen der Friede genommen, was dadurch ausgedrückt 67

wird, dass er «auf euch zurückkehren werde». Damit sie vom Bösen und Falschen des Ortes keinen Schaden erlitten, wurde ihnen befohlen hinauszugehen und den Staub von den Füßen zu schütteln, das heißt, es sollte nichts Verdammtes an ihnen hängen bleiben. Das letzte des Menschen, das sinnliche Natürliche, wird durch seine Fußsohlen dargestellt. Ihm klebt das Böse an und deshalb mussten diejenigen, die den Angehörigen der Kirche entsprechen, den Staub von den Füßen schütteln. Wenn nämlich in der geistigen Welt ein Guter zu einem Bösen kommt, wird er von der schlechten Ausstrahlung beeinflusst und beunruhigt, allerdings bloß im Äußersten, was den Fußsohlen entspricht. Wenn er sich umwendet und entfernt, scheint es, als schüttle er rückwärts den Staub von den Füßen, was anzeigt, dass er wieder frei ist. OE 365 S. 9. November
1. April Jedes Tal soll gefüllt werden und jeder Berg und Hügel soll erniedrigt werden; und es soll das Krumme zum Geraden werden und das Rauhe zu ebenen Wegen. Luk 3, 5.

Tal heißt der äußere Mensch, weil er unten ist. Das Äußerliche ist immer unten, das Innerliche dagegen oben. HG1721 Berge stehen für die Selbst- und Hügel für die Weltliebe, die gerne groß sein möchten. HG1691 Dass das Krumme sich in Gerades verwandelt, heißt, das Böse aus Unwissenheit werde in Gutes verwandelt. Ebenso bedeutet es die Entwicklung von Falschem aus Unwissenheit in Wahres, das grundsätzlich durch den Weg symbolisiert wird. HG 3528

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(Aus den Taufreden des Johannes, basierend auf einer Prophezeiung aus Jes 40)
2. April Jesus stand am See Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen. Die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen die Netze. Er stieg aber in eines der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land abzufahren und er setzte sich und lehrte vom Schiff aus das Gedränge. Luk 5, 2. 3.

Schiffe stehen für Erkenntnisse des Wahren und Guten, also für den Glauben. Wenn der Herr von einem Schiff aus predigte, bedeutet das, er tat es aus der Lehre, denn auch der See Genezareth oder das Meer symbolisieren im Zusammenhang mit dem Herrn diese Erkenntnisse, und zwar in ihrer Gesamtheit. OE 514
3. April Als er aber zu reden aufhörte, sprach er zu Simon: Fahre ab auf die Tiefe und lasset da eure Netze hinab zum Fang. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, die ganze Nacht über mühten wir uns ab und fingen nichts; auf deine Rede aber will ich das Netz hinab lassen. Und als sie es getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, aber ihr Netz zerriss. Luk 5, 4-6

Jesus sagte zu den Fischern, er wolle sie zu Menschenfischern machen. Das heißt, sie sollten die Menschen für die Kirche sammeln. Durch den Fang mit den 69

Netzen, mit denen sie eine große Menge umschlossen, wird die Umbildung der Kirche dargestellt, denn die Fische sind hier ebenfalls die Erkenntnisse des Wahren und Guten, durch die die Umbildung vollzogen wird, aber auch die Menge von Menschen, die umgebildet werden sollen. Dass sie die ganze Nacht gearbeitet, aber nichts gefangen hatten, will sagen, sie hätten aus dem Eigenen nichts erreicht. Mit der Kraft des Herrn jedoch gelang ihnen alles. OE 513
4. April Und so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben die, so sie lieben. Und so ihr Gutes tut denen, die euch Gutes tun, was für Dank habt ihr davon? Dasselbe tun ja auch die Sünder. Liebet vielmehr eure Feinde und tut Gutes und leihet, wo ihr nichts dafür erhoffet, und euer Lohn wird groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein. Luk 6, 32 – 35

Bei denen, die das Gute um Lohnes willen tun, liegt Selbstliebe in allen Handlungen, nicht aber die Liebe zum Nächsten, und somit ist in ihnen keine echte tätige Liebe. Solche können daher nicht mit Engeln zusammengesellt werden, denn die Engel verabscheuen sowohl den Namen als auch die Vorstellung des Lohnes oder der Vergeltung. Der Mensch muss aber, bevor er wiedergeboren ist, notwendig an den Lohn denken. Anders wird es erst, wenn er wiedergeboren ist; dann wird er unwillig, wenn jemand denkt, er tue dem Nächsten Gutes um des Lohnes willen, denn er fühlt Freude und Gefallen im Wohltun, nicht aber in der Vergeltung. Im inneren Sinn bedeutet der Lohn die Freude aus der Neigung zur tätigen Liebe. HG 8002

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5. April Was nennet ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage? Luk 6, 42

Der zweite Nutzen der Taufe besteht darin, dass der Christ den Herrn Jesus Christus, den Erlöser und Heiland erkennt und anerkennt und ihm nachfolgt. Das Wort Gottes versteht unter dem Namen des Herrn Jesus Christus nichts anderes als seine Anerkennung sowie ein Leben nach seinen Geboten. Wer es nicht tut, gleicht einem Untertanen, der zwar seinem König huldigt, aber seine oder des Vaterlandes Gesetze verwirft und einem fremden König folgt und dient. WCR 681, 682
6. April Wer Ohren hat zu hören, der höre. Mar 7, 16

Hören bedeutet innerlich erfahren und gehorchen, daher auch danach leben. Bei den himmlischen Engeln geht alles, was sie hören, sogleich ins Leben ein. Dem Menschen sind zwei Sinne gegeben, die als Mittel dienen, dasjenige aufzunehmen, durch das die Vernunft gebildet wird, wie auch alles, wodurch der Mensch gebessert wird, nämlich den Gesichts- und den Gehörsinn. Die übrigen Sinne sind für andere Zwecke nützlich. Was der Gesichtssinn aufnimmt, geht in den Verstand über und erleuchtet ihn; daher wird durch das Gesicht der erleuchtete Verstand bezeichnet, denn der Verstand entspricht dem Sehen des Auges, wie das Licht des Himmels dem Licht der Welt. Was aber durch das Gehör aufgenommen wird, geht sowohl in den Verstand als auch in den Willen über. Daher steht das Gehör für das Erkennen und den Gehorsam. Das ist der Grund, weshalb in den menschlichen Sprachen üblich ist zu sagen: jemanden hören oder auf jemanden hören, gehorsam sein oder aufhorchen. Jemanden hören heißt begreifen, 71

auf jemanden hören aber, gehorchen. Aufhorchen steht für beides. Das alles ist aus der geistigen Welt eingeflossen, wo der Geist des Menschen beheimatet ist. OE 14
7. April Und Jesus vernahm es und sagte zu ihnen: Warum besprechet ihr euch, dass ihr kein Brot habt? Begreift ihr noch nicht noch versteht ihr? Ist euer Herz noch verstockt? Habt ihr Augen und sehet nicht, habt Ohren und höret nicht und gedenket nicht? Mar 8, 17. 18.

Unter den Augen, die sehen, werden Einsicht und Glauben verstanden, denn der Verstand ist das Geistige des Gesichts und der Glaube das Geistige des Verstandes. Das Gesicht des Auges sieht im Weltlicht, das Gesicht des Verstandes im Licht des Himmels, soweit er in alles einfließt, was dem Weltlicht ausgesetzt ist. Aber das Gesicht des Glaubens ist ganz im Licht des Himmels. Daher sagt man «mit dem Verstand sehen» oder «im Glauben sehen». HG 2701
8. April Und er sagte: Wie ist’s geschrieben von des Menschen Sohn? Dass er viel leiden müsse und verworfen werde. Mar 9, 12.

An diesen Stellen wird unter des Menschen Sohn der Herr in Bezug auf das göttliche Wahre oder in Bezug auf das Wort verstanden, das von den Hohepriestern und Schriftgelehrten verworfen, geschmäht, gegeißelt, bespieen und gekreuzigt wurde. Daraus erkennt man, dass die Juden alles und jedes auf sich anwandten und für sich in Anspruch nahmen dem 72

Buchstaben gemäß und nichts wissen wollten vom geistigen Sinn es Wortes und vom himmlischen Reich. Alles echt Vernünftige besteht aus dem Guten und Wahren. Das göttliche Vernünftige des Herrn konnte nicht leiden oder Versuchungen bestehen, denn dem göttlichen Guten kann sich kein Geist oder Genius nähern, der Versuchungen herbeiführt. Es ist über jeden Angriff erhaben. Aber das gebundene göttliche Wahre konnte versucht werden, denn es sind die Täuschungen und andere Falschheiten, die es schwächen und auf diese Weise versuchen. Von dem göttlichen Wahren kann man sich nämlich eine Vorstellung machen, nicht aber vom göttlichen Guten, ausgenommen diejenigen, die es innerlich spüren und himmlische Engel sind. Es war also das göttliche Wahre, das nicht mehr anerkannt wurde, als der Herr in die Welt kam, und aus diesem wurde er versucht. HG 2813
9. April Ich bitte, dass sie alle eins seien, wie Du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass auch sie in uns eins seien. Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn ich habe ihnen kund getan deinen Namen und will ihn kund tun, auf dass die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. Joh, 17, 20 – 26

Mit der Kirche im Menschen verhält es sich so, dass sie in immer neue Zustände übergeht; denn in dem Verhältnis, wie der Mensch im Wahren des Glaubens und Guten der tätigen 73

Liebe erstarkt, wird er in andere Zustände eingeführt; der frühere Zustand dient dann zur Unterlage für den folgenden. Auf diese Weise wird der Mensch fortwährend weiter in den Himmel geführt. Die genannten Worte gehen aus der göttlichen Liebe zu allen hervor, die sie aufnehmen. Das zeigt sich auch darin, dass der Herr im anderen Leben als Sonne erscheint und daher mit Wärme und Licht den ganzen Himmel erfüllt. HG 6645
10. April Das Gesetz Jehovahs ist vollkommen, erquickt die Seele, das Zeugnis Jehovahs ist fest, macht weise den Einfältigen; die Befehle Jehovahs sind richtig, erfreuen das Herz; das Gebot Jehovahs ist rein, erleuchtet die Augen; die Rechte Jehovahs sind Wahrheit, gerecht sind sie allzumal. Ps 19, 8 – 10

Im Wort wird unterschieden zwischen Gesetzen, Satzungen, Rechten, Geboten, Zeugnissen, Worten, Befehlen, Wahrheiten und Bündnissen. Das Zeugnis ist das göttliche Wahre, das vom Herrn zeugt, somit das Wort; denn dieses handelt im höchsten Sinn vom Herrn allein und zeugt daher im inneren Sinn von ihm, das heißt, es macht ihn bekannt und lehrt die Wahrheiten, die Sache des Glaubens sind, und das Gute, das Sache der Liebe ist und von ihm kommt. HG 9503
11. April Sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: …Wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her, Barmherzigkeit zu tun an unseren

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Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, des Eides, den er Abraham geschworen hat. Luk 1, 67 – 73

Jehovah Gott oder der Herr schwört niemals, denn es schickt sich nicht für Gott selbst oder für die göttliche Wahrheit zu schwören. Wenn aber Gott oder die göttliche Wahrheit etwas den Menschen gegenüber bekräftigen will, dann läuft diese Bekräftigung, wenn sie in die natürliche Sphäre herabkommt, in einen Eidschwur oder in eine feierliche Eidesformel aus. Es ist somit klar: Obwohl Gott niemals schwört, wird im Buchstabensinn des Wortes dennoch gesagt, er schwöre, weil dieser Buchstabensinn natürlich ist. OE 608
12. April Da sprach er zu ihnen: Wenn ich euch aussandte ohne Beutel und Tasche und Schuhe, hat euch je etwas gemangelt? Sie aber sagten: Nichts. Da sprach er zu ihnen: Nun aber, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche. Und wer keine hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Luk 22, 35. 36.

Kriege, die mit dem Schwert ausgefochten werden, sind im Wort geistige Kriege des Wahren gegen das Falsche und des Falschen gegen das Wahre. Unter Schwert wird hier der Versuchungskampf verstanden. Der Grund für diese Ausdrucksweise liegt darin, dass die Menschen zur damaligen Zeit falsch dachten und der Herr die inneren Wahrheiten aufdeckte. Das Falsche aber kann nur durch Kämpfe auf Grund dieser Wahrheiten ausgetrieben werden. Unter Beutel und Tasche sind geistige Erkenntnisse, also Wahrheiten zu verstehen. Die Kleider stehen für das Eigene. OE 131 75

13. April Er aber antwortete und sprach: Es ist geschrieben: Der Mensch soll nicht allein vom Brote leben, sondern von jeglichem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht. Mat 4, 4.

Brot ist alles Geistige und Himmlische, das die Speise der Engel ist. Wenn es ihnen entzogen würde könnten sie nicht weiterleben, ebenso wenig wie der Mensch, wenn ihm das Brot oder die Speise entzogen würde. Die letzte Nachkommenschaft der Ältesten Kirche war so verdorben und ins Sinnliche und Fleischliche versunken, dass sie nicht hören wollten, was des Glaubens Wahrheit, was der Herr sei, dass er kommen und sie selig machen werde. Wenn davon die Rede war, wendeten sie sich ab. Diese Abneigung wird unter «Brot essen im Schweiß des Angesichts» verstanden. HG 276
14. April Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Himmelreich. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich der Himmel nicht aufnimmt wie ein Kind, der wird nicht darin eingehen. Mar 10, 14

Über die Unschuld habe ich viel mit den Engeln gesprochen und bin belehrt worden, dass sie das Wesen alles Guten darstellt. Das Gute ist daher nur insoweit gut und folglich die Weisheit nur soweit weise, wie Unschuld in ihnen wohnt. Diese Unschuld wird durch die kleinen Kinder symbolisiert. Die Unschuld beruht darauf, dass man vom Herrn geführt werden will. Ich bin auch unterrichtet worden, dass das Wahre mit dem Guten und umgekehrt nur durch Unschuld verbunden 76

werden kann. Daher kann kein Engel ein Engel des Himmels sein, wenn nicht Unschuld in ihm wohnt. Auch hat wahre eheliche Liebe ihren Ursprung in der Unschuld. Die Verbindung des Guten mit dem Wahren stellt sich beim Herabsteigen (aus dem Himmel) in der Gestalt der ehelichen Liebe dar, denn die Gatten lieben einander so wie sich ihre Gemüter lieben. In der ehelichen Liebe ist daher etwas Spielerisches, wie in der Kindheit und Unschuld. HH 281
15. April Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben. Mat 5, 5.

Besitzen und erben im Wort bedeutet, wenn es auf Menschen bezogen wird, vom Herrn Leben empfangen, das heißt, das ewige Leben oder den Himmel; denn allein diejenigen empfangen den Himmel, die das Leben des Herrn aufnehmen. Das «Land» ist ursprünglich das Land Kanaan, das, wie es in 2. Mos 6, 8. beschrieben wird, Abraham, Jischak und Jakob zur erblichem Besitz versprochen wird. Durch sie aber wird die Liebe und der Glaube dargestellt, das heißt also diejenigen, die in Liebe und Glauben, somit im Herrn leben. HG 2658
16. April Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Samen und sind niemals jemandes Knechte gewesen. Wie sprichst du: Ihr werdet frei werden? Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahr-

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lich, ich sage euch: wer die Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Joh 8, 31 – 34

Alle Freiheit, die vom Herrn stammt, ist wirkliche Freiheit, alle Freiheit hingegen, die der Mensch aus höllischem Ursprung aufnimmt, ist Knechtschaft. Dennoch kann die geistige Freiheit demjenigen, der in höllischer Freiheit ist, nur als Knechtschaft erscheinen, da sie einander entgegengesetzt sind. Wer immer aber in der geistigen Freiheit steht, weiß nicht nur, sondern fühlt auch, dass die höllische Freiheit nichts als Knechtschaft ist. Die Engel verabscheuen sie deshalb wie einen Leichengestank, wogegen die höllischen Geister sie wie einen aromatischen Duft einziehen. WCR 495
17. April Ihr seid das Licht der Welt, es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen bleiben.

Mat 5, 14. Dies wurde zu den Jüngern gesagt, unter denen die Kirche verstanden wird, die sich an die Wahrheiten aus dem Guten hält. Daher heißt es: Ihr seid das Licht der Welt. Licht der Welt ist das Wahre der Kirche. Dass es das nicht ist, wenn es nicht dem Guten entspringt, wird dadurch beschrieben, dass es weiter heißt: «Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein». Diese Stadt auf dem Berge ist das Wahre aus dem Guten, wobei sich «Berg» immer auf den Himmel bezieht. (s. z.B. 19. Februar) OE 405

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18. April Siehe, ich komme wie ein Dieb; selig, wer wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt wandelt und man seine Schande sieht. Off 16, 15

«Wie ein Dieb» bedeutet die Ankunft des Herrn und damit das jüngste Gericht. Ein Dieb kommt in der Nacht. Dies wird dem Herrn zugeschrieben, weil zu der Zeit seiner Ankunft, die Kirche verwüstet und in Nacht versunken ist. OE 1005 «Wie ein Dieb» heißt es auch, weil das Böse und das aus diesem hervorgehende Falsche im natürlichen Menschen die Erkenntnisse des Wahren, die er aus dem Wort besitzt wegnehmen und hinaus werfen, denn was man nicht liebt, wird hinausgeworfen. Im Menschen ist entweder die Liebe zum Bösen und daher zum Falschen oder die Liebe zum Guten und daher zum Wahren. Diese zwei Liebesarten sind einander entgegengesetzt; wer daher in der einen ist, kann nicht in der anderen sein, denn niemand kann zwei Herren dienen, ohne dass er den einen liebt und den anderen hasst. Dieses Böse dringt vom Inneren her ein und gräbt gleichsam die Wand durch, die zwischen dem Zustand des Denkens aus dem Geist und demjenigen des Denkens aus dem Körper besteht; dann wirft sie die Erkenntnisse des Wahren und Guten, die sich im Menschen äußerlich angesiedelt haben, hinaus. OE 193 «Selig, wer wacht» beschreibt den glücklichen Zustand derjenigen, die gläubig zum Herrn aufblicken. Wachen bedeutet, sich um ein geistiges Leben kümmern, das allein vom Herrn kommt. OE 1006 Bei den Kleidern handelt es sich (s. a. 25. Mai) um die Wahrheiten, die das Gute einhüllen. Sie bewahren, heißt hier, gemäß den im Wort enthaltenen göttlichen Wahrheiten leben. Wer nackt ist, verfügt nicht über diese und ist daher auch ohne Gutes OE 1007, 8 79

19. April Inmitten der Gasse und des Stromes hier und dort ein Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt, jeden Monat seine Frucht bringend und die Blätter des Baumes zur Arznei der Völkerschaften.

Off 22, 2. Die Gasse und der Strom sind die Lehren der Kirche und das göttliche Wahre. Hier und dort hat die Bedeutung von rechts und links und will sagen, es handle sich um klare (rechts) und dunkle (links) Wahrheiten. Im Ganzen sagt uns der Vers: Im Innersten der Wahrheiten und des Lebens in der Neuen Kirche ist der Herr in seiner göttlichen Liebe; von ihm stammt alles her, was der Mensch scheinbar wie aus sich selbst tut. Dies ist der Fall bei denen, die sich unmittelbar an den Herrn wenden und das Böse fliehen, weil es Sünde ist, und die somit in der Neuen Kirche des Herrn sein werden. OE 1336
20. April Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: ein Weib, umgeben von der Sonne und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen Und sie war schwanger und schrie in Geburtswehen und hatte Qual bei der Geburt. Off 12, 1. 2.

Das «große Zeichen» ist eine göttliche Offenbarung und Bezeugung in Bezug auf die Zukunft der Neuen Kirche und ihrer Lehre. Im Wort ist an vielen Stellen von Zeichen und Wundern die Rede. Dabei zeigt das Zeichen, bezeugt und überzeugt im Zusammenhang mit einer bestimmten Sache; das Wunder jedoch regt auf, erschüttert und erregt Staunen. Man kann also sagen, das Zeichen bewege den Verstand und den 80

Glauben, das Wunder den Willen und seine Neigung. Typisch ist, dass die Juden, die doch so manches Wunder von der Hand des Herrn sahen, dennoch Zeichen von ihm forderten. OE 706
21. April

Fortsetzung Das Weib, umgeben von der Sonne, symbolisiert die Kirche bei denen, die den Herrn lieben und daher auch Nächstenliebe üben. Das Weib steht für die geistige Neigung zum Wahren, auf Grund derer die Kirche eine Kirche ist. Umgeben von der Sonne, heißt davon (von der Sonne, also von der Kraft des Herrn) leben. Das Leben der Liebe jedes Menschen, Geistes und Engels bildet eine Sphäre um sie her, aus der man schon von Ferne merkt, wie sie beschaffen sind. Auf Grund dieser Sphären ergeben sich in den Himmeln die Gruppierungen und Verbindungen. Dass in diesem Zusammenhang immer auch die Liebe zum Nächsten genannt wird, rührt daher, dass sie von der Liebe zum Herrn abstammt wie das Spätere vom Früheren oder wie das Äußere von seinem Inneren, mit einem Wort: wie die Wirkung von ihrer Ursache. Die Liebe zum Herrn ist wollen und lieben, was sein ist, also das, was der Herr im Wort geboten hat, und die Liebe zum Nächsten besteht in den daraus resultierenden Nutzen, die als Wirkungen erscheinen. OE 707
22. April

Fortsetzung:
und der Mond unter ihren Füßen

Der Mond bedeutet den Glauben in den Natürlichen und in der tätigen Liebe. Das von der Sonne umgebene Weib steht 81

für die Himmlischen und Geistigen, seine Füße daher die Natürlichen und Sinnlichen, die sich zugleich der tätigen Liebe verschrieben haben. Das Gute und das aus ihr stammende Wahre des Himmels und der Kirche folgt der Ordnung nach aufeinander wie beim Menschen das Haupt, der Körper und die Füße. Im Haupt des größten Menschen, der den Himmel darstellt, sind die, die den Herrn lieben und himmlisch genannt werden, im Körper von der Brust bis zu den Lenden diejenigen, die den Nächsten lieben und geistig heißen; in den Füßen jedoch sind die übrigen, die auf dunkle Weise einen Glauben in die Nächstenliebe besitzen; sie werden natürlich genannt. OE 708
23. April

Fortsetzung: Es gibt zwei Reiche, in die die Himmel unterteilt sind, die das himmlische und das geistige genannt werden, und drei Himmel, den obersten und himmlischen, den mittleren geistigen und den letzten, himmlisch und geistig natürlich genannt. Es gibt aber noch eine weitere Unterscheidung: Es gibt nämlich Wesen, die Licht und Einsicht vom Herrn als der Sonne aufnehmen, und andere, die sie vom Herrn als dem Mond aufnehmen. Die ersteren sind diejenigen, in denen der Verstand und dessen Vernunft offen sind, die daher über Glaubenssachen aus einer geistigen Neigung zum Wahren vernünftig gedacht haben; die anderen sind diejenigen, deren innerer Verstand und Vernunft nicht offen sind, sondern nur die natürlichen; diese denken über Glaubenssachen aus dem Gedächtnis nach, das heißt aus den Kenntnissen, die sie vom Lehrer oder Prediger bezogen haben und von denen sie sagen und glauben, sie seien wahr, obwohl sie vielleicht falsch sind. Sie sehen nämlich nicht weiter. OE 708 82

24. April

Fortsetzung:
und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen

Mit dem Haupt ist die Weisheit und Einsicht der Angehörigen dieser Kirche gemeint, die sie aus den Lehren und Erkenntnissen aus dem Wort gewonnen haben. Diese Bedeutung besitzt ebenfalls die Krone. Die Sterne stellen die Lehren und Erkenntnisse des Wahren und Guten selbst dar. Zwölf steht für «alles». Somit stellt das ganze Bild die Gesamtheit aller Einsicht und Weisheit der Angehörigen der Neuen Kirche dar, die sie durch die Lehren des Wahren und Guten aus dem Wort gewonnen haben. Denn vom Herrn als der Sonne geht Wärme und Licht aus; die Wärme ist das Gute der Liebe, das Licht das Wahre aus diesem Guten und beide zusammen machen bei den Engeln wie bei den Menschen die Weisheit und Einsicht aus. Sie gehen in den Willen und den Verstand ein; in diesen beiden aber hat die Weisheit ihren Wohnsitz. OE 709
25. April

Fortsetzung:
und sie war schwanger

Wenn von einer Schwangerschaft im Zusammenhang mit einer Kirche die Rede ist, handelt es sich um die sich bildende Lehre des Wahren aus dem Guten der himmlischen Liebe. Der Mutterleib steht für den innersten Kern der gesamten ehelichen Liebe. Der Embryo im Mutterleib ist das Wahre der Lehre aus dem Guten der himmlischen Liebe. Solange dieser Embryo noch im Mutterleib weilt, hat er mehr vom Guten der Unschuld an sich, als nachdem er geboren sein wird. Daher wird durch ihn ebenso das Wahre der Lehre bezeichnet wie 83

durch den Sohn (Vers 5), aber dieser stellt die Lehre selbst dar, der Embryo dagegen die in Bildung begriffene Lehre. Dass der Muterleib das innerste Gute der Liebe bedeutet, beruht darauf, dass alle Zeugungsorgane, sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Geschlecht, die eheliche Liebe bedeuten und der Mutterleib ihr Innerstes, weil hier die Leibesfrucht empfangen wird und fortwächst bis sie geboren wird. Er ist auch wirklich das innerste der Zeugungsorgane; von ihm stammt auch die mütterliche Liebe, die man Zärtlichkeit nennt. OE 710
26. April

Fortsetzung Dass in diesen Worten innere Geheimnisse liegen, geht aus des Herrn Wort hervor, dass nicht alle diese Worte fassen, sondern nur diejenigen, denen es gegeben ist. Es gibt in den Himmeln ebenso Ehen wie auf der Erde, aber in den Himmeln gibt es sie nur unter Gleichen, denn der Mann ist geboren, um aus dem Verstand zu handeln, die Frau aber aus Neigung. Der Verstand bei den Männern ist der Verstand des Wahren und Guten, die Neigung bei den Frauen ist die Neigung zum Wahren und Guten und weil jeder Verstand sein Leben von der Neigung her hat, werden sie dort zusammengefügt wie die Neigung, die dem Willen angehört, zusammengefügt wird mit dem entsprechenden Denken, das dem Verstand angehört. Der Verstand ist verschieden, so wie die Wahrheiten verschieden sind, aus denen er gebildet wird. Im Allgemeinen gibt es himmlische Wahrheiten, geistige, sittliche und bürgerliche Wahrheiten, ja es gibt auch natürliche Wahrheiten und von allem Wahren gibt es unzählige Abarten und Varianten. Daraus folgt, dass kein Verstand gleich ist wie der andere; dennoch aber sollen Verstand und Neigung eine Einheit bilden. Deshalb 84

werden sie im Himmel so zusammengefügt, dass die Neigung der Frau mit einem entsprechenden Verstand eines Mannes verbunden wird, sodass beide infolge der Entsprechung ein Leben voller Liebe führen werden. Weil aber zwei verschiedene Neigungen nicht einem einzigen Verstand entsprechen können, kommt es im Himmel niemals vor und kann nicht vorkommen, dass ein Mann mehrere Frauen hat. OE 710
27. April Er sprach zu ihnen (Pharisäer): Habt ihr nicht gelesen, dass er, der sie von Anfang gemacht hat, sie als Mann und Weib gemacht hat? Darum soll der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weib anhangen. Und die zwei werden ein Fleisch sein. Mat 19, 4. 5.

Ein Mann soll das Böse und Falsche, was er vom Vater und der Mutter her in der Religion hat und das seinen Verstand befleckt, verlassen, und der davon getrennte Verstand soll mit der entsprechenden Neigung der Frau verbunden werden. Dadurch werden die zwei zu einer einzigen Neigung zum Wahren und Guten. Dies ist unter «ein Fleisch» zu verstehen, denn Fleisch bedeutet im geistigen Sinn das Gute, das der Liebe oder Neigung angehört. Dass sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch sein sollen, heißt, dass nun der Verstand des Guten und Wahren und die Neigung zum Guten und Wahren nicht mehr zwei, sondern eins seien, wie der Wille und der Verstand zwar zwei Bereiche sind, aber doch eine Einheit bilden. OE 710
28. April Und da er sich zu Tische legte in seinem Haus, geschah es, dass auch viele Zöllner und Sünder

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mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische lag; denn es waren ihrer viele und sie folgten ihm nach. Und da die Schriftgelehrten und Pharisäer sahen, dass er mit Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ist und trinkt er mit Sündern und Zöllnern? Mar 2, 15. 16.

Es geht darum, dass die Heiden, die unter den Zöllnern und Sündern verstanden werden, den Herrn aufnahmen, sich seine Gebote merkten und danach lebten und dass dadurch der Herr ihnen Gutes aus dem Reich der Himmel aneignen konnte, was durch das Essen mit ihnen ausgedrückt wird. Weil eben «essen» für «aneignen» steht, war es den Söhnen Israels gestattet, vom Geheiligten oder von den Opfern zu essen, denn durch die Opfer wurde das himmlische und das geistige Göttliche dargestellt und daher wurde durch das Essen von jenen die Aneignung dieser Dinge symbolisiert. OE 617
29. April Und um die neunte Stunde schrie Jesus mit großer Stimme und sprach Elohi, elohi, lammah sabachthani! Mar 15, 34

Es geht hier um die heilige Zahl drei, die, wo immer sie auftritt, das Erfüllte bedeutet. HG 901 Auch die letzte Versuchung, die des Kreuzes, erduldete der Herr um die dritte Stunde des Tages. Und nach drei Stunden oder um die sechste Stunde wurde eine Finsternis über das ganze Land verbreitet. Und nach abermals drei Stunden oder um die neunte Stunde verschied Jesus. Deswegen und hauptsächlich wegen der Auferstehung des Herrn am dritten Tag war die Dreizahl ein Symbol und ein Bild. HG 2788

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30. April Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, wie er aufgehört hatte, sprach seiner Jünger einer zu ihm: Herr, lehr uns beten, so wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet so sprecht: Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt.

Luk 11, 1. 2. Auch im Gebet des Herrn bedeutet «Name» nicht einfach den Namen, sondern alle Dinge der Liebe und des Glaubens, denn diese sind Gottes oder des Herrn, und sie sind von ihm. Wenn diese, weil sie heilig sind, heilig gehalten werden, kommt das Reich des Herrn und geschieht sein Wille auf Erden wie in den Himmeln. HG 2009
1. Mai Er sprach aber zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden müsste, was in Moses Gesetz und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben ist. Luk 24, 44.

Das göttliche Gesetz bedeutet im weitesten Sinn das ganze Wort. Fasst man es enger, ist es das historische Wort, noch enger die Mosesbücher und zuletzt die zehn Gebote auf den steinernen Tafeln. Dass es das historische Wort bedeuten kann, geht auch aus dem folgenden Text hervor:
Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen; denn das ist das Gesetz und die Propheten. Mat 7, 12.

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Hier werden ebenfalls Gesetz und Propheten unterschieden. Unter Gesetz ist demnach das historische Wort, unter Propheten das prophetische Wort zu verstehen. HG 6752 Wenn es heißt, dass alles, also das ganze Gesetz erfüllt werden müsse, will das sagen, der Herr sei in die Welt gekommen, um das gesamte Wort zu erfüllen, weil dieses Wort ausschließlich über ihn geschrieben ist. LvH 11 Was heißt nun aber die Wendung, «der Herr ist das Wort»? Man denkt dabei gewöhnlich, der Herr erleuchte und belehre die Menschen. Aber deswegen kann er nicht «das Wort» genannt werden. Nun ist aber jeder Mensch identisch mit seiner besonderen Art von Wille und Verstand, und unterscheidet sich vor allem darin von anderen, und jeder Mensch ist identisch mit seiner Liebe und Weisheit. Der Herr aber ist die Liebe und Weisheit an sich, und zwar dadurch dass er alles Gute und Wahre im Wort erfüllt hat. In dieser Weise ist der Herr das Wort. WCR 262
2. Mai Der Herr aber, nachdem er zu ihnen geredet hatte, wurde aufgehoben in den Himmel und sitzt zur Rechten Gottes. Mar 16, 19.

Weil der Herr mit dem zur Einheit verschmolzenen göttlichen und menschlichen Wesen in den Himmel stieg und sich zur Rechten Gottes setzte, wodurch die göttliche Allmacht bezeichnet wird, folgt, dass sein menschliches Wesen gleich sei wie das göttliche. Würde man dies anders auffassen, wäre es, als ob man annähme, dass nur sein göttliches Wesen in den Himmel erhoben worden sei und zur Rechten Gottes sitze, das menschliche jedoch nicht. Das würde dem Wort widersprechen, aber auch der christlichen Lehre, nach der Gott und Mensch sich in Christus verhalten wie Seele und Körper. Diese zu trennen widerspräche der Vernunft. LvH 35 88

3. Mai Jesus sprach zu Pilatus: Du sagst es, denn ich bin ein König und bin dazu gekommen in die Welt, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Joh 18, 37

Der Wahrheit Zeugnis geben bedeutet: bewirken, dass das von ihm ausgehende göttliche Wahre von ihm zeugt. Dieses göttliche Wahre wird im Wort ebenfalls als König bezeichnet. Man soll wissen, dass «zeugen» heißt, den Herrn anerkennen und bekennen und dass dies von ihm kommt. Man soll also das Gute der Liebe und der tätigen Liebe und ebenso das Wahre der Lehre und des Glaubens anerkennen, weil diese vom Herrn stammen und im Menschen immer noch ihm gehören. OE 635
4. Mai Jesus sprach: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Joh 14, 27

Der Herr heißt (bei Jesajah) Fürst des Friedens, weil er die Quelle des Friedens ist und sagt, Friede gehe von ihm aus und sei in ihm. Darum heißen die Engel Friedensengel und wird der Himmel als Wohnung des Friedens bezeichnet. Weil der Friede den Herrn und den Himmel, wie auch die himmlische Freude und das Angenehme des Guten symbolisiert, begrüßte man sich im Altertum mit den auch jetzt noch gültigen Worten: Friede sei mit euch! Weil unter dem Frieden die Vereinigung des göttlichen Wesens mit dem menschlichen im Herrn zu verstehen ist, ebenso auch die Verbindung des Herrn mit dem Himmel und der Kirche sowie mit allen Himmelsbewohnern und Gliedern der Kirche, die ihn aufnehmen, wurde zur Erinnerung an diese Dinge der Sabbat 89

eingesetzt und nach der Ruhe bzw. dem Frieden benannt. HH 287
5. Mai Ich bitte, dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass auch sie in uns eins seien. Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, Vater. Ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Denn ich habe ihnen kund getan deinen Namen und will ihn kund tun, auf dass die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. Joh 17, 20-26

Mit der Kirche im Menschen verhält es sich so, dass sie in immer neue Zustände eingeht; denn in dem Verhältnis, wie der Mensch im Wahren des Glaubens und Guten der tätigen Liebe erstarkt, wird er in andere Zustände eingeführt: Der frühere Zustand dient dann zur Unterlage für den folgenden und so fort. Auf diese Weise wird der Mensch, der eine Kirche ist oder der wiedergeboren wird, fortwährend dem Inneren zugeführt, somit weiter hinein in den Himmel. Dass es so abläuft, kommt daher, dass der Herr aus Liebe, die unendlich ist, weil göttlich, den Menschen bis zu sich ziehen und ihn so mit aller Herrlichkeit und Seligkeit beglücken will. HG 6645
6. Mai Vor alledem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen indem sie euch an

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Synagogen und in Gefängnisse überantworten und ihr vor Könige und Landpfleger geführt werdet um meines Namens willen. Luk 21, 12

Dieses ins Gefängnis überantwortet werden, wird im Wort dadurch beschrieben, dass die Juden und die Bösen die Jünger des Herrn verfolgen, sie mit Schmach belegen und töten werden. Denn unter den Jüngern des Herrn werden alle verstanden, die im Wahren aus dem Guten sind, also in Wahrheiten vom Herrn; und wenn diese unter den Jüngern des Herrn verstanden werden, wird in dem von Personen abstrahierten Sinn, der der eigentlich geistige Sinn des Wortes ist, das Wahre und Gute selbst verstanden, das vom Herrn durch sein Wort gegeben wird. So ist unter den Verfolgungen zu verstehen, dass diejenigen, die im Falschen und Bösen sind, danach trachten, die anderen der Wahrheiten zu berauben und im abstrakten Sinn heißt es, dass Wahrheiten durch Verfälschungen verdeckt und unterdrückt werden. OE 122
7. Mai Ich sage euch aber: Jeder, der mich bekennt vor den Menschen, den wird auch des Menschen Sohn bekennen vor den Engeln Gottes. Luk 12, 8 Einen jeden, der mich bekennt vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem Vater in den Himmeln. Mat 10, 32

Der Sohn des Menschen ist der Herr im Hinblick auf das göttlich–menschliche Wesen und die von ihm ausgehende Kraft des Wahren. Weil nun alle, die in den Himmel kommen wollen, in beidem, im Guten wie im Wahren sein müssen – denn niemand kann in dem einen sein, wenn nicht auch im andern, da das Gute das Sein des Wahren und das Wahre das 91

Dasein des Guten ist und weil der Vater das göttlich Gute und die Engel das göttlich Wahre bedeuten – darum heißt es: Ich will seinen Namen bekennen vor dem Vater und vor seinen Engeln. OE 200
8. Mai Er machte ein Andenken für seine Wunder, gnädig und erbarmungsvoll ist Jehovah. Er gibt Speise denen, die ihn fürchten, er gedenket seines Bundes ewiglich. Ps 111, 4. 5.

Es wird im Wort von Jehovah, d. h. vom Herrn oft gesagt, er gedenke oder gedenke nicht. Dadurch wird beschrieben, was dann aus Barmherzigkeit geschieht, sei es nun eine Bewahrung oder eine Befreiung. Darin zeigt sich eine Ähnlichkeit mit dem Menschen, der dem Anschein folgt. Wenn der Mensch sich vom Herrn abwendet, (indem er Böses tut) scheint es ihm, der Herr gedenke seiner nicht, obwohl dies doch von der Seite des Menschen ausgeht. Ein Gedenken oder Erinnern kann vom Herrn allerdings nicht gesagt werden, weil sowohl das Vergangene als auch das Zukünftige in ihm ewig, d. h. immer gegenwärtig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gedenken, vom Herrn gesagt, bedeutet also sich erbarmen, bewahren oder befreien aus Barmherzigkeit. HG 9849
9. Mai Beim Kreuz Jesu stand seine Mutter und Jesus sah die Mutter und den Jünger, den er lieb hatte, neben ihr stehen und spricht zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn, und zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter. Und von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Joh 19, 25-27

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Hierunter ist zu verstehen, dass der Herr nicht Maria als Mutter anerkannte, sondern die Kirche. Deshalb nennt er sie Weib und Mutter des Jüngers. Er nannte sie aber Mutter dieses Jüngers, des Johannes, weil dieser die Kirche in Bezug auf das Gute der tätigen Liebe darstellt. Das aber ist die Kirche in ihrer Wirkung an sich. Daher heißt es, er habe Maria zu sich genommen. In der Enthüllten Offenbarung kann man sehen, dass Petrus die Wahrheit und den Glauben, Jakobus die Liebe und Johannes die Werke der Liebe dargestellt haben, die zwölf Jünger zusammen aber die Kirche in Bezug auf alles, was zu ihr gehört. EL 119
10. Mai Sprecht unter den Völkerschaften: Jehovah ist König; auch ist gefestigt die Welt, nicht wanket sie. Er schafft Recht den Völkern in Geradheit. Es seien fröhlich die Himmel und die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. Ps 96, 10. 11.

Das bezieht sich auf den Herrn, der in die Welt kommen wird. Weil er Herrlichkeit und Macht hat aus seinem Menschentum, das er mit dem göttlichen Wesen vereinigte, wird auch gesagt, er nehme Majestät und Stärke an und gürte sich damit. Denn der Herr nahm die Menschennatur an, um die Macht zu bekommen, die Höllen zu unterjochen. Die Kirche, die er errichten und auf ewig beschützen wollte, wird durch die Welt symbolisiert, die gefestigt werden und nicht wanken wird, denn die Welt steht für den Himmel im Hinblick auf die Aufnahme des göttlichen Guten und Kirche im Hinblick auf die Aufnahme des göttlichen Wahren. OE 741

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11. Mai Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem gehe ich ein und halte Abendmahl mit ihm und er mit mir. Off 3, 20

Daraus geht deutlich hervor, dass der Herr fortwährend und beständig gegenwärtig ist und die Motivation stärkt, Gutes zu tun, dass aber der Mensch die Türe öffnen, das heißt, den Herrn aufnehmen muss und er nimmt ihn dann auf, wenn er das Gute entsprechend seinem Wort tut. Obgleich nun der Mensch glaubt, es geschehe aus seiner eigenen Kraft, ist es doch nicht die seine, sondern die des Herrn, die es in ihm bewirkt. Es scheint aber dem Menschen so, weil er nur empfinden kann, er denke und handle aus sich selbst, während er es doch auf Grund des Wortes tut. Dieses Gute, das der Mensch nach den Geboten des Wortes tut, ist das geistige Gute und verbindet den Menschen mit dem Herrn und dem Himmel. OE 741
12. Mai Da Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sagte: Wer sagen die Menschen, dass des Menschen Sohn sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus sagte: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Tore der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

Mat 16, 13. 16. 18. Es ist der Glaube an den Herrn, unseren Gott und Heiland Jesus Christus, der den Menschen selig macht. Nun fragt es 94

sich aber, worin das erste Erfordernis dieses Glaubens besteht. Die Antwort lautet: Es besteht in der Anerkennung, dass er Gottes Sohn ist. Jedenfalls war die das erste Erfordernis jenes Glaubens, den der Herr offenbarte und verkündigte, als er in der Welt war. Hätte man nicht zuerst einmal anerkannt, dass er der Sohn Gottes und somit Gott von Gott war, umsonst hätten er selbst und später die Apostel den Glauben an ihn gepredigt. Wenn der Herr sagte, auf diesen Felsen wolle er seine Kirche bauen, meinte er: auf die Wahrheit und das Bekenntnis, dass er der Sohn Gottes sei. Der Fels bedeutet nämlich die Wahrheit und ist ebenso eine Entsprechung des Herrn als des göttlichen Wahren. WCR 342
13. Mai Und es geschah, dass er in das Haus eines Obersten der Pharisäer kam, am Sabbath das Brot zu essen; und sie hielten auf Ihn. Und siehe, da war vor ihm ein Mensch, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sprach zu den Gesetzlehrern und Pharisäern und sagte: Ist es erlaubt, am Sabbath zu heilen? Sie waren aber stille. Und er nahm ihn, machte ihn gesund und entließ ihn. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem ein Esel oder ein Ochs in den Brunnen fällt und der ihn nicht alsbald herauszieht am Tage des Sabbaths? Luk 14, 1-5

In die Grube oder den Brunnen fallen bedeutet, wenn es vom Guten und Wahren im Natürlichen gesagt wird, verkehren. Beim verkehrten Guten und Wahren ist eine Umbildung durch das echte Wahre möglich, nicht aber beim zerstörten. Wenn das Gute oder Wahre verkehrt wird, bleibt es dennoch, obwohl es auf verkehrte Weise erklärt wurde. Fallen bedeutet 95

auch, durch Irrtum ausgleiten. Nun steht die Wassersucht für die Verkehrung des Wahren und Guten; die Heilung bedeutete also die Umbildung und Wiederherstellung des verdrehten Wahren. Denn alle Wunder des Herrn bezogen sich auf Zustände der Kirche. Der Sabbath stellte die himmlische Ehe, nämlich die Verbindung des Guten und Wahren im Auftrag des Herrn dar. Daher fanden die Heilungen durch den Herrn am Sabbathtag statt; denn die äußere Heilung schloss immer auch die Heilung des geistigen Lebens mit ein. HG 9086
14. Mai Forschet in den Schriften, denn ihr meint in diesen das ewige Leben zu haben. Und sie sind es, die von mir zeugen. Und ihr wollet nicht zu mir kommen, auf dass ihr das Leben haben möchtet. Joh 5, 39. 40.

Im Wort wird gesagt: an Gott glauben und auch das glauben, was von Gott ausgegangen ist. Aber an Gott glauben ist der Glaube, der selig macht, wogegen das glauben, was von Gott ausgeht, historischer Glaube ist, der ohne den ersten nicht selig macht; daher ist er nicht der wahre Glaube. An Gott glauben heißt nämlich wissen, wollen und tun. Glauben, was von Gott ausgeht, heißt hingegen nur wissen und dieser Glaube kann vorhanden sein, ohne dass man will und tut. Wahre Christen wissen, wollen und tun; sie werden vom Herrn Kluge genannt. Wer nicht will und tut, sondern nur weiß, ist kein wahrer Christ und wird vom Herrn als töricht bezeichnet. OE 349
15. Mai Lobet Gott mit dem Schall der Posaune! Lobet ihn mit Psalter und Harfe. Lobet ihn mit Pauke und

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Reigen! Lobet ihn mit dem Saitenspiel und der Orgel! Lobet ihn mit hell tönenden Cymbeln! Lobet ihn mit schmetternden Cymbeln! Ps 150, 3 – 5

Alle hier genannten Instrumente bedeuten Neigungen, jedes seine besondere und zwar in Folge der Übereinstimmung ihres Tons, denn die Neigungen sind es, die viele Mannigfaltigkeiten von Tönen beim Menschen erzeugen; deshalb können aus den Tönen die Neigungen erkannt werden. Die Engel des himmlischen Reiches erfassen den inneren Sinn schon aus der bloßen Neigung des Menschen, wenn dieser das Wort liest, denn sie tritt aus dem Klang der Worte in der Grundsprache hervor. Die Engel des geistigen Reiches erfassen den inneren Sinn aus den Wahrheiten, die diese Worte enthalten. Daher erhält der Mensch mit geistiger Neigung aus dem himmlischen Reich die Freude seines Herzens, aus dem geistigen Reich aber das dankbare Bekenntnis als Folge dieser Freude. Die Töne der genannten Musikinstrumente heben die Neigung, die Wahrheiten bilden sie. OE 326
16. Mai Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben oder dem einen anhangen und den andern verachten: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Mat 6, 24

Wenn der Mensch die Lehre seiner Kirche nach allen Teilen ganz genau kennt und sie durch das Wort und vernünftige Überlegungen bekräftigen kann, wenn er die Lehren aller Kirchen von Anfang an versteht und ihm die Resolutionen aller Kirchenversammlungen geläufig sind, selbst wenn er die Wahrheiten kennt, griffbereit hat und versteht, wenn er z. B. 97

weiß was der Glaube, die tätige Liebe, die Frömmigkeit, auch was Buße und Vergebung der Sünden, was Wiedergeburt, Taufe und das heilige Abendmahl, selbst was der Herr, die Erlösung und Seligmachung sind, so ist er doch nicht weise, wenn er das Böse nicht als Sünde flieht, denn die genannten Erkenntnisse sind ohne Leben, weil sie bloß in seinem Verstand und nicht zugleich in seinem Willen verankert sind. Nach dem Tod wirft der Mensch von selbst alles weg, was nicht mit der Neigung seines Willens übereinstimmt. LL 27
17. Mai Dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe: So spricht der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt. Off 2, 1.

Die sieben Leuchter (auch die sieben Gemeinden) bedeuten die Gesamtheit der Glieder der neuen Kirche des Herrn, somit diese Kirche und den Himmel im Allgemeinen. Wandeln aber heißt leben und kommt von den Erscheinungen in der geistigen Welt. Dort wandeln alle ihrem Leben gemäß, die Bösen auf keinen anderen Wegen als solchen, die zur Hölle führen, die Guten aber auf solchen, die sie zum Himmel leiten. Daher werden dort alle Geister an den Wegen erkannt, die sie wandeln. Es zeigen sich wirkliche Wege, den Bösen aber nur solche in Richtung Hölle, den Guten in Richtung Himmel. Daher kommt es, dass jeder zu seiner Gesellschaft geführt wird. Also bedeutet wandeln leben. OE 97
18. Mai Sie sagten von Jesu: Alles hat er wohl gemacht, denn die Tauben macht er hörend und die Stummen redend. Mar 7, 37.

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Taub sind diejenigen, die nicht erfassen, was wahr ist und daher nicht gehorchen. Taub sein bedeutet demnach allgemein den Ungehorsam. Das Gehör entspricht sowohl dem Begreifen als auch dem Gehorsam. Was man hört, erfasst man innerlich und erkennt daraus, was zu tun ist. Im Wort werden unter den Tauben auch die Heiden verstanden, die keine Wahrheiten des Glaubens kennen, weil sie das Wort nicht haben und also nicht danach leben können. Sie allerdings nehmen die Wahrheiten an, wenn sie belehrt werden, und leben danach. Unter dem Aussprechen sind das Bekenntnis des Herrn und die Predigt des Glaubens zu verstehen. Stumm sind also diejenigen, die den Herrn nicht bekennen und den Glauben an ihn nicht predigen können, und zwar aus Unwissenheit, was sich ebenfalls auf die Heiden außerhalb, aber auch auf die Einfältigen innerhalb der Kirche bezieht. HG 6988, 6989
19. Mai Er aber sprach: Euch ist gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den übrigen aber in Gleichnissen; damit sie sehen und nicht sehen, hören und nicht verstehen. Luk 8, 10.

Der Herr offenbart in diesem Kapitel und in dem folgenden das Innere des Himmels, aber er gebraucht Bilder und Ausdrücke aus der Welt. Das tut er aber, damit nicht die Weltmenschen es verstünden, sondern nur die himmlischen Menschen. Die Weltmenschen sollten es nicht verstehen, damit sie nicht in die Lage kommen sollten, das Innere des Wortes zu entweihen, denn dadurch würden sie sich in die allerschrecklichste Hölle stürzen. HG 9049

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20. Mai Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass man dem Bösen nicht widerstehen soll, sondern dem, der dir einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete auch die andere dar, und dem, der mit dir rechten und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel, und wenn dich jemand nötigt zu einer Meile, so geh zwei mit ihm; gib dem, der dich bittet und wende dich nicht von dem, der von dir entlehnen will. Mat 5, 38 – 42

Wer könnte nicht sehen, dass diese Worte nicht nach dem Buchstabensinn zu verstehen sind, denn wer würde die linke Backe dem darbieten, der ihm einen Streich auf die rechte Backe gegeben hat und wer dem den Mantel lassen, der den Rock nehmen will, und wer das Seinige allen geben, die bitten, und wer wird dem Bösen nicht widerstehen? Allein niemand kann dies verstehen, der nicht weiß, was die rechte und die linke Backe bedeuten, was der Rock und der Mantel, ferner was die Meile wie auch, was das Entlehnen bedeutet. Es handelt sich hier um das geistige Leben oder das Leben des Glaubens, nicht um das natürliche Leben, dasjenige der Welt. Die Backe ist die Neigung des inneren Wahren, die rechte die Neigung des Wahren aus dem Guten. Einen Backenstreich geben bedeutet eine Handlung, die dieses Wahre verletzt. Rock und Mantel symbolisieren das Wahre in seiner äußeren Form. «Rechten» heißt das Bestreben, es zu zerstören. Die Meile steht für alles, was zum Wahren führt, sie ist ein Synonym zum Weg. Jedem geben, der bittet, heißt also die Wahrheiten des Glaubens an den Herrn bekennen. Dem Bösen nicht widerstehen (ist leicht möglich), denn es schadet denen nicht, die 100

im Wahren und Guten sind, denn sie sind geschützt durch den Herrn. HG 9049
21. Mai Gib uns heute unser tägliches Brot. Mat 6, 11.

Die Speisen an denen sich die Seele des Menschen weidet, wenn er tot ist, sind das Angenehme aus dem Bösen und das Ansprechende aus dem Falschen und außerdem die weltlichen und natürlichen Dinge, die kein Leben in sich haben. Ein solcher Mensch weiß nicht, was geistige und himmlische Speise ist, so wenig, dass er, sooft im Wort Speise oder Brot genannt wird, meint, es werde leibliche Speise bezeichnet. So ist er der Ansicht, beim Gebet des Herrn «Gib uns heute unser tägliches Brot» gehe es um leibliche Nahrung. Und viele dehnen dies noch aus und behaupten, auch die übrigen (im Wort genannten) Dinge des täglichen Lebens, nämlich Kleider, Güter und anderes, (hätten ihre Bedeutung nur im leiblichen Sinn). Sie treten entschieden dafür ein, dass keinerlei andere Speise gemeint sein könne, während sie doch sehen, dass das Vorhergehende und Nachfolgende nur Himmlisches und Geistiges in sich schließt und bei allem vom Reich des Herrn die Rede ist. HG 680
22. Mai Und es ward ein Wirbel eines großen Windes und warf die Wellen in das Schifflein, so dass es schon sich füllte. Und er war im hinteren Teil des Fahrzeuges und schlummerte auf einem Kopfkissen. Und sie weckten ihn und sagten zu ihm: Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir verderben? Und er stand auf, bedräuete den Wind

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und sprach zu dem Meer: Schweig still und verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Windstille. Mar 4, 37 – 39

In der Beschreibung der göttlichen Wunder im Wort und in ihren Einzelheiten liegt ein geistiger Sinn. Dieses Wunder schließt geistige Versuchungen in sich. Der große Wirbelwind, in Folge dessen die Fluten ins Schiff hineinstürzten, so dass es sich füllte, bedeutet diese Versuchungen, und dass Jesus, nachdem er aufgeweckt worden war, den Wind bedrohte und zum Meer sprach: verstumme, bedeutet die Befreiung. Der Wirbel und der Sturm stellen Versuchungen dar, nämlich Einbrüche von Falschem oder Überflutungen des Gemütes durch Falsches. Es ist so, als hätte der Herr seine Worte zum Falschen oder zu denen gesagt, die die Versuchungen herbeiführen. Die Winde, die in der geistigen Welt entstehen, kommen aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Die von Mittag her zerstreuen das Wahre bei denen, die im Falschen sind, und die von Aufgang her zerstreuen das Gute bei denen, die im Bösen sind. Sie tun es, weil sie aus dem mächtigen Einfluss des Göttlichen durch die Himmel in die unteren Regionen entstehen. Wo sie aber einfließen, erfüllen sie das Wahre und Gute, das heißt, die Gemüter und Seelen derer, die im Wahren und Guten sind. OE 419
23. Mai Es war aber um die sechste Stunde und es wurde eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und die Sonne wurde verfinstert und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Luk 23, 44. 45.

Dies ist geschehen zum Zeichen, dass der Herr verleugnet wurde und dass in Folge dessen nichts Gutes und Wahres bei 102

den Angehörigen der Kirche war, denn alle Zeichen aus den Himmeln bei ihnen stellten Dinge dar, die sich auf die Kirche beziehen, weil die Kirche bei ihnen eine bildliche Kirche war und aus Äußerlichkeiten bestand, die das Innere der Kirche symbolisierten. Dass eine Finsternis über das ganze Land kam bedeutete, dass eben nur Falsches des Bösen bei den Angehörigen der Kirche war. Das «ganze Land» ist die ganze Kirche und Finsternis bedeutet das Falsche. Während dreier Stunden, nämlich von der sechsten bis zur neunten, verweist auf lauter Falsches und absolut nichts Wahres, denn drei bedeutet alles in Allem. Unter der Sonne, die verfinstert wurde, wird der Herr verstanden, der verfinstert heißt, wenn nur Falsches in der Kirche herrscht, so dass er nicht anerkannt und so viel Böses, dass er gekreuzigt wird. OE 401
24. Mai Erkenntet ihr mich, so erkenntet ihr auch wohl meinen Vater. Und von nun an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. Spricht zu ihm Jesus: So lange Zeit bin ich bei euch und du erkennst mich nicht Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: zeige uns den Vater? Joh 14, 7 – 9

Wenn Jehovah vor der Ankunft des Herrn in der Welt erschien, tat er das in der Gestalt eines Engels, denn wenn er durch den Himmel hindurchging bekleidete er sich mit dieser Gestalt, die die Menschengestalt war, denn der ganze Himmel ist unter dem Einfluss der göttlichen Kraft gleichsam ein Mensch. Jehovah war demnach das Göttlich-Menschliche. Und weil Jehovah in Menschengestalt als ein Engel erschien, ist klar, dass er dennoch Jehovah selbst war und diese Gestalt auch 103

die seinige war, weil sie sein göttliches Wesen im Himmel darstellte. Weil aber diese Menschengestalt beim Hindurchgehen durch den Himmel angenommen wurde und dies zur Rettung der Menschheit notwendig war, dass er wirklich und wesentlich Mensch wurde, darum gefiel es ihm, geboren zu werden und die menschliche Gestalt tatsächlich anzunehmen. HG 10579
25. Mai Du hast auch wenige Namen in Sardes, die ihre Gewänder nicht befleckt haben; sie sollen mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, soll mit weißen Kleidern angetan werden. Off 3, 4

Der Name gibt die Beschaffenheit des Lebenszustandes eines Menschen an. Die aus Sardes führen ein sittliches Leben, aber kein geistiges, weil sie die Erkenntnisse des Wahren und Guten aus dem Wort gering schätzen. Die genannten «wenigen Namen» jedoch sind solche, die ein sittliches Leben aus geistigem Ursprung führen. Die Kleider bedeuten nämlich Verstandeswahrheiten und Erkenntnisse des natürlichen Menschen. Dass sie sie nicht befleckt haben, will sagen, sie lebten als sittliche Menschen, aber nicht um ihrer selbst und der Welt willen, sondern um des Herrn und des Himmels willen und wenden die Erkenntnisse des Wahren und Guten aus dem Wort auf ihr Leben an. Wer «überwindet», ist jemand der darin beharrt bis zum Tod, und soll dafür mit Einsicht und Weisheit begabt werden. OE 196
26. Mai Er sprach dann zu ihnen: Der Ernte ist zwar viel, aber der Arbeiter wenige. Flehet zum Herrn der

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Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte ausschicke. Gehet hin, siehe, ich sende euch wie die Lämmer unter die Wölfe. Luk 10, 2. 3. Johannes der Täufer sah Jesus kommen und sprach: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Joh 1, 29. Spricht er zu ihm (Petrus): Weide meine Lämmer. – Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe.

Joh 21, 15.16. Weil diejenigen Lämmer heißen, die in der Unschuld sind, spricht der Herr so zu Petrus. Die Lämmer sind hier diejenigen, die im Guten der Liebe zum Herrn sind, denn sie sind mehr als die anderen in der Unschuld. Die Schafe jedoch sind diejenigen, die im Guten der tätigen Liebe zum Nächsten und im Guten des Glaubens sind. Die Wölfe jedoch sind diejenigen, die sich gegen die Unschuld stellen. Weil der Herr, als er in der Welt war, im Hinblick auf seine Menschennatur die Unschuld selbst war und weil deshalb alle Unschuld von ihm ausgeht, deshalb nennt sich der Herr das Lamm und das Lamm Gottes. HG 10132
27. Mai Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Ps 34, 14.

Die Zunge bedeutet im inneren Sinn die Meinung, somit die Grundsätze und Überzeugungen. Das hat seinen Grund darin, dass eine Entsprechung zwischen der Zunge und dem Verstand oder dem Denken des Menschen stattfindet. Es gibt einen Einfluss der Gedanken des Menschen in die Bewegungen der redenden Zunge, wie es einen des Himmels gibt. Die Lippe 105

jedoch entspricht der Lehre, und zwar im Allgemeinen, während die Worte diese im Besonderen darstellen. HG 1159, 1288
28. Mai Danach sah ich vier Engel auf den vier Ecken der Erde stehen; dies hielten die vier Winde der Erde, auf dass kein Wind blies über das Land, noch über das Meer noch über irgend einen Baum. Und ich sah einen anderen Engel von Sonnenaufgang emporsteigen, der das Siegel des lebendigen Gottes hatte und schrie mit großer Stimme zu den vier Engeln, welchen gegeben war zu beschädigen das Land und das Meer. Und sprach: Beschädiget nicht das Land, noch das Meer noch die Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben. Off 7, 1-3

Die vier Engel stellen die Gegenwart der göttlichen Kraft in der gesamten geistigen Welt dar, und zwar in einer Epoche vor dem letzten Gericht, in der sie verhindern mussten, dass Gute verletzt und Böse vor der Zeit verworfen wurden. Das ist mit dem Zurückhalten der Winde gemeint über alle Gegenden der geistigen Welt bis an die äußersten Grenzen. Nun zeigt sich die göttliche Liebe, die vom Herrn ausgeht, in ihrer Kraft und gibt den Befehl, den Umsturz zu verzögern. Dies alles symbolisiert der «andere Engel» mit dem Siegel des lebendigen Gottes. Engel stellen ja zunächst eine ganze Gesellschaft dar, aber auch jeden, der die göttlichen Wahrheiten in der Lehre und im Leben aufnimmt, im höchsten Sinn aber einen Teil der göttlichen Kraft, insbesondere das Wahre. Dass dieser Engel von Osten aufsteigt, deutet auf die göttliche Liebe hin. Das Siegel bekräftigt einen Befehl, hier also 106

den Befehl des Herrn. Und es geht nun darum die Zeit abzuwarten, bis die Guten von den Bösen abgesondert sind. Versiegeln heißt hier unterscheiden und trennen. OE 415-426
29. Mai Die Knechte aber des Hausherrn kamen herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in dein Feld gesät? Woher hat er nun das Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat das getan. Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein, auf dass ihr nicht, wenn ihr das Unkraut zusammenleset, zugleich damit den Weizen ausreutet. Mat 13, 27-29

Nach der göttlichen Ordnung sollen alle Geister erhalten werden, und dies solange, bis sie nicht mehr unter den Guten sein können. Es werden deshalb alle diejenigen aufbehalten, die im Äußeren ein geistiges Leben nachahmen und, wie sie auch im Hinblick auf den Glauben und die Liebe im Inneren beschaffen sein mögen, und es so als sittlich darstellen können, als wäre es echt. Von solchen gab es viele; sie konnten fromm mit der Menge reden, heilig den Herrn anbeten, den Seelen Religion einflößen und sie durch die Predigt über die Werke zum Tun des Guten animieren. Dass sie geduldet wurden, liegt daran, dass sie durch ihr äußerliches Gehabe mit den einfältig Guten verbunden waren, die teils im letzten Himmel, teils noch in der Geisterwelt und noch nicht in den Himmel eingeführt waren; denn in der Geisterwelt gibt es eine Gemeinschaft mit allen und daher eine Verbindung mit Ähnlichen, und die einfältig Guten sehen, ohne deshalb innerlich böse zu sein, hauptsächlich auf das Äußere. Wenn sie daher von den ande107

ren vor der bestimmten Zeit losgerissen würden, nähme der Himmel in seinem Letzten Schaden, auf dem die oberen Himmel als auf ihrer Grundlage ruhen. Das Unkraut sind nun die genannten innerlich Bösen, der Weizen die innerlich Guten. JG 59. 70.
30. Mai Es ward aber auch ein Wettstreit unter ihnen, welcher von ihnen für den größten zu halten wäre. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Völkerschaften herrschen über sie und die Gewalt haben über sie heißen sie Wohltäter. Ihr aber nicht also; sondern der größte unter euch werde wie der jüngste und der Leiter wie der Diener. Denn welcher ist der größere, der zu Tisch liegt oder der bedient? Ist’s nicht der, so zu Tische liegt? Ich aber bin in eurer Mitte wie einer der dient. Luk 22, 24 – 27

Sie wussten damals nicht, dass himmlische Lust nicht die Lust an Größe und Vorrang ist, sondern die Lust der Erniedrigung und der Neigung, anderen zu dienen. Die die Lehren kennen, aber nicht ins Leben umsetzen, wissen nur, dass das Himmelreich den Reichen in dieser Welt darin gleich sei, dass sie dort groß werden, indem sie anderen gebieten dürfen. Die Lust hieraus ist die einzige, von der sie wissen und die sie jeder anderen vorziehen. HG 3417
31. Mai Mein Mund soll deine Gerechtigkeit erzählen, dein Heil den ganzen Tag; denn ich weiß sie nicht zu erzählen. Ich will kommen in der Macht des Herrn

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Jehovah, ich will gedenken deiner Gerechtigkeit, deiner allein. Ps 71, 15. 16.

Die Unterjochung der Höllen, die Anordnung der Himmel vom Herrn und die Verherrlichung seines menschlichen Wesens und dadurch das Heil für den Menschen, der den Herrn durch Liebe und Glauben aufnimmt, sind die Gerechtigkeit und das Verdienst, das dem Herrn allein angehört. Der Mensch hätte niemals erlöst werden können, wenn nicht Höllen unterjocht und die Himmel in Ordnung gebracht worden wären. Das begreifen aber nur diejenigen, die auch wissen, dass Geister von den Höllen beim Menschen sind, von denen ihm Böses und Falsches, wie auch Engel aus dem Himmel, von denen ihm Gutes und Wahres zufließt, sodass sein Leben mit beiden und so auch mit dem Herrn verbunden ist. HG 9715
1. Juni Alles ist mir von meinem Vater überantwortet, und niemand kennt den Sohn, denn nur der Vater, noch kennt jemand den Vater, denn nur der Sohn und wem der Sohn willens ist es zu offenbaren. Mat 11, 27

Die Engel in den Himmeln wissen und anerkennen nämlich kein anderes göttliches Wesen als das göttliche Menschliche des Herrn, denn an dieses können sie denken und dieses können sie lieben. An das göttliche Wesen aber, das der Vater genannt wird, können sie nicht denken und es deshalb auch nicht lieben, weil es unbegreiflich ist. Was nicht gesehen und nicht gehört werden kann, kann auch in keine Denkvorstellung und in keine Liebesneigung eingehen. Ein Gegenstand muss angemessen sein, wenn er mit dem Glauben 109

und mit der Liebe erfasst werden soll. Das unbegreifliche göttliche Wesen, das der Vater genannt wird, wird aber zugleich mit verehrt, wenn der Herr im Hinblick auf sein göttlich-menschliches Wesen verehrt wird. HG 10267
2. Juni Jehovah, deine Barmherzigkeit reicht bis zu den Himmeln und deine Wahrheit bis zu den Wolken. Ps 36, 6.

Es sind zwei Dinge auf die sich das ganze Wesen der Kirche bezieht: auf die Liebe und auf den Glauben. Barmherzigkeit ist Sache der Liebe, Gnade und Wahrheit sind Sache des Glaubens. Im Wort wird deshalb oft von Barmherzigkeit und Gnade (oder Wahrheit wie im obigen Zitat) gesprochen, wenn der Herr angefleht wird. HG 10578
3. Juni Ich bekenne dich in Geradheit des Herzens, wenn ich lerne die Rechte deiner Gerechtigkeit. Ps 119, 7

Dass die Gerechtigkeit und das Gericht (oder das Recht) sooft genannt werden, kommt daher, dass das Gericht vom Wahren, die Gerechtigkeit aber vom Guten gebraucht wird. LvHS 85 Im himmlischen Reich des Herrn wird die Regierung als Gerechtigkeit bezeichnet, weil alle in diesem Reich im Guten der Liebe zum Herrn sind, die selbst vom Herrn stammt, und weil alles, was aus diesem Guten heraus geschieht, gerecht genannt wird. Die Regierungsform des geistigen Reiches heißt das Gericht, weil sie dort im geistigen Guten leben, dem Guten der 110

Nächstenliebe. Dieses Gute ist seinem Wesen nach das Wahre und dieses ist Sache des Rechts und des Gerichts. HH 214, 15
4. Juni Aus der Bedrängnis rief ich zu Jehovah und Jehovah antwortete mir in der Breite. Ps 118, 5

Im Wort werden durch Orte und Räume sowie durch alles, was etwas vom Räumlichen an sich hat, Dinge bezeichnet, die sich auf Zustände beziehen wie z. B. durch Abstände, Nahes, Fernes, Wege, Wanderungen, Meilensteine … aber auch durch Länge, Breite, Höhe und Tiefe. Wenn durch das neue Jerusalem die neue Kirche dargestellt wird, bedeuten die Maße die zur Kirche gehörenden Dinge: die Länge das Gute ihrer Liebe, die Breite das Wahre aus diesem Guten, die Höhe das Gute und Wahre nach den Graden. HH 197
5. Juni Der Pharisäer stand da für sich und betete also: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zwei Mal in der Woche und verzehnte alles was ich besitze. Und der Zöllner stand von weitem und wollte auch nicht die Augen aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig. Luk 18, 11-13

Es gibt Werke, die nur vom Menschen getan werden und diese sind nicht gut; es gibt aber auch Werke, die vom Herrn durch den Menschen getan werden und diese sind gut. 111

Dennoch erscheinen beiderlei Werke der äußeren Form nach gleich, aber der inneren nach sind sie ganz verschieden. Die Werke, die der Pharisäer aufzählte, waren Werke von ihm selbst und daher auch auf Verdienst berechnet. Alles, was der Mensch allein aus dem Äußeren tut, ist unrein; was er aber aus dem gereinigten Inneren durch das Äußere tut, ist rein, denn eben dieses kommt vom Herrn. Das Innere befiehlt Gutes um des Guten willen zu tun und Wahres um des Wahren willen zu reden. OE 794
6. Juni Und zu Jesus sprach er (der Schächer): Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Luk 23, 42. 43.

Die Menschen, die nach dem Tode Geister genannt werden und Engel, wenn sie gut gelebt haben, wundern sich sehr, dass der Mensch der Kirche glaubt, er werde das ewige Leben nicht früher sehen als am jüngsten Tag wenn die Welt untergehe, und er werde dann den weggeworfenen Staub wieder anziehen. Dabei weiß doch der Mensch der Kirche, dass er nach dem Tod wieder aufersteht, denn wer sagt nicht, nachdem ein Mensch gestorben ist, seine Seele sei entweder im Himmel oder in der Hölle, und wer sagt nicht beim Tod eines kleinen Kindes, es sei jetzt im Himmel, und wer tröstete nicht einen Kranken oder zu Tod Verurteilten damit, dass er bald ins andere Leben kommen werde. HG 5078
7. Juni Und der Tempel Gottes wurde aufgetan im Himmel und wurde gesehen seine Bundeslade in seinem

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Tempel. Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und großer Hagel. Off 11, 19

Damit wird das Erscheinen eines neuen Himmels und einer neuen Kirche beschrieben, in denen der Herr verehrt wird. Die Bundeslade ist das göttliche Wahre, durch das eine Verbindung mit dem Herrn geschaffen wird. Blitze, Stimmen und Donner bedeuten Wirrwarr in den unteren Regionen, wo die Bösen sind, Zusammenstöße und Durcheinander in den Gedanken. Das Erdbeben stellt die Veränderung des Zustandes dar in Bezug auf alles, was bei ihnen dem Himmel und der Kirche gehört. Der Hagel schließlich ist das höllisch Falsche, das alles Wahre und Gute der Kirche zerstört. Dass es so ist, kann niemand aus eigener Einsicht wissen, weil es Geheimnisse des Himmels sind, die man durch Offenbarung kennen lernen muss. Denn wer kann wissen, wie das letzte Gericht vollzogen wurde, welche Veränderungen in der geistigen Welt vorhergingen und welche danach folgten. OE 699
8. Juni Ich sah, und siehe eine weiße Wolke und auf der Wolke saß einer ähnlich einem Menschensohn. Off 14, 14.

Hier hat er zuerst bekannt, dass er der Sohn Gottes sei, und nachher sagt er, sie würden des Menschen Sohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf des Himmels Wolken, wodurch verstanden wird, dass er nach dem Leiden am Kreuz göttliche Macht besitzen werde, das Wort zu eröffnen und die Kirche zu gründen, was nicht früher geschehen konnte, weil er vorher die Hölle noch nicht besiegt und seine Menschennatur noch nicht verherrlicht hatte. LvH 26 113

9. Juni Und Jesus sprach: Die Füchse haben Baue und die Vögel des Himmels ihre Nester. Aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. Luk 9, 58

Darunter ist zu verstehen, dass das Wort bei den Juden keinen Platz finde, noch dass es bei ihnen bleiben werde, weil sie ihn nicht anerkannten. Durch «des Menschen Sohn» wird der Herr wie auch in der Offenbarung in Bezug auf das Wort verstanden. LvH 27
10. Juni Die Pharisäer und Schriftgelehrten unter ihnen murrten wider seine Jünger und sprachen: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen die Gerechten, sondern die Sünder zur Buße zu rufen. Luk 5, 30-32.

Der Arzt bedeutet die Bewahrung vor dem Bösen und Falschen in der Kirche. Unter den Gesunden sind die Gerechten zu verstehen, unter den Kranken die Sünder. Genesung, Heilungen, Mittel und Arzneien sind nie im natürlichen, sondern immer im geistigen Sinn zu verstehen. Ein Heilmittel stellt dar, was vor Falschem und Bösem bewahrt; denn wenn das Glaubenswahre zum Guten des Lebens führt, wirkt es zugleich bewahrend, weil es vom Bösen weg führt. HG 6502

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11. Juni Der Gott, der mich mit Tapferkeit umgürtet und macht meinen Weg untadelig … der meine Hand lehrt den Streit, dass meine Arme den ehernen Bogen niederdrücken. Ps 18, 33. 35.

Es geht um den Kampf des Guten gegen das Falsche aus dem Bösen. Der Streit ist ein geistiger Streit, der gegen das Böse und Falsche gerichtet ist. Diesen Streit lehrt Gott: Unter dem ehernen Bogen ist die Lehre der tätigen Liebe zu verstehen. Dass meine Arme ihn niederdrücken (sodass sich die Sehne spannen lässt) will sagen, Gott richtet es dadurch ein, dass er wirksam ist. OE 357
12. Juni Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. Mat 5, 5.

Im Wort des Alten Testaments wird das Erbe sowohl vom Himmlischen oder Guten als auch vom Geistigen oder Wahren ausgesagt. Das erste kann man mit «erblich besitzen», das zweite mit «erben» übersetzen. Beides bedeutet, auf den Menschen bezogen, Leben vom Herrn empfangen, also das ewige Leben oder den Himmel, wobei unter «das Land» das himmlische Kanaan oder der Himmel zu verstehen ist. HG 2659
13. Juni Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremias gesprochen ist, der sagt: Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, die Schatzung dessen, der geschätzt wurde, den sie sich schätzen ließen

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von den Söhnen Israels und gaben sie für den Töpfersacker, wie mir der Herr verordnet hat. Mat 27, 9. 10.

«Dreißig» bedeutet einigen Kampf, gemeint ist wenig Kampf. Das kommt daher, dass diese Zahl durch Multiplikation entstanden ist aus fünf, was weniges bedeutet, und aus sechs, das für Arbeit oder Kampf steht. Daher bedeutet dreißig, wo immer es im Wort auftaucht, etwas weniges. Hier soll gesagt werden, das Verdienst des Herrn um die Erlösung und Seligmachung hätten sie so gering eingeschätzt. Der Töpfer ist nämlich das Symbol für die Besserung und Wiedergeburt. HG 2276
14. Juni Ich will hören, was der Gott Jehovah redet; denn er redet Frieden zu seinem Volk und zu seinen Heiligen. Aber sie sollen sich nicht wieder zur Narrheit kehren. Es sollen Barmherzigkeit und Wahrheit sich treffen, sich küssen Gerechtigkeit und Frieden. Ps 85, 9. 11.

Jehovah wird die Verbindung mit ihm durch die Verbindung des Guten und Wahren bei ihnen lehren. Der Friede stellt diese beiden Verbindungen dar. Das Volk sind diejenigen, die den Wahrheiten aus dem Guten anhangen, die Heiligen diejenigen, die durch die Wahrheiten im Guten sind. Dass bei ihnen nicht nachträglich noch das Böse und Falsche, eins aus dem anderen, auftauche, wird durch «nicht wieder zur Narrheit kehren» ausgedrückt. Unter Barmherzigkeit ist hier die Entfernung vom Bösen zu verstehen ebenso wie unter Gerechtigkeit, wodurch ihnen Gutes der Liebe zuteil wird. OE 365 116

15. Juni Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verurteilt nicht, so werdet ihr auch nicht verurteilt. Erlasst, so wird auch euch erlassen. Luk 6, 37

Zuweilen scheint es, als ob die Ziele des Menschen selbstisch seien, während sie es doch nicht sind, denn der Mensch ist von der Art, dass er im einzelnen auf sich selbst reflektiert und zwar, weil es so Sitte und Gewohnheit ist. Wenn aber jemand die Ziele bei sich erkennen will, so achte er nur auf das Vergnügen, das er bei sich empfindet, wenn er gelobt und gerühmt wird, und auf die Befriedigung, die er nach einer von seinem ich getrennten Nutzleistung spürt. Das alles kann der Mensch bei sich erforschen, aber bei anderen kann er es nicht, denn die Ziele und Zwecke jedes einzelnen sind dem Herrn allein bekannt. Tausende können in der gleichen Neigung im Hinblick auf das Wahre und Gute erscheinen und doch unterscheiden sie sich alle im Hinblick auf den Ursprung oder das Ziel. HG 3796

16. Juni Auf dass ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Gewalt hat auf Erden, Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Ich sage dir: Mache dich auf, nimm dein Bett und gehe in dein Haus. Und sogleich stand er auf vor ihnen, nahm auf, worauf er gelegen, ging in sein Haus und verherrlichte Gott. Und Entsetzen erfasste alle und sie verherrlichten Gott und wurden erfüllt von Furcht und sprachen: Wir haben heute Außerordentliches gesehen. Luk 5, 24 - 26

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Durch Schrecken und Angst werden im Wort mancherlei Gemütsbewegungen ausgedrückt, die durch Einwirkung von Dingen entstehen, die Entsetzen erregen, was aber auch mit Freude verbunden sein kann. Schrecken bedeutet im geistigen Sinn die Abscheu vor dem Bösen und Falschen aus der Hölle, denn dies erschreckt den geistigen Menschen, weil es dem Guten und Wahren entgegengesetzt ist. Anderseits gibt es den heiligen Schauer, der das Innere des Hauptes einnimmt, erschüttert und durchzuckt, wenn die göttliche Kraft einfließt und es erfüllt. Dieser Schauer heißt ebenfalls Furcht, Schrecken und Scheu. Dass er Gott verherrlichte, will sagen, er habe den Herrn anerkannt und verehrt. OE 677
17. Juni Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutfluss hatte, trat von hinten heran und berührte den Saum seines Kleides. Denn sie sagte bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid berühre, so bin ich gerettet. Jesus aber wandte sich um und sah sie und sprach: Sei getrost meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und dem Weib ward geholfen zur selbigen Stunde. Mat 9, 20 – 22

Der Herr heilte diese und auch die anderen je nach ihrem Glauben, weil das erste und wichtigste der neu zu errichtende Kirche war, dass die Menschen glaubten, der Herr sei der allmächtige Got, denn ohne diesen Glauben kann keine Kirche errichtet werden. Der Herr war ja wirklich der Gott des Himmels und der Erde, mit dem keine Verbindung möglich ist, außer durch Anerkennung seiner Gottheit und diese Anerkennung ist Glaube. OE 815

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18. Juni Darum sage ich euch: Alles was ihr bittet im Gebet, glaubet, dass ihr’s empfanget, so wird es euch werden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas wider jemand habt, auf dass auch euer Vater in den Himmeln euch eure Fehler vergebe. Mar 11, 24. 25.

Beten, bitten und flehen bedeutet im geistigen Sinn ein Leben der Liebe und der tätigen Liebe, denn denen, die Liebe und tätige Liebe üben, wird vom Herrn eingegeben, was sie bitten sollen. Sie bitten daher um nichts anderes, als was gut ist, und das wird ihnen auch zuteil. Und weil der Glaube auch vom Herrn ist, heißt es: Glaubet, dass ihr’s empfangen werdet. Und weil die Gebete aus dem Leben der tätigen Liebe hervorgehen und zu diesem passen, wird, damit die Gebete erhört werden können, auch gesagt: Wenn ihr steht und betet, so vergebet, wenn ihr etwas habt wider jemand. Gemeint ist aber: wenn ihr im (wahren) Gottesdienst seid. OE 325
19. Juni Einer aus dem Gedränge antwortete und sprach: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn hernimmt, reißt er ihn und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und zehrt ab. Und sie brachten ihn zu ihm. Und als er ihn sah zerrte der Geist ihn alsbald und er fiel zur Erde, wälzte sich und schäumte. Jesus aber sprach zu dem Vater: Wenn du glauben könntest! Alle Dinge sind möglich für den, der da

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glaubt. Und alsbald schrie der Vater des Knäbleins mit Tränen und sprach: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben! Mar 9, 17. 18. 20. 23. 24.

Drei Ursachen bewirkten, dass der Glaube an den Herrn sie heilte: Die erste war, dass sie seine göttliche Macht anerkannten, wie auch dass er Gott war. Die zweite: der Glaube ist zugleich Anerkennung und diese bewirkt Anschauung und jede Anschauung aus Anerkennung stellt den anderen als gegenwärtig dar, was in der geistigen Welt ganz gewöhnlich ist. Hier fand die Anschauung durch die Anerkennung der Allmacht des Herrn statt. Die dritte: alle Krankheiten, die der Herr heilte, stellten geistige Krankheiten dar, die natürlichen Krankheiten entsprachen. Sie können nur vom Herrn geheilt werden, und zwar im Aufblick zu seiner göttlichen Allmacht und zugleich durch die Buße des Lebens. Deshalb sagte er einige Male: Deine Sünden sind dir vergeben. Dieser Glaube wurde durch jenen Wunderglauben symbolisiert. Der Glaube aber, durch den vom Herrn geistige Krankheiten geheilt werden, basiert auf den Wahrheiten aus dem Wort und einem auf diese ausgerichteten Leben. OE 815
20. Juni Am selbigen Tag sollt ihr in meinem Namen bitten und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde. Denn der Vater selbst hat euch lieb, dieweil ihr mich lieb hattet und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sagen seine Jünger zu ihm: Siehe, jetzt redest du frei heraus und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, das du alles weißt

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und nicht bedarfst, dass dich jemand frage. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. Joh 16, 26 – 30. Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott. Joh 20, 28

Vom Vater ausgehen bedeutet, von ihm empfangen sein, und zu ihm gehen bedeutet, völlig mit ihm vereinigt werden. Wer an den Herrn glaubt, glaubt nicht an ihn als einen vom Vater Getrennten, sondern zugleich auch an den Vater selbst. Weil der Herr nun völlig mit dem göttlichen Wesen vereinigt war, das der Vater genannt wird, nennt Thomas den Herrn nach seinen Zweifeln jetzt seinen Herrn und seinen Gott. OE 815
21. Juni Die Demütigen aber werden das Land besitzen und sich ergötzen an dem vielen Frieden. Hab Acht auf den Redlichen und siehe den Rechtschaffenen, denn das Ende für den Mann ist der Friede. Ps 37, 11. 37.

Die Elenden sind Menschen, die in der Welt in Versuchungen sind. Die Größe des Friedens, an dem sie sich ergötzen werden, stellt das angenehme Gefühl dar, das auf bestandene Versuchungen folgt. Denn nach den Versuchungen werden vom Herrn Wohlgefühle aus der Verbindung des Guten und Wahren gewährt, die dann erfolgt und eine Verbindung mit dem Herrn darstellt. Redlichkeit bezieht sich auf das Gute und Rechtschaffenheit auf das Wahre. Das Ende ist der Moment, in dem die Versuchung bestanden ist. OE 365

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22. Juni Jesus sieht Nathanael zu ihm kommen und spricht von ihm: Siehe da, ein Israelite, in dem kein Trug ist. Joh 1, 48

Trug heißt, mit Vorsatz und Absicht des Willens täuschen und verführen, also auch mit Lust Falsches denken und zum Glauben an solches bereden, was den Menschen auf ewig verdirbt. Dass so etwas bei denen, die vom Herrn geführt werden und ihm nachfolgen, nicht vorkommt, wird dadurch ausgedrückt, dass in ihrem Mund kein Trug gefunden wird. Durch Israelit wird hier derjenige bezeichnet, der im Guten der tätigen Liebe und dadurch auch in den Wahrheiten ist, also wer aus dem Guten im Wahren lebt. OE 866
23. Juni Als es nun Abend war am selbigen ersten Tag der Woche und die Türen, wo die Jünger versammelt waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und stand in der Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch. Und als er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Joh 20, 19. 20.

Weil man heutzutage nicht weiß, was die Seele ist und kaum dass sie aus dem Vatr stammt, und dass der Körper ihr Bild ist und sie deshalb eins sind wie das Frühere und das Spätere, deshalb hat der Mensch das Göttliche vom Menschlichen im Herrn getrennt und diesen in zwei Naturen unterschieden. Er machte sich deshalb kein anderes Bild von der Menschennatur des Herrn als von der menschlichen Erscheinung eines gewöhnlichen Menschen. Dabei ist doch die 122

Seele des Menschen von seinem Vater her endlich und hat das Erbböse in sich, während die Seele des Herrn, die von Jehovah stammt, unendlich ist und nichts als das göttliche Gute und göttliche Liebe. HG 10127
24. Juni Die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten zu gesunden und die von unreinen Geistern bedängt waren, sie wurden geheilt. Und all das Gedränge suchte ihn zu berühren, denn es ging eine Kraft ihm aus und macht alle gesund. Luk 6, 18. 19.

Die Berührung fand auch bei den Opfern statt und bedeutete den gesamten Gottesdienst dessen, der das Opfer brachte, nämlich die Anerkennung seiner Sünden, die Reinigung und das Einpflanzen des Guten und Wahren. Ebenso galt es für das Auflegen der Hände auf Kinder und Säuglinge und stellte auch hier die Mitteilung und Aufnahme der göttlichen Kraft dar, durch die Heilung des Inneren und Erlösung bewirkt wird. Der Ursprung ist im anderen Leben zu suchen. Wer dort in einem ungleichen Lebenszustand ist, bleibt sich fern, diejenigen aber, die im gleichen sind, erscheinen zusammengesellt. Wer sich dort berührt, teilt sich den Lebenszustand mit. Geschieht es durch die Hand, betrifft es das Ganze des Lebens, weil die Hand zufolge der Entsprechung die Macht bedeutet, die die Tätigkeiten des Lebens darstellt. HG 10023
25. Juni

Aus dem Lobgesang der Maria:
Er füllet die Hungrigen und lässt die Reichen leer. Luk 1, 53

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Hunger stellt den Mangel an Erkenntnissen dar, den selbst der Herr empfand, als er noch ein Knabe war. Die Erkenntnisse kommen im Knabenalter durchaus nicht von innen heraus, sondern von den Gegenständen der Sinne, hauptsächlich vom Gehör, denn es sind beim äußeren Menschen aufnehmende Gefäße, die durch Erkenntnisse gebildet werden, während der innere Mensch einfließt und Beistand leistet. In Marias Gesang geht es um die Erkenntnisse von himmlisch Gutem. Die Reichen hingegen sind diejenigen, die viel wissen, denn Reichtümer sind im geistigen Sinn Kenntnisse, Erkenntnisse und Lehren. Reiche gelten als leer, wenn sie ihr Wissen nicht in die Tat umsetzen, denn Wahrheiten sind nicht wahr, wenn sie des Guten entbehren. HG 1460, 4744
26. Juni Freiwillig will ich dir opfern, will bekennen deinen Namen, Jehovah, denn er ist gut. Ps 53, 8.

Alle Freiheit, die vom Herrn stammt, ist wirkliche Freiheit, alle Freiheit hingegen, die der Mensch aus höllischem Ursprung aufnimmt, ist Knechtschaft. Dennoch kann die geistige Freiheit demjenigen, der in höllischer Freiheit ist, nur als Knechtschaft erscheinen, da sie einander entgegengesetzt sind. WCR 495 Ohne diese Freiheit, nämlich die Selbstbestimmung und den freien Willen, kann kein Mensch gebessert werden oder etwas himmlisch Eigenes empfangen. In den Versuchungen ist mehr Freiheit als außerhalb, obwohl das Gegenteil zuzutreffen scheint, denn dann wird die Freiheit stärker, je nach den Anfechtungen von Seiten des Bösen und Falschen und wird vom Herrn gekräftigt. Wer zum Denken des Wahren und zum Tun des Guten gezwungen wird, wird nicht gebessert, sondern denkt anschließend nur noch mehr das Falsche und will das 124

Böse. Dem Herrn ist nichts angenehm, was nicht aus Freiheit, d. h. aus eigenem Antrieb stammt. Viele wissen aber nicht, was diese Freiheit ist; sie verwechseln sie mit Willkür und Zügellosigkeit. HG 1947
27. Juni Das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken ist nicht mein zu geben außer denen es bereitet ist. Mar 10, 40.

Den Himmel bereiten heißt nämlich diejenigen vorbereiten, die in den Himmel eingeführt werden sollen, denn gemäß der Vorbereitung, d. h. gemäß der Aufnahme des Guten wird der Himmel geschenkt, weil der Himmel im Menschen ist und dieser eine Stätte im Himmel hat gemäß dem Zustand des Lebens und Glaubens, in dem er ist. Deshalb erscheint auch der Ort im anderen Leben dem Zustand des Lebens gemäß und ist selbst eigentlich ein Zustand. HG 9305
28. Juni Und ich hörte eine große Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen. Und er wird bei ihnen wohnen und die werden sein Volk sein und er selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Off 21, 3.

Die Engel des dritten Himmels verstehen unter der großen Stimme, dass der Herr aus seiner Liebe redet und frohe Botschaft verkündigt, weil aus dem Himmel kein anderer spricht als der Herr; denn der Himmel ist nicht Himmel aus dem Eigenen der Engel, sondern aus der göttlichen Kraft des Herrn, die sie aufnehmen. Die Hütte ist das göttliche 125

Menschliche, in dem der Herr bei den Menschen gegenwärtig sein werde, nämlich die himmlische Kirche und im universellen Sinn das himmlische Reich des Herrn. OE 1291
29. Juni Und Jesus kam zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völkerschaften und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Mat 28, 18. 19.

Es ist gezeigt worden, dass das göttliche Wesen, das Vater genannt wird, und das göttliche Wesen, das Sohn heißt, im Herrn eins sind. Nun soll also noch gezeigt werden, dass der Heilige Geist mit dem Herrn eins und dasselbe ist. Dass der Herr gesagt hat, sie sollten taufen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, geschah deswegen, weil im Herrn eine Trinität ist, denn es gibt ein göttliches Wesen, das Vater, ein göttlich-menschliches Wesen, das Sohn und ein von ihnen ausgehendes göttliches Wesen, das Heiliger Geist genannt wird. Aus den beiden Wesen, die Vater und Sohn genannt werden, geht die Kraft aus, und der Heilige Geist, der ausgeht, ist die Kraft, die wirkt. Dieses Bild passt auch zu jedem Engel, denn er besitzt eine Seele, einen Körper und etwas, das aus ihm hervorgeht, es ist gewissermaßen er selbst, aber außerhalb seiner. LvH 46
30. Juni Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ziehet hin und saget dem Johannes an, was ihr hört und seht. Blinde sehen und Lahme wandeln,

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Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Mat 11, 4. 5.

Der Herr sagt, seine Worte seien Geist und Leben (Joh 6, 63). Ebenso verhält es sich mit den Wundern des Herrn, die alle göttlich waren, weil sie die verschiedenen Zustände darstellten, in denen die Kirche vom Herrn wieder hergestellt werden sollte. Dass z. B. die Blinden das Gesicht bekamen, bedeutete, dass diejenigen, die sich in der Unkenntnis der Wahrheiten befanden, Einsicht empfingen. Dass die Tauben das Gehör bekamen, bedeutete, dass diejenigen reagierten und gehorchten, die früher nichts vom Herrn und dem Wort gehört hatten. Dass die Toten auferweckt wurden, wollte zeigen, dass diejenigen lebendig wurden, die auch geistig zu Grunde gegangen wären, usw. LvHS 17
1. Juli Die übrigen aber von den Toten lebten nicht auf, bis dass die tausend Jahr vollendet wären. Dies ist die erste Auferstehung. Selig und heilig ist, wer Teil hat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt. Sondern sie sollen Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis gelöst werden und wird ausgehen irrezuführen die Völkerschaften in den vier Ecken der Erde, den Gog und den Magog, sie zum Krieg zu versammeln, deren Zahl ist wie der Sand am Meer. Off 20, 5 - 8.

Mit den tausend Jahren ist der Zeitpunkt gemeint, in dem die Geister, die bisher in der unteren Erde verborgen gehalten 127

worden waren, vom Herrn in den Himmel erhoben werden. Durch sie erhält der Himmel Zuwachs. Mit Christus regieren bedeutet nicht an seiner Herrschaft teilzuhaben, sondern in seinem Reich und Himmel zu wohnen. Die erste Auferstehung stellt dabei die Erhebung in den Himmel dar. Der Satan hingegen sind diejenigen, die sich im bloßen Glauben im Hinblick auf die Lehre bestärkt haben und alle, die nur äußeren Gottesdienst versehen haben, auf ihre Seite ziehen. Diese – in der Geisterwelt lebenden – sind unter Gog und Magog zu verstehen. Dass sie zum Krieg versammelt werden, will sagen, sie werden gegen die anderen aufgehetzt, die den Herrn verehren und nach seinen Geboten gelebt haben. OE 1266 – 1268
2. Juli Erhöhe deine Tritte zu den immerwährenden Verstörungen. Alles hat der Feind im Heiligtum übel zugerichtet. Es brüllten deine Gegner in des Festes Mitte; sie haben ihre Zeichen als Zeichen gesetzt. Ps 74, 3. 4.

Die Zeichen bedeuten Bestätigungen, dass eine Ansicht wahr sei. Ehemals geschahen diese Zeichen (und Wunder) um eine Wahrheit zu beglaubigen. Nachdem diese aufgehört haben, ist die Bedeutung der Zeichen geblieben. Es wird hier gesagt, das Böse habe die heiligen Dinge der Kirche zerstört, das Falsche habe alles zum Gottesdienst Gehörige vergiftet und durch die Zeichen sei dies alles als richtig bestätigt worden. EO 598; OE 706
3. Juli Zur selben Stunde kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Wer ist wohl der Größte im Reich der

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Himmel? Und Jesus rief ein Kindlein zu sich und stellte es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr mit nichten in das Reich der Himmel kommen. Mt 18, 1 – 3

Ich habe gesehen, dass sie ihre Gesichter veränderten von einer Grenze der Neigungen bis zur anderen, aber beobachtet, dass dennoch das gleiche Gesicht im allgemeinen beibehalten wurde, sodass immer die herrschende Neigung zugleich mit ihren Veränderungen herausleuchtete. Es wurden auch die Veränderungen der Neigungen von der Kindheit an bis zum Erwachsenenalter durch die Veränderungen des Gesichts gezeigt und es wurde bei diesem Alter zu erkennen gegeben, wie viel Kindliches es beibehalten hatte und dass dieses dessen eigentlich Menschliches war. Wenn der Mensch wiedergeboren und weise wird, dann wird die Unschuld der Kindheit, die eine äußere war, eine innerliche. Daher kommt es, dass echte Weisheit in keinem anderen Tempel wohnt als in der Unschuld und dass niemand in den Himmel kommen kann, als wer etwas Unschuld in sich hat. HG 4797
4. Juli Die Juden nun, damit die Leiber nicht Sabbath am Kreuze blieben (denn es war Rüsttag, weil der Tag selbigen Sabbaths groß war), baten den Pilatus, er möge ihre Beine zerbrechen und sie wegnehmen lassen. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, zerbrachen sie ihm die Beine nicht. Dies geschah aber, damit die Schrift erfüllet werde: Kein Bein an ihm soll zerbrochen werden. Joh 19, 31. 33. 36.

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Bruch und zerbrochen werden bedeutet im Wort die Zerstreuung und auch Verletzung oder Beschädigung. Dies hat seinen Grund in der geistigen Welt, wo alles und jedes verbunden ist gemäß der Aufnahme der Ordnung, in die alles durch das göttliche Wahre gebracht wird, das vom Herrn ausgeht. Wahrheiten, die so zusammenhängen, machen eins aus. Werden sie gebrochen, werden sie samt dem Guten zerstreut. Dass also dem Leichnam des Herrn kein Bein gebrochen werden durfte, kommt daher, dass er das göttliche Wahre selbst war, und zwar von Anfang bis Ende der Ordnung. HG 9163
5. Juli Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich weiß deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst und bist tot. Off 3, 1

Es geht hier um Menschen, die ein sittliches Leben führen, aber kein geistiges, denn sie schätzen die Erkenntnisse der geistigen Dinge und die daraus resultierende Einsicht und Weisheit gering. Ein sittliches Leben zu führen, heißt mit seinen Genossen gut, redlich und gerecht zu verfahren, sowohl im Beruf wie auch privat. Es ist das Leben, das ein jeder vor den Augen seiner Mitmenschen führt. Dieses Leben kann aber aus zwei verschiedenen Quellen stammen: aus der Selbst- und Weltliebe, oder aus der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Ein sittliches Leben kann also dazu dienen alles zu gewinnen und zu bewahren, was einen über andere erhebt. Hätte es Erfolg, würde es zu Unterordnung und Knechtschaft aller Unterlegenen führen. Stammt das sittliche Leben dagegen aus der Liebe zu Gott, denkt der Mensch nicht aufgrund seiner eigenen Wünsche, sondern in der Kraft des Herrn. Sein Inneres, sein Gemüt, also das Denken und Wollen, wird vom 130

Herrn in den Himmel erhoben und dort mit ihm verbunden. Dadurch nimmt der Herr Einfluss auf die Gedanken, Absichten und Ziele und führt sie von ihrem Eigenen weg. Ihr Leben scheint sich von dem der anderen nicht zu unterscheiden, ist aber im Kern geistig. Die Weisen richten deshalb ihr Augenmerk nicht auf die Werke, sondern auf den Geist, der in ihnen steckt. Wer also ein nur sittliches Leben führt, hält sich selbst für lebendig, ist aber geistig tot. Der Name verweist auf den Zustand, der auf dem Leben beruht. OE 183 – 186
6. Juli Es ist hier ein Knäblein, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fischlein, aber was ist das unter so viele? Jesus aber nahm die Brote und dankte und gab sie den Jüngern hin, die Jünger aber an die so sich niedergelassen hatten. Als sie aber gesättigt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die überbleibenden Brocken, damit nichts verderbe. Sie sammelten nun und machten zwölf Körbe voll mit Brocken. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist in Wahrheit der Prophet, der in die Welt kommen soll. Joh 6, 9. 11-14

Die fünf Gerstenbrote stehen für «ein wenig». Dass am Ende 12 Körbe voller Brocken eingesammelt wurden, will sagen, es habe eine vollständige Belehrung stattgefunden und den Zuhörern sei der volle Segen zuteil geworden. OE 548 Der Prophet ist nicht nur der Mensch, dem eine Offenbarung gegeben wurde oder abstrakt die Offenbarung selbst. Im inneren Sinn ist er ein Lehrer oder in der abstrakten Lesart die Lehre selbst. Deshalb wird an einigen Stellen im Wort auch der Herr als Prophet bezeichnet. HG 2534 131

7. Juli Aus dem Mund der Kindlein und der Säuglinge hast du dir Stärke gegründet um deiner Dränger willen, dass der Feind und der Rachegierige zu Ende komme. Ps 8, 3.

Säuglinge (auch Ammen) werden einige Mal im Wort erwähnt, und es wird durch sie der erste Zustand der kleinen Kinder bezeichnet. Es ist der Zustand der Unschuld, das leuchtet ein. Denn sobald der Mensch geboren wird, wird er in den Stand der Unschuld eingeführt, damit dieser die Grundlage der übrigen Zustände werden und gleichzeitig deren innerster sein kann. Danach folgt der Zustand der Liebe zum himmlischen Guten, d. h. der Liebe zu den Eltern, die an die Stelle der Liebe zum Herrn tritt und als Kind bezeichnet wird. Im obigen Text bedeuten nun die Kinder die himmlische Liebe, die Säuglinge wie immer die Unschuld. HG 3184
8. Juli Das Reich der Himmel ist gleich einem Menschen, einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte. Und er sandte seine Knechte aus um zu rufen die zur Hochzeit Berufenen, und sie wollten nicht kommen. … Und die Knechte gingen aus auf die Wege, versammelten alle, die sie fanden, Schlechte und Gute, und die Hochzeit war voll derer, die zu Tische lagen. Als der König aber hineinkam, sah er daselbst einen Menschen, der hatte keine hochzeitliche Kleidung angetan. … Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände, werft ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappern. Mat 22, 2-13

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Es besteht eine Hochzeit zwischen dem Herrn und der Kirche. In der protestantischen Christenheit ist bekannt, dass die Kirche deshalb Kirche ist, weil es eine Ehe des Herrn mit ihr gibt. Häufig heißt der Herr Bräutigam und Mann, die Kirche aber Braut und Weib. Die Ehe ist dann vollständig, wenn das Menschliche des Herrn als göttlich anerkannt wird, denn dann werden Gott Vater und er als eine Einheit verstanden wie Seele und Leib. EO 812 Die Formulierung «ein König, der seinem Sohn Hochzeit machte» ist ein Bild für die Verbindung des göttlichen Reiches der Himmel mit dem göttlichen Reich auf der Erde, nämlich der Kirche. HG 4434
9. Juli

Fortsetzung Der Weg bedeutet das Wahre. Das kommt von der Erscheinung in der geistigen Welt her, denn dort zeigen sich auch wirklich Wege und Pfade und in den Städten Gassen und Straßen. Aber die Geister gehen nirgends hin als zu denen, mit denen sie durch die Liebe zusammengehören. (s. a. 17. Mai) Daher kommt es, dass die Beschaffenheit der Geister dort an den Wegen erkannt wird, die sie gehen, und zwar im Hinblick auf das Wahre, denn alles Wahre führt zu seiner Liebe. HG 10422 Es gibt Geister, die im leiblichen Leben den Kunstgriff erlernt haben, sich in Engel des Lichts verstellen zu können, und wenn sie im anderen Leben in diesem heuchlerischen Zustand sind, können sie sich auch in die nächsten himmlischen Gesellschaften einschleichen. Allein sie bleiben dort nicht lange, denn sobald sie die Sphäre der gegenseitigen Liebe dort spüren, werden sie von Furcht und Schauder ergriffen und stürzen sich da hinab und dann erscheint es in der 133

Geisterwelt, als würden sie hinabgeworfen, einige in einen Sumpf, andere in die Gehenna oder in irgendeine andere Hölle. HG 2132 Weil die Kleider des Herrn strahlend weiß wie glänzendes Licht erscheinen (Mat 17, 2) bedeuten sie Wahrheiten und die daraus resultierende Einsicht. Wer sich aber nicht um die Wahrheiten kümmert, von dem heißt es, er sei nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan. HH 180
10. Juli Und zugleich war ihm der Mund und seine Zunge aufgetan und er redete und segnete Gott. Luk 1, 64.

Unter dem Segen wird alles Gute, das der Mensch von Herrn hat, verstanden, nämlich: Macht und Reichtum und was dazu gehört, besonders aber alles geistlich Gute wie die Liebe und die Weisheit, die tätige Liebe und der Glaube. Daher kommt es, dass der Herr im Wort der Gesegnete, aber auch der Segen selbst heißt. Unter Gott segnen wird nun das Folgende verstanden: Ihm alle Segnungen zuerkennen aber auch beten, dass er segnen möge, und danken, dass er gesegnet hat. EO 289
11. Juli Und er empfing den Kelch, dankte und sprach: Nehmet dies und verteilet es unter euch. Denn ich sage euch, dass ich von dem Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken werde, bis das Reich Gottes kommt. Luk 22, 17. 18. Ich sage euch, dass ich nicht trinken werde von nun an von diesem Gewächs des Weinstocks bis zu

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jenem Tag, da ich es trinken werde mit euch neu im Reich meines Vaters. Mat 26, 29.

Unter dem Gewächs des Weinstocks oder dem Wein, den der Herr mit ihnen neu trinken wollte im Reich seines Vaters, oder zu der Zeit, wenn das Reich Gottes gekommen sei, wird verstanden, dass von seinem göttlichen Menschenwesen alles göttliche Wahre im Himmel und in der Kirche ausgehen werde. Daher nennt er es neu, auch nennt er es das Neue Testament in seinem Blut, denn das Blut des Herrn bedeutet das Gleiche wie der Wein. OE 376
12. Juli Und es fielen nieder die vierundzwanzig Ältesten und die vier Tiere und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen Amen, Hallelujah. Off 19, 4.

Es gibt von der Schöpfung her für jedes Gefühl entsprechende Gebärden und der Mensch nimmt diese an, wenn ihn ein solches Gefühl überkommt, aber nur derjenige, der noch nicht gelernt hat Gefühle zu heucheln, die ihm fremd sind. Wer aber dies gelernt hat, der nimmt aus sich Gebärden an, durch die er Gefühle darstellt, obwohl sein Herz nichts von ihnen weiß. Ein solcher Mensch könnte auch vor Gott niederfallen. Dass die vierundzwanzig Ältesten niederfielen, bedeutet aber die herzliche Demut der Engel in den oberen Himmeln, denn die Genannten stellen die Himmel und ihre Engel dar. OE 1206
13. Juli Ihr seid das Salz der Erde; wenn nun das Salz dumm (geschmacklos) wird, womit soll man es

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salzen? Es wird zu nichts mehr nützen, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten wird. Mat 5, 13.

Das sagt der Herr zu den Jüngern und zum Volk. Unter dem Salz der Erde wird das Wahre der Kirche verstanden, das nach dem Guten verlangt. Unter dem dumm gewordenen Salz wird das Wahre verstanden, das ohne Verlangen nach dem Guten ist. Dass ein solches Wahres nun nichts tauge, wird dadurch beschrieben, dass das dumm gewordene Salz zu nichts weiterem tauge als hinaus geworfen und zertreten zu werden. HG 9207
14. Juli Und er stieg hinauf auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte, und sie gingen zu ihm hin. Und dem Simon legte er den Namen Petrus bei und Jakobus den Sohn des Zebedäus und Johannes, den Bruder des Jakobus, und er legte ihnen die Namen Boanerges, d. h. Donnerssöhne bei. Mar 3, 13. 16. 17.

Petrus war somit der erste unter den Aposteln, weil das Wahre aus dem Guten das erste der Kirche ist. Denn von der Welt her erkennt der Mensch nichts von Himmel und Hölle, ebenso nichts vom Leben nach dem Tod, ja sogar nichts von Gott. Das natürliche Licht lehrt ihn nichts anderes, als was durch die Augen eingeht, somit nur was zur Welt und ihm selbst gehört. Von daher kommt auch sein Leben; und solange der Mensch nur in diesem lebt, befindet er sich in der Hölle. Um nun aus dieser hinauf in den Himmel geführt zu werden, muss er notwendig die Wahrheiten lernen, die ihn nicht nur lehren, dass es einen Gott gibt, einen Himmel und eine Hölle, 136

sondern ihm auch den Weg zum Himmel zeigen. Weil nun das Wahre aus dem Guten vom Herrn das erste der Kirche ist, wurde Petrus zuerst berufen und vom Herrn Kephas, das heißt Fels, genannt. Durch den Fels wird im höchsten Sinn der Herr selbst im Hinblick auf das göttliche Wahre bezeichnet, oder das vom Herrn ausgehende göttlich Wahre. OE 820 Durch Söhne des Donners werden die Wahrheiten aus dem himmlischen Guten bezeichnet, und zwar deshalb, weil in der geistigen Welt auch wirklich Donner gehört wird, wenn solche Wahrheiten aus den oberen Himmeln in die unteren herabkommen. Das Licht des Wahren aus dem Guten erscheint dann wie ein Blitz und das Gute wie ein Donner, die Wahrheiten selbst durch verschiedene Töne. Daher kommt es, dass im Wort mehrfach von Blitzen, Donnern und Stimmen gesprochen wird, durch die jene Wahrheiten dargestellt werden. Der Grund für die Wahrnehmung des Guten als Donner liegt darin, dass das Gute, das der Neigung oder der Liebe des Menschen und somit seinem Willen angehört, nicht redet, sondern nur tönt, das Wahre dagegen, das dem Verstand und daher dem Denken angehört, aber seine Töne zu Worten gestaltet. OE 821
15. Juli Ich sage euch, alle Sünden werden den Menschen vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der wird in Ewigkeit keine Vergebung erlangen, sondern er wird des ewigen Gerichtes schuldig sein. Mar 3, 28. 29.

Was durch die Sünde und die Lästerung gegen den Heiligen Geist bezeichnet wird, ist in der Kirche noch nicht bekannt, und zwar deshalb, weil man nicht weiß, was im eigentlichen Sinn unter dem Heiligen Geist zu verstehen ist. 137

Mit dem Heiligen Geist ist aber der Herr gemeint im Hinblick auf das göttliche Wahre, wie es im Himmel ist, somit das Wort in seinem geistigen Sinn. Weiß man das, dann sieht man auch, was unter der Sünde und Lästerung gegen den Heiligen Geist zu verstehen ist. Es heißt nämlich, das Wort leugnen, und Gutes schänden und seine Wahrheiten verfälschen. Das ist eine Sünde, die nicht vergeben werden kann weder in dieser noch in der anderen Welt, also in Ewigkeit. OE 778
16. Juli Die Leuchte des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge rein ist, so wird auch dein ganzer Leib licht sein; ist aber das Auge böse, so wird auch dein Leib finster sein. Darum sieh zu, dass nicht das Licht, das in dir ist, Finsternis sei. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz licht sein wie wenn eine Leuchte mit ihrem Glanz dich erleuchtet. Luk 11, 34 – 36

Durch das Auge wird hier der Verstand bezeichnet und durch das reine oder einfache Auge das Verständnis des Wahren aus dem Guten. Durch das böse Auge aber wird das Verständnis des Falschen aus dem Bösen bezeichnet. Der Leib, entweder licht oder finster, ist der ganze Mensch. Hieraus geht hervor, dass der ganze Mensch so beschaffen ist wie sein Verstand aus dem Willen, denn jeder Mensch ist sein Wahres und sein Gutes, weil er seiner Liebe oder seiner Neigung entspricht. Alles Wahre gehört dem Verstand, alles Gute dem Willen an; der Körper ist nur Gehorsam, weil er der Wirkung entspricht, deren Ursache der Verstand im Gefolge des Willens ist. Man soll sich davor hüten, dass die Wahrheiten, die einmal mit dem Verstand erfasst und im Willen aufgenommen wor138

den sind, in Falsches verwandelt werden. Das ist zu verstehen unter der Formulierung: Sieh zu, dass nicht das Licht, das in dir ist, Finsternis sei. OE 526
17. Juli Und das Gedränge saß um ihn her und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er blickte umher auf die, so um ihn saßen im Kreise, und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder. Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Mar 3, 32 – 35

Das menschliche Wesen des Herrn war, bevor es göttlich geworden war, der «Knecht», wie es im Alten Testament heißt. Es stammte von der Mutter, war schwach und hatte einige erbliche Belastungen an sich, die er durch Versuchungskämpfe überwand und austrieb, bis zu dem Grad, dass er gar nichts Schwaches und Erbliches von der Mutter mehr an sich hatte, ja zuletzt überhaupt nichts mehr von der Mutter. Er legte alles Mütterliche so restlos ab, dass er gar nicht mehr ihr Sohn war. HG 2159
18. Juli Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es heraus, schlug nach dem Knecht des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Knechtes aber war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke das Schwert hinein in die Scheide: Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat? Joh 18, 10. 11.

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Weil unter dem Becher wie unter dem Wein im entgegen gesetzten Sinn Falsches verstanden wird, aus dem Böses entsteht, und ebenso Falsches, das aus Bösem entstanden ist, deshalb wird durch den Becher auch die Versuchung bezeichnet. Denn diese tritt ein, wenn das Falsche gegen das Wahre kämpft und ebenso das Böse gegen das Gute. HG 5120
19. Juli Johannes den sieben Gemeinden in Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Off 1, 4

Johannes stellt den Herrn im Hinblick auf die Lehre dar. Er bedeutet das Gute der Liebe. Damit ist er im höchsten Sinn der Herr, von dem alles Gute der Liebe stammt. Der Mensch, der Geist und der Engel sind nur Empfänger und von diesen wird gesagt, sie bedeuten das, was vom Herrn ist. Das gleiche gilt von vielen anderen im Wort: von Abraham, Isaak, Jakob, David, Elias, Elisa, Johannes dem Täufer, Petrus und den anderen Aposteln. Jeder von ihnen bedeutet etwas Gutes oder Wahres des Himmels und der Kirche, dennoch aber stellen sie alle im höchsten Sinn den Herrn dar. So bedeutet David im inneren Sinn das göttliche Wahre im geistigen Reich, das als Königtum des Herrn bezeichnet wird; deshalb wird im Wort von David gesagt, er werde kommen und über die Söhne Israels regieren. OE 19
20. Juli Dem, der sein Talent in der Erde verbarg, sagte der Herr: Du arger und fauler Knecht, du hättest sollen mein Silber den Wechslern einlegen, auf dass ich, wenn ich kam, das meine mit Wucher wieder

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bekommen hätte. Nehmet es ihm nun und gebet es dem, der zehn Talente hat, denn jedem der da hat, wird gegeben werden, dass er Überfluss hat. Demjenigen aber, der nicht hat, wird auch genommen werden, was er hat. Den unnützen Knecht aber werft hinaus in die äußerste Finsternis. Mat 25, 26 – 30

Die Talente bedeuten hier die Gedanken des Wahren und Guten aus dem Wort. Handel treiben, gewinnen, es den Wechslern geben, bedeutet, sich dadurch geistiges Leben und Einsicht verschaffen. Jenes in die Erde legen bedeutet nur ins Gedächtnis des natürlich Menschen aufnehmen. Von diesen wird daher gesagt, es werde ihnen weggenommen, was sie haben. Das widerfährt allen im anderen Leben die sich Erkenntnisse aus dem Wort verschafft, aber sie nicht auf das Leben übertragen, sondern nur im Gedächtnis gespeichert haben. Wer dies tut, auch wenn es tausende von Erkenntnissen wären, bleibt nur natürlich. OE 193
21. Juli Und seine Kleider wurden glänzend ungemein weiß wie der Schnee, dass sie kein Walker auf Erden so weiß machen kann. Mar 9, 3

Es war das göttliche Wahre selbst, das aus dem göttlichmenschlichen Wesen des Herrn hervorgeht und das auf diese Weise dargestellt wurde. Übrigens sind es die äußerlichen Wahrheiten, die durch die Helle der Kleider in den Himmeln dargestellt werden. Bei den inneren Wahrheiten geschieht es durch die Helligkeit und den Glanz des Gesichts. HG 5319 Wie weiße Wolle, wie Schnee bedeutet das Gute und Wahre. Die weiße Wolle ist das Gute im Letzten, der Schnee das 141

Wahre im Letzten. Dies kommt vom Wasser her, aus dem er besteht, und von der weißen, hellen Farbe. Diese bedeutet das Wahre beim Durchscheinen des Lichts. Für die weiße Wolle gilt, dass sie bei den Lämmern und Schafen dasselbe bedeutet wie das Haar des Menschen. Die Lämmer und Schafe aber stellen das Gute dar, die Lämmer das Himmlische, die Schafe das Geistige. Daher kommt es, dass von den Haaren, durch die das göttliche Wahre symbolisiert wird, gesagt wird, sie seien weiß wie weiße Wolle und wie Schnee, dies an verschiedenen Stellen und auch da, wo der Herr verwandelt wurde. OE 67
22. Juli Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die am Weg sind die, so es hören, dann kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen weg, auf dass sie nicht glauben und gerettet werden. Luk 8, 11. 12. Der Sämann sät das Wort. Das aber sind die, so am Weg sind, wo das Wort gesät wird. Und wenn sie es gehört haben, kommt alsbald der Satan und nimmt das Wort weg, da in ihre Herzen gesät war. Mar 4, 14. 15.

Es wird bei Lukas in Bezug auf diesen Gegenstand der Teufel genannt und bei Markus der Satan, und zwar aus dem Grund, weil durch den Samen der auf den Weg fiel, das Wahre aus dem Wort bezeichnet wird, das nur mit dem Gedächtnis und nicht mit dem Leben aufgenommen wird. Weil dieses sowohl vom Bösen als auch vom Falschen weggenommen wird, kommt hier der Teufel, dort aber der Satan um das Wort aus ihren Herzen wegzunehmen. OE 740

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23. Juli Und er sprach zu ihnen: sehet zu, was ihr hört. Mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen und wird euch, die ihr hört, noch hinzugetan werden. Mar 4, 24.

So wird die tätige Liebe für den Nächsten oder die geistige Neigung zum Wahren und Guten beschrieben. Das Maß und die Art der tätigen Liebe und der geistigen Neigung entscheiden nämlich darüber, wie es mit jedem einzelnen nach dem Tod weitergeht. Dass man nicht schlecht über das Gute und Wahre denken soll, wird verstanden unter: richtet nicht… . Vom Bösen und Falschen darf jedermann schlimm denken, aber nicht vom Guten und Wahren, denn dieses ist im geistigen Sinn der Nächste. Weil die tätige Liebe für den Nächsten es ist, die hier gemeint ist, wird auch gesagt: vergebet, so wird euch vergeben werden; gebet, so wird euch gegeben werden. Dass die geistige Neigung, die als tätige Liebe bezeichnet wird, nach dem Tod bleiben werde je nach ihrem Maß und ihrer Art, wird verstanden unter: mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. OE 629
24. Juli Da er noch redete, kamen etliche vom Obersten der Synagoge und sagten: Deine Tochter ist gestorben. Was bemühest du noch den Lehrer? Jesus aber hörte alsbald das Wort, das geredet worden, und sprach zu dem Obersten der Synagoge: Fürchte nicht, glaube nur. Mar 5, 35. 36

Die Furcht Gottes ist der Gottesdienst entweder aus Furcht oder aus dem Guten des Glaubens oder aus dem Guten der Liebe. Je mehr Furcht im Gottesdienst herrscht, desto weniger 143

Glaube und noch weniger Liebe ist dabei und umgekehrt. Es gibt zwar in jedem Gottesdienst Furcht, aber unter einer anderen Gestalt und in einer anderen Weise; es ist eine heilige Furcht. Diese ist aber nicht Furcht vor der Hölle und Verdammnis, sondern dass man ja nichts tue oder denke wider den Herrn und den Nächsten, also ja nichts gegen das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens. Sie kann also (wenn sie besonders stark auftritt) auch Misstrauen oder das völlige Fehlen von Glauben und Liebe anzeigen. HG 2826
25. Juli Ich bin der gute Hirte und erkenne die meinen und werde erkannt von den meinen. Joh 10, 14.

Der Sinn ergibt sich aus der Bedeutung von «erkennen», wenn es von Gott, d. h. vom Herrn gesagt wird, sofern es heißt, die tätige Liebe schenken. Denn die tätige Liebe ist das, was den Herrn mit dem Menschen verbindet und macht, dass der Herr bei ihm gegenwärtig ist, also dass er ihn erkennt. Der Herr erkennt zwar alle in der ganzen Welt, aber wie ein Vater als seine Söhne nur diejenigen, die im Guten der Liebe und tätigen Liebe leben. Deswegen nennt der Herr sich den guten Hirten, der die Seinen kennt und dass er seine Schafe kennt und sie ihm nachfolgen. HG 6806

26. Juli Und er rief die Zwölfe zu sich und fing an sie je zwei und zwei auszusenden und gab ihnen Gewalt über die unreinen Geister … und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun. Mar 6, 7. 12.

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In der Kirche glaubt man, der Herr sei vom Vater gesandt worden, um für die Menschen genug zu tun und dies sei durch die Erfüllung des Gesetzes und durch das Leiden am Kreuz geschehen. Er habe so die Verdammnis weggenommen und ohne jene Entsündigung, Genugtuung und Versöhnung wäre die Menschheit des ewigen Todes gestorben. Es ist nun wahr, dass ohne die Ankunft des Herrn in die Welt alles verloren gewesen wäre, aber es ist nicht so, dass durch die Erfüllung des Gesetzes und das Leiden am Kreuz die vorhergesehene oder bestimmte Verdammnis weggenommen wäre, denn die Zurechnung des Verdienstes des Herrn ist ein Wort ohne Sinn, wenn man nicht die Sündenvergebung nach der Buße darunter versteht; dem Menschen kann nichts vom Herrn zugerechnet werden. Das Heil aber kann vom Herrn zugesagt werden, nachdem der Mensch Buße getan, d. h. nachdem er seine Sünden gesehen und anerkannt hat und danach von ihnen absteht. LvH 18
27. Juli Und wie er sich näherte, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: Wenn du erkenntest, auch du, noch an diesem deinem Tag, was für deinen Frieden ist! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen! Luk 19, 41. 42.

Mit den Augen sehen, heißt verstehen, denn der Verstand ist das Geistige des Gesichts und der Glaube ist das Geistige des Verstandes. Das Gesicht des Auges dient dem Weltlicht, das Gesicht des Verstandes dem Licht des Himmels, der in dasjenige einfließt, was dem Weltlicht angehört. Das Gesicht des Glaubens aber dient dem Himmelslicht; daher sagt man, mit dem Verstand sehen und im Glauben sehen. HG 2701

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28. Juli Und er tat das Buch zu, gab es dem Diener zurück und setzte sich nieder; und aller Augen in der Synagoge sahen fest auf ihn. Er aber fing an zu ihnen zu sprechen: Heute ist diese Schrift vor euern Ohren erfüllt. Und alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Munde ausgingen und sprachen: Ist das nicht Josephs Sohn? Luk 4, 20 – 22

Die göttlichen Wahrheiten, die der Herr geredet hat, werden Worte der Gnade genannt, die aus seinem Munde gingen, weil sie angenehm holdselig und liebreich sind. Im Allgemeinen ist göttliche Gnade alles, was vom Herrn geschenkt wird, und weil es sich auf den Glauben und die Liebe bezieht und der Glaube die Neigung zum Wahren aus dem Guten ist, wird durch diese die göttliche Gnade besonders verstanden. Beschenkt werden mit Glauben und Liebe oder mit der Neigung zum Wahren aus dem Guten ist soviel wie beschenkt werden mit dem Himmel, das heißt mit ewiger Seligkeit. OE 22
29. Juli Als er aber aufblickte, sah er, wie die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten einlegten. Er sah aber auch ein dürftige Witwe, die legte zwei Scherflein ein, und er sprach: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr denn alle eingelegt. Luk 21, 1 – 3

Denkwürdigkeit: Diskussion über die Nächstenliebe. Die N. ist die Sittlichkeit, in die jeder Mensch von Kindheit an eingeführt wird. 146

Die N. ist eine vom Mitleid beseelte Frömmigkeit. Die N. besteht darin, jedem Menschen, dem bösen sowohl wie dem guten, Gutes zu tun. Die N. besteht darin, dass man den Verwandten und Freunden in jeder Weise dient. Die N. besteht darin, dass man den Armen Almosen gibt und den Notleidenden hilft. Die N. besteht darin, dass man Spitäler, Kranken-, Waisenund Pilgerhäuser errichtet und mit Gaben unterstützt. U.s.w. Möchten nur die Reichen niemals die Freizügigkeit und Großartigkeit ihrer Liebestätigkeit dem Scherflein vorziehen, das der Arme dem Armen gibt. Wir wissen doch, dass jeder der Würde seiner Person entsprechend handelt, er sei König, General, Oberst oder Diener. Denn die Nächstenliebe wird an sich nicht nach dem Rang der Person und der dementsprechenden Gabe, sondern nach der Fülle des Gefühls geschätzt, das hinter der Gabe steht. Daher kann der Diener, wenn er nur eine Kleinigkeit gibt, aus größerer Nächstenliebe handeln als der Große, der einen ganzen Schatz spendet oder vermacht. WCR 459
30. Juli

Dass der Herr seine Menschennatur göttlich gemacht habe, ist aus vielen Stellen im Wort bekannt. Viele davon bestätigen aber, dass dies nach und nach geschehen sei: LvH 32 Die göttliche Kraft ist durch das Menschliche tätig gewesen, wie die Seele durch den Körper:
Der Sohn kann nichts aus sich selber tun, wenn er es nicht den Vater tun sieht. Joh 5, 19

Das göttliche und das menschliche Wesen wirkten einmütig: Was der Vater tut, das tut auf gleiche Weise auch
der Sohn. Joh 5, 19

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Das göttliche und das menschliche Wesen sind vereinigt:
Mein Vater, der sie (die Schafe) mir gegeben hat, ist größer denn alle, und niemand kann sie meinem Vater aus der Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. Joh 10, 29. 30.

Man muss sich an die göttliche Menschennatur wenden:
Würdet ihr mich kennen, so würdet ihr auch meinen Vater kennen. Joh 8, 19

31. Juli Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gesegnet sei der Her, der Gott Israels. Luk 1, 66 – 68

Weil unter dem Heiligen Geist, wo vom Herrn die Rede ist, sein göttliches Leben, also er selbst und insbesondere das Leben seiner Weisheit verstanden wird, also die göttliche Wahrheit, so wird unter dem Geist der Propheten, der auch Heiliger Geist heißt, das göttliche Wahre vom Herrn verstanden. LvH 52
1. August Er aber, Johannes, hatte eine Kleidung von Kamelhaaren und einen Gürtel von Fell um die Lenden; seine Nahrung aber war Heuschrecken und wilder Honig. Mat 3, 4.

Das Haar wird im Wort etliche Male erwähnt und bedeutet jeweils das Natürliche. Das kommt daher, dass die Haare 148

Auswüchse im Äußersten des Menschen sind, ähnlich wie es auch das Natürliche im Hinblick auf seine Vernunft und auf deren Inneres ist. Propheten, deren letzter Johannes war, lehren Wahrheiten. Sie trugen einen haarigen Rock als Zeichen für das Natürliche im Hinblick auf diese Wahrheiten. Auch stellen Kamele Kenntnisse des natürlichen Menschen dar. Ein Gürtel stellt das Äußerste des Guten und Wahren dar, das alles Innere umschließt. Die Nahrung, die aus Heuschrecken und wildem Honig bestand, steht für das Wort, genauer für den buchstäblichen Sinn im Hinblick auf das Gute. Dessen Annehmlichkeiten werden durch den Honig symbolisiert . HG 3301, 3540, 5620, 9828
2. August Wenn du aber Almosen gibst, lass nicht vor dir her posaunen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und in den Gassen, auf dass sie von den Leuten verherrlicht werden. Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehen und beten, damit sie vor den Menschen scheinen. Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Mat 6, 2. 5.

Heuchlerisch ist die Nächstenliebe bei denen, die sich in der Kirche und zu Hause fast bis zum Erdboden vor Gott demütigen, andächtig lange Gebete hersagen, eine heilige Miene aufsetzen, das Kruzifix und die Gebeine von Toten (Reliquien) küssen, dann vor den Gräbern der Heiligen niederknien und dabei Worte heiliger Verehrung für Gott murmeln, während sie doch bei alldem in ihrem Herzen allein ihrem eigenen Ich dienen und danach trachten, gleich Göttern angebetet zu werden. WCR 452 149

3. August Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand setzt ein Flickstück von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; sonst zerreißt er das neue und mit dem alten stimmt das Flickstück vom neuen nicht zusammen. Luk 5, 36.

Der Herr bediente sich dieses Gleichnisses, um das Wahre der neuen Kirche und dasjenige der alten Kirche zu beschreiben, denn das Kleid bedeutet das Wahre; das eine an das andere annähen und anflicken, heißt beides zerstören, denn das Wahre der neuen Kirche ist das innere Wahre, somit das Wahre für den inneren Menschen, aber das Wahre der alten Kirche ist das äußere Wahre für den äußeren Menschen. An diesem Wahren hing die jüdische Kirche, denn diese stellte durch äußere Dinge die inneren dar; aber die Kirche der jetzigen Zeit ist in den inneren Wahrheiten, die durch jene symbolisiert werden, denn der Herr hat diese Wahrheiten offenbart. HG 9212
4. August Da nimmt ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab, denn es ist geschrieben, dass er seinen Engeln gebieten wird ob dir und sie sollen dich auf den Händen tragen, auf dass du deinen Fuß nicht einen Stein stoßest. Sprach zu ihm Jesus: Wiederum ist geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Mat 4, 5-7

Jerusalem hieß die heilige Stadt, weil sie die Kirche im Hinblick auf die Lehre des Wahren bedeutete, aber das vom 150

Herrn ausgehende göttliche Wahre ist es, was heilig genannt wird. Dass diese Stadt ohne diese symbolische Bedeutung keineswegs heilig, sondern im Gegenteil unheilig war, kann daraus erhellen, dass sie hier den Herrn verworfen und gekreuzigt haben. Daher wird sie in der Offenbarung auch Sodom und Ägypten genannt. Weil sie aber die Kirche im Hinblick auf die Lehre des Wahren darstellte, wurde sie nicht nur die heilige Stadt, sondern auch die Stadt Gottes und die Stadt des großen Königs genannt. OE 223
5. August Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu, dass ihr euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in Acht nehmt. – Jetzt verstanden sie, dass er ihnen nicht sagte, sie sollten sich vor dem Sauerteig des Brotes in Acht nehmen sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer. Mat, 16, 6. 12.

Sauerteig bedeutet tatsächlich eine falsche Lehre. Man muss aber wissen, dass das Gesäuerte und Ungesäuerte mit der Reinigung des Wahren vom Falschen zusammenhängt, die durchaus nicht vor sich gehen kann ohne eine sogenannte Gärung, d. h. ohne Kampf des Falschen mit dem Wahren und umgekehrt. Nachdem der Kampf stattgefunden und das Wahre gesiegt hat, fällt das Falsche wie Hefe auf den Boden und das Wahre geht gereinigt hervor. Dieser Kampf entsteht im Menschen besonders bei einer Änderung des Zustandes, d. h. wenn er anfängt aus dem Guten der tätigen Liebe zu handeln und nicht wie früher aus dem Wahren des Glaubens, denn der Zustand ist noch nicht gereinigt, wenn der Mensch nur aufgrund der Glaubenswahrheiten handelt. HG 7906

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6. August Wirket nicht Speise, die verdirbt, sondern die Speise, die bleibt ins ewige Leben, die des Menschen Sohn euch geben wird. Joh 6, 27.

Essen ist ein geistiger Vorgang. Gemeint ist damit wissen, innerlich erfassen und sich aneignen, denn es heißt auch: auf dass ich deine Worte esse, und es sei dein Wort mir zur Freude und Fröhlichkeit des Herzens. Essen bedeutet also mit dem Willen aufnehmen und tun, wodurch eine Verbindung entsteht. Der Herr hat dadurch, dass er den göttlichen Willen befolgte, das Göttliche in sich mit seinem menschlichen Wesen verbunden oder diesem hinzugefügt. OE 617 Die heilige göttliche Kraft fließt durch die Himmel in jeden Menschen ein, der die Göttlichkeit des Herrn und die Heiligkeit des Wortes anerkennt, während er es liest. Ein solcher Mensch kann aus dem Wort wie vom Herrn selbst oder aus dem Himmel unterrichtet werden und Weisheit schöpfen. Er kann somit auch wie die Engel mit der Speise ernährt werden, in der das Leben ist. OE 1074 (s. a. 28. April)
7. August Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Mat 5, 6.

Hungern nach Gerechtigkeit bedeutet, nach dem Guten verlangen, denn im Wort ist unter Gerechtigkeit immer das Gute zu verstehen. Hungernde sind diejenigen, die in Unwissenheit in Bezug auf die Erkenntnisse des Wahren und Guten leben, die jedoch ein Verlangen danach empfinden. Im Gegensatz dazu sind Reiche diejenigen, die glauben Überfluss 152

zu haben und daher kein Bedürfnis nach weiterer Bereicherung entwickeln. OE 386
8. August Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herab kommt; wer von diesem Brot isst wird leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich euch geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohnes und trinkt sein Blut, so werdet ihr kein Leben in euch haben. Joh 6, 49-58

Dass hier nicht Fleisch und Blut und auch nicht Brot und Wein verstanden wird, sondern die vom Herrn ausgehende göttliche Kraft, kann wohl jeder sehen, der die Fähigkeit besitzt, innerlich zu denken. Denn nur die göttliche Kraft, die das göttliche Gute und das göttliche Wahre ist, gibt dem Menschen ewiges Leben und macht, dass der Herr im Menschen und der Mensch im Herrn bleibt, weil der Herr im Menschen in seinem Göttlichen ist und nicht im Eigenen des Menschen; denn dieses ist nur böse. Der Herr aber ist im Menschen und der Mensch im Herrn, wenn die ausgehende göttliche Kraft durch eine passende Aufnahme dem Menschen angeeignet wird. Die Aneignung selbst wird durch das Genießen dargestellt, das ausgehende göttliche Gute durch das Fleisch und das Brot, das ausgehende göttliche Wahre durch das Blut und durch den Wein. … Unter dem Fleisch und Brot wird der Herr selbst im Hinblick auf das göttliche Gute und unter dem Blut und dem Wein der Herr im Hinblick auf das göttliche Wahre verstanden. OE 617

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9. August Da er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezüchte, wer hat euch denn gewiesen, vor dem zukünftigen Zorn zu fliehen? Mat 3, 7. Wer dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Joh 3, 36.

Dass dem Herrn im Wort Zorn zugeschrieben wird, hat den Grund, weil es die allgemeinste Wahrheit ist, dass alles von Gott kommt, also sowohl Böses als auch Gutes. Trotzdem kommt aber das Böse vom Menschen und es scheint nur so, als komme es von Gott, damit man lernt Gott zu fürchten und anschließend ihn zu lieben; denn die Furcht muss der Liebe vorausgehen. Es ist dann keine Furcht vor dem Herrn mehr da, sondern nur die, dass man fürchtet dem Guten selber entgegen zu handeln. Der Zorn Gottes kann also Strafen und Verdammnis bedeuten, aber auch Milde und Barmherzigkeit. Denn alle Bestrafungen der Bösen geschehen aus Barmherzigkeit gegenüber den Guten, damit diese von den Bösen nicht verletzt werden können. Es ist auch nicht der Herr, der die Strafen auferlegt sondern der Mensch selber; denn im anderen Leben ist das Böse mit den Strafen verbunden. HG 6997
10. August Jesus sprach: Es war ein Mensch, der ging hinab von Jerusalem nach Jericho und fiel unter Räuber. Die zogen ihn aus, schlugen ihn wund und gingen weg und ließen ihn halbtot liegen. Luk 10, 30.

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Jerusalem ist hier die Kirche, in der die wahre Lehre, Jericho diejenige, in der die Erkenntnisse des Wahren und Guten bekannt waren. Der Mensch, der von Jerusalem nach Jericho wanderte, stellt also diejenigen dar, die sich in diesen Erkenntnissen vervollkommnen möchten. Die Räuber sind Angehörige einer verkehrten Kirche, wie es damals die jüdische war. Dass sie ihn auszogen und misshandelten heißt, sie haben ihn der Wahrheiten beraubt und ihm Falsches beigebracht und ihn in seinem geistigen Leben so schwer verletzt, dass kaum noch etwas davon übrig war. Dies letztere ist darunter zu verstehen, dass sie ihn halbtot liegen ließen. OE 444
11. August Zufällig ging ein Priester auf demselben Weg hinab; als er ihn aber sah, ging er vorbei; ebenso kam auch ein Levit; als er bei derselben Stätte war, kam und sah er und ging vorbei. Luk 10, 31. 32.

Levi, sein Stamm und also der Levit bedeuten zunächst die geistige Liebe, die als tätige Liebe gegenüber dem Nächsten bezeichnet wird. Diese Liebe besteht in Leistungen, die man die guten Werke nennt. Die tätige Liebe an sich betrachtet ist die Neigung zum Wahren und Guten; wo aber diese Neigung ist, da ist das Leben dem Wahren und Guten gemäß, denn eine Neigung ohne das entsprechende Leben ist unmöglich. Weil diese Neigung das Wesentliche der Kirche darstellt, ist der Stamm Levi zum Priestertum geworden. Die meisten Bezeichnungen im Wort können aber auch ein Gegenteil darstellen, und dies gilt auch für Levi, was dann das Böse des Falschen bedeutet, das dem Guten der tätigen Liebe entgegengesetzt ist, also ein Leben ohne tätige Liebe. Der Priester steht hier für diejenigen, die keine Liebe zum Herrn, der Levit für diejenigen, die keine Liebe zum Nächsten fühlen. OE 444 155

12. August Ein Samariter aber machte eine Reise und kam bei ihm vorbei, sah ihn und es jammerte ihn seiner. Und er kam hinzu, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf. Er setzte ihn aber auf sein eigenes Lasttier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Luk 10, 33. 34

Unter dem Samariter werden die heidnischen Völkerschaften verstanden, die das Gute der tätigen Liebe gegenüber dem Nächsten pflegten. Der von Räubern verwundete symbolisiert Menschen, die von denen angefochten werden, die aus der Hölle sind, denn diese sind Räuber, weil sie das geistige Leben des Menschen verletzen und töten. Durch Öl und Wein, das er in die Wunden goss, wird das Geistige bezeichnet, das den Menschen heilt, durch Öl das Gute und durch Wein das Wahre. Dass er ihn auf das eigene Lasttier hob, will sagen, er habe das seiner Einsicht gemäß getan, soweit er es vermochte, denn das Pferd bedeutet den Verstand wie auch das Lasttier. Dass er ihn in eine Herberge führte und verlangte, dass man ihn pflege, heißt, er habe ihn zu Leuten gebracht, die in der Lehre aus dem Wort bewandert waren und ihn besser heilen konnten als er selOE 375 ber, der noch unwissend war.
13. August Wiederum nimmt ihn der Teufel mit sich auf einen ungemein hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und spricht zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Mat 4, 8. 9.

Dadurch wir beschrieben, wie der Teufel den Herrn durch die Selbstliebe versucht habe, denn diese wird durch den 156

hohen Berg bezeichnet. Alle drei Versuchungen, die in dem Kapitel beschrieben werden, bedeuten nämlich die Gesamtheit der Versuchungen, die der Herr erfuhr, während er in der Welt war. Denn der Herr hat durch Versuchungen, die er von den Höllen an sich kommen ließ und durch die Siege über sie alles in den Höllen in Ordnung gebracht und dadurch auch seine Menschennatur göttlich gemacht. OE 405
14. August Und Jesus zog umher in ganz Galiläa lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheit und alles Siechtum im Volk. Mat 4, 23.

Weil die Krankheiten die Ungerechtigkeit und das Böse des geistigen Lebens darstellten, wird durch Krankheiten, die der Herr heilt, die Befreiung von den verschiedenen Arten des Bösen und Falschen beschrieben, die die Kirche und die Menschheit anfochten und den geistigen Tod herbeigeführt hätten, denn die göttlichen Wunder unterscheiden sich von anderen Wundern dadurch, dass sie die Zustände der Kirche und des Reiches des Herrn berücksichtigen und darstellen. Deshalb waren die Wunder des Herrn vorzugsweise Heilungen von Krankheiten. HG 8364

15. August Jesus rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke; wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen: Das sagte er von dem Geist, den die empfangen sollen, die an ihn glauben: Der

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Heilige Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht war. Joh 7, 37-39

Zum Herrn kommen und trinken heißt, von ihm Wahrheiten der Lehre und den Glauben daran empfangen. Dass daraus geistige Einsicht entsteht, wird dadurch ausgedrückt, dass Ströme lebendigen Wassers aus seinem Leib fließen werden; lebendiges Wasser ist das göttliche Wahre, das einzig und allein vom Herrn kommt. Ströme sind das, was der Einsicht angehört, und Leib bedeutet das Denken aus dem Gedächtnis. Weil durch Ströme lebendigen Wassers also die Einsicht durch das göttliche Wahre vom Herrn bezeichnet wird, wird hinzugesetzt: das sagte er von dem Geist, den diejenigen empfangen sollten, die an ihn glauben. Dieser Geist ist das göttliche Wahre und die Einsicht, die daraus erwächst. Deshalb nennt ihn der Herr auch den Geist der Wahrheit. OE 518
16. August Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall eintritt, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber. Ich bin die Tür. So jemand durch mich eingeht, der wird gerettet werden und wird eingehen und ausgehen und Weide finden. Joh 10, 1. 9.

Das Gesetz war bekanntlich auf zwei Tafeln geschrieben, von denen sich die eine auf unser Verhältnis zu Gott, die andere auf das Verhältnis zu den Mitmenschen bezieht. In der Hand von Moses bot sich die Schrift beider Tafeln gleichzeitig dar; die eine Seite stand der anderen gegenüber wie Jehovah und Moses einander gegenüberstanden, als sie, wie es heißt, von Angesicht zu Angesicht miteinander redeten. Diese Vereinigung der beiden Tafeln sollte die wechselseitige 158

Verbindung zwischen Gott und den Menschen symbolisieren, weshalb das Gesetz auch Bund genannt wurde. Dieser enthält einerseits die Anerkennung der Göttlichkeit des menschlichen Wesens des Herrn und der Heiligkeit seines Wortes und anderseits das Tun der Werke, die die Liebe zum Nächsten bilden. Bei denen, die sich dieser Nächstenliebe verschrieben haben, sind beide Tafeln miteinander verbunden. Anders ist es bei denen, die lediglich im Gottesdienst, nicht aber zugleich in den guten Werken der Nächstenliebe Gott anbeten. Sie zerreißen gleichsam den Bund. Und wieder anders ist es bei denen, die Gott in drei Personen zerteilen, und nochmals anders bei denen, die Gott nicht in seinem menschlichen Wesen anbeten. Diese sind es, die nicht durch die Tür in den Schafstall eintreten, sondern anderswo einsteigen. WCR 156, 157
17. August Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name. Mat 6, 9. Du sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen 2 Mos 20, 7.

Unter dem Namen Jehovahs oder des Herrn wird im Wort alles verstanden, wodurch er verehrt wird; und weil er nach der Lehre in der Kirche verehrt wird, so ist mit seinem Namen die Gesamtheit der Lehre und auch die gesamte Religion gemeint. Dass das so ist, beruht darauf, dass es im Himmel keine anderen Namen gibt als solche, die die Beschaffenheit des Trägers beschreiben, und das ist in diesem Fall alles, wodurch der Herr verehrt wird. EO 81 Namen sind nicht einfach Namen, sondern charakterisieren die ganze Beschaffenheit des Trägers, wie es sich vor allem 159

in der geistigen Welt zeigt: Niemand behält dort seinen irdischen Tauf- oder Familiennamen; vielmehr erhält jeder einen Namen, der seiner besonderen Eigenart entspricht. Die Engel werden nach ihrem moralischen und geistigen Leben benannt. WCR 300 Sobald jemand in eine Gesellschaft oder eine Gemeinschaft anderer kommt, erhält er einen zu dieser passenden Namen. Die Benennung erfolgt nach den Regeln der geistigen Sprache, denen zufolge jedem Ding ein passender Name gegeben werden kann, weil jeder Buchstabe ihres Alphabets eine Sache darstellt. Mehrere Buchstaben, im Namen zu einem Wort befunden, schließen den ganzen Zustand der betreffenden Person in sich. Das gehört zu den wunderbaren Dingen in der geistigen Welt. GV 230
18. August Dein Reich komme. Mat 6, 10

Das Reich des Herrn bedeutet die Aufnahme des göttlichen Guten und Wahren, das gilt also für diejenigen, die es aufnehmen. Der Herr regiert die Engel und die Menschen der Kirche durch das, was von ihm ausgeht, und das ist das göttliche Gute und Wahre oder auch die Gerechtigkeit und das Gericht oder die Liebe und der Glaube. Dies alles ist also das Reich des Herrn in denen, die es aufnehmen. Wenn es in den Engeln und Menschen regiert, heißt das, dass der Herr selbst regiert, denn alles, was von ihm ausgeht, ist er selbst. Er regiert zwar nicht nur diejenigen, die es aufnehmen, sondern auch die anderen, die nichts von ihm aufnehmen, und das sind die Bewohner der Hölle. Man kann aber deshalb bei ihnen nicht vom Reich des Herrn sprechen, weil sie durchaus nicht nach seinen Ordnungsgesetzen regiert werden wollen und den Herrn sogar leugnen und sich von ihm abwenden. Er regiert sie dennoch, 160

wenn auch als Widerspenstige und Empörer, indem er ihnen Zügel anlegt, damit sie einander und insbesondere den Angehörigen seines Reiches nichts Böses antun. OE 683
19. August Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Mat 6, 13

Im Wort scheint häufig der Buchstabensinn im Gegensatz zum inneren Sinn zu stehen; in Wirklichkeit handelt es sich dann aber um eine Entsprechung. Es steht geschrieben, der Herr zürne, verwüste, werfe in die Hölle, aber er tut nichts dergleichen, zürnt nicht und wirft noch weniger jemanden in die Hölle. Der Widerspruch erscheint, weil der Mensch in gegensätzlichem Zustand ist. Der Herr erscheint den Engeln im Himmel als Sonne, die Licht und Wärme spendet, den Höllengeistern jedoch als ein unheimliches Dunkel und winterliche Kälte und somit als zürnend, verwüstend und in die Hölle werfend. Liest man also im Wort von Dingen oder Vorgängen, die der göttlichen Liebe entgegenstehen, so müssen sie sich zwangsläufig so zeigen. Es ist ja der göttliche Einfluss, den die Bösen ins Teuflische verkehren, das dann so wirkt. Wenn also da steht: Und führe uns nicht in Versuchung, dann meint der innere Sinn das Gegenteil: der Herr führt niemanden in Versuchung. Dieser innere Sinn ist hauptsächlich für die Bewohner des Himmels bestimmt, die jede Vorstellung von Versuchungen oder von Bösem verwerfen und unwillig werden sollen, wenn im Gedanken an den Herrn Böses auftaucht. HG 3605
20. August Er aber trieb sie alle hinaus und ergriff sie (die gestorbene Tochter des Obersten der Synagoge)

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bei der Hand, rief und sprach: Mädchen richte dich auf. Und ihr Geist kehrte zurück und sie stand sogleich auf. Und er verordnete, dass man ihr zu essen gebe. Luk 8, 54. 55.

Unter «Geist» ist das Leben des Menschen zu verstehen. Man kennt die Redensart, dass wenn ein Mensch stirbt, er den Geist aufgibt. Mit Geist ist also das mit Atemholen verknüpfte Leben gemeint. Im Lateinischen sind die Begriffe Geist und Atmung in der Wortbildung verwandt; im Hebräischen gibt es für «Geist» und «Wind» nur ein Wort. Das Leben des Menschen hat zwei Quellen: den Herzschlag und die Atmung der Lunge; diese ist unter Geist und auch unter Seele zu verstehen. Sie wirkt mit den Gedanken und dem Verstand des Menschen einträchtig zusammen. LvH 47
21. August Und andere Schafe habe ich, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden meine Stimme hören und wird eine Herde sein und ein Hirte. Joh 10, 16.

Der Herr ist nicht in die Welt gekommen um die Himmlischen, sondern um die Geistigen zu retten. Die Älteste Kirche, die Mensch genannt wurde, war eine himmlische. Wenn diese in ihrer Unschuld geblieben wäre, hätte der Herr nicht nötig gehabt, als Mensch geboren zu werden; sobald sie aber anfing abzufallen, sah der Herr voraus, dass die himmlische Kirche vom Erdkreis ganz verschwinden würde. Die Alte Kirche nach der Sintflut war eine geistige Kirche. Diese oder ihre Angehörigen konnten nicht gerettet werden, wenn der Herr nicht in den Welt gekommen wäre. HG 2661

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Die «anderen Schafe» waren vor der Ankunft des Herrn nicht im Himmel, sondern wurden erst von ihm eingeführt, nachdem er seine Menschennatur verherrlicht hatte. Der Grund dafür bestand darin, dass die ausgehende göttliche Kraft sie vorher nicht erreichen konnte. OE 433
22. August Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch das Übrige hinzugetan werden. Joh 6, 33.

Der Mensch ist so beschaffen wie seine nützlichen Leistungen. Diese sind aber vielfach: Es gibt himmlische und teuflische. Himmlische dienen der Kirche, dem Vaterland, der Gesellschaft und den Mitbürgern, teuflische nur dem Menschen selber und seinen Angehörigen. Jeder soll aber für sich und die Seinigen sorgen und alles erwerben, was zum Leben notwendig und erforderlich ist, und zwar aus Liebe, aber nicht aus Selbstliebe. Wenn der Mensch bei seinem Wirken an erster Stelle den Nutzen liebt und an zweiter sich und die Welt, dann ist das erste das Geistige, das zweite das Natürliche, dann herrscht das Geistige, das Natürlich dient. Das Reich Gottes ist der Herr selbst und seine Kirche; die Gerechtigkeit ist das geistige, moralische und bürgerliche Gute und alles Geleistete, was in diesem Guten seine Quelle hat, ist ein Nutzen. Alles andere wird noch hinzugegeben, weil sich, wenn der Nutzen an erster Stelle geliebt wird, diese Liebe auf den Herrn bezieht, von dem alles Gute stammt; dann lenkt er den Menschen und gibt ihm alles dazu, was zum ewigen Leben und zur ewigen Seligkeit nötig ist. Alle Fügungen der göttlichen Vorsehung zielen beim Menschen auf das ewige Leben. EO 1193

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23. August Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge siehst du nicht? Oder wie magst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, dass ich dir den Splitter aus deinem Auge ziehe, während doch ein Balken in deinem Auge ist? Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, dann magst du sehen, ob du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen kannst. Mt 7, 3-5

Es heißt hier «Bruder», weil es sich um die tätige Liebe handelt. Den Splitter aus dem Auge des Bruders ziehen bedeutet nämlich, ihn über das Falsche und Böse belehren und dadurch bessern. Der Herr sagt aber «den Splitter aus dem Auge des Bruders ziehen und einen Balken im Auge haben» wegen des geistigen Sinnes, der in allem steckt, was der Herr geredet hat. Der Splitter stellt ein geringes Maß an Falschem aus dem Bösen dar, der Balken jedoch ein bedeutendes Maß. Das Auge stellt den Verstand und auch den Glauben dar. Dass Splitter und Balken Falsches bedeuten liegt daran, dass sie aus Holz sind, was ein Symbol für Gutes ist, der Balken das Wahre des Guten, im entgegengesetzten Sinn aber das Falsche des Bösen. OE 746
24. August Aber ich sage euch, viele werden kommen vom Aufgang und vom Niedergang und mit Abraham und Isaak und Jakob sich niederlegen im Reich der Himmel. Mat 8, 11.

Sie werden nicht mit ihnen im Reich des Herrn essen, sondern die himmlischen Güter genießen, die durch Abraham 164

Isaak und Jakob bezeichnet werden, nämlich die himmlischen der Liebe, sowohl der innersten, die Abraham heißen, als auch die nach unten anschließenden, also die mittleren, nämlich die zur Vernunft gehörigen, die Isaak genannt werden, und schließlich die unteren, die natürlich himmlischen, wie sie sich im ersten Himmel finden, die man unter Jakob zu verstehen hat. Dies ist die innere Bedeutung dieser Worte. Ob man nun mit diesen drei Namen die himmlischen Dinge nennt oder einfach sagt den Herrn genießen, der durch sie symbolisiert wird, ist eins, denn vom Herrn stammt alles und der Herr ist alles. HG 2187
25. August Und nach sechs Tagen nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und führte sie hinauf auf einen hohen Berg besonders allein und verwandelte sich vor ihnen. Mat 9, 2.

Die drei Jünger wurden mitgenommen, weil nur diejenigen, die im Wahren aus dem himmlischen Guten sind, den Herrn in seiner Herrlichkeit sehen können und nur solche befähigt sind, erleuchtet zu werden und in der Erleuchtung das Wort innerlich verstehen. Denn als der Herr in ihrer Gegenwart verklärt wurde, stellte er das göttliche Wahre dar, das Wort. Deshalb schienen auch Moses und Elias mit ihm zu reden, durch die das Wort symbolisiert wird. OE 821 (s. a. 19. Januar)
26. August Gebt das Heilige nicht den Hunden und Perlen nicht vor die Schweine, auf dass nicht mit ihren Füßen niedertreten umwenden und euch zerreißen. werft eure sie solche und sich Mat 7, 6.

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Perlen stellen im geistigen Sinn Kenntnisse des Guten und Wahren dar, sowohl des himmlischen wie auch des geistigen, die aus dem Wort, besonders aus dessen buchstäblichem Sinn gewonnen sind. Mit Schweinen werden Menschen verglichen, die bloß weltliche, aber keine geistigen Schätze, nämlich die Kenntnisse aus dem Wort, lieben. EO 727 Unter den Hunden sind böse Begierden und Gelüste zu verstehen, unter den Schweinen unreine Triebe, wie sie in den Höllen der Ehebrecher zu finden sind. Weil diese in der höllischen Ehe leben, nämlich in der Ehe des Falschen mit dem Bösen, verwerfen sie das Gute und Wahre und lästern es. OE 1044 Hunde sind diejenigen, die innerhalb der Kirche an unterster Stelle stehen und von dem, was Sache der Kirche ist, viel schwätzen, aber wenig verstehen; im entgegengesetzten Sinn sind sie diejenigen, die gegen die Wahrheiten des Glaubens Schmähungen ausstoßen. HG 7785 Hunde bedeuten diejenigen, die das Gute des Glaubens durch Verfälschungen unrein machen, weil die Hunde Unreines essen und auch die Menschen anbellen und beißen. Daher kommt es, dass die Heiden, die außerhalb der Kirche in Falschem aus dem Bösen befangen waren, von den Juden Hunde genannt wurden. HG 9231
27. August Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Derselbige war von Anfang an ein Menschenmörder und ist nicht in der Wahrheit bestanden, dieweil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er Lüge redet, redet er aus dem Eigenen, weil er ein Lügner ist und der Vater derselben. Joh 8, 44

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Es geht hier um die Juden. Dass die Christen, obwohl sie dies wissen, dennoch glauben, jene Völkerschaft werde sich endlich zum Herrn bekehren und dann in das Land, wo sie früher gewesen war, eingeführt werden, kommt daher, weil sie den inneren Sinn des Wortes nicht kennen und weil sie meinen, das Leben des Menschen mache nichts aus und das Böse, wenn es auch durch fortgesetzte Handlungen eingewurzelt sei, bilde kein Hindernis. Auch könne der Mensch durch den Glauben, sogar in einem einzigen Stündlein, geistig und von neuem geboren werden. HG 7051 Jeder redet nämlich gemäß der Neigung seiner Liebe und gegen diese kann niemand reden, es geschähe denn aus Verstellung, Heuchelei, List und Trug wie die Bösen zu tun pflegen, wenn sie Wahres reden. Aber dieses Wahre, das sie so erzählen, ist bei ihnen dennoch falsch. Umgekehrt aber können die, die im Wahren aus dem Guten sind, nichts anderes als Wahres sagen. HG 7357
28. August Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse fälschlich wider euch sagen um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel; denn so haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren. Mat 5, 11. 12.

Dies bezieht sich auf diejenigen, die in den von den Bösen, somit von der Hölle herbeigeführten Versuchungen kämpfen und siegen. Durch schmähen, verfolgen und fälschlich Böses sagen um meinetwillen werden Versuchungen beschrieben, denn Versuchungen sind Bekämpfungen und Anfechtungen des Wahren und Guten durch Falsches und Böses. Unter Christus ist das göttliche Wahre vom Herrn zu verstehen, das 167

(vom Bösen) bekämpft wird und um dessen willen man angefochten wird. Sich freuen und frohlocken bedeutet die Freuden des Himmels für diejenigen, die eine geistige Neigung zum Wahren haben, denn diese allein kämpfen und siegen, weil der Herr in dieser Neigung tätig ist und für den Menschen den Versuchungen widersteht und siegt. OE 695
29. August Wenn du eine Gabe auf dem Altar darbringst und allda gedenkst, dass dein Bruder etwas wider dich hat, so lass allda vor dem Altar deine Gabe und gehe erst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und bringe deine Gabe dar. Mat 5, 23. 24.

Es verhält sich mit den Gaben wie mit allen Handlungen des Menschen. Die Handlungen sind nur Gebärden und abgesehen vom Willen sind sie bloß Bewegungen, die verschieden gebildet und gleichsam gegliedert sind, nicht unähnlich den Bewegungen einer Maschine, d. h. unbeseelt. Gemeinsam mit dem Willen aber sind die Handlungen dessen Realisierungen, die sich den Augen darbieten. Die dem Herrn dargebrachten Gaben sind also Bezeugungen dessen, was mit dem Herzen dargebracht wird und zum Glauben und zur tätigen Liebe gehört. Sich mit dem Bruder versöhnen bedeutet, sich der tätigen Liebe zum Nächsten bewusst zu sein. HG 9293
30. August Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch dass, wer ein Weib ansieht, um ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Mat 5, 27. 28.

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Da bei den Bösen die Begierden zusammen mit ihrer Hinterlist das Innere des Denkens bilden und die Lüste der Begierden mit ihren Machenschaften das Äußere des Denkens, so ergibt sich, dass das Innere nur von seinen Begierden gereinigt werden kann, soweit das Böse aus dem äußeren Menschen entfernt ist. Es ist der innere Wille des Menschen, der seinen Begierden zugrunde liegt und sein innerer Verstand, der die Basis seiner Hinterlist bildet. Dem äußeren Willen aber liegen die Reize der Begierden zugrunde und dem äußeren Verstand die Machenschaften der Hinterlist. Jeder kann auch verstehen, dass die Begierden mit ihren Lüsten eine Einheit bilden, so wie die Hinterlist und ihre Machenschaften, alle vier also in einer Reihe stehen und zusammen gleichsam ein Bündel darstellen. Dies zeigt wiederum, dass das Innere, das aus den Begierden besteht, nur ausgetrieben werden kann, wenn das aus Bösem bestehende Äußere entfernt wird. Die Begierden bringen durch ihre Reize das Böse hervor. Wird aber das Böse für erlaubt gehalten, was geschieht, wenn Wille und Verstand darin übereinstimmen, dann bilden Reize und Böses eine Einheit. Wie man weiß, kommt eine solche Übereinstimmung der Tat gleich. GV 111
31. August Selig selbige Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich ich sage euch, er umgürtet sich, lässt sie zu Tisch gehen und kommt herzu und bedient sie. Luk 12, 37

Essen ist die Verbindung und Aneignung des Guten, Trinken die Verbindung und Aneignung des Wahren. Beide bedeuten auch Belehrung: essen ist die Unterweisung im Guten, Trinken die Unterweisung im Wahren. Das beruht darauf, dass geistige Speise alles Gute des Glaubens bedeutet, in 169

dem die Weisheit ihre Quelle hat, und dass geistiger Trank alles Wahre des Glaubens symbolisiert, aus dem die Einsicht hervorgeht. HG 9412 (s. a. 6. August und 28. April)
1. September Wiederum ist zu den Alten gesagt: Du sollst keinen falschen Eid tun, sondern dem Herrn deinen Eid halten. Ich aber sage euch: Ihr sollt gar nicht schwören, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch nicht bei deinem Haupt sollt du schwören, denn du kannst nicht ein Haar weiß oder schwarz machen. Euer Wort aber sei Ja, ja, Nein, nein. Was darüber ist, ist vom Übel. Mat 5, 33- 37

Den Alten war gestattet, beim Namen Jehovahs oder bei Jehovah zu schwören. Es war aber nur ein Abbild der Bestätigung vom inneren Menschen aus. Bekannt ist aber, dass der verinnerlichte Mensch, d. h. derjenige, der ein Gewissen hat, nicht nötig hat, etwas durch einen Schwur zu bekräftigen, und dass er das auch nicht tut. Die Schwüre gereichen ihm zur Schande. Er kann zwar versichern, dass etwas so sei, oder auch die Wahrheit mit Gründen bekräftigen, aber schwören, dass etwas so sei, das kann er nicht. Er hat ein inneres Band, das ihn bindet, nämlich dasjenige des Gewissens. Diesem noch ein äußeres Band hinzufügen, das der Schwur ist, heißt ihm zuschreiben, er sei nicht redlichen Herzens. HG 2842

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2. September Wer da schwört beim Himmel, schwört beim Thron Gottes und bei dem, der auf ihm sitzt. Mat 23, 22

Im Wort wird mehrmals der Stuhl oder Thron genannt, wo vom göttlichen Wahren und vom Gericht aufgrund des Wahren gehandelt wird. Durch Thron wird dort im inneren Sinn bezeichnet, was Sache des göttlichen Königtums ist und durch den Sitzenden auf dem Thron der Herr selbst als König oder als Richter. Im obigen Text wird ausgedrückt, der Himmel sei Gottes Thron; die Erde aber, die der Schemel seiner Füße genannt wird, stellt dar, was unter dem Himmel ist, in diesem Fall die Kirche. HG 5313
3. September Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Da sagten zu ihm die Juden: Du hast noch keine fünfzig Jahre und hast Abraham gesehen? Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich. Joh 8, 56-58

Hieraus kann erhellen, dass das unendliche Sein, das Jehovah ist, dem Menschen lediglich offenbart werden konnte durch das menschliche Wesen, somit nur durch den Herrn. Es wurde niemandem offenbart als allein dem Herrn. Damit er auch beim Menschen sein und mit ihm verbunden werden konnte, nachdem sich der Mensch vom Göttlichen ganz entfernt und in schnöde Begierden und so in bloß Leibliches und Irdisches sich versenkt hatte, nahm er das menschliche Wesen durch die Geburt an. HG 1990 Es wird hier der Herr von Ewigkeit und nicht ein Sohn von Ewigkeit verstanden; denn der Sohn ist sein von Jehovah dem 171

Vater empfangenes und von der Jungfrau Maria in der Zeit geborenes Menschenwesen. LvH 30
4. September …denn euer Vater in den Himmeln lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Mat 5, 45

Durch das Wort kommt auch den Menschen außerhalb der christlichen Kirche, denen das Wort nicht zugänglich ist, Licht zu. Und weil durch dieses Licht den Bösen wie den Guten Verstand gegeben wird, ergibt sich, dass aus dem ursprünglichen Licht ein abgeleitetes Licht hervor scheint, das in den Wahrnehmungen und Gedanken über alle nur möglichen Gegenstände besteht. Die Sonne stellt im geistigen Sinn des Wortes hier wie an anderen Stellen das göttliche Gute der göttlichen Liebe dar, der Regen das göttliche Wahre der göttlichen Weisheit, die Bösen wie Guten, Gerechten wie Ungerechten zuteil werden. Geschähe das nicht, verfügte niemand über Wahrnehmung und Denken, also über ein Bewusstsein. HG 173
5. September Jesus sagte zu den Zwölfen: Gehet nicht hin auf den Weg der Heiden und in eine Stadt der Samariter gehet nicht ein. Ziehet viel mehr hin zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Mat 10, 5. 6.

Das Schaf bedeutet das Gute. Unter dem Guten schlechthin versteht man das Gute des Willens, unter dem Guten des Wahren aber das Gute der Einsicht. Das Gute des Willens 172

besteht darin, dass aus dem Guten heraus Gutes getan wird. Das Gute der Einsicht bedeutet, aus dem Wahren das Gute zu tun. Diese beiden erscheinen den letzteren als eins; sie sind aber voneinander sehr verschieden, denn das Gute aus dem Guten tun heißt, es aus dem inneren Verständnis des Guten zu tun. Dieses Verständnis findet sich aber nur bei den Himmlischen. Das Gute aus dem Wahren tun heißt aber, es aus der Erkenntnis und infolgedessen aus der Einsicht tun, aber ohne ein Begreifen, dass es wirklich so ist, also nur weil man so belehrt worden ist von anderen oder sich mit Hilfe des eigenen Verstandes kundig gemacht hat. So kann auch eine irrtümliche «Wahrheit» zustande kommen; wenn sie jedoch Gutes zum Ziel hat, wird das, was man auf diese Art tut, als etwas Gutes getan. HG 4169
6. September Und Jesus hob an und sprach, da er lehrte im Heiligtum: Wie sagen die Schriftgelehrten, Christus sei Davids Sohn? Hat doch David selbst im heiligen Geist gesprochen: Der Herr sprach zu einem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. Mar 12, 35. 36.

Sitzen ist ein Ausdruck, der das Wesen und Beharren im Zustand einer Sache und des Lebens beschreibt. Das geht aus den Stellen im Wort hervor, wo es heißt sitzen vor Jehovah, stehen vor ihm und wandeln vor ihm. Sitzen vor Jehovah bedeutet mit ihm sein, also auch wollen und tun mit seiner Kraft. Stehen vor ihm bedeutet leben nach seinen Geboten. Weil sitzen eine solche Bedeutung hat, steht es im Hebräischen für bleiben und wohnen. OE 687

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7. September Denn des Menschen Sohn ist Herr auch des Sabbaths. Mat 12, 8

Der Sabbath bedeutet im höchsten Sinn die Vereinigung des Göttlichen, das Vater genannt wird, mit dem göttlichen Menschlichen, das der Sohn heißt. Die sechs Arbeitstage, die dem siebenten vorausgehen, stellen den ganzen Zustand des Kampfes dar; denn «Arbeit» ist im geistigen Sinn keine Arbeit wie in der Welt, sondern wie sie diejenigen verrichten, die zur Kirche gehören, ehe sie in diese Kirche eingehen und selbst eine Kirche werden. Diese Arbeit ist der Kampf gegen das Böse und das Falsche des Bösen. Die Zeit und der Zustand, als der Herr jene Kämpfe zu bestehen hatte, werden durch die sechs Tage der Arbeit bezeichnet; der Zustand aber nach geschehener Vereinigung wird durch den siebenten Tag symbolisiert. Er heißt Sabbath, gleich Ruhe, weil der Herr jetzt Ruhe hatte. Daher wird durch Sabbath auch die Verbindung des Herrn mit dem Himmel, mit der Kirche, mit den Engeln des Himmels und mit den Menschen der Kirche dargestellt. Der Herr hat, als er in der Welt war und seine Menschennatur mit seinem göttlichen Wesen vereinigt hatte, den Sabbath als bildmäßigen Gottesdienst oder als Feier, wie sie von den Juden gepflegt wurden, abgeschafft und ihn zu einem Tag des Unterrichts in der Lehre des Glaubens und der Liebe gemacht. HG 10360
8. September So wird es sein bei der Vollendung des Zeitlaufs. Die Engel werden ausgehen und ausscheiden die Schlechten aus der Mitte der Gerechten. Mat 13, 49

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Das Wort Gottes versteht unter den Gerechten jene, die nach der göttlichen Ordnung gelebt haben, denn die göttliche Ordnung ist, wie gesagt die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit selbst, deren Verkörperung der Herr durch seine Erlösungstaten geworden ist, kann dem Menschen nicht anders zugeschrieben, eingeschrieben, angepasst und verbunden werden als das Licht dem Auge, der Schall dem Ohr, der Wille den Muskeln eines Schaffenden, der Gedanke den Lippen eines Redenden, die Luft der atmenden Lunge, die Wärme dem pulsierenden Blut und so weiter. Dass all dies einfließt und sich hinzufügt ohne sich zu verbinden, merkt ein jeder an sich selbst. Die Gerechtigkeit aber erwirbt sich der Mensch in dem Maß wie er sie übt, das heißt wie er aus Liebe zum Gerechten und Wahren mit seinem Nächsten verfährt. WCR 96
9. September Und er rief einen jeglichen der Schuldner seines Herrn zu sich und sprach zu dem ersten: Wie viel schuldest du meinem Herrn? Der aber sprach: Hundert Bath Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und setze dich und schreibe schnell fünfzig. Darnach sprach er zu einem anderen: Aber du, wie viel bist du schuldig? Dieser aber sagte: Hundert Kor Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klüglich getan habe; denn die Söhne dieses Zeitlaufs sind klüger als die Söhne des Lichts in ihrem Geschlecht. Luk 16, 5-8

Beim Menschen heißt alles, womit er vom Herrn vor der Wiedergeburt begabt und wodurch er wiedergeboren wird, 175

Überreste, die im Wort durch die Zahl zehn bezeichnet werden. Daraus werden hundert, wenn der volle Stand der Wiedergeburt erreicht ist. HG 2636 Dass auch fünfzig das Volle bedeutet, kommt daher, dass es die Zahl ist, die auf siebenmal sieben oder auf neunundvierzig folgt, sodass sie deren Erfüllung ist. Fünfzig bedeutet also hier die volle Bezahlung. HG 2252 Sinnliche Menschen können mit Schlauheit denken, reden und handeln, weil alles Böse im Sinnlichen des Menschen wohnt und die Bosheit darin ebenso sehr hervortritt, wie die Einsicht im geistigen Menschen. Dies konnte ich deutlich aus der Bosheit derer erkennen, die sich in der Hölle befinden, deren Bosheit so beschaffen und so groß ist, dass man es nicht beschreiben kann. Dies ist unter den obigen Worten zu verstehen, wobei mit «Zeitlauf» die Spanne vom Anfang bis zum Ende einer Kirche gemeint ist. OE 763
10. September Es wird aber ein Bruder den Bruder und der Vater das Kind zum Tode überantworten und Kinder werden gegen Eltern aufstehen und sie zum Tode bringen. Mat 10, 21

Hausgenossen wie Vater, Tochter, Mutter, Kinder bedeuten, was im Menschen drin und somit sein Eigenes ist, also Böses und Falsches, das Gutes und Wahres bekämpft. Wer sieht nun nicht, dass diese Worte nicht nach dem Buchstaben zu verstehen sind? Mindestens daraus, dass hier verlangt wird, man solle Vater, Mutter, Brüder hassen, damit man ein Jünger des Herrn sein könne, während doch aus den Geboten des Herrn folgt, dass man niemanden hassen darf. Dass es um das Eigene geht, lässt sich auch daraus ablesen, dass einer seine Seele hassen und seine Habe verleugnen soll, die auch sein Eigenes bedeuten. HG 10490 176

11. September Geht ein durch das enge Tor; denn das Tor ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt und viele sind ihrer, die ihn gehen. Eng aber ist das Tor und schmal der Weg, der zum Leben führt und wenige sind ihrer, die ihn finden. Mat 7, 13. 14.

Mir wurde einst ein Weg gezeigt, der zum Himmel wie auch zur Hölle führte. Es war ein breiter Weg, der sich nach links, bzw. nach Norden zog. Viele Geister erschienen und beschritten ihn; doch in der Ferne, wo dieser breite Weg endete, erblickte man einen ziemlich großen Stein. Von ihm aus teilte er sich in zwei Wege, in einen nach links und einen anderen in die entgegengesetzte Richtung nach rechts. Der linke Weg war eng oder schmal, führte gen Westen nach Süden und so schließlich in das Licht des Himmels. Der rechte Weg war breit und geräumig und lief schräg abwärts zur Hölle. Zuerst schienen alle denselben Weg zu gehen, bis sie den großen Stein am Scheideweg erreichten. Dort trennten sie sich, die Guten wandten sich nach links und folgen dem schmalen Weg, der zum Himmel führte; die Bösen aber sahen den Stein am Scheideweg nicht, stolperten über ihn, verletzten sich und liefen, wenn sie sich wieder erhoben hatten, auf dem breiten Weg nach rechts der Hölle zu. HH 534 In jedem Menschen sind im allgemeinen zwei Tore, das eine geht zur Hölle, das für Böses und Falsches offen ist; in diesem Tor sind die höllischen Genien und Geister. Das andere Tor geht auf zum Himmel, das für Gutes und Wahres offen ist; in diesem Tor sind die Engel. Das Höllentor ist bei denjenigen offen, die im Bösen und Falschen sind, und nur durch Ritzen ringsumher kommt von oben etwas Licht aus dem Himmel herein, in dem sie denken und argumentieren können. HG 2851 177

12. September Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben. Was du auf Erden binden wirst, das soll in den Himmeln gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das soll in den Himmeln gelöst sein. Mat 16, 19.

Darunter ist nicht zu verstehen, dass die Jünger und Petrus solche Macht haben würden, diese hat der Herr allein. Aber im geistigen Sinn stellen die zwölf Jünger alles Wahre und Gute der Kirche dar, das vom Herrn kommt. OE 333 Durch Petrus wird hier ebenso wie durch David im höchsten Sinn das vom göttlichen Guten des Herrn ausgehende göttliche Wahre symbolisiert und im inneren Sinn alles Wahre vom Guten, das vom Herrn ausgeht. Das Gleiche ist auch unter dem Fels zu verstehen, der zugleich mit Petrus erwähnt wird. Petrus steht hier für das Wahre und für den Glauben, weil er damals den Herrn von Herzen anerkannte, indem er sprach: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. OE 206 (s. a. 12. Mai)
13. September Jesus aber blickte ihn an und liebte ihn und sprach zu ihm: Eins mangelt dir: Gehe hin, verkaufe, was du hast und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Und komm her, folge mir nach und nimm das Kreuz auf dich. Mar 10, 21.

Im geistigen Sinn heißt das, er solle das Falsche, das der jüdischen Kirche anhaftete, verwerfen und die Lehre des Wahren vom Herrn annehmen und sich Kämpfe und Anfechtungen von Seiten des Falschen gefallen lassen. Daher 178

irren die, die glauben, dass dem Herrn zu folgen erfordere die (weltlichen) Güter zu verkaufen und das Kreuz zu erdulden. Weil der Herr das göttliche Wahre selbst ist, das bei Johannes 1, 1. als Wort bezeichnet wird, deshalb wird durch Geißeln und Kreuzigen ausgedrückt, von den Juden sei mit dem göttlichen Wahren im Wort ebenso verfahren worden. OE 122
14. September Zur selben Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich bekenne dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Verständigen verborgen und den Unmündigen offenbart hast. Mat 11, 25.

Diejenigen, die im Leben nach dem Tod bloß disputieren, ob sie seien, die bleiben draußen vor den Pforten der Weisheit und gleichen denen, die nur anklopfen. Und was zu verwundern ist: Solche, die es so halten, glauben weise vor anderen zu sein und desto weiser, je besser sie darüber reden können, ob es so sei und mehr noch mit Gründen beweisen, dass es nicht so sei. Und dies, obwohl doch die Einfältigen, die im Guten sind und die sie verachten, ohne Streit und ohne gelehrtes Gerede augenblicklich vernehmen können, dass es ist und wie es ist. Sie haben ein allgemeines Wahrheitsgefühl; die anderen jedoch haben dieses durch ihre Erörterungen, ob es so sei, ausgelöscht. HG 3428
15. September Wenn du ein Mittagsmahl oder Abendmahl gibst, so lade nicht ein deine Freunde, noch deine Brüder, noch dein Verwandten noch reiche Nachbarn, dass sie nicht etwa dich wieder einladen

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und dir Vergeltung werde; sondern wenn du ein Gastmahl gibst, lade Arme, Krüppel, Blinde, dann wirst du selig sein, weil sie nicht haben zu vergelten. Es wird dir vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. Luk 14, 12-14

Mittagsmahl, Abendmahl, Gastmahl stehen für das Gute der tätigen Liebe, in dem ein Zusammenwohnen des Herrn mit dem Menschen stattfindet. Dadurch wird daher dargestellt und deutlich gemacht, dass die Vergeltung im Guten selbst ist, weil darin der Herr ist; denn es heißt, es werde vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. Diejenigen, die sich bestreben, das Gute aus sich zu tun, weil der Herr es so geboten hat, diese sind es, die endlich dieses Gute selbst empfangen und, anschließend belehrt, gläubig anerkennen, dass alles Gute vom Herrn stammt. HG 2371
16. September Jesus aber, der ihre Gedanken sah, sprach zu ihnen: Jegliches Reich, das wider sich selbst geteilt ist, wird wüst und jegliche Stadt oder jegliches Haus, das wider sich selbst geteilt ist, wird nicht stehen. Und wenn Satan den Satan austreibt so ist er wider sich selbst geilt. Wie kann dann sein Reich bestehen? Mat 12, 25. 26.

Der vernünftige Mensch kann auch ohne Erklärung verstehen, dass das Böse mit seinem Falschen und das Gute mit seinem Wahren in den inneren Bereichen des Menschen nicht zusammen bleiben können, da das Böse dem Guten und das Gute dem Bösen entgegengesetzt ist. Gegensätze schließen einander aus. Dazu kommt, dass in allem Bösen Hass gegen das Gute wurzelt, in allem Guten aber die Neigung, sich vor dem 180

Bösen zu schützen und es von sich fernzuhalten. Daraus folgt, dass eins mit dem anderen nicht zusammen sein kann und, wäre das doch der Fall, es zuerst zu Kampf und Zusammenstoß und schließlich zur Zerstörung käme. GV 233
17. September Die Söhne des Reichs aber werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis. Dort wird sein Heulen und Zähneklappern. Mat 8, 12

Söhne des Reiches sind die Angehörigen der (jüdischen) Kirche. Die äußerste Finsternis bedeutet das schlimmere Falsche; es heißt die «äußerste», weil das Falsche im Äußersten das schlimmere ist. HG 7688 Weil das göttliche Wahre das Licht in den Himmeln ist, folgt, dass das Falsche des Bösen, das Falsche der Höllen Finsternis ist. Es haben zwar die Bewohner der Hölle keine Finsternis, denn sie sehen einander, aber das Licht in dem sie sehen, ist wie das Licht von feurigen Kohlen. Und dieses Licht wird, wenn Himmelslicht hineinfließt, lauter Finsternis. OE 526
18. September Jesus sprach zu ihr (Martha): Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, wenn er auch stürbe. Joh 11, 25.

Dass der Herr allein Mensch ist, kommt daher, dass er das Leben selbst ist, die anderen aber, weil sie durch ihn Menschen sind, nur Aufnahmeorgane des Lebens sind. Weil der Herr das Leben ist, wird er auch im Wort das Brot des Lebens, das Licht 181

des Lebens, der Baum des Lebens genannt wie auch der lebendige und lebende Gott. Und weil er das Leben ist, alle anderen es aber nur aufnehmen, lehrt er an vielen Stellen, dass er das Leben gibt und lebendig macht. OE 1120
19. September Auch fasst man nicht neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche werden verderben, sondern man fasst neuen Wein in neue Schläuche und beide werden miteinander erhalten. Mat 9, 17.

Wein steht für das Wahre, alter Wein für das Wahre der alten oder jüdischen Kirche; Schläuche sind das, was etwas enthält, alte Schläuche die Satzungen und Rechte der Jüdischen Kirche, neue Schläuche die Gebote und Anordnungen des Herrn. Dass die Satzungen der jüdischen Kirche, die hauptsächlich die Opfer und den symbolischen Gottesdienst betrafen, mit den Wahrheiten der christlichen Kirche nicht übereinstimmen, wird ausgedrückt durch das Zerreißen der Schläuche und das Verschütten des Weines. OE 376 Das Innere muss früher gebildet werden als das Äußere und dieses danach durch das Innere. In dem Maß, wie der neue Himmel wächst, der das Innere der Kirche im Menschen bildet, steigt aus diesem Himmel das neue Jerusalem, d. h. die neue Kirche herab. Dies kann nicht in einem Augenblick geschehen, sondern nur in dem Maß, in dem das Falsche der vorigen Kirchen entfernt wird. Denn wo zuvor Falsches erzeugt worden ist, kann das Neue keinen Eingang finden, es sei denn das Falsche werde ausgerottet. WCR 784

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20. September Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist zuträglich für euch, dass ich hingehe; denn so ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. Joh 16, 7.

Dass durch den Paraklet das göttliche Wahre verstanden wird, ergibt sich aus des Herrn Worten selbst, denn er wird genannt der Geist der Wahrheit. Dass der Herr das göttliche Wahre war, während er sich in der Welt befand, ergibt sich ebenfalls aus den Worten des Herrn daselbst, denn er sagt, er werde einen anderen Beistand senden oder den Geist der Wahrheit. Das sagt er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten. HG 9199
21. September Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich zusammensuchen alle Ärgernisse und die da Unrecht tun und werden sie in den Feuerofen werfen. Mat 13, 41. 42.

Weil der Herr im Hinblick auf das göttliche Wahre Engel genannt wird, werden auch die göttlichen Wahrheiten im geistigen Sinn unter den Engeln verstanden. OE 130 Menschen, die die Geheimnisse des Reiches (oder der Kirche) des Herrn nicht kennen, meinen, der Herr werfe die Gottlosen in die Hölle oder in eine höllisches Feuer, das ein Feuer des Hasses ist. Die Sache verhält sich aber ganz anders: es ist der Mensch und der teuflische Geist selbst, der sich hinabstürzt. Weil es aber so erscheint, ist im Wort nach dem Anschein, ja nach den Täuschungen der Sinne so geredet wor183

den, besonders vor den Juden, die gar nichts begreifen wollten, als was für ihre Sinne fassbar war. HG 1861
22. September Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Schatz, der im Feld verborgen liegt, den ein Mensch findet und verbirgt und in seiner Freude hingeht und alles, was er hat, verkauft und dieses Feld kauft. Mat 13, 44

Durch den Schatz wird hier das göttliche Wahre im Wort dargestellt, durch den Acker die Kirche und ihre Lehre. Alles verkaufen, was man hat, bedeutet – wie auch an anderen Orten – sich von allem Eigenen befreien und das göttliche Wahre erwerben, das in der Kirche des Herrn zu finden ist.OE 840 Weil durch Habe, Reichtümer, Güter, Silber und Gold bezeichnet wird, was der Einsicht und Weisheit angehört, wird vom Herrn das Himmelreich mit einem Schatz verglichen, der in einem Acker verborgen liegt. HG 10227
23. September Es war aber ein reicher Mensch, der kleidete sich in Purpur und Byssus und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der war voller Schwären vor sein Tor hingeworfen. Und er begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tisch fielen, doch kamen auch die Hunde, die seine Schwären leckten. Luk 16, 19-21

Diejenigen, die nicht wissen, dass unter den Reichen solche verstanden werden, die die Erkenntnisse des Wahren und 184

Guten besitzen, somit das Wort haben, und dass unter den Armen solche verstanden werden, die jene nicht besitzen, aber eine Verlangen danach haben, können nicht anderes wissen, als dass unter dem Reichen und dem Armen eben ein Reicher und ein Armer im üblichen Sinn zu verstehen sei, während doch mit dem Reichen damals das jüdische Volk gemeint war, dass das Wort besaß, mit dem Purpur, in den es sich kleidete, das echte Gute und mit dem Byssus das echte Wahre. Unter dem Armen vor dem Tor werden diejenigen verstanden, die außerhalb der Kirche sind und das Wort nicht haben, jedoch ein Verlangen nach dem Wahren und Guten des Himmels und der Kirche verspüren. HG 10227
24. September

Fortsetzung Purpur bedeutet die himmlische Liebe zum Guten, weil durch die rote Farbe das Gute der himmlischen Liebe bezeichnet wird. Es gibt nämlich zwei Grundfarben, von denen die übrigen abstammen: die rote Farbe und die weiße. Die rote Farbe bedeutet das Gute, das der Liebe angehört, weil sie vom Feuer herkommt und Feuer das Gute der Liebe darstellt. Die weiße Farbe stellt das Wahre dar, weil sie vom Licht herkommt, das das Wahre des Glaubens symbolisiert. Alle Farben sind Modifikationen des himmlischen Lichts und der himmlischen Flamme, denn das himmlische Licht ist wirklich und ist das vom Guten des Herrn ausgehende göttliche Wahre. HG 9467
25. September

Fortsetzung Herrlich und in Freuden leben beschreibt die Freude über den Besitz des Wortes und die Fähigkeit es zu lesen. Der arme 185

Lazarus steht für die Heiden, die das Wort nicht hatten. Dass sie von den Juden verachtet und verworfen waren, geht daraus hervor, dass Lazarus voller Geschwüre vor dem Tore lag. Die Heiden werden von Gott geliebt so wie Lazarus, der von den Toten auferweckt wurde, vom Herrn geliebt wurde. Daher die Namensgleichheit. LvHS 40 Dass Lazarus sich sättigen wollte, weist darauf hin, dass er wünschte einige Wahrheiten von denen zu erlernen, die daran Überfluss hatten. Die Hunde bedeuten in diesem Falle diejenigen, die außerhalb der Kirche im Guten sind, obwohl es kein echtes Glaubensgutes ist. Die Geschwüre lecken heißt, sie heilen, so gut sie es können. HG 9231
26. September Und es geschah, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß hingetragen wurde. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Und er hob seine Augen auf in der Hölle, da er in Qualen war, sah Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach; Vater Abraham, erbarme dich mein und schicke Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers in Wasser tauche und mir die Zunge abkühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenk, Kind, du hast ein Gutes im Leben empfangen und Lazarus dagegen Böses. Nun aber wird er getröstet, du aber gepeinigt. Und über alles dies ist eine große Kluft befestigt zwischen uns und euch, so dass die, so wollten von hinnen zu euch hinüber gehen, nicht können und auch nicht die von dannen zu uns herüberkommen. Luk 16, 22-26

186

Von Abraham, Isaak und Jakob weiß man im Himmel nichts; dort vernimmt man bei diesen Worten, wenn sie von Menschen gelesen werden, nichts anderes als den Herrn im Hinblick auf sein göttliches und menschliches Wesen. In Abrahams Schoß sein heißt also nichts anderes als im Herrn sein. Es wurde aber so ausgedrückt, weil der Mensch der damaligen Zeit so entfernt war vom Inwendigen, dass er nichts anderes wissen wollte, als dass sich alles im Wort dem Buchstaben gemäß verhalte. HG 3305
27. September

Fortsetzung Wer nicht weiß, dass das Lebensfeuer im Menschen einen anderen Ursprung hat als das Elementarfeuer, kann keine andere Ansicht haben, als dass durch das Feuer der Hölle ein solches Feuer verstanden werde, wie es in der Welt ist. Im Wort wird aber von einem anderen Feuer gesprochen, nämlich vom Feuer, das der Liebe angehört und dem Leben des Menschen eigen ist und vom Herrn als der Sonne ausgeht. Wenn dieses Feuer bei denen eindringt, die im Gegensatz zum Göttlichen stehen, verwandelt es sich in das Feuer der Begierden, die der Rachgier, dem Hass, der Grausamkeit angehören und aus der Selbst- und Weltliebe entspringen. Dieses Feuer ist es, das die Höllenbewohner peinigt, denn wenn ihren Begierden der Zügel losgelassen wird, stürzt einer auf den anderen los und sie peinigen einander auf grässliche und unaussprechliche Weise, denn jeder will die Oberhand gewinnen und dem anderen das Seine nehmen durch heimliche und offene Kunstgriffe. HG 6833
28. September

Fortsetzung In diesem Gleichnis hat der Herr in Entsprechungen gere187

det, wie daraus zu erkennen ist, dass unter dem Reichen nicht reiche Leute verstanden werden, auch nicht unter Abraham Abraham noch unter dem Wasser, womit Lazarus dem Reichen die Zunge kühlen sollte wirkliches Wasser oder die menschliche Zunge. In der Hölle wird auch niemand durch eine Flamme gepeinigt. Dieses Wasser, in das Lazarus das Äußerste seines Fingers tauchen sollte, ist das Wahre aus dem Wort und die Zunge stellt den Durst und das Verlangen dar, die Wahrheiten, die im Wort enthalten sind, zu verdrehen. OE 455 Wer in den Vorstellungen des Raumes denkt, wie es alle Menschen in der Welt tun, hegt die Meinung, die Hölle befinde sich in weiter Entfernung vom Menschen, gleich wie der Himmel. Allein, die Sache verhält sich anders. Die Hölle und der Himmel sind dem Menschen nahe, ja sie sind in ihm drin, die Hölle im bösen, der Himmel im guten. Jeder kommt nach dem Tod in die Hölle oder den Himmel, in dem er schon in der Welt gewesen ist. Aber dann verändert sich der Zustand: die Hölle, die in der Welt nicht wahrgenommen wurde, wird jetzt wahrnehmbar und der Himmel, der in der Welt auch weit entfernt schien, kann jetzt wahrgenommen werden. Von denen, die in der Hölle sind, heißt es sie könnten die Himmelsbewohner von ferne sehen, weil sie in einem vom Guten und Wahren weit entfernten Zustand sind. Die große Kluft stellt diese Entfernung vom Guten dar. HG 8918
29. September Ich war hungrig und ihr gabt mir zu essen; ich war durstig und ihr habt mich getränkt; ich war ein Fremdling und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mich gekleidet; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich bin im

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Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Mat 25, 35. 36.

Das Wesen der tätigen Liebe ist die Neigung zum Guten und Wahren und die Anerkennung, dass das Eigene böse und falsch ist. Der Nächste ist ganz eigentlich das Gute und Wahre selbst. Das steht in diesen Worten, die Engel beim Menschen aber fassen sie so auf: Durch den Hungrigen werden sie diejenigen inne, die aus Neigung ein Verlangen nach dem Guten haben. Durch den Durstigen erkennen sie diejenigen, die ein Verlangen nach dem Wahren haben. Durch den Fremdling diejenigen, die belehrt werden wollen. Durch den Nackten diejenigen, die anerkennen, dass nichts Gutes und Wahres in ihnen ist. Durch den Kranken diejenigen, die anerkennen, dass in ihnen nichts als Böses ist. Durch den Gebundenen oder Gefangenen diejenigen, die anerkennen, dass in ihnen nichts als Falsches ist. HG 4957
30. September Und Jesus ging hinaus und ging weg von dem Heiligtum und seine Jünger kamen herzu, um ihm die Gebäude des Heiligtums zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht alles dies? Wahrlich ich sage euch: Kein Stein wird hier auf dem Stein gelassen, der nicht niedergerissen würde. Mat 24, 1. 2.

Das Heiligtum oder der Tempel bedeuten hier die heutige Kirche; die Zerstörung, so dass kein Stein auf dem anderen bleibt, beschreibt das Ende dieser Kirche, wobei nichts Wahres 189

mehr übrig bleiben soll. Denn als die Jünger mit dem Herrn über den Tempel sprachen, sagte der Herr die aufeinanderfolgenden Zustände dieser Kirche bis zu ihrem Ende voraus, d. h. er sprach von der Vollendung des Zeitabschnittes; unter dieser Vollendung wird ihre letzte Zeit verstanden, die die heutige ist. Dies wurde dadurch beschrieben, dass jener Tempel von Grund auf zerstört wurde. Der Tempel stellt nämlich diese drei dar: den Herrn, die Kirche im Himmel und die Kirche in der Welt. Weil diese drei eins ausmachen, können sie nicht getrennt werden, man kann also nicht eines ohne das andere verstehen. EO 191 Dass vom Tempel kein Stein auf dem andern bleiben sollte, bedeutet die gänzliche Zerstörung und Verwüstung der Kirche, denn der Stein bedeutet das Wahre der Kirche.OE 220
1. Oktober Als er sich aber auf dem Ölberg niedergesetzt hatte, kamen die Jünger zu ihm besonders und sprachen: Sage uns, wann dies sein wird und was das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitlaufs sein wird. Mat 24, 3.

Unter der Zukunft des Herrn und der Vollendung des Zeitlaufs ist der Anfang einer neuen Kirche und das Ende der vorigen zu verstehen. Unter der Zukunft des Herrn der Anfang einer neuen und unter der Vollendung des Zeitlaufs das Ende der alten Kirche. Daher belehrt der Herr in jenen Kapiteln seine Jünger über die allmähliche Verwüstung der vorigen Kirche und über die Herstellung einer neuen Kirche an deren Ende. Aber er unterweist und lehrt in lauter Entsprechungen, die nur durch den geistigen Sinn ausgelegt und erkannt werden können. Und weil es eben Entsprechungen waren, deshalb waren es lauter Zeichen. OE 706 190

2. Oktober Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, dass euch niemand irreführe. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: «Ich bin Christus», und werden viele irreführen. Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Sehet zu, dass euch nicht bange wird, denn das muss alles geschehen. Aber noch ist das Ende nicht da. Denn es wird erweckt werden Völkerschaft wider Völkerschaft und Königreich wider Königreich. Und es wird an verschiedenen Orten Hungersnot und Pestilenz und Erdeben sein. All dies ist aber nur der Anfang der Wehen. Mat 24, 4-8.

Es geht hier also nicht um die Zerstörung Jerusalems und nicht um die Zerstreuung der jüdischen Nation und nicht um das «jüngste Gericht», sondern um das Ende einer Kirche. Es werden also Leute kommen und sagen, dies oder jenes sei wahr und gehöre zum Glauben, während es doch falsch ist. Und es werden Händel und Streitigkeiten über Wahrheiten entstehen, was im geistigen Sinn Kriege sind. Das Böse wird mit dem Bösen und das Falsche mit dem Falschen kämpfen, denn «Völkerschaft» kann im Gegensinn auch Böses und «Königreich» Falsches bedeuten. Hungersnöte und Seuchen heißt, es seien insgesamt keine Erkenntnisse des Guten mehr vorhanden, Erdbeben beschreiben die Veränderungen im Zustand der Kirche, teilweise oder erstmals. Dies ist der erste Zustand, weshalb es heißt, es sei nur der Anfang der Wehen. HG 3353, 3354

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3. Oktober Da Jesus wusste, dass ihm der Vater alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hinging, machte er sich auf vom Abendmahl und legte seine Oberkleider ab, nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann goss er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch, womit er umgürtet war zu trocknen. Joh 13, 3-5

Das Waschen der Füße bedeutet eine Reinigung von Sünden, die durch Wahrheiten des Glaubens bewirkt wird. Und diese Wahrheiten werden hier durch das leinene Tuch dargestellt. Dass Flachs oder Leinen das Wahre bedeutet, kommt von den Vorbildern im Himmel her. Dort erscheinen diejenigen, die dem Wahren des Natürlichen anhangen, weiß gekleidet und dieses Weiß erscheint wie von Leinwand. Das Wahre selbst wird durch ein Gewebe dargestellt aus reinen flächsenen Fäden, die wie Seidenfäden glänzen, schön durchscheinend und ein weich. Ein Kleid daraus wirkt ebenso, wenn das Wahre, das so symbolisiert wird, aus dem Guten stammt. Tut es das nicht, scheinen diese Fäden zwar auch weiß, aber weder glänzend noch durchscheinend und auch nicht weich, sondern hart, als ob sie zerbrechlich wären. HG 7601
4. Oktober Alsdann werden sie euch in Trübsal überantworten und euch töten. Und ihr werdet von allen Völkerschaften gehasst werden um meines Namens willen. Und viele werden dann Ärgernis

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nehmen und einander überantworten und einander hassen. Und viele falsche Propheten werden erweckt werden und viele irreführen. Und weil das Unrecht sich mehrt, wird die Liebe von vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Und dieses Evangelium vom Reich wird im ganzen Erdkreis gepredigt werden zum Zeugnis über alle Völkerschaften und dann wird das Ende kommen. Mat 24, 8-14

Hier geht es um den zweiten Zustand der Verkehrung der Kirche. Dass solche Dinge die Kirche vor mehreren Jahrhunderten verkehrt haben, erhellt daraus, dass die Kirche in der Christenheit geteilt ist, und zwar nach den Meinungen über das Gute und Wahre. Die Verkehrung hat also schon vor langer Zeit begonnen. Trübsal und töten heißt, das Gute und Wahre werde verloren gehen, zunächst durch Verkehrung, dann durch Leugnung. Töten bedeutet «nicht annehmen», also leugnen. Der Hass spricht von der Verachtung und vom Widerwillen gegen alles, was zum Guten und Wahren gehört. «Völkerschaften» sind hier wieder mit ihrer negativen Bedeutung eingesetzt. All dies geschieht um des Namens des Herrn willen, das will sagen, wegen allem, was mit ihm zusammenhängt. HG 3489
5. Oktober

Fortsetzung: Und viele werden dann Ärgernis nehmen und einander überantworten und einander hassen. Und es werden Ärgernis und Feindschaft entstehen, die sich vor allem gegen den Herrn selbst richten, denn sie gehen vom Falschen aus und bedrängen das Wahre und vom Bösen aus das Gute. 193

Und viele falsche Propheten werden erweckt werden und viele irreführen. Und weil das Unrecht sich mehrt, wird die Liebe von vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Dieses Falsche wird von den falschen Propheten verkündigt. Mit dem Glauben stirbt auch die tätige Liebe, denn diese nimmt den Glauben auf und hält mit ihm gleichen Schritt. Wer sich aber nicht verführen lässt und den Versuchungen nicht unterliegt, wird am Ende selig werden. Und dieses Evangelium vom Reich wird im ganzen Erdkreis gepredigt werden zum Zeugnis über alle Völkerschaften und dann wird das Ende kommen. Das «Reich» ist hier das Wahre, das in der Christenheit bekannt gemacht wird, wobei «Zeugnis» ausdrücken will, dass jeder es wisse und nicht vorgeben könne ahnungslos gewesen zu sein. Wenn die Kirche aber im Zustand ist, dass jeder glaubt, das Falsche sei wahr und das Böse gut, dann wird das Ende kommen. HG 3489
6. Oktober Jetzt ist meine Seele erschüttert. Und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde! Aber dafür bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn abermals verherrlichen. Joh 12, 27. 28.

Das Gebet an sich betrachtet ist ein Reden mit Gott und alsdann eine innere Anschauung der Dinge, die den Gegenstand des Gebetes bilden, und diesem entspricht etwas Ähnliches von Einfluss in die Wahrnehmung oder das Denken des Gemütes, sodass eine gewisse Öffnung der inneren Regionen des Menschen gegen Gott hin entsteht. Doch ist dies 194

abhängig vom Zustand des Menschen und vom Wesen der Sache. Wenn es aus Liebe und Glauben hervorgeht und nur himmlische und geistige Dinge umfasst, um und für die gebetet wird, dann ergibt sich im Gebet eine Art von Offenbarung, die sich in des Betenden Gefühl als Hoffnung, Trost oder eine innere Freude kundgibt. HG 2535
7. Oktober Wenn ihr nun seht den Gräuel der Verödung, verkündigt von Daniel, dem Propheten, stehend an heiliger Stätte – wer es liest, der merke auf – dann sollen die, die in Judäa sind, fliehen auf die Berge. Wer auf dem Dach des Hauses ist, soll nicht hinabsteigen, etwas aufzuheben aus seinem Haus, und wer auf dem Feld weilt, wende sich nicht um, sein Kleid zu holen. Mat 24, 15-18

Die Gräuel der Verödung stellen die Verwüstung der Kirche dar, die dann eintritt, wenn der Herr nicht mehr anerkannt wird, wenn also keine Liebe und kein Glaube an ihn mehr vorhanden sind und wenn es an tätiger Liebe gegenüber dem Nächsten und an Glauben des Guten und Wahren fehlt. Wenn es so in der Kirche aussieht oder vielmehr in der Gegend, wo das Wort ist, nämlich in den Gedanken des Herzens – nicht aber in der Lehre des Mundes – dann ist die Verödung da und das Beschriebene ist deren Gräuel. Wenn ein Prophet im Wort mit Namen genannt wird, ist er es nicht selbst, der gemeint ist, sondern das prophetische Wort an sich; denn die Namen gelangen nicht bis in den Himmel. Doch bedeuten die verschiedenen Propheten verschiedene Dinge; Daniel steht für alle Weissagungen über die Zukunft des Herrn und den Zustand der Kirche, hier also über ihren letzten Zustand. Bei den Propheten ist viel die Rede von Verwüstung 195

und im Buchstabensinn geht es dort um die jüdische und israelitische Kirche, im inneren Sinn aber handelt es sich um die Verwüstung der Kirche im allgemeinen, hier demnach um die jetzige. HG 3652
8. Oktober

Fortsetzung Stehend an heiliger Stätte -– wer es liest, der merke auf Die «heilige Stätte» ist der Zustand der Liebe und des Glaubens. Die Stätte oder der Ort bedeutet im inneren Sinn immer den Zustand. Sein Heiliges ist das Gute, das Sache der Liebe ist und auch das Wahre, das Sache des Glaubens ist. Dies ist von denjenigen zu beachten, die an der Liebe und am Glauben festhalten. Dann sollen die, die in Judäa sind, fliehen auf die Berge. «Judäa» ist die Kirche, «der» Berg ist der Herr selbst, «die» Berge hingegen bedeuten die Liebe zu ihm und die tätige Liebe. Die Angehörigen der Kirche sollen also nicht anderswohin schauen als auf den Herrn und auf die Liebe zu ihm und zu den Nächsten. Nach dem Buchstabensinn würde es heißen, wenn Jerusalem von den Römern belagert würde – was wirklich geschehen ist– dann sollten sie nicht dort bleiben, sondern auf die Berge fliehen, wie es auch bei Luk 21, 20. 21. zu lesen ist. Aber auch Jerusalem stellt im inneren Sinn die Kirche des Herrn dar. HG 3652
9. Oktober

Fortsetzung Wer auf dem Dach des Hauses ist, soll nicht hinabsteigen, etwas aufzuheben aus seinem Haus. 196

Das Dach des Hauses symbolisiert im Wort den höheren Zustand des Menschen im Hinblick auf das Gute, was unten ist, steht für den niedrigeren Zustand, den im Hinblick auf das Wahre. Wer oben im Guten der tätigen Liebe steht, steht soll sich demnach nicht nach den Dingen der Glaubenslehre umschauen. Damit verhält es sich so: Wenn der Mensch wiedergeboren wird, erlernt er das Wahre um des Guten willen, denn er hat eine Neigung zum Wahren. Nachdem er aber wiedergeboren ist, handelt er aus dem Wahren und Guten. Dann darf er sich nicht zum früheren Zustand hinwenden, denn wenn er das täte, würde er über das Gute, das er erreicht hat, aufgrund des Wahren argumentieren und seinen Zustand abwerten, er würde in Versuchungen geraten, in denen er unterläge. Wer auf dem Feld weilt, wende sich nicht um, sein Kleid zu holen. «Feld» bedeutet im Wort in ähnlicher Weise einen Zustand im Hinblick auf das Gute; Kleid oder Rock aber stehen für dasjenige, was das Gute bekleidet, das heißt, die Lehre des Wahren. Wer auf dem Feld weilt, soll sich also ebenso wenig umwenden. HG 3652 Es gibt dreierlei Menschen in der Kirche, nämlich solche, die in der Liebe zum Herrn leben, andere denen es um die tätige Liebe gegenüber dem Nächsten geht und eine Gruppe, die eine Neigung zum Wahren besitzt. Die ersteren sind gemeint, wenn «Judäa auf die Berge fliehen soll», die zweiten sind die, die sich «auf dem Dach des Hauses» befinden, die dritten schließlich diejenigen, die «auf dem Feld» weilen. HG 3653
10. Oktober Von den Pharisäern aber befragt: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das

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Reich Gottes kommt nicht augenfällig. Sie werden auch nicht sagen: Siehe, hier oder: Siehe, dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Luk 17, 20. 21.

Der Sinn des Wortes verhält sich gemäß den Himmeln. Der höchste Sinn des Wortes, in dem vom Herrn gehandelt wird, ist für den innersten Himmel; sein innerer Sinn, in dem vom Reich des Herrn gehandelt wird, ist für den mittleren Himmel; der untere Sinn des Wortes, der sich auf das Volk bezieht, das dort jeweils genannt wird, ist für den unteren Himmel. Der unterste oder der Buchstabensinn jedoch ist für den Menschen, solange er noch in der Welt lebt. Diesem können aber der untere und danach auch der innere und der höchste Sinn mitgeteilt werden, denn der Mensch hat Gemeinschaft mit den drei Himmeln. Er ist nämlich nach dem Bild der drei Himmel erschaffen, und zwar so sehr, dass er, wenn er in der Liebe zu Gott und in tätiger Liebe gegenüber dem Nächsten lebt, ein Himmel in kleinster Form ist. HG 4279
11. Oktober Wehe aber den Schwangeren und den Säugenden in jenen Tagen: Betet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter, auch nicht am Sabbath, denn es wird alsdann große Trübsal sein, wie solche nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht werden wird. Und würden jene Tage nicht verkürzt, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mat 24, 15-18

Natürlich geht es hierbei nicht um die Zerstörung Jerusalems und auch nicht um den Untergang der Welt son198

dern nur um die letzte Zeit der Kirche, das heißt um ihre Verwüstung. Diese ist aber Tatsache, wenn keine tätige Liebe mehr gelebt wird. HG 3752 Die Schwangeren und Säugenden sind erfüllt mit dem Guten der Liebe zum Herrn und mit dem Guten der Unschuld. «Wehe» ist ein Ausdruck, der auf die Gefahr ewiger Verdammnis deutet. «Jene Tage» verweisen auf die Zustände, die zu der Zeit in der Kirche herrschen. «Flucht» bedeutet Entfernung vom Zustand des Guten der Liebe und der Unschuld. Im Winter geschähe sie bei großer Kälte, was Abneigung (gegen das Gute) durch Triebe der Selbstliebe bedeutet, am Sabbath würde sie bei großer Hitze erfolgen, die für ein heiliges Äußeres steht, während das Innere von Selbst- und Weltliebe erfüllt ist. «Trübsal» stellt den höchsten Grad der Verkehrung und Verwüstung der Kirche im Hinblick auf das Gute und Wahre dar, nämlich die Entweihung. Die Entweihung des Heiligen bringt den ewigen Tod und einen viel ärgeren Zustand des Bösen als alle übrigen und einen umso ärgeren, je tiefer das Gute und Wahre verankert ist, das entweiht wird. Weil dieses Innere in der christlichen Kirche offenbart und bekannt ist und nun entweiht wird, heißt es, es werde eine große Trübsal geben. HG 3755
12. Oktober

Fortsetzung Und würden jene Tage nicht verkürzt, so würde kein Fleisch errettet werden. Die «Verkürzung der Tage» bedeutet eine Entfernung der Angehörigen der Kirche vom inneren Guten und Wahren zu äußerem, damit diejenigen, die ein Leben des Guten und Wahren führen, dennoch selig werden können. Dass ein 199

Fleisch nicht errettet würde, will sagen, sonst könnte überhaupt niemand selig werden. Die Auserwählten sind eben diejenigen, die ein Leben des Guten und Wahren führen. HG 3755 Von der Entweihung des Heiligen, machen sich nur wenige eine klare Vorstellung: Nur diejenigen können entweihen, die das Gute und Wahre kennen, anerkennen und annehmen, nicht jedoch, wer es nicht anerkannt hat, und noch weniger, wer nichts davon weiß. Entweihen kann also, wer innerhalb der Kirche ist, nicht aber ein Außenstehender. Die Angehörigen der himmlischen Kirche können heiliges Gutes entweihen, die der geistigen Kirche heiliges Wahres. Den Juden wurden die inneren Wahrheiten nicht aufgedeckt, damit sie sie nicht entweihen sollten. Die Heiden können am allerwenigsten entweihen. Entweihung ist eine Vermischung und Verbindung von Gutem mit Bösem und Wahrem mit Falschem. Die Menschen werden vom Glauben des Guten und Wahren soweit es möglich ist abgehalten, wenn sie nicht darin beharren können. Sie werden deshalb in Unwissenheit gehalten, sodass auch der Gottesdienst nur äußerlich ist. HG 3757
13. Oktober Ich (Johannes) taufe euch zwar mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommen wird, ist stärker als ich, dem ich nicht genugsam bin, die Schuhe zu tragen, der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. Mat 3, 11.

Mit heiligem Geist und mit Feuer taufen, heißt wiedergebären durch das göttliche Wahre, das im Glauben, und durch das göttliche Gute, das in der Lieben enthalten ist. Die Taube 200

ist die sinnliche Vorstellung der Reinigung und Wiedergeburt durch das göttliche Wahre. Als der Herr die Jünger anhauchte mit den Worten: nehmt hin den heiligen Geist, geschah dies, weil alles Atmen im Himmel vom Herrn her kommt. Bei den Engeln gibt es wie bei den Menschen einen Atem und einen Herzschlag. Der Atem verhält sich entsprechend der Aufnahme der göttlichen Weisheit, der Herzschlag entsprechend der Aufnahme der göttlichen Liebe vom Herrn. LvH 51
14. Oktober Jesus antwortete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Joh 3, 5.

Der Mensch hat zwei Gemüter, ein äußerliches und ein inneres, das natürliche und das geistige. Das natürliche wird durch die Erkenntnisse der Dinge geöffnet, die in der Welt sind, das geistige jedoch durch die Erkenntnisse der Dinge, die im Himmel sind, die das Wort und aus diesem die Kirche lehrt. Durch diese wird der Mensch geistig, wenn er sie kennt und danach lebt. Durch das Wasser werden nun die Wahrheiten des Glaubens dargestellt und durch den Geist das ihnen gemäße Leben. Bei weitem die meisten Menschen glauben heutzutage, sie kämen einzig und allein durch einen andächtigen Gottesdienst in den Kirchen und durch Anbetungen und Gebete in den Himmel, aber diejenigen unter ihnen, die sich nicht um Erkenntnisse des Wahren und Guten aus dem Wort kümmern und sie nicht nur dem Gedächtnis einprägen, sondern auch im Leben anwenden, bleiben natürlich wie zuvor. OE 126 Ich weiß, dass etliche sich wundern werden, weshalb im Wort Wasser genannt wird und nicht die Wahrheiten des 201

Glaubens, da doch das Wort den Menschen über sein geistiges Leben belehren sollte. Wenn Glaubenswahres gesagt worden wäre, hätte der Mensch gewusst, dass das Wasser der Taufe und der Waschungen nichts zur Reinigung des Menschen von Bösem und Falschem beigetragen habe. Man muss aber wissen, dass das Wort, wenn es göttlich sein und zugleich für den Himmel und für die Kirche sich eignen soll, im Buchstaben durchaus natürlich sein muss. Denn wenn es das nicht wäre, würde keine Verbindung des Himmels mit der Kirche bewirkt; es wäre dann wie ein Haus ohne Fundament. Denn das Letzte (in diesem Fall das Wasser) schließt alles Innere in sich und bildet seine Grundlage. OE 71
15. Oktober Wenn nun einer zu euch sagen wird: Siehe, hier ist Christus oder dort, dann glaubt ihm nicht. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, sodass sie wenn möglich auch die Auserwählten verführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn sie euch nun sagen werden: siehe, in der Wüste ist er, so geht nicht hinaus; siehe, in den Gemächern, so glaubt es nicht. Denn gleich wie der Blitz vom Aufgang ausgeht und bis zum Niedergang scheint, so wird auch die Zukunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wo nur immer ein Leichnam ist, da werden sich die Adler versammeln. Mat 24, 19-22

«Christus» ist der Herr im Hinblick auf das göttliche Wahre und damit auch im Hinblick auf das Wort und die Lehre aus diesem. Hier bedeutet er das Gegenteil, nämlich das verfälschte göttliche Wahre oder die Lehre des Falschen. 202

Falsche Christi sind verfälschte Lehrsätze aus dem Wort oder nicht göttliche Wahrheiten; die falschen Propheten sind diejenigen, die solches lehren. Es sind dies in der Christenheit hauptsächlich Leute, die es auf Ruhm und Wohlstand abgesehen haben. Sie verdrehen die Wahrheiten zu ihren Gunsten. Wenn sie «große Wunder tun», heißt das, sie bringen Bekräftigungen und Bekehrungen vor anhand von äußeren Scheinbarkeiten und Täuschungen, wodurch Einfältige sich verführen lassen. Sie möchten auch diejenigen verführen, die ein Leben des Guten und Wahren führen und also beim Herrn sind. Diese werden im Wort Auserwählte genannt, erscheinen aber selten in den unheiligen Gottesdiensten und wenn, dann werden sie nicht erkannt, denn der Herr verbirgt sie und schützt sie auf diese Weise. Dass es vorhergesagt worden sei, bedeutet die Ermahnung klug zu sein. Sie sollten sich hüten, denn sie leben unter falschen Propheten, die in Schafskleidern erscheinen, aber inwendig reißende Wölfe sind. HG 3900
16. Oktober

Fortsetzung Wenn sie euch nun sagen werden: siehe, in der Wüste ist er, so geht nicht hinaus; siehe, in den Gemächern, so glaubt es nicht. Unter der Wüste ist die innerlich verwüstete Kirche zu verstehen, in der es nichts göttlich Wahres mehr gibt. Die Gemächer aber stellen im inneren Sinn die Kirche im Hinblick auf das Gute dar oder überhaupt das Gute. Man soll nun aber nichts glauben, weder was sie vom Wahren noch was sie vom Guten sagen, denn sie nennen das Falsche wahr und das Böse gut. Es sind Satzungen, die von Menschen gemacht wurden. Denn gleich wie der Blitz vom Aufgang ausgeht und bis 203

zum Niedergang scheint, so wird auch die Zukunft des Sohnes des Menschen sein. Ein Blitz leuchtet auf und verschwindet gleich wieder. Mit dem «Aufgang» ist im höchsten Sinn der Herr selbst gemeint, im inneren Sinn das Gute der Liebe, der tätigen Liebe und des Glaubens. Der «Niedergang» aber bedeutet eine Beendigung, hier also die Nichtanerkennung des Herrn und des Guten der Liebe. Das Bild beschreibt also das Verschwinden – aber nicht das der Zukunft des Herrn, sondern seiner Gegenwart in jedem Einzelnen, sooft das Evangelium gepredigt und an das Heilige gedacht wird. Denn wo nur immer ein Leichnam ist, da werden sich die Adler versammeln. Der Leichnam stellt hier die Kirche dar, in der kein Leben der tätigen Liebe und des Glaubens mehr existiert, und unter den Adlern, die sich versammeln werden, ist die Vernunft des Menschen zu verstehen, die zwar, wenn sie sich mit Gutem beschäftigt, wahre Vernunft ist, tut sie es hingegen mit Bösem, degeneriert sie zu falscher Vernunft oder bloßem Räsonieren. HG 3900. 3901
17. Oktober Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. Joh 4, 14

Weil das göttliche Wahre, während es vom Herrn selbst durch die drei Himmel bis zu den Menschen in der Welt herabkam, in jedem Himmel niedergeschrieben und zum Wort gemacht wurde, ist es die Vereinigung der Himmel untereinander und auch die Vereinigung der Himmel mit der Kirche in 204

der Welt. Es ist überall das Wort und nur verschieden durch die Vollkommenheit und Weisheit, je nach den Graden, in denen die Himmel sind. Daher kommt es, dass die heilige göttliche Kraft vom Herrn durch die Himmel in jeden Menschen einfließt, der die Göttlichkeit des Herrn und das Heilige des Wortes anerkennt, während er es liest, und dass ein solcher Mensch aus dem Wort wie vom Herrn oder aus dem Himmel selbst unterrichtet werden, mit Weisheit erfüllt und somit auch ernährt werden kann mit einer Speise, in der das Leben ist. OE 1074
18. Oktober Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Luk 10, 18

Unter dem Satan wird alles Falsche verstanden, das Wahres zerstört, denn die Höllen, so solches Falsches ist und woher es kommt, werden Satan genannt, hingegen die Höllen, wo und woher das Böse ist, das Gutes zerstört, werden Teufel genannt. Dass der Satan wie ein Blitz vom Himmel fiel, heißt, es sei alles Falsche, das das Wahre im Wort zerstörte, aus dem Himmel herab geworfen worden. Vom Himmel auf die Erde sinken, fallen, geworfen werden, bedeutet, im Himmel keine Stätte mehr haben, sondern nur in der Hölle, somit zugrunde gehen; die Erde symbolisiert hier das Verdammte. OE 535
19. Oktober Alsbald aber nach der Trübsal dieser Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und alsdann wird das Zeichen

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des Menschensohnes im Himmel erscheinen und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde und sie werden kommen sehen den Menschensohn in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall und sie werden seine Auserwählten versammeln aus den vier Winden und von einem Ende der Himmel bis zum andern.

Mat 24, 29-31 Dass nach der Trübsal jener (oben erklärten) Tage, die Sonne verfinstert werde und der Mond seinen Schein nicht geben werde, bedeutet das Ende der Liebe zum Herrn und zum Nächsten. Im anderen Leben erscheint der Herr denen, die ihn lieben, als Sonne, denen, die den Nächsten lieben, als Mond. Natürlich werden weder Sonne noch Mond jemals verdunkelt, aber Menschen, die keine Liebe mehr kennen, sondern sich nur der Welt zuwenden und dem Hass und der Rache, die bewirken selbst ihre Verdunkelung. Mit den Sternen fallen die Erkenntnisse des Guten und Wahren herab und gehen verloren. Die Kräfte der Himmel sind hier die Grundlagen der Kirche, die erschüttert werden; denn die irdische Kirche ist auch die Grundlage des Himmels. Deshalb sorgt der Herr immer dafür, dass etwas von der Kirche übrig bleibt und dass, wenn die alte Kirche untergeht, eine neue errichtet wird. HG 4060
20. Oktober

Fortsetzung Und alsdann wird das Zeichen des Menschensohnes im Himmel erscheinen. Das Zeichen des Menschensohns ist die Erscheinung des göttlichen Wahren. Ein Zeichen ist immer eine Erscheinung. 206

(s. 1. Okt.) Der Herr ist mehrfach erschienen, dem Abraham in Mamre, dem Moses im Busch, dem Volk Israel auf dem Berg Sinai und dem Josua vor dem Land Kanaan, aber auch durch Inspirationen, durch die das Wort geschrieben wurde und danach durch das Wort selbst, denn im Wort ist der Herr gegenwärtig. Diese Erscheinung wird in dem Vers angesprochen. Dann werden wehklagen alle Stämme der Erde und sie werden kommen sehen den Menschensohn in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. «Wehklagen» beschreibt die Schmerzen aller, die sich im Guten der Liebe und im Wahren des Glaubens befinden. Dann aber wird das Wort enthüllt und sein innerer Sinn bekannt gemacht. Die Wolke stellt den Buchstabensinn dar, die Macht das Gute, die Herrlichkeit das Wahre. Und mit den Auserwählten, also denen, die noch am Guten der Liebe und des Glaubens festhalten, wird eine neue Kirche gegründet. HG 4060
21. Oktober

Fortsetzung Und er wird seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall. Dies bedeutet die Erwählung, aber nicht durch sichtbare Engel, noch weniger durch Posaunen und großen Schall, sondern durch den Einfluss des heiligen Guten und des heiligen Wahren vom Herrn durch die Engel. Diese stellen im Wort häufig etwas dar, was vom Herrn stammt und von ihm handelt. Posaunen und großer Schall sind wie an anderen Stellen Boten einer frohen Botschaft. Sie werden seine Auserwählten versammeln aus den vier Winden und von einem Ende der Himmel bis zum andern. 207

Diese Worte sprechen von der Herstellung einer neuen Kirche. Die Auserwählten sind auch hier diejenigen, die im Guten der Liebe und des Glaubens leben. Die vier Winde, aus denen sie versammelt werden, bedeuten sämtliche Zustände des Guten und des Wahren; und «von einem Ende der Himmel bis zum andern» stellt das Innere und das Äußere der Kirche dar. HG 4060
22. Oktober Ihr sollt vollkommen sein wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist. Mat 5, 48

Der Herr selbst ist nicht im Himmel sondern über den Himmeln und erscheint denen, die in den Himmeln sind, als Sonne. Der Himmel aber ist Himmel aus der göttlichen Kraft, die vom Herrn ausgeht, und diese göttliche Kraft wird das göttliche Wahre genannt. Es ist aber eigentlich das göttliche Gute, das mit dem göttlichen Wahren vereinigt ist. Der Vater, der in den Himmeln ist, bedeutet also das göttliche Gute und das gilt für alle Stellen im Wort beider Testamente, wo er so genannt wird. OE 254
23. Oktober Jesus kam gen Bethsaida, wo sie zu ihm einen Blinden bringen und bitten, dass er ihn anrühren möchte. Da führte er ihn hinaus vor das Dorf und indem er ausspuckte auf seine Augen, fragte er, ob er etwas sehe. Der sah auf und sagte: Ich sehe die Menschen wie Bäume wandeln. Danach legte er die Hände wieder auf seine Augen und ließ ihn aufsehen. Da wurde er wiederhergestellt und sah alles klar. Mar 8, 22-27

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Alle Blinden, die Herr heilte, stellen geistig Blinde dar, das heißt diejenigen, die die Wahrheiten nicht kennen und verstehen. Dass er diesen vor das Dorf Bethsaida hinausführte, geschah, weil Bethsaida die Verdammnis wegen Nichtaufnahme des Herrn symbolisiert. Er spuckte auf die Augen, um damit der untersten formenden Gotteskraft Ausdruck zu verleihen, die eine Besserung durch die Wahrheiten aus dem Buchstabensinn bewirkt; und durch die Berührung erleuchtete er ihn mit der göttlichen Kraft. Dass der Blinde zunächst die Menschen wie Bäume wandeln sah, zeigt, dass er ein noch dunkles Verständnis für dieses Wahre entwickelt hatte. Nachher sah er alles klar, denn jetzt hatte er nach der Belehrung und Erleuchtung durch den Herrn die Wahrheiten richtig verstanden. OE 239

24. Oktober
Von dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn sein Zweig nun zart wird und die Blätter hervorsprießen, dann erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. So auch ihr, wenn ihr dies alles sehen werdet, so erkennet, dass er nahe ist vor der Türe. Wahrlich, ich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass dies alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen. Meine Worte aber werden nicht vergehen. Mat 24, 32-35

Der Feigenbaum ist das Gute des Natürlichen, der Zweig ist seine Neigung und die Blätter sind Wahrheiten. Das Gleichnis, aus dem sie lernen sollten, besteht in diesen Bedeutungen. Wenn vom Herrn eine neue Kirche geschaffen wird, erscheint zunächst das Gute des Natürlichen, das heißt das Gute in seiner äußeren Form mit seiner Neigung und seinen Wahrheiten. 209

Unter dem Guten des Natürlichen wird nicht das Gute verstanden, in das der Mensch geboren wird oder das er von den Eltern her hat, sondern das Gute, das geistig ist in Bezug auf seinen Ursprung. In dieses wird niemand geboren, sondern es wird vom Herrn mitgeteilt durch Erkenntnisse des Guten und Wahren. Deswegen ist der Mensch, bevor er in diesem Guten, nämlich im geistig Guten ist, nicht ein Mensch der Kirche, wie sehr es auch aus dem angeborenen Guten den Anschein habe, dass er es sei. HG 4231
25. Oktober

Fortsetzung So auch ihr, wenn ihr dies alles seht, so erkennet, dass er nahe vor der Tür ist. Das will sagen, dass wenn die im Gleichnis angesprochenen Dinge sich vollziehen, die Vollendung der Kirche, d. h. das Jüngste Gericht, nun stattfindet, dass also die alte Kirche beseitigt und eine neue eingeführt wird. «Vor der Tür» heißt es, weil das Gute des Natürlichen und dessen Wahres das Erste ist, was dem Menschen eingepflanzt wird, wenn er wiedergeboren und zur Kirche wird. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehe. Das bezieht sich auf das jüdische Volk, dem vorausgesagt wird, dass es nicht wie die anderen Völkerschaften ausgerottet werden soll. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Das Innere und das Äußere der vorigen Kirche werden vergehen, aber das Wort des Herrn wird Bestand haben, wobei der Himmel das Innere und die Erde das Äußere der Kirche darstellen. Die Worte des Herrn sind aber nicht nur die Worte, die 210

er bei dieser Gelegenheit gesprochen hat, sondern alle, die im Wort enthalten sind. Diese Aussage folgt unmittelbar nach derjenigen das jüdische Volk betreffend, weil dieses eben des Wortes wegen erhalten wurde. HG 4231
26. Oktober Gnade sei mir … und von Jesus Christus, der da ist der treue Zeuge, der Erstgeborene aus den Toten und der Fürst der Könige der Erde, der uns liebt und uns wäscht von unseren Sünden in seinem Blut. Off 1, 5.

Jesus Christus war der Name des Herrn in der Welt; somit bedeutet er den Herrn im Hinblick auf das göttliche Menschliche. Diese Doppelbezeichnung beruht darauf, dass der Herr während seines Verweilens in der Welt seine Menschennatur göttlich gemacht hat. Der treue Zeuge verweist auf ihn als Quelle alles Wahren im Himmel. Der Zeuge steht im Wort für die Anerkennung des göttlichen Menschlichen, von dem alles Wahre ausgeht. Vom «Himmel» ist hier die Rede, weil das Wahre, das vom Herrn ausgeht, den Himmel im Allgemeinen und bei jedem Engel im Besonderen ausmacht. Der Erstgeborene stellt denjenigen dar, von dem alles Gute ausgeht. Dies deshalb, weil mit Zeugungen im Allgemeinen wie im Besonderen stets geistige Zeugungen gemeint sind, nämlich die des Guten und Wahren oder der Liebe und des Glaubens. Der Fürst der Könige ist derjenige, von dem alles Wahre in der Kirche stammt. Der Fürst ist das Vornehmste, die Könige sind die Wahrheiten. Dass er uns liebt und wäscht, stellt seine Liebe und die Wiedergeburt dar. Sein Blut steht für die Wahrheiten, die von 211

ihm ausgehen. Im Himmel denken sie bei diesen Worten weder an Blut noch Fleisch, denn dies sind materielle Dinge, während dort alles geistig aufgefasst wird, so dass unter Blut immer nur das Wahre und unter Fleisch das Gute verstanden wird. OE 26-30
27. Oktober Von diesem Tag aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel der Himmel, sondern mein Vater allein. Wie aber die Tage Noahs waren, so wird auch sein die Ankunft des Menschensohnes. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Flut, aßen und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch sein die Ankunft des Menschensohnes. Alsdann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird angenommen und der andere zurückgelassen werden. Zwei werden mahlen in der Mühle, eine wird angenommen und die andere wird zurückgelassen werden. Mat 24, 36-42

Weder Tag noch Stunde bedeuten hier Zeitpunkte, sondern Zustände in Bezug auf das Gute und Wahre. Das gilt im ganzen Wort für die Zeitangaben. Dass es sich um Gutes und Wahres handelt, rührt daher, dass von der Kirche gesprochen wird; Gutes und Wahres aber bilden die Kirche. Selbst der Himmel (womit die Gesamtheit der Bewohner gemeint ist) hat keine Kenntnis vom Zustand der Kirche; diesen kennt nur der Vater allein, wobei das göttliche Gute im Herrn Vater genannt wird, das göttliche Wahre hingegen Sohn. Die Tage vor der Flut bedeuten den Zustand der Verödung der Angehörigen der (jetzigen) Kirche. Dieser wird mit dem 212

Zustand der ersten oder ältesten Kirche verglichen, deren Vollendung des Zeitlaufs oder Jüngstes Gericht im Wort durch die Sintflut beschrieben wird. HG 4334
28. Oktober

Fortsetzung
Sie aßen und tranken, heirateten und verheirateten.

Dies beschreibt ihren Zustand in Bezug auf die Aneignung des Bösen und Falschen und die Verbindung damit. Essen und Trinken bezieht sich im Wort immer auf Aneignen des Guten und Wahren, aber auch des Bösen und Falschen. Ebenso bedeutet heiraten die Verbindung mit dem Bösen und verheiraten diejenige mit dem Falschen. Eine Ehe schließen stellt im inneren Sinn die Verbindung des Guten und Wahren und im entgegengesetzen Sinn diejenige des Bösen und Falschen dar. Bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging Dies deutet auf das Ende der vorhergehenden Kirche und den Anfang einer neuen, denn durch Noah wird die alte Kirche im Allgemeinen bezeichnet, die nach der Flut auf die älteste folgte; die Arche steht hierbei für die Kirche an sich. Der Tag ist ebenfalls als Zustand zu verstehen.
Und sie erkannten es nicht, bis die Flut kam und alle wegraffte.

Die Menschen wissen nicht, dass sie von Bösem und Falschem überflutet sind, weil sie zufolge dieses Bösen und Falschen nicht mehr wissen werden, was das Gute der Liebe zum Herrn und das Gute der tätigen Liebe zum Nächsten ist; sie wissen auch nichts vom Wahren des Glaubens und dass es aus dem Guten stammt und nur in denen vorhanden ist, die in 213

der besagten Liebe leben. Auch werden sie nicht wissen, dass es das Innere ist, das selig macht, aber auch verdammt und nicht das Äußere, getrennt vom Inneren. HG 4334
29. Oktober

Fortsetzung
So wird auch Menschensohnes sein die Ankunft des

Dies bedeutet, sie werden das göttliche Wahre nicht annehmen.
Alsdann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird angenommen und der andere wird zurückgelassen werden.

Es gibt in der Kirche Angehörige, die im Guten, und andere, die im Bösen leben. Die ersteren werden selig, die anderen werden verdammt werden. Das Feld ist, wie auch an anderen Stellen, die Kirche in Bezug auf das Gute.
Zwei werden mahlen in der Mühle, eine wird angenommen und die andere wird zurückgelassen werden.

Diejenigen, die innerhalb der Kirche eine Neigung zum Wahren aus dem Guten hegen, sollen selig werden. Andere die ebenfalls eine Neigung zum Wahren jedoch aus dem Bösen hegen, sollen verdammt werden. HG 4334 Mahlen wird im Wort an vielen Stellen sowohl von denen ausgesagt, die innerhalb der Kirche im Wahren aus der Neigung zum Guten sind, als auch im entgegengesetzten Sinn von denen, die eine Neigung zum Wahren empfinden, jedoch aus dem Bösen. Dies wurde mir durch Entsprechungen in der geistigen Welt gezeigt, wo ich einige sah, die gleichsam mahlten 214

ohne Nutzen, nur um des Vergnügens willen; und weil die Wahrheiten dann ohne ihre Neigungen aus dem Guten sind, erscheinen sie zwar wie Wahrheiten in äußerer Form, aber weil das Innere nicht in ihnen ist, sind es Trugbilder, und wenn das Innere böse ist, werden sie zur Begründung des Bösen angewendet. HG 4335
30. Oktober Jehovah, ich rufe zu dir, eile zu mir, nimm zu Ohren meine Stimme, wenn ich dich anrufe. Als Weihrauch sei mein Gebet, zugerichtet vor dir, meiner Hände Erhebung als Speisopfer des Abends. Ps 141, 1. 2.

Weihrauch bedeutet alles im Gottesdienst, was wohlgefällig vernommen wird, z. B. Anbetungen, Bekenntnisse, Gebete usw. Die Spezereien stellen Glaubenswahrheiten dar, die wohlgefällig sind, weil sie aus dem Guten stammen. Wohlgerüche, je nachdem wie aromatisch sie sind, bedeuten das Wohlgefällige; und alles, was wohlgefällig ist, ist es aus dem Guten durch das Wahre. HG 9475 Das Speisopfer bestand aus Brot, das das Gute der Liebe darstellt, das Trankopfer aus Wein, das das Gute des Glaubens bedeutet. Beide werden so von den Engeln innerlich wahrgenommen. Das Speisopfer des Abends ist das Gute der Liebe im äußeren Menschen. HG 10137
31. Oktober Oder welch Weib ist, das zehn Drachmen hat, wenn es eine verliert, das nicht eine Kerze anzündet und das Haus kehrt und fleißig sucht, bis dass es sie findet? Luk 15, 8

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Durch zehn wird hier «viel» symbolisiert. Dass ein Weib genannt wird, dass es eine Kerze anzündet und das Haus kehren will, geschieht wegen des inneren Sinnes. Das Weib stellt die Kirche dar im Hinblick auf die Neigung zum Wahren. Die Drachme ist das Wahre. Sie verlieren, heißt eine Wahrheit oder eine Erkenntnis des Wahren verlieren. Die Kerze anzünden bedeutet, sich selbst aus Neigung erforschen, und das Haus kehren bedeutet, das ganze Gemüt durchforschen und hier das Einzelne begutachten, wo es sich verborgen haben könnte. OE 675
1. November Wachet also, denn ihr wisst nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt. Das aber wisset, dass, wenn der Hausherr wüsste, in welcher Nachtwache der Dieb kommt, er wohl wachen würde und nicht einbrechen ließe in sein Haus. Darum machet auch ihr euch bereit, weil zu der Stunde, wo ihr es nicht meint, der Menschensohn kommen wird. Wer ist also der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, dass er ihnen Speise gebe zu rechter Zeit? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, also tuend findet! Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sprechen wird: Mein Herr verzieht zu kommen, und anfängt seine Mitknechte zu schlagen, zu essen und zu trinken mit den Trun-kenen, so wird der Herr desselbigen Knechtes kommen an einem Tag, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, da er es nicht weiß, und wird ihn zerhauen und ihm sein Teil geben mit den Heuchlern; daselbst wird sein Heulen und Zähneklappern. Mat 24, 42-51

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Wer das Innere des Menschen und seine Zustände und infolgedessen den Zustand des Menschen nach dem Tod nicht kennt, kann dies nicht anders auffassen, als dass diejenigen, die aus der alten Kirche sind und bei denen das Gute und das Wahre nicht mehr im Herzen anerkannt wird, zugrunde gehen werden, entweder wie die Vorsintflutlichen durch eine Flut oder wie die Juden durch Vertreibung aus ihrem Land oder auf andere Weise. Eine Kirche aber geht, wenn sie verödet, das heißt, nicht mehr in irgendeinem Guten des Glaubens ist, hauptsächlich zu Grunde in Bezug auf den Zustand ihres inneren Wesens, somit in Bezug auf den Zustand im anderen Leben. Dann entfernt sich der Himmel von den Menschen und mit ihm der Herr und geht auf andere über, die an ihrer Stelle angenommen werden; denn ohne dass irgendwo auf Erden eine Kirche ist, gibt es keine Gemeinschaft des Himmels mit den Menschen. Die Kirche ist nämlich gleichsam das Herz und die Lunge des größten Menschen auf Erden. HG 4423
2. November

Fortsetzung Was die oben angeführten Worte des Herrn im inneren Sinn bedeuten, ergibt sich ohne Erklärung, denn der Herr hat hier nicht durch Entsprechungen, sondern durch Vergleiche gesprochen. Nur was der letzte Vers bedeutet, soll gesagt werden:
Er wird ihn zerhauen und ihm seinen Teil geben mit den Heuchlern; daselbst wird sein Heulen und Zähneklappern.

«Er wird ihn zerhauen» stellt die Trennung und Entfernung vom Guten und Wahren dar. Von denen, die das Gute und Wahre kennen (wie diejenigen, die sich innerhalb der Kirche befinden) und doch ein böses Leben führen, heißt 217

es, sie würden zerhauen oder zerteilt, wenn sie vom Guten entfernt werden. Denn die Erkenntnisse des Guten und Wahren werden im anderen Leben von ihnen genommen und sie selbst im Bösen festgehalten und daher auch im Falschen, damit sie nicht durch die Erkenntnisse mit dem Himmel und durch das Böse und Falsche mit der Hölle verkehren und so zwischen beiden schweben, aber auch damit sie nicht das Gute und Wahre entweihen, was geschieht, wenn es mit Bösem und Falschem vermengt wird.
Und ihm seinen Teil geben mit den Heuchlern

Dies bedeutet sein Schicksal, das sein Teil ist mit denen, die äußerlich im Wahren erscheinen in Bezug auf die Lehre und im Guten in Bezug auf das Leben, aber innerlich nichts Wahres glauben und nichts Gutes wollen, die also Heuchler sind. Die Angehörigen der verwüsteten Kirche gehören fast alle zu dieser Sorte.
Daselbst wird sein Heulen und Zähneklappern

Heulen beschreibt ihren Zustand im Hinblick auf das Böse, Zähneklappern im Hinblick auf das Falsche. Die Zähne stellen im Wort das unterste Natürliche dar, im echten Sinn dessen Wahrheiten, im entgegengesetzen die Falschheiten. Zähneklappern bedeutet deshalb ein Zusammenstoßen des Falschen mit dem Wahren. HG 4424
3. November Wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch leiten in alle Wahrheit, denn er wird nicht reden aus sich selbst, sondern alles, was er hört, wird er reden. Er wird auch das Zukünftige euch

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verkünden. Er wird mich verherrlichen, weil er es aus dem meinigen nehmen und euch verkünden wird. Joh 16, 13. 14.

Hieraus geht hervor, was das göttliche Geistige ist und woher das geistige Reich und das himmlische Reich stammen und dass das geistige Reich das Gute des Glaubens ist, das heißt, die tätige Liebe, die vom Herrn unmittelbar einfließt und auch mittelbar durch das himmlische Reich. Das göttliche Geistige, das vom Herrn ausgeht, wird im Wort der Geist der Wahrheit genannt und ist das heilige Wahre und ist nicht irgendjemandes Geist, sondern ist des Herrn durch den vom Herrn gesandten Geist. HG 3969 Dass im Wort von Vater, Sohn und Heiligem Geist die Rede ist, geschah, damit die Menschen den Herrn und auch die göttliche Kraft in ihm anerkennen sollten. Denn der Mensch war in einer solchen Finsternis (wie er es auch noch heutzutage ist), dass er sonst nichts Göttliches im Menschlichen des Herrn anerkannt hätte, denn das wäre ihm, weil ganz unbegreiflich, über allen Glauben hinausgegangen. HG 6993 Der Geist, den sie empfangen sollten und der Heiliger Geist genannt wird, ist das Leben, das aus dem vom Herrn ausgehenden Wahren stammt; und dieses Leben wird das Leben des Glaubens und der Liebe genannt und ist das eigentliche geistige und himmlische Leben im Menschen. HG 9818 Verherrlichen heißt, das göttlich-menschliche Wesen des Herrn bekannt machen. OE 228
4. November Es wird nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, ins Reich der Himmel eingehen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters in den Himmeln tut. Mat 7, 21.

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Unter dem «Vater in den Himmeln» ist das göttliche Gute zu verstehen. OE 254 Die göttliche Kraft, die die Himmel erfüllt, ist das Gute im göttlichen Wahren, das vom Herrn ausgeht. Wie es sich damit verhält, lässt sich durch den Vergleich mit der Sonne erläutern und mit dem Licht, das von der Sonne ausgeht. In der Sonne ist ein Feuer, aber von der Sonne geht das Licht aus, und dieses Licht hat die Wärme in sich, durch die die Gärten aufblühen und wie Paradiese werden. Das Sonnenfeuer selbst geht nicht auf die Erde über, denn es würde alles verbrennen und verzehren, wohl aber das Licht, in dem die Wärme vom Feuer der Sonne enthalten ist. Dieses Licht ist im geistigen Sinn das göttliche Wahre, die Wärme aber das Gute im Wahren. HG 8329
5. November Ihr sollt nicht besitzen Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln. Keine Tasche auf den Weg, noch zwei Röcke noch Sandalen noch Stab; denn der Arbeiter ist seine Nahrung wert. Mat 10, 9. 10.

Hierdurch wurde dargestellt, dass sie nichts Gutes und Wahres aus sich selbst haben sollten, sondern allein vom Herrn und das alles unentgeltlich gegeben werden soll. OE 242 Dass sie kein Gold, Silber, Erz, keine Tasche, kein Brot mit sich nehmen sollten, hatte den Grund, dass diese Dinge Gutes und Wahres darstellen, das allein vom Herrn stammt. Der Rock und der Schuh bedeuten Wahrheiten, mit denen sie angetan werden sollten, der Stab die Macht des Wahren aus dem Guten. Der Schuh ist das unterste Natürliche, der Rock das innere natürlich Wahre. All dies soll nicht doppelt sein, sondern einzig bleiben. Deshalb wurde ihnen verboten, die Dinge zwiefach bei sich zu haben. HG 4677

220

6. November Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, denn sehend sehen sie nicht und hörend hören sie nicht, noch verstehen sie. Und dann ihnen wird die Weissagung des Propheten Jesaja erfüllt, die sagt: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen und sehend werdet ihr sehen und nicht vernehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt und mit ihren Ohren hören sie schwer und sie drücken die Augen zu, damit sie nicht sehen mit den Augen und hören mit den Ohren und mit dem Herzen verstehe und umkehren und ich sie gesund mache. Mat 13, 13-15

Im Wort ist nach der Fassungskraft des Menschen und nach seiner Art zu denken gesprochen worden. Daher kommt es, dass der innere Sinn des Wortes ein anderer ist als sein buchstäblicher. Dies kann man am Wort des alten Testamentes erkennen, wo das meiste gemäß der Fassungskraft des Volkes, das damals lebte, gesagt ist. Darum steht da so wenig, ja kaum etwas, vom Leben nach dem Tod, von der ewigen Seligkeit und vom inneren Menschen, denn das jüdische und israelitische Volk, in dem damals die Kirche war, hätte es nicht nur nicht verstanden, sondern auch verspottet, wenn es ihnen aufgedeckt worden wäre und desgleichen, wenn ihnen erklärt worden wäre, der Messias oder Christus werde kommen, um ihre Seelen ewig selig zu machen. Man kann dies an demselben Volk ja noch heutzutage sehen; denn wenn ihnen gegenüber das Innere oder Geistige genannt und gesagt wird, der Messias werde nicht der größte König auf der Erde sein, dann wird nur gelacht. HG 2520

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7. November Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Throne saß ein Buch, beschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der mit großer Stimme predigte: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und zu lösen seine Siegel? Off 5, 1. 2.

Wenn vom Herrn die Rede ist, bedeutet die Rechte die Allmacht und auch die Allwissenheit. Zur Rechten ist im Himmel der Mittag, zur Linken Mitternacht. Der Mittag aber zeigt das Gute im Licht. Der Thron stellt im Allgemeinen den Himmel, im Besonderen den geistigen Himmel dar, abstrakt auch das ausgehende göttliche Wahre, aus dem der Himmel besteht und durch das das Gericht zustande kommt. Das beidseitig beschriebene Buch stellt den Lebenszustand aller Himmels- und Erdbewohner dar, denn es ist das Buch des Lebens. Dass es versiegelt ist, heißt, es sei ganz verborgen und niemand wisse Bescheid, ehe es geöffnet und gelesen werde. Dass es sieben Siegel sind, will sagen, es sei ganz und gar verschlossen. Wenn vom Herrn die Rede ist, wird durch die große Stimme die Gesamtheit des Wahren im Wort dargestellt, von Lehre und Glauben. Der starke Engel aber ist der gesamte Himmel, denn dieser ist vor dem Herrn wie ein Mensch oder Engel oder eine Engelsgesellschaft. So bedeuten auch die mit Namen genannten Engel, Gabriel, Michael usw., immer eine ganze Gesellschaft. Wer besitzt nun das Verdienst und die Gerechtigkeit und wer ist so allwissend, dass er imstande ist, die Siegel zu lösen? OE 298-303

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8. November Und niemand im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde konnte das Buch auftun und hineinsehen. Und ich weinte sehr, dass niemand würdig befunden wurde das Buch aufzutun und zu lesen. Off 5, 3. 4.

Niemand kennt also aus sich die Lebenszustände von allen, nicht einmal das Geringste davon. Die Aufzählung von Himmel, Erde und unter der Erde weist auf die drei Himmel und damit auf die Gesamtheit des Himmels hin, der kraft des vom Herrn einfließenden göttlichen Wahren ein Himmel ist. Dieses göttliche Wahre wird von den Engeln aufgenommen, die absolut keine eigene Einsicht besitzen, denn ihr Eigenes, das sie wie die Menschen besitzen, ist ebenfalls böse. Die Beschreibung der drei Himmel beruht darauf, dass die Engel des dritten Himmels auf Bergen wohnen, die des mittleren auf Hügeln und die des unteren auf Ebenen und in Tälern. In der geistigen Welt, wo Engel und Geister sind, gibt es eine Landschaft wie in der natürlichen Welt, die dieser so sehr gleicht, dass die Menschen nach dem Tod glauben, immer noch auf der Erde zu sein. Auch nennen die Engel des letzten Himmels die Wohnung der Engel des dritten Himmels «Himmel», weil er ihnen genau wie uns als mit Wolken bestückte atmosphärische Region erscheint, ihre eigenen Wohnungen aber nennen sie «Erde». Weinen heißt betrübt sein, hier wegen der Unordnung und des Untergangs aller Dinge, wenn niemand im Stande wäre alles zu wissen und zu erkennen. Wenn nämlich ein Engelshimmel existieren soll, muss dort alles einer Ordnung gehorchen, die Gesellschaften müssen entsprechend ihrer Neigung zum Wahren und Guten platziert sein, und diese Ordnung hängt allein von der Weisheit und der Allmacht des223

sen ab, der die Zustände von allen kennt. Dieser eine ist der Herr, der allein fähig ist, die sieben Siegel zu lösen und im Buch zu lesen. OE 304-306
9. November Und so euch einer nicht aufnimmt, noch auf eure Worte hört, so geht aus jenem Hause oder jener Stadt hinaus und schüttelt den Staub eurer Füße ab. Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Lande Sodoms und Gomorrhas am Tag des Gerichts erträglicher sein als jener Stadt. Mat 10, 14. 15.

Mit den Jüngern (an die die Worte gerichtet sind) sind hier nicht die Jünger gemeint, sondern alles, was der Kirche angehört, somit alles dem Glauben und der tätigen Liebe Angehörige. Nicht aufnehmen und nicht anhören bezieht sich auf die Verwerfung des Wahren, das dem Glauben, und des Guten, das der tätigen Liebe angehört. Das Abschütteln des Staubes steht für die Verdammnis. Sodom und Gomorrha sind zwar diejenigen, die ein böses Leben führen, die aber vom Herrn und vom Wort nichts wissen und es deshalb auch nicht annehmen können. Ihnen wird es deshalb besser gehen als den anderen. Es geht bei diesen also auch nicht um ein Haus oder eine Stadt, sondern um diejenigen, die innerhalb der Kirche sind und doch nicht nach dem Glauben leben. Denn jeder wird einsehen, dass nicht eine ganze Stadt verdammt werden kann, weil sie die Jünger nicht aufnahm und die neue Lehre, die die Jünger predigten, nicht sogleich anerkannte. HG 7418 (s. a. 31. März
10. November Ich liege mit meiner Seele inmitten der Löwen: Des Mensch Söhne sind entflammt; ihre Zähne sind

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Spieße und Pfeile und ihre Zunge scharfe Schwerter. Ps 57, 5.

Der Zahn symbolisiert den äußeren Verstand und daher das natürliche Wahre, denn dieses macht das Leben dieses Verstandes aus. Dass die Zähne eine solche Bedeutung haben, kommt daher, dass sie die Speise, die der Ernährung dienen soll, wie in einer Mühle zermalmen und dadurch zubereiten. Hier ist die Speise gemeint, die für die Ernährung der Seele nötig ist. Sie besteht aus Einsicht und Weisheit. Diese wird zuerst aufgenommen, zermalmt und zubereitet durch die Erkenntnisse des Wahren und Guten im Natürlichen. Löwenzähne bedeuten nun das Falsche, das die Wahrheiten zerstört; die Löwen stellen die Macht des Falschen aus dem Bösen dar. HG 9052
11. November Das Fahrzeug aber war schon mitten auf dem Meer und litt Not von den Wellen: denn der Wind war entgegen. Aber um die vierte Wache der Nacht kam Jesus hin zu ihnen, wandelnd auf dem Meer. Und da die Jünger ihn auf dem Meer wandeln sahen, erbebten sie und sagten: Es ist ein Gespenst und schrieen vor Furcht. Alsbald aber redete Jesus zu ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen. Er aber sprach: Komm! Und Petrus stieg hinab aus dem Fahrzeug und wandelte auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. Da er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich und da er anfing zu versinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! Alsbald aber reckte

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Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sprach zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifelst du? Und als sie ins Schiff eingestiegen waren, legte sich der Wind. Die im Fahrzeug aber kamen, beteten ihn an und sprachen: Du bist wahrlich Gottes Sohn. Mat 14, 24-33

Das Meer stellt das Letzte des Himmels und der Kirche dar, denn an den letzten Grenzen des Himmels befinden sich Meere. Das Wandeln des Herrn auf dem Meer stellt ihn als gegenwärtig dar und als denjenigen, der auch dieses Letzte beeinflusst. Also haben auch die Bewohner der äußersten Regionen des Himmels noch ihr Leben von ihm. Ihr Leben aus göttlicher Kraft wurde durch das Wandeln auf dem Wasser symbolisiert. Dass Petrus auf dem Meer zu sinken anfing, ist demnach ein Bild ihres dunklen und wankenden Glaubens; aber er (wie sie) wurde vom Herrn ergriffen und gerettet. Wandeln ist immer ein Bild von leben. Dass der Vorgang sich in der vierten Wache abspielte, will sagen, es herrsche der erste Zustand der Kirche und der Morgen graue. Anschließend beginnt nämlich das Gute durch das Wahre zu wirken und der Herr kommt. Ein Bild ist auch der Wind, der das Meer bewegte und vom Herrn gestillt wurde, nämlich des natürlichen Zustandes des Lebens, der vorausgeht, wechselhaft und zeitweise stürmisch. Wenn jedoch der erste Zustand der Kirche im Menschen eintritt und der Herr im Guten der Liebe gegenwärtig ist, beruhigt sich das Gemüt. OE 514
12. November Es kam eine Frau von hinten herbei und berührte das Kleid Jesu, indem sie sprach: „Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde ich gesund sein“, und sogleich wurde sie geheilt von ihrer Plage; und

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Jesus erkannte in sich selbst, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war. Mar 5, 27 – 30

Durch die Berührung mit der Hand wird dargestellt, dass eine Mitteilung und Aufnahme der göttlichen Kraft stattgefunden hat und dadurch die Heilung des Inneren und die Erlösung. Das hat seinen Ursprung in den Entsprechungen im anderen Leben. Diejenigen, die in einem ungleichen Lebenszustand sind, erscheinen dort in einiger Entfernung voneinander, Geister, die im gleichen sind, erscheinen jedoch zusammen gesellt. Diejenigen, die sich gegenseitig berühren, teilen einander ihren Lebenszustand mit. Wenn dies durch die Hand geschieht, wird das Ganze des Lebens mitgeteilt, weil die Hand zufolge der Entsprechung die Macht bedeutet, die das Tätige des Lebens ist, also alles, was in diesem enthalten ist. Solche Symbole existieren in der geistigen Welt, werden aber bewirkt durch den Einfluss aus dem Himmel, wo allein die Zusammengesellungen im Hinblick auf die Neigungen zum Guten und Wahren innerlich wahrgenommen werden. HG 10023 (s. a. 8. März)
13. November Sieh, ich sende euch aus wie Schafe mitten unter Wölfe. Seid denn klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben. Mat 10, 16.

Die inneren Strukturen des Menschen werden im Himmel durch Tiere dargestellt und daher auch im Wort so benannt. Das Sinnliche und alle Argumente, die der Mensch daraus schöpft, erscheinen als Schlangen, denn dieses Sinnliche ist das Unterste, Irdische und gleichsam kriechend, wie man auch aus den Formen erkennen kann, mit denen es sich im Menschen 227

einnistet. Sogar der göttlich-sinnliche Bereich des Herrn wurde durch die eherne Schlange in der Wüste dargestellt. Es gilt aber auch für Klugheit und Umsicht des Menschen. HG 6398
14. November Selig der, den du erwählst und lässest nahen, zu wohnen in deinen Vorhöfen. Lasse satt uns werden des Guten deines Hauses, des Heiligen deines Tempels. Ps 65, 5

Sich nahen bedeutet Verbindung und Gegenwart, weil sich im anderen Leben die Entfernungen vom einen zum anderen verhalten wie die Verschiedenheiten des Inneren, das dem Denken und der Neigung angehört. Auch die Entfernung vom und die Annäherung zum Herrn verhält sich gemäß dem Guten der Liebe von ihm und des Glaubens an ihn. HG 9378 Das Äußere der beiden Reiche der Himmel wird der äußerste oder erste Himmel und auch Vorhof genannt. Daher musste auch um den Tempel ein doppelter Vorhof gebildet werden, von denen der äußere denjenigen gilt, die im Äußeren des geistigen Reiches sind, der innere denen, die im Äußeren des himmlischen Reiches sind. HG 9741 Im Wort wird an vielen Stellen das Haus Gottes erwähnt. Es bedeutet im inneren Sinn die Kirche, weiter den Himmel, zuletzt das gesamte Reich des Herrn und im allerhöchsten Sinn den Herrn selbst im Hinblick auf sein Menschliches. Im Gegensatz zum Tempel, der sich immer auf das Wahre bezieht, steht das Haus Gottes für das Gute. HG 3720

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15. November Selig aber sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch, dass viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Mat 13, 16. 17.

Sehen bedeutet wissen und verstehen (hören) das, was zum Glauben an den Herrn gehört oder den Glauben selbst. Denn dass sie (die Jünger) den Herrn und seine Wunder gesehen haben, dadurch wurden sie nicht selig, sondern dass sie an ihn geglaubt haben. Denn sehen und nicht glauben heißt, die Glaubenswahrheiten kennen und nicht annehmen; sehen und glauben dagegen bedeutet, sie annehmen. HG 3863

16. November
Wenn dein Auge dich ärgert, so reiß es aus, denn es ist dir besser, einäugig einzugehen ins Leben als mit zwei Augen geworfen zu werden in die Hölle des Feuers. Mat 18, 9

Das hier genannte Auge bedeutet natürlich nicht das körperliche Auge; auch soll nicht dieses ausgerissen werden, denn nicht das körperliche Auge ärgert einen, sondern das Verständnis des Wahren, das hier durch das Auge dargestellt ist. Das Auge bedeutet auch den Verstand, weil das Gesicht des Leibes dem Gesicht des Geistes entspricht, das eben der Verstand ist. Deshalb steht das Auge im ganzen Wort immer wieder für den Verstand. Mit den Augen sehen, soll also auch die Bedeutung von verstehen haben. Es ist aber besser, die Wahrheiten des Glaubens nicht zu kennen und zu begreifen als sie zu kennen und zu verstehen und dennoch ein böses Leben 229

zu führen. Deshalb ist es besser einäugig ins Leben einzutreten als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden. HG 2701, 3863
17. November Wenn aber des Menschen Sohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle die heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit. Und alle Völkerschaften werden vor ihm versammelt werden und er wird sie von einander ausscheiden wie der Hirte die Schafe von den Böcken ausscheidet. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten, die Böcke aber zu seiner Linken stellen. Mat 25, 31-33

Der Sohn des Menschen ist der Herr im Hinblick auf das göttliche Wahre oder man kann sagen, das göttliche Wahre, das vom Herrn ausgeht. Die Herrlichkeit ist die daraus entspringende Einsicht und Weisheit, die vor den Engeln als ein Lichtglanz erscheint. Genau dieser Glanz ist es, der überall im Wort Herrlichkeit genannt wird. «Und alle heiligen Engel mit ihm» stellt den Engelshimmel dar. Die heiligen Engel sind Wahrheiten, die vom göttlichen Guten des Herrn her stammen. Engel werden im Wort meist nicht als (wesenhafte) Engel verstanden, sondern als die vom Herrn ausgehende Kraft. Weil hier vom Zustand jedes einzelnen nach dem Tod und vom Gericht jedes einzelnen entsprechend seinem Leben die Rede ist, heißt es, alle heiligen Engel würden bei ihm sein, was bedeutet, das Gericht werde durch den Himmel abgehalten. HG 4809
18. November

Fortsetzung
Dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit

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Dies bedeutet das Gericht, denn der Thron wird dem Königreich des Herrn beigemessen und das Königliche des Herrn ist das göttliche Wahre, auf Grund dessen das Gericht gehalten wird.
Und es werden versammelt werden vor ihm alle Völkerschaften

Dies will sagen, das Gute und Bösen von allen werde sich zeigen. Völkerschaften sind im inneren Sinn sowohl Gutes als auch im entgegengesetzten Sinn Böses. Beides wird also im Licht des göttlichen Wahren sichtbar werden. HG 4809
19. November

Fortsetzung
Und er wird sie voneinander ausscheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.

Hier geht es um die Trennung des Guten vom Bösen. Schafe heißen eigentlich diejenigen, die sich um tätige Liebe bemühen und daher glauben. Böcke sind diejenigen, die weder Glauben noch tätige Liebe kennen. Von beiden ist also die Rede.
Und er wird die Schafe zu seiner Rechten, die Böcke aber zu seiner Linken stellen.

Das Wahre aus dem Guten wird vom Bösen aus dem Falschen getrennt. Diejenigen, die sich an das Wahre aus dem Guten halten, erscheinen im anderen Leben wirklich zur Rechten und die anderen umgekehrt zur Linken. Zur Rechten und zur Linken gestellt werden, bedeutet also ganz allgemein, gemäß dem Leben geordnet werden. HG 4809

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20. November Dann wird der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, besitzet das Reich, das euch bereitet wurde von Gründung der Welt an; denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mich getränkt, ein Fremdling war ich und ihr habt mich zu euch genommen, nackt und ihr habt mich bekleidet, krank war ich und ihr habt mich besucht, im Gefängnis war ich und ihr seid zu mir gekommen. Mat 25, 34-36

Die Werke, die hier aufgezählt werden, sind die eigentlichen Werke der tätigen Liebe nach ihrer Ordnung. Im Buchstabensinn sind es guten Taten, in denen kein Geheimnis liegt. Geheimnisse werden aber heute nicht mehr verstanden, weil es keine Lehre der tätigen Liebe mehr gibt. Man hat sie vom Glauben getrennt, worauf sie verloren ging. Die Lehren der Alten lehrten alle Gattungen und Arten der tätigen Liebe und auch, wer der Nächste sei, an dem diese Liebe zu üben sei. Gemeint ist nun das Folgende: Hungrig: die aus Neigung ein Verlangen nach dem Guten haben, weil Brot im inneren Sinn das Gute der Liebe und der tätigen Liebe und Speise im Allgemeinen das Gute darstellt. Durstig: die aus Neigung ein Verlangen nach dem Wahren haben, weil Wein und Wasser das Wahre des Glaubens darstellen Fremdling: die belehrt werden sollen Nackt: die anerkennen, dass in ihnen nichts Gutes und Wahres ist Krank: die anerkennen, dass in ihnen nur Böses ist Gefangen: die anerkennen, dass in ihnen nur Falsches ist. HG 4955-58 232

21. November Dann werden ihm antworten die Gerechten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig und haben dich gespeist oder durstig und haben dich getränkt; wann aber haben wir dich einen Fremdling gesehen und zu uns genommen oder nackt und haben dich bekleidet; und wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und sind zu dir gekommen? Aber der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan. Mat 25, 37-40

Dass sie ihn nicht gesehen haben, bedeutet: Selbst wenn sie ihn gesehen hätten und jeder hätte ihm die aufgezählten Dienst geleistet, dann hätte er es nicht aus Liebe getan, sondern aus Furcht vor ihm als dem zukünftigen Richter der Welt; und er hätte es auch nicht um seinetwillen getan, sondern um des Ichs Willen, also nicht von innen heraus, sondern aus äußerlichen Gründen. Es ist so, wie wenn einer einen König sieht, dessen Gnade er sich verdienen will, um groß oder reich zu werden, und der sich deshalb untertänig zeigt. Ebenso ist es mit denen, die einen äußerlich andächtigen Gottesdienst abhalten, in dem sie den Herrn gleichsam sehen und sich ihm unterwerfen und glauben, sich so das ewige Leben zu verdienen, obwohl sie keine tätige Liebe üben und niemandem Gutes tun. HG 5066
22.November

Fortsetzung So also verhält es sich mit denen zur Rechten und so ähnlich antworteten (in der Fortsetzung) auch die zur Linken. 233

Weil aber der Herr nicht auf Äußeres sieht, sondern auf das Innere und der Mensch sein Inneres nicht durch den Gottesdienst allein sondern durch die tätige Liebe bezeugt, deshalb hat der Herr wie oben geantwortet. Brüder werden nämlich diejenigen genannt, die im Guten der tätigen Liebe und des Lebens sind, denn der Herr ist bei ihnen, und sie sind es, die eigentlich unter dem Nächsten verstanden werden. Dass der Herr als König antwortet, hat auch hier mit seinem Amt als Richter zu tun. Dass diejenigen, die zur Rechten stehen, Gerechte heißen, bedeutet nämlich, dass sie in der Gerechtigkeit des Herrn leben. Das gilt für alle, die sich um tätige Liebe bemühen, nicht als ob sie aus sich gerecht wären, sondern aus dem Herrn, dessen Gerechtigkeit ihnen angeeignet wird. HG 5067, 68
23. November Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln; denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; ich bin durstig gewesen und ihr habt mich nicht getränkt; ich bin ein Fremdling gewesen und ihr hab mich nicht zu euch genommen, nackt, und ihr habt mich nicht bekleidet, krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem dieser Geringsten, das habt ihr mir nicht

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getan; und sie werden hingehen in die ewige Pein, aber die Gerechten in das ewige Leben. Mat 25, 41-46

Das ewige Leben, das den Gerechten zuteil wird, ist das Leben aus dem Guten. Das Gute hat Leben in sich, weil es vom Herrn kommt, der das Leben selbst ist. Ihm wohnt Weisheit und Einsicht inne, denn das Gute vom Herrn aufnehmen und das Gute wollen ist Weisheit und das Wahre aufnehmen und glauben ist Einsicht. Das Gegenteil findet in denjenigen statt, die sich selbst erscheinen, als ob sie lebendig wären, aber es ist ein Leben, das im Wort Tod genannt wird und es ist ein geistiger Tod, denn sie haben keinen Sinn für das Gute und verstehen nichts Wahres. Dass diejenigen, die zur Linken stehen, Verfluchte heißen und ihre Strafe das ewige Feuer ist, hat den Grund, dass sie sich vom Guten und Wahren abgekehrt und zum Bösen und Falschen hingewendet haben. Fluch bedeutet im inneren Sinn Abkehr von Gott. HG 5070, 71
24. November

Fortsetzung Das ewige Feuer, wohin sie gehen sollten, ist kein materielles Feuer, es ist auch keine Gewissenspein, sondern die Begierde nach dem Bösen, denn die Begierden im Menschen sind das geistige Feuer, das ihn im Leibesleben verzehrt und im andern Leben peinigt. Durch diese höllischen Flammen quälen die Höllischen einander auf schreckliche Art. Dass das Feuer keine Gewissenspein ist, kommt daher, dass alle, die im Bösen sind, kein Gewissen haben und da sie im Leben des Leibes keins hatten, können sie auch im anderen Leben keines haben. Dass es aber die Begierde ist, hat den Grund, dass alles Lebensfeuer von den Liebestrieben im Menschen herkommt, 235

himmlisches Feuer von der Liebe zum Guten und Wahren und höllisches Feuer von der Liebe zum Bösen und Falschen; oder was dasselbe ist: himmlisches Feuer kommt von der Liebe zum Herrn und von der Liebe zum Nächsten, höllisches Feuer von der Liebe zu sich selbst und zur Welt. HG 5071
25. November Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinaus gestoßen werden. Joh 12, 31

Man muss wissen, dass das Jüngste Gericht nur über diejenigen, die von der Zeit des Herrn an bis auf den heutigen Tag gelebt haben, gehalten wurde, nicht aber über diejenigen, die vorher gelebt hatten. Denn auf diesem Erdkörper hat schon früher zweimal ein Jüngstes Gericht stattgefunden, eines, das im Wort unter der Sintflut beschrieben ist, und das andere wurde vom Herrn selbst gehalten, als er in der Welt war, und wird unter des Herrn Worten verstanden: Nun ist das Gericht dieser Welt, nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen. Dass schon früher zweimal auf dieser Erde ein Jüngstes Gericht gehalten wurde, hat seinen Grund darin, dass jedes Gericht am Ende der Kirche gehalten wird, und auf der Erde schon zwei Kirchen waren, die erste vor der Sintflut, die andere nachher. JG 46
26. November Meinet ihr, ich sei hergekommen Frieden zu geben auf der Erde? Nein, sage ich euch, sondern Zerteilung. Von nun an werden fünf in einem Haus zerteilt sein, drei wider zwei, und zwei wider drei. Luk 12, 51. 52.

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Darunter ist zu verstehen, dass nach der Ankunft des Herrn, wo er bekannt geworden ist und die inneren Dinge des Wortes von ihm und mit ihm offenbart wurden, in der Kirche sowohl im Allgemeinen als auch im Menschen der Kirche im Besonderen, ein Zwiespalt sein werde zwischen dem Guten und Wahren und dem Wahren und Guten. Dies ist darunter zu verstehen, dass in einem Haus drei gegen zwei geteilt sein werden und zwei gegen drei. Das Haus ist die Kirche im Allgemeinen und im Menschen der Kirche diese im Besonderen. Die Drei stellt Wahres dar, die Zwei Gutes. Dass gesagt wird, fünf werden geteilt sein, bedeutet, dass in denen, die gebessert werden, ein solcher Zwiespalt entstehen wird. OE 532
27. November Der Vater wird entzweit sein mit demSohn und der Sohn mit dem Vater die Mutter mit der Tochter und die Tochter mit der Mutter, die Schwieger mit ihrer Schnur und die Schnur mit ihrer Schwieger. Luk 12, 53

Der Vater stellt das Gute der Kirche dar, der Sohn das Wahre der Kirche, durch die Mutter wird das Wahre der Kirche und durch die Tochter deren Gutes dargestellt. Wer könnte nicht sehen, dass die Zahlen fünf, drei und zwei nicht genannt worden wären, wenn sie nichts zu bedeuten hätten. Fünf bedeutet im Wort sie alle, wenn zwei und drei danach folgen. Fünf aber bedeutet «einige», wenn «zehn» oder «zwanzig» vorausgegangen sind oder nachfolgen. OE 532 Hier ist die Rede von den geistigen Kämpfen, in die die Angehörigen der Kirche verwickelt werden, nachdem das Innere und Geistige des Wortes aufgeschlossen worden ist. Das «Haus» stellt den Menschen oder sein Gemüt dar. Vater, 237

Mutter, Sohn und Tochter sind Gutes und Wahres mit den zugehörigen Neigungen, und im entgegengesetzten Sinn Böses und Falsches mit ihren Neigungen, von denen und mit denen der Kampf ausgelöst wird. HG 5023 Unter «Vater gegen Sohn» und «Sohn gegen Vater» ist zu verstehen das Böse gegen das Wahre und das Wahre gegen das Böse und unter «Mutter gegen Tochter» und «Tochter gegen Mutter» die Begierde für das Falsche gegen die Neigung zum Wahren und umgekehrt. OE 504
28. November Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu werfen, und was wollte ich, als dass es schon angezündet wäre. Luk 12, 49

Dadurch werden die Feindseligkeiten und Kämpfe zwischen den Bösen und Guten und zwischen dem Falschen und Wahren dargestellt. Denn ehe der Herr in die Welt kam, war in der Kirche lauter Falsches und Böses, also keinerlei Kampf zwischen diesem und dem Guten und Wahren. Nachdem aber vom Herrn Gutes und Wahres eröffnet worden war, konnten erst Kämpfe entstehen. Ohne Kämpfe aber zwischen Gut und Böse kann keine Besserung stattfinden. Das ist es daher, was unter der Aussage zu verstehen ist: Er wollte, dass das Feuer schon angezündet wäre. OE 504
29. November Und Petrus nahm ihn zu sich und fing an ihn zu bedräuen und sprach: Herr, schone dich, das (Leiden) geschehe dir nur nicht. Er aber wandte sich und sagte zu Petrus: Geh’ hinweg, hinter mich, Satan, du bist mir ein Ärgernis, denn du sin-

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nest nicht, was von Gott, sondern was von Menschen ist. Mat 16, 22. 23.

Dies wurde von Jesus zu Petrus gesagt, weil Petrus im symbolischen Sinn den Glauben darstellt und weil der Glaube sich auf das Wahre bezieht, aber auch, wie hier, auf das Falsche. Deshalb wird Petrus als Satan bezeichnet, denn Satan bedeutet die Hölle, aus der das Falsche stammt. Petrus stellte den Glauben in beiderlei Sinn dar, nämlich den, der aus der tätigen Liebe hervorgeht und auch denjenigen ohne tätige Liebe. Diejenigen, die in einem Glauben ohne tätige Liebe leben, ärgern sich auch wirklich daran, dass der Herr sich kreuzigen ließ. Deshalb wird Petrus ein Ärgernis genannt. Weil das Leiden am Kreuz die letzte Versuchung des Herrn und der vollständige Sieg über alle Höllen war, wie auch die vollständige Vereinigung seines göttlichen mit dem menschlichen Wesen war und weil diejenigen, die im Glauben des Falschen leben, dies nicht wissen, deshalb sagte der Herr: Du denkst nicht an das, was Gottes ist, sondern an das, was von Menschen kommt. OE 740
30. November Sie werden erfüllt mit dem Fetten deines Hauses und mit deiner Wonnen Strom tränkest du sie.

Ps 36, 9 Das Fette bedeutet das Gute und daher das Glück, weil das Fett das Beste am Fleisch ist und ähnlich wie Öl, unter dem das Gute der Liebe zu verstehen ist. Das Fette, mit dem das Haus erfüllt wird, bedeutet das Gute der Liebe und die daraus hervorgehende Glückseligkeit. Haus bedeutet den Bereich, der dem Gemüt angehört. «Du tränkest sie mit dem Strom deiner Wonnen» will sagen, mit Einsicht und dadurch mit wonnigem Gefühl. OE 1159 239

1. Dezember Lasset sie (die Pharisäer), sie sind blinde Wegweiser der Blinden. Wenn aber ein Blinder einem Blinden den Weg weist, fallen beide in die Grube. Mat. 15, 14.

Dass Gruben Falsches bedeuten, kommt daher, dass die Menschen, die in den Grundsätzen des Falschen gewesen sind, nach dem Tod eine Zeit lang unter der unteren Erde behalten werden, bis das Falsche von ihnen genommen und gleichsam weggeworfen ist. Diese Orte werden Gruben genannt. Die dorthin kommen, sind für Abödungen bestimmt. Deshalb hat die Grube im obigen Text den Sinn von Falschem oder verkehrtem Wahren, wobei auch die Blinden für diejenigen stehen, die Irrtümern anhangen oder die nicht durch die Türe, sondern anderswo einsteigen. Die untere Erde ist zunächst unter den Füßen und die Gegend rings umher auf geringe Entfernung. Dort befinden sich die meisten nach dem Tod, ehe sie in den Himmel erhoben werden. Diese Erde wird im Wort hier und da erwähnt. Unter ihr befinden sich die Gruben und unter diesen in weiter Ausdehnung die Höllen. HG 4728
2. Dezember Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke; und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Ihn sollt ihr hören. Mat 17, 5.

Hören bedeutet im Wort nicht einfach hören, sondern auch mit dem Gedächtnis aufnehmen und sich belehren lassen, ferner mit dem Verstand aufnehmen und glauben, wie 240

auch mit Gehorsam annehmen und tun. Dies wird durch hören dargestellt, weil die Rede, die gehört wird, sich dem inneren Auge oder Verstand darbietet und so im Inneren aufgenommen wird und hier je nach der Wirksamkeit der Vernunftgründe oder nach den Kräften der Überredung von anderer Seite entweder behalten oder geglaubt oder befolgt wird. HG 9311 Im höchsten Sinn ist hören die Vorsehung, denn das Vorhersehen des Herrn ist ein Sehen von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Vorsehen dagegen ist regieren, d. h. den freien Willen des Menschen soweit lenken, wie der Herr vorhersieht, dass der Mensch sich zum Guten lenken lässt. HG 3869 Die Wolke ist hier nicht einfach eine Wolke, sondern symbolisiert das göttliche Wahre in seiner letzten Ausbildung, nämlich als das Wort in seinem Buchstabensinn. Das ist deshalb so, weil in der geistigen Welt das göttliche Wahre, wenn es aus den oberen Himmeln in die unteren herabfließt, wie eine Wolke erscheint. Eine solche Wolke habe auch ich mehrmals gesehen und ich konnte aus ihr und ihren mannigfachen Veränderungen auf die Beschaffenheit der Wahrheiten schließen, von denen die Engel miteinander redeten. OE 906
3. Dezember Und ich sah einen anderen starken Engel herabkommen vom Himmel, mit einer Wolke umkleidet und ein Regenbogen über seinem Haupt und sein Angesicht war wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen. Off 10, 1.

Dass ein anderer Engel vom Himmel herabkommt, bedeutet, dass der Herr sich nähert im Hinblick auf sein Wort, wobei hier seine letzte Ausformung gemeint ist, also der Buchstabensinn. Dort wird der Herr als stark bezeichnet. Denn 241

alle Stärke und Macht des göttlich Wahren existiert in seinem Letzten, also im Buchstabensinn. Darauf deuten auch die Worte «mit einer Wolke umkleidet» hin, denn die Umkleidung ist außen und damit ebenfalls das Letzte. So also hat die Wolke die Bedeutung des göttlichen Wahren in seiner äußersten Form, also im Buchstabensinn. OE 593. 594. Der Regenbogen jedoch verweist auf das Innere des Wortes. Er symbolisiert das göttliche Wahre, aus dem das Wort im geistigen Sinn besteht. Und auch die Beschreibung «über dem Haupt» verweist darauf, denn oben und das Obere bedeuten inwendig. Wird darüber gesprochen, verstehen die Engel «oben», wie ja auch die inneren Himmel, deren Bewohner die stärker verinnerlichten Engel sind, die oberen sind. OE 595 Sein Angesicht war wie die Sonne, heißt, es strahlte die göttliche Liebe des Herrn aus und seine Füße, die wie Feuersäulen waren, stehen für das göttliche Wahre, also wieder das Wort im Letzten, das alles Innere stützt. OE 596. 597.
4. Dezember Wer aber ärgert einen dieser Kleinen, die an mich glauben, dem wäre zuträglicher, dass ein Eselsmühlstein an seinen Hals gehängt und er versenkt würde in des Meeres Tiefe. Mat 18, 6.

Der Mühlstein bedeutet das dem Glauben dienende Wahre, wobei der Esel für das natürliche Dienen steht. Alles in allem ist dies ein Bild für natürliche und weltliche Kenntnisse. Der Hals ist ein Symbol für die Verbindung von oben und unten, also auch von innen und außen. Dass der Stein an den Hals gehängt werden solle, bedeutet hier eine Unterbrechung und den Verlust von Gutem und Wahrem. Das Meer hat in seinem negativen Sinn die Bedeutung von bloßen Kenntnissen, 242

die sich auf die Welt beziehen. Sich darein versenken heißt demnach, sich soweit in rein natürliche Dinge verstricken, dass am Ende das göttliche Wahre geleugnet wird. Die Tiefe des Meeres hat also hier den Sinn von Hölle. HG 9755 Auch die Mühle und mahlen hat zwei Bedeutungen. Im guten Sinn heißt es etwas so zubereiten, dass es für einen guten Zweck nutzbar ist. Im Gegensinn dient es materiellen oder bösen Zwecken. HG 10303

5. Dezember Der Wind weht, wo er will, und du hörest seine Stimme, weißt aber nicht, von wannen er kommt und wohin er geht. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Joh 3, 8.

Der Mensch nimmt das Wirken der göttlichen Vorsehung in seinem Inneren nicht wahr, weil dies seine Willensfreiheit aufheben würde und daher auch seine Fähigkeit wie aus sich zu denken. Damit würde der Mensch ein Automat mit dem kein Kontakt und keine Verbindung möglich wären. Es ist genug, dass der Mensch die Wahrheiten erkennt und durch diese, was gut und was böse ist, und dass er dabei den Herrn und seine göttliche Leitung im Einzelnen anerkennt. In dem Maß, wie er diesem Wissen gemäß handelt, führt ihn der Herr durch die Liebe zur Weisheit und zur Liebe der Weisheit und danach verbindet er die Weisheit mit der Liebe und bewirkt, dass sie als Einheit tätig sind. Die Wege, die zu diesem Ziel führen, sind unerforschlich; sie sind mit dem Wort gemeint, dass «der Wind weht, wohin er will, und man weiß nicht, woher er kommt und wohin er geht». OE 1153

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6. Dezember
Und ich hörte die Zahl der Versiegelten, hundert und vierundvierzig tausend, die versiegelt waren aus jedem Stamm Israels. Vom Stamm Juda zwölftausend, vom Stamm Ruben zwölftausend, vom Stamm Gad zwölftausend Versiegelte… usw. Off 7, 4. 5.

Die Versiegelten sind also hier die von den Bösen abgesonderten Guten; die Zahl bezieht sich auf ihre Beschaffenheit. Zahlen und Maße bedeuten im inneren Sinn immer eine Beschaffenheit. Die 144'000 stellen eine absolute Gesamtheit dar und charakterisieren diejenigen, die nach den Wahrheiten aus dem Guten leben. Dasselbe gilt für die zwölf Stämme Israels, die zusammen das ganze Volk bilden, das wiederum ein Abbild der Kirche des Herrn darstellt. Die genannte Bedeutung von 144 folgt aus der Zusammensetzung von 12 mal 12, wobei schon die Zwölf die Bedeutung von alles in allem besitzt und sich auf die Wahrheiten aus dem Guten bezieht. Zusammengesetzte Zahlen haben immer die Bedeutung ihrer Teile (seien es Faktoren oder Summanden). So besitzen die geraden Zahlen allesamt den Faktor 2, der «Vereinigung» bedeutet und vom Guten ausgesagt wird, während die Fünf aus der Summe von 2 und 3 besteht, wobei die Drei für das Volle oder Ganze steht und vom Wahren ausgesagt wird. OE 428 (s. a. 28. Mai)
7. Dezember Da entließ Jesus das Volk und kam in das Haus und seine Jünger kamen zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis von dem Unkraut des Feldes. Er antwortete und sprach zu ihnen: Der

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den guten Samen sät, ist der Menschen Sohn. Das Feld ist die Welt. Der gute Same, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut aber sind die Söhne des Argen. Mat 13, 37. 38.

Der gute Same ist das göttliche Wahre, daher heißt es, der Menschensohn säe ihn. Die Söhne des Reiches sind die göttlichen Wahrheiten im Himmel und in der Kirche, denn der Sohn bedeutet das Wahre, im entgegengesetzen Sinn aber auch das Falsche, das der Sohn des Bösen ist. HG 9807 Jeder, der ein wenig höher oder inwendiger denkt, kann wissen, dass durch den Samen Abrahams, der so oft genannt wird oder die Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs, von denen oft gesagt wird, sie sollen gesegnet werden, und zwar vor allen Völkerschaften des Erdkreises, dass dadurch also nicht deren Söhne bezeichnet werden können, denn diese waren unter allen Nationen am allerwenigsten im Guten der Liebe zum Herrn und der tätigen Liebe gegenüber dem Nächsten. Denn was der Herr ist, was sein Reich, was der Himmel und das Leben nach dem Tod, wussten sie durchaus nicht. Hieraus wird klar, dass mit ihnen der Samen des Herrn, d. h. diejenigen gemeint sind, die im Guten und Wahren des Glaubens an ihn leben. HG 3374 (s. a. 29. Mai)
8. Dezember Aus dem Schoß der Morgenröte kommt der Tau deiner Jugend; du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks. Ps 110, 3.

Dies bezieht sich auf den Herrn, der in die Welt kommen sollte. Dass «der Tau deiner Jugend aus dem Schoß der Morgenröte kommt» will sagen, er sei empfangen aus der gött245

lichen Kraft selbst und bezieht sich auch auf die Verherrlichung seiner menschlichen Natur. Als Priester ist der Herr das göttliche Gute und als König das göttliche Wahre, das von diesem ausgeht. OE 210 Himmlisches des inwendigen Menschen ist alles, was der himmlischen Liebe angehört. Dieses Himmlische beim inwendigen Menschen des Herrn oder einfach der innere Mensch des Herrn in Bezug auf das Himmlische wird Melchisedek genannt. Der innere Mensch im Herrn war Jehovah selbst; der innere Mensch ist, nachdem er nach den Versuchungskämpfen gereinigt war, auch göttlich und Jehovah geworden. In der Zeit aber, da er sich in den Kämpfen der Versuchungen befand und noch nicht gereinigt war, wird er in Bezug auf das Himmlische Melchisedek genannt, nämlich der König der Heiligkeit und Gerechtigkeit. HG 1725
9. Dezember Ich habe ihnen gemacht deinen Namen und werde bekannt machen, dass die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. Joh 17, 11. 12. Viele werden zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder getan. Aber ich werde ihnen bekennen: ich kenne euch nicht, geht von mir, ihr Täter des Unrechts. Mat 7, 22. 23.

Durch den Namen Gottes wird das Ganze des Gottesdienstes bezeichnet, das Ganze der Liebe und des Glaubens, aus dem er verehrt wird. Es geht also nie um den «Namen» Jehovahs und Gottes und nicht um die Worte: Herr, 246

Herr. Als nämlich der Mensch der Kirche aus einem verinnerlichten ein äußerlicher Mensch wurde und den Gottesdienst auf die bloßen Namen bezog, anerkannte er nicht mehr einen Gott, sondern mehrere. Denn die Alten pflegten zum Namen Jehovah noch etwas hinzuzusetzen: Ewigkeit, Jirah, Nissi, Schalom usw. Daher kam es, dass diejenigen, die nur noch auf die Namen setzen, ebenso viele Götter anerkannten und dass auch die Heiden dies taten, während die Alte Kirche, von der die Beinamen herstammten, nur einem einzigen Gott diente, denn sie verstand unter den Namen seine Eigenschaften. HG 2724
10. Dezember Jehovah, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Majestät gegeben hast über die Himmel. Aus dem Mund der Kindlein und der Säuglinge hast du dir Stärke gegründet um deiner Dränger willen, dass der Feind und der Rachgierige zu Ende komme. Ps 8, 2. 3.

Durch Säuglinge wird der erste Zustand der kleinen Kinder bezeichnet, der Zustand der Unschuld. Denn sobald der Mensch geboren wird, wird er in den Stand der Unschuld eingeführt, damit er die Grundlage der späteren Zustände und der innerste von ihnen sei. Darauf folgt der Zustand der Neigung zum himmlischen Guten, d. h. der Liebe zu den Eltern, die bei ihnen die Stelle der Liebe zum Herrn vertritt. Dieser Zustand wird durch das Kind symbolisiert. Anschließend folgt der Zustand der Neigung zum geistigen Guten oder zur gegenseitigen Liebe, d. h. zur tätigen Liebe untereinander, was nun durch Knaben dargestellt wird. Wenn ein solcher weiter heranwächst, gerät er in den Zustand der Neigung zum Wahren, der durch den Jüngling dargestellt wird, die folgenden Zustände 247

dann durch Männer und Greise. Dieser letzte ist der Zustand der Weisheit, in dem die Unschuld der Kindheit steckt. So wird der erste mit dem letzten Zustand vereinigt und der Mensch, wenn er ein Greis wird, erscheint wieder wie ein Kind, aber ein weises, eingeführt in das Reich des Herrn. HG 3183
11. Dezember Es erschien ihm aber der Engel des Herrn, der stand zur Rechten des Rauchaltars und Zacharias erbebte, als er ihn sah, und eine Furcht fiel auf ihn. Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht Zacharias. Luk 1, 11-13

Die Rechte symbolisiert die Allwissenheit und Allmacht, die der Herr aus dem göttlichen Guten durch das göttliche Wahre besitzt. Wenn von Engeln und Menschen die Rede ist, bedeutet sie die Weisheit und Einsicht, die sie ebenfalls durch das göttliche Wahre bekommen, das vom Herrn ausgeht. OE 298 Beim Kommen des Herrn treten verschiedene Gemütsbewegungen auf. Der heilige Schauer, der das Innere des Hauptes erfüllt, erschüttert oder durchzuckt, wenn die göttliche Kraft einfließt, heißt auch Furcht, Schrecken oder Scheu. OE 677 Die Beruhigung des Engels: «Fürchte dich nicht» bedeutet Auferweckung zum wahren Leben und anschließend Anbetung in tiefster Demut. EO 56 (s. a. 16. Juni)
12. Dezember Und er wird dir zur Freude und zur Fröhlichkeit sein und viele werden ob seiner Geburt sich freuen. Luk 1, 14.

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Dass gesagt wird Freude und Fröhlichkeit, hat seinen Grund in der Ehe des Wahren und Guten, denn die Freude wird vom Guten ausgesagt, weil sie mit der Liebe zusammenhängt; sie gehört ja eigentlich dem Herzen und dem Willen an. Fröhlichkeit jedoch heißt es beim Wahren und der Liebe zu diesem, denn sie gehört eigentlich der Seele und ihrem Denken an. So heißt es also auch Freude des Herzens und Fröhlichkeit der Seele. Der Grund für diese Zweigleisigkeit besteht darin, dass die Verbindung des Wahren mit dem Guten sowohl den Himmel wie die Kirche ausmacht. OE 660 (s. a. 29. März)
13. Dezember Denn er wird groß sein vor dem Herrn; und Wein und stark Getränk wird er nicht trinken und vom Heiligen Geist erfüllt werden noch im Leib seiner Mutter und wird viele der Söhne Israels zum Herrn, ihrem Gott, bekehren. Luk 1, 15. 16.

Hierdurch wird symbolisiert, dass Johannes den Herrn im Hinblick auf das Wort im Voraus abbilden sollte, wie schon Elias dies getan hatte. Denn im Wort, das das göttliche Wahre ist, wird überall von der Ehe des Guten und Wahren gesprochen. Und dieses vereinigte göttliche Gute und Wahre ist die vom Herrn ausgehende göttliche Kraft, die Heiliger Geist genannt wird. Das Hüpfen des Kindes, wie es im Vers 44 beschrieben wird, stellt die Freude auf Grund der Liebe zu dieser Verbindung dar. OE 710 Es heißt hier «zum Herrn, ihrem Gott», weil wie überall im Neuen Testament der Begriff «Herr» anstelle von «Jehovah» verwendet wird, wenn vom Guten gesprochen wird. HG 2921

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14. Dezember Und er wird vorangehen vor ihm im Geist und der Kraft des Elias, die Herzen der Väter zu den Söhnen und Ungehorsame zur Gesinnung der Gerechten zu bekehren, zu bereiten dem Herrn ein zugerüstetes Volk. Luk 1, 17.

Dass der Vater im inneren Sinn das Gute ist, kommt daher, weil es das Gute ist, aus dem alles und jedes ist, und das Wahre, durch das alles und jedes besteht, somit aus der Ehe des Guten und Wahren. Hieraus kann erhellen, dass das Gute gleichsam wie der Vater ist und das Wahre wie die Mutter. Und es handelt sich um das Gute und Wahre, aus dem niedrigeres Gutes und Wahres entsteht, die wie Töchter und Söhne sind und im Wort auch so genannt werden. Sie sind auch wie Brüder und Schwestern, wie Enkel und Urenkel, wie Schwiegersöhne, Schwiegermütter, kurz wie Blutsfreundschaften und Verschwägerungen in jedem Grad. Es handelt sich also in dem Text weder um Väter noch um Söhne, sondern um Gutes und Wahres der Kirche, die der Herr neu aufbauen wollte. HG 3703
15. Dezember Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu bringen. Luk 1, 19.

Stehen vor dem Herrn bedeutet, seine Gegenwart aushalten und leben, was Böse nicht können. Die Guten jedoch werden von ihm belebt, sodass «stehen» wie auch «wandeln» im Wort die Bedeutung von «sein» und «leben» haben. OE 414 Stehen vor dem Thron oder vor dem Herrn heißt auch, mit ihm verbunden zu sein, was insbesondere für die Bewohner 250

des ersten oder obersten Himmels gilt, die in der Offenbarung als «Älteste» erwähnt werden. OE 462

16. Dezember Und siehe du wirst empfangen im Leib und einen Sohn gebären und sollst seinen Namen Jesus heißen. Der wird groß sein und der Sohn des Höchsten heißen und der Herr Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben. Luk 1, 31. 32.

Hieraus ergibt sich, dass der Herr durch seine Empfängnis Jehovah Gott war, und das heißt es zu sein im Hinblick auf das eigentliche Leben, das die Seele aus dem Vater genannt wird, durch die der Leib sein Leben hat. Es ist also das Menschliche an Jesus, das Gottes Sohn genannt wird. OE 852 Mit Namen nennen bedeutet eine Angabe der Beschaffenheit. (Schon dieser Name ist heilig. Und er weist auf des Herrn Amt als Priester hin.) HG 3421

17. Dezember Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes heißen. Luk 1, 35.

Das Heilige bezieht sich auf den Herrn im Hinblick auf seine göttliche Menschennatur und auf sein göttliches Wahres. Der Gerechte heißt er nämlich, wenn es um das göttliche Gute geht. Auch die Engel die im Wahren der Weisheit sind, heißen 251

Heilige; diejenigen aber, die im Guten der Liebe sind, werden Gerechte genannt. EO 173 Der «Heilige Geist» kommt im Alten Testament nirgends vor; er heißt dort immer «Geist der Heiligkeit». Bei den Evangelisten heißt er aber so, weil es ihn überhaupt erst gab, als der Herr in die Welt kam, da er aus ihm vom Vater her ausging. WCR 158 Die Stelle gilt als eine wesentliche Aussage zum Thema Dreieinheit, weil hier mit Heiligem Geist, der Kraft des Höchsten und Gottes Sohn alle drei in einem Atemzug genannt werden. WCR 164
18. Dezember Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn. Und mein Geist frohlocket über Gott, meinen Heiland. Luk 1, 46. 47.

Maria nennt hier hintereinander Herr, Gott und Heiland. Er wird an vielen Stellen im Wort auch Jehovah, der Heilige Israels und Erlöser genannt. Dies alles bezieht sich vorausschauend auf die Vereinigung der Menschennatur des Herrn mit seinem göttlichen Ursprung, wobei dieses göttliche Wesen im Neuen Testament Vater genannt wird, wogegen die menschliche Erscheinung Sohn und eben auch Erlöser oder Heiland heißt. Klar ergibt sich daraus, dass es sich dabei um eine einzige Person handelt. LvH 34
19. Dezember Er füllet die Hungernden mit Gutem und sendet die Reichen leer hinweg. Luk 1, 53

Die Hungrigen sind hier diejenigen, die sonst auch Arme genannt werden, also diejenigen, die weder Brot noch Wasser 252

haben, d. h. das Gute und Wahre nicht kennen und doch danach verlangen. HG10227 Die Reichen aber sind diejenigen, die vieles wissen, denn Reichtümer sind im geistigen Sinn Kenntnisse, Lehren und Erkenntnisse des Guten und Wahren. Reiche, die leer genannt werden, besitzen zwar diese Kenntnisse, leben aber nicht danach. Ihre Wahrheiten sind nicht wahr, weil ihnen das Gute fehlt. HG 4744
20. Dezember Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gesegnet sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat heimgesucht und Erlösung bereitet seinem Volk und uns auferweckt ein Horn des Heils im Hause Davids, seines Dieners. Luk 1, 67-69

Den Herrn segnen heißt, ihm singen, sein Heil verkündigen, seine Weisheit und Gewalt predigen, somit den Herrn bekennen und anerkennen von Herzen. Die das tun, müssen notwendig vom Herrn gesegnet, d. h. beschenkt werden mit demjenigen, was Gegenstand des Segens ist, nämlich mit himmlischem, geistigem, natürlichem und leiblichem Gut, mit Gütern also, in denen, wenn sie so aufeinander folgen, die Seligkeit ist. Weil es eine allgemeine Redensart war, den Jehovah oder den Herrn zu segnen und von ihm gesegnet zu werden, wurde es auch zu einer Redensart «Gesegnet sei der Herr». HG 1423
21. Dezember Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst vorangehen vor dem

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Angesicht des Herrn, dass du ihm seine Wege bereitest. Luk 1, 76.

Der Ausdruck Prophet ist im Wort häufig und bedeutet im Buchstabensinn einen, dem eine Offenbarung zuteil geworden ist, im abstrakten Sinn aber diese Offenbarung selbst. Im inneren Sinn aber stellt er einen Lehrer dar und wiederum im abstrakten Sinn die Lehre selbst. Weil aber der Herr ebenfalls die Lehre selbst ist, wird auch er Prophet genannt. So nannte Zacharias seinen Sohn, der aber selbst kein Prophet sein wollte, sondern einer, der durch Lehre und Verkündigung von der Ankunft des Herrn den Weg bereitete. HG 2534 Die Taufe des Johannes bereitete aber deshalb den Weg, weil durch sie die Menschen in die künftige Kirche des Herrn eingeführt und im Himmel unter diejenigen eingereiht wurden, die den Messias sehnsuchtsvoll erwarteten und daher von den Engeln behütet wurden, damit nicht etwa die Teufel aus der Hölle hervorbrechen und sie verderben konnten. WCR 689
22. Dezember Durch die innige Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns heimgesucht hat der Aufgang aus den Höhen, auf dass er erschiene denen, die da sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes, um unsere Füße auf den Weg der Friedens zu richten. Luk 1, 78. 79.

An diesen Stellen bedeutet die Finsternis das Falsche der Unwissenheit, wie es bei gutartigen Völkerschaften (Heiden) anzutreffen war und noch ist. Dieses Falsche ist ganz verschieden vom Falschen des Bösen, denn dieses verbirgt in sich das Böse, weil es vom Bösen herkommt. Jenes aber verbirgt in sich 254

das Gute, denn es hat das Gute zum Zweck. Deshalb können diejenigen, die diesem Falschen anhangen, in der Wahrheit unterrichtet werden und die Wahrheit, die ihnen vermittelt wird, von Herzen aufnehmen, weil das Gute, das in ihren Irrtümern drinsteckt, die Wahrheiten liebt und sich mit ihnen verbindet, wenn es gehört wird. OE 526 Es wird vom Herrn gesprochen, der in die Welt kommen sollte, und von der Erleuchtung derjenigen, die außerhalb der Kirche waren. Unter dem Aufgang (wie die Sonne) aus der Höhe wird der Herr verstanden. OE 365
23. Dezember Das Knäblein aber wuchs und ward mächtig im Geist; und er war in den Wüsten bis zu dem Tag, da er sich vor Israel zeigen sollte. Luk 1, 80.

Die Wüste bedeutet im Wort das wenig (oder gar nicht) Bewohnte und Angebaute und hat somit einen doppelten Sinn. Wo sie das wenig Bewohnte darstellt, wo wenige Wohnungen, Ställe, Weideplätze und Wasser sind, steht sie für dasjenige oder diejenigen, die verhältnismäßig wenig Leben und Licht haben, wie das Geistige oder die Geistigen im Verhältnis zum Himmlischen oder der Himmlischen. Wo sie aber das gar nicht Bewohnte bedeutet ohne Wohnungen, Ställe usw., steht sie für diejenigen, die in der Verwüstung im Hinblick auf das Gute und in der Verödung im Hinblick auf das Wahre leben. Damals war also die Kirche völlig verwüstet und verödet, denn es wusste niemand mehr, dass im Menschen etwas Innerliches sei, auch nicht im Wort und auch nicht, dass der Messias oder Christus kommen werde, um sie selig zu machen. HG 2708

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24. Dezember Und siehe, des Herrn Engel stand bei ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie und sie fürchteten sich mit großer Furcht. Luk 2, 9.

Die heilige Furcht, die zuweilen mit heiligem Beben im Inneren des Gemütes verbunden ist, stellt sich oft mit einem gewissen Schaudern ein, wenn das Leben vom Herrn die Stelle des eigenen Lebens einnimmt. Das eigene Leben besteht darin, dass man von sich auf den Herrn sieht, das Leben vom Herrn aber darin, dass man aus dem Herrn und doch wie aus sich auf den Herrn sieht. Wenn der Mensch in ein solches Leben gerät, sieht er, dass er nichts ist und alles vom Herrn stammt. Unter «Fürchtet euch nicht» ist die Auferweckung zu verstehen und auch die aus tiefster Demut stammende Anbetung. EO 56
25. Dezember Und der Engel sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht. Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn heute ist euch ein Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Luk 2, 10. 11.

Verkündigen heißt die Ankunft des Herrn und sein Reich ankündigen. Das Evangelium ist so viel wie eine frohe Botschaft. Dass jenes Reich komme, sobald das letzte Gericht über diejenigen gehalten sei, ist im Wort verschiedentlich vorausgesagt worden, also auch hier. EO 478 Man muss sich klar machen, dass es hier «Herr» heißt anstelle von Jehovah. Aber der Herr ist Jehovah und zwar im Hinblick auf das Wahre; und es heißt zum ersten Mal Christus, anstelle von Messias oder König. Wer das Wort nicht mit allem 256

Fleiß erforscht, kann dies nicht erkennen. Er glaubt, unser Heiland werde nach der üblichen Gewohnheit «Herr» genannt, um der Verehrung Ausdruck zu verleihen. Er heißt aber so, weil er Jehovah war. HG 2922 (s. a. 13. Dezember)
26. Dezember Und das habt zum Zeichen: Ihr werden finden das Kindlein in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Luk 2, 12.

Weil unter dem Zeichen eine Bezeugung zu verstehen ist, dass sie glauben sollten, der Heiland der Welt sei geboren, heißt es, sie würden ihn finden in einer Krippe liegend und in Windeln gewickelt. Die Krippe stellt hier die Lehre des Wahren aus dem Wort dar. Weil nämlich die Pferde (die sonst in der Krippe ihr Futter finden) für das Verständnis des Wortes stehen. Sie sind ja hier, weil in der Herberge kein Raum war. Die Herberge stellt den Ort des Unterrichts dar, aber die Juden befanden sich ja wegen der Schändung des Wortes in lauter Irrtümern. Wenn es dem Herrn gefallen hätte, wäre er im glänzendsten Palast geboren worden und hätte in einem mit Edelsteinen geschmückten Bett gelegen. Aber das hätte nur bei Leuten geschehen können, die in keiner Lehre des Wahren und ohne jede himmlische Entsprechung waren. Denn es heißt «in Windeln gewickelt», weil die Windeln die ersten Wahrheiten, die Wahrheiten der Unschuld, darstellen. OE 706
27. Dezember Durch das Wort Jehovahs sind die Himmel gemacht und durch den Geist seines Mundes ihr Heer. Ps 33, 6.

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Dass das Heer die Lehrsätze bedeutet, die dem Wahren angehören oder selbst niedrigere Wahrheiten sind, kommt daher, dass durch den Heerdienst im Wort und durch den Krieg alles bezeichnet wird, was zum geistigen Heerdienst und Krieg gehört, also auch Waffen, Schilde, Bogen, Pfeile. Und weil es Wahrheiten oder Lehrsätze sind, durch die die geistigen Kämpfe geführt werden, stellen die Heere diese dar, im entgegengesetzen Sinn aber auch Falsches oder Irrlehren. Wahrheiten und die zugehörigen Lehrsätze stammen also allesamt vom Herrn. Unter dem Hauch seines Mundes ist der Odem des Lebens zu verstehen. HG 3448
28. Dezember Und siehe, es kam einer herzu und sprach zu ihm: Guter Lehrer, was soll ich Gutes tun, auf dass ich ewiges Leben habe? Er aber sagte ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der eine Gott. Mat 19,16. 17.

Weil der Tod die Verdammnis und die Hölle bedeutet, stellt umgekehrt das Leben die Seligkeit und den Himmel dar. Daher kommt es, dass die Seligkeit auch ewiges Leben genannt wird. OE 186 Das Gute der Liebe ist vom Herrn, weil alle von dieser Art das Gute und Wahre wollen und tun um des Guten und Wahren willen, indem das Gute und das Wahre dieses Guten der Herr in ihnen ist. Denn was von ihm ist, was also ihm gehört, ist auch er selbst. Darum heißt es, der Herr sei das Gute selbst. HG 10336
29. Dezember Die Himmel erzählen seine Herrlichkeit und die Werke seiner Hände verkündigt das Firmament. Ps 19, 2.

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Dass der Himmel im inneren Sinn der Engelshimmel ist, hat seinen Grund in der Entsprechung. Daher kommt es, dass, wo im Wort die Himmel genannt werden, (nicht unser Firmament, sondern) der Engelshimmel zu verstehen ist, denn die Alten hatten keine andere Vorstellung vom sichtbaren Himmel, als dass dort die Himmelsbürger wohnen und dass die Gestirne deren Wohnungen seien. Die gleiche Vorstellung haben noch heute die Einfältigen und hauptsächlich die Kinder; daher blickt man auch zum Himmel hinauf, wenn man zu Gott betet, und es besteht auch wirklich eine Entsprechung, denn im anderen Leben erscheint auch ein Himmel mit Gestirnen, aber nicht einer, der vor den Menschen der Welt erscheint, sondern einer, wie er dem Zustand der Einsicht und Weisheit der Geister und Engel angepasst ist. Die Gestirne sind dort die Erkenntnisse des Guten und Wahren und die Wolken, die zuweilen auftreten, haben je nach Farbe, Durchsichtigkeit und Bewegung verschiedene Bedeutung. Das Blau des Himmels stellt das aus dem Guten durchscheinende Wahre dar. HG 9408 Die Herrlichkeit stellt den inneren Sinn des Wortes dar, nämlich das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre und damit auch das Licht, das vom Herrn als der Sonne ausgeht und von dem alle Herrlichkeit des Himmels stammt.HG 9429
30. Dezember Nach diesem hörte ich wie eine große Stimme einer großen Schar im Himmel rufen: Hallelujah! Heil und Herrlichkeit, Ehre und Macht dem Herrn, unsrem Gott! Off 19, 1.

Die große Schar steht für die Freude und Fröhlichkeit der Engel in den oberen Himmeln über die Verdammung der Bösen und über den Aufgang des Lichtes der göttlichen 259

Wahrheiten über der Errichtung der neuen Kirche. Hallelujah ist ein Ausruf der Freude und des Bekenntnisses im Gottesdienst und will sagen: Lobet oder verherrlicht Gott! Heil und Herrlichkeit, Ehre und Macht sind Ausdrücke für das ewige Leben, das göttliche Wahre und Gute und für die Allmacht des Herrn. Im Buchstabensinn sind das lauter einzelne Wörter, im geistigen Sinn aber bedeuten sie alle zusammen nur das eine: dass vom Herrn aus seiner göttlichen Allmacht alles Leben kommt. OE 1196, 98
31. Dezember (Jesus sprach zu seinen Jüngern:) Es sind noch vier Monde, dann kommt die Ernte; siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und schauet die Felder, denn sie sind weiß zur Ernte; und wer da erntet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben. Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät und der andere erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen. Joh 4, 35-38

Dies wurde vom Herrn in Bezug auf die neue Kirche gesagt, die er errichten wollte. Dass diese Errichtung nun bevorstehe, ist gemeint mit den Worten: Hebet eure Augen auf… «Ernten» bedeutet, diejenigen unterweisen, die zu dieser Kirche gehören sollen und sie, wie der Herr anderswo sagt, in seine Scheune sammeln. Dass diejenigen, die lehren und sammeln, nicht sie selbst sind, sondern der Herr, ist mit den Worten ausgedrückt: der eine sät, der andere erntet, denn diejenigen, die von den Jüngern zur Kirche bekehrt wurden, bereitete der Herr durch die Engel, das heißt, durch die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort zur Aufnahme der Lehre vor. 260

Dasselbe bedeuten die Worte: Ich habe euch gesandt zu ernten, was ihr nicht gearbeitet habt… OE 911 Zu den beweglichen Festtagen:
Palmsonntag Sie aber gingen hin und fanden das Füllen an der Tür angebunden draußen am Scheideweg und lösten es ab. Und einige von denen, die da standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr, dass ihr das Füllen löst? Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus ihnen geboten hatte, und sie ließen sie. Und sie führten das Füllen zu Jesus und warfen ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf. Viele aber streuten ihre Kleider auf den Weg; andere aber schnitten Zweige von den Bäumen ab und streuten sie auf den Weg. Mar 11, 4-8

Das Sitzen auf einem Esel und auf dem Füllen einer Eselin bedeutet die Auszeichnung des höchsten Richters und des Königs. Wer nicht weiß, was Pferd, Maultier und Füllen der Eselin im symbolischen Sinn bedeuten, wird glauben, dass das Reiten des Herrn auf dem Füllen einer Eselin Elend und Niedrigkeit zeige, allein es bedeutete königliche Majestät. OE 31 Denn durch Reiten auf einer Eselin wird das Erkennen des Guten und der Verstand für das Wahre bezeichnet. Esel stellen die Vernunft im Hinblick auf das Gute dar oder das Wahre, das das Gute der tätigen Liebe zum Ziel hat. Deshalb setzte auch der Samariter den von Räubern Verwundeten auf seinen Esel. OE 1154 Die Kleider stellen im Wort die Wahrheiten dar, die das Gute einhüllen. OE 1222 Sie stehen auch für die Ausbildung des Verstandes und das Erfassen der Wahrheiten. HG 10536 261

Gründonnerstag Aber ich sage euch, ich werde von nun an von diesem Gewächs des Weinstocks mitnichten trinken bis zu dem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde in meines Vaters Reich. Mat 26, 29.

Unter dem Wein, den der Herr mit ihnen neu trinken wollte im Reich seines Vaters oder wenn das Reich Gottes kommen werde, wird verstanden, es werde von seinem göttlich-menschlichen Wesen alles göttliche Wahre im Himmel und in der Kirche ausgehen; daher spricht er von «neu» wie auch vom «neuen Bund». Und weil, nachdem der Herr auferstanden ist, alle göttliche Kraft von ihm ausgeht, sagt er, er werde es mit ihnen trinken, wenn das Reich Gottes komme. Aber es ist gekommen, nachdem er in den Himmeln und Höllen alles in Ordnung gebracht hat. OE 376
Karfreitag Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den Opferkasten zu werfen, weil es Schatzung des Blutes ist. Sie hielten aber eine Beratung und kauften damit den Töpfersacker zu einem Begräbnis für Fremde. Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremias gesprochen ist, der sagt: Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, die Schätzung dessen, der geschätzt wurde, den sie sich schätzen ließen von den Söhnen Israels. Mat 27, 6. 7. 9.

Dreißig bedeutet etwas von Kampf, somit wenig Kampf; das kommt daher, dass diese Zahl durch Multiplikation zusammengesetzt ist aus fünf, wodurch etwas weniges bezeichnet wird, und aus sechs, was für Arbeit und Kampf steht. Das 262

Ganze will nun sagen, sie hätten das Verdienst des Herrn, die Erlösung und Seligmachung für ziemlich gering gehalten. Wobei der Töpfer immerhin auf Besserung und Wiedergeburt hinweist. HG 2276 Die dreißig Silberlinge sind also der geschätzte Erlösungspreis für alle Verdienste und die Gerechtigkeit des Herrn, erworben durch die schwersten Versuchungen, durch die er das menschliche mit dem göttlichen Wesen vereinigte. Für diejenigen, die glauben, alles Gute und Wahre sei vom Herrn, beträgt er aber 40 und im höchsten Grad 400. (s. 1 Mos 23, 15.) HG 2966
Karsamstag Und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der Heiligen wurden auferweckt und gingen aus von den Gräbern und kamen herein in die heilige Stadt und erschienen vielen. Mat 27, 52. 53.

Das Grab bedeutet im inneren Sinn des Wortes das Leben oder den Himmel, und zwar deswegen, weil die Engel, die nach dem inneren Sinn des Wortes leben, keine Vorstellung vom Grab haben. Daher nehmen sie anstatt des Grabes nichts anderes wahr als die Fortsetzung des Leben, somit die Auferstehung; denn der Mensch ersteht dem Geist nach wieder auf und wird nur dem Leib nach begraben. Das Begräbnis bedeutet also Auferstehung und deshalb auch Wiedergeburt, denn diese ist die erste Auferstehung des Menschen. Dann stirbt er als vergangener Mensch und steht auf als neuer. Durch die Wiedergeburt wird der Mensch von einem toten zu einem lebendigen. So erklärt sich die Bedeutung des Grabes im inneren Sinn. HG 2916

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Ostersonntag Und als der Sabbath vorüber war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome Spezereien, auf dass sie kämen und ihn salbten. Und sehr früh am dritten Tag kamen sie zu der Gruft, als die Sonne aufging. Mar 16, 1. 2.

Die Passionsgeschichte enthält eine Häufung der Zahl drei: Jesus sprach zu den Juden: Löset diesen Tempel auf und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten. Der Herr auferstand am dritten Tag. Die letzte Versuchung, die am Kreuz, erduldete der Herr um die dritte Stunde des Tages. Nach weiteren drei Stunden oder um die sechste Stunde wurde eine Finsternis über das ganze Land. Und nach drei Stunden oder um die neunte Stunde schrie Jesus laut. Aber früh am dritten Tag kamen die drei Frauen. Der dritte Tag bedeutet im Zusammenhang mit der Heiligung des Herrn die Erfüllung (der Versuchungen) und zugleich den Anfang (der Heiligung). Alles was durch den Herrn während seines Erdendaseins geschah oder was geschehen sollte, war in den Symbolen der Kirche und im inneren Sinn des Wortes vorweggenommen, denn in Gott ist Werden und Sein dasselbe; alles Ewige ist ihm gegenwärtig. Daher besitzt hier die Dreizahl ihre Symbolkraft. HG 2788
Ostermontag Es geschah als Jesus mit ihnen zu Tische lag (in Emmaus), nahm er das Brot und segnete es und indem er es brach, gab er es ihnen; da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn. Luk 24, 30. 31.

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Sehen bedeutet im inneren Sinn glauben mit der Kraft des Herrn, denn es gibt keinen anderen Glauben als den vom Herrn. Dieser bewirkt, dass der Mensch sieht. Der Glaube von sich aus oder vom Eigenen des Menschen aus ist kein Glaube; denn er bewirkt, dass der Falsches für wahr und Wahres für falsch ansieht. Und wenn ihm einmal Wahres für wahr begegnet, sieht er es dennoch nicht, weil er nicht glaubt, denn er sieht immer sich selbst, aber nicht den Herrn. Der Herr wurde den Jüngern durch das Gute sichtbar, nicht aber durch das Wahre ohne das Gute, denn das Brot ist das Gute der Liebe. HG 3863 Es wird ebenfalls klar, dass durch das Essen des vom Herrn gegebenen Brotes die Verbindung mit ihm beschrieben wird, durch die sie erleuchtet wurden und ihn erkannten. Denn die Augen entsprechen im Wort dem Verstand. Dieser aber ist es, der erleuchtet wird, und infolgedessen werden die Augen geöffnet. Durch Brechen des Brotes wird im Wort symbolisiert sein Gutes einem anderen mitzuteilen. OE 617
Himmelfahrt Und gepredigt werden in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkerschaften, anfangend in Jerusalem. Luk 24, 47

Alle christlichen Kirchen lehren, dass sich der Mensch, bevor er zum Heiligen Abendmahl geht, selbst prüfen, seine Sünden erkennen und anerkennen soll und dass er dann Buße tun muss, indem er von ihnen Abstand nimmt und sie beseitigt, weil sie des Teufels sind. Anders könnten dem Menschen die Sünden nicht vergeben werden. Es kann freilich sein, dass sie am selben Tag eine Predigt über den bloßen Glauben hören, in der es heißt, das Gesetzt verdamme sie nicht, weil der Herr dieses an ihrer Statt erfüllt 265

habe und sie aus eigener Kraft ohnehin nichts Gutes tun könnten, es sei denn um des Verdienstes willen. Deshalb verhülfen nicht die Werke, sondern allein der Glaube zur Seligkeit. Was ist nun wahr? Zwei einander entgegen gesetzte Behauptungen können nicht beide wahr sein. Es ist aber trotz des Widerspruchs gemeinsame Religion aller christlichen Kirchen, dass der Mensch sich selbst prüfen, seine Sünden anerkennen und davon ablassen soll, weil er sonst nicht selig, sondern verdammt werde. Dies ist die echte Wahrheit. GV 114
Pfingsten Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und wurde in den Himmel hinaufgetragen. Und sie beteten ihn an und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück und sie waren allezeit im Heiligtum, lobten und segneten Gott. Luk 24, 51-53

Gott loben und segnen heißt, den Herrn als alleinigen Gott des Himmels verehren. Loben ist gleich verehren, was aus vielen Stellen im Wort hervorgeht. EO 809 An vielen Stellen des Wortes ist vom Lob Gottes die Rede und dadurch wird ausgedrückt, Gott mit Herz und Mund bekennen und somit auch verehren. Gott loben bedeutet dasselbe wie Hallelujah, denn dies heißt in unserer Sprache: Lobt Gott. Dass es ein Ausruf der Freude und Fröhlichkeit ist beim Bekenntnis und bei der Verehrung Gottes, ist verschiedentlich erklärt worden. Es kommt daher, dass der Herr nicht aus Liebe zu ihm gelobt und verherrlicht werden will, sondern aus Liebe zum Menschen; denn der Mensch kann nur den Herrn loben und verherrlichen oder ihm Lob und Preis geben, wenn er von Herzen anerkennt, dass nichts Gutes in ihm ist und dass er 266

nichts aus sich vermag, sondern dass alles Gute vom Herrn kommt und er allein alles vermag. OE 1210

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