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Original-Prüfungsaufgaben

   Original-Abituraufgaben

Aufgabe A    Analysis
[GK]  In einem Labor wird ein (Probe-)Körper auf
100 °C erhitzt und anschließend bei konstanter
Raumtemperatur von 20 °C abgekühlt. Seine
Temperatur während des Ab­kühlens wird durch
die Funktion T mit der Gleichung
T (t) = 20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​, t ≥ 0,
beschrieben (t in Sekunden, T (t) in °C).
Abbildung 1 zeigt den Graphen der Funktion T.

Abb. 1
[LK]  Im Leistungskurs wurde die Aufgabe allgemeiner formuliert:
In einem Labor werden verschiedene (Probe-)Körper erhitzt und anschließend bei  
konstanter Raumtemperatur ​TR​ ​ abgekühlt. Ihre Temperatur während des Abkühlens  
wird jeweils durch eine Funktion T mit der Gleichung
T (t) = ​TR​ ​ + (​T0​ ​ – ​TR​ ​) · ​e ​– k · t​, t ≥ 0,
beschrieben (t in Sekunden, T (t) in °C). ​T0​ ​ = T (0) ist die Anfangstemperatur des
jeweiligen Körpers zum Zeitpunkt t = 0, k > 0 die von Eigenschaften des Körpers
abhängige Abkühlungskonstante (Einheit ​s ​– 1​ [bzw. 1/s]).
Konkret mussten aber zunächst die gleichen Fragen beantwortet werden.
a) (1) [GK und LK]  Beschreiben Sie den Verlauf des in Abbildung 1 dargestellten
Funktionsgraphen von T im Sachzusammenhang.
(2) Berechnen Sie die Temperatur, auf die der Körper nach der Zeit t = 120 s
abgekühlt ist.
(3) Prüfen Sie die Entwicklung der Temperatur des Körpers für große t. E3
​t​ 2​

b) Durch ​ _____ 1   ​  


​t​ ​ – ​t​ ​
· ​∫ ​T
​    (t) d t​ ist die mittlere Temperatur des Körpers innerhalb eines
2 1
​t​ 1​

Zeitintervalls [​t ​1​ ; ​t ​2​], 0 ≤ ​t ​1​ < ​t ​2​ , gegeben.


(1) [GK und LK]  Weisen Sie nach, dass die mittlere Temperatur des Körpers im
Zeitintervall [​t ​1​ ; ​t ​2​], 0 ≤ ​t ​1​ < ​t ​2​ , durch
1   ​  
​ ______ · (20 · (​t ​2​ – ​t ​1​) – 8000 · (​e ​– 0,01 · ​t​ ​​ – ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​))
 2  1

(​t ​2​ – ​t ​1​)
berechnet werden kann. C1   C2   C3
(2) [GK und LK]  Berechnen Sie die mittlere Temperatur des Körpers innerhalb
der ersten 120 Sekunden des Abkühlungsvorgangs.
(3) [LK]  Begründen Sie, dass für jedes Zeitintervall [​t ​1​ ; ​t ​2​], 0 ≤ ​t ​1​ < ​t ​2​ , die
mittlere Temperatur des Körpers K1 kleiner ist als das arithmetische Mittel
der Temperaturen T (​t ​1​) und T (​t ​2​).
Analysis 



c) Die Abbildung 2 zeigt den Graphen der  


Abkühlungsgeschwindigkeit T ’ des Körpers.
Es gilt T ’ (t) = – 0,8 · ​e ​– 0,01 · t​, t ≥ 0.
(1) [GK]  Begründen Sie qualitativ die Eigen-
schaften des Funktionsgraphen von T in
Abbildung 1 mit den Eigenschaften des in
Abbildung 2 dargestellten Graphen der
Funktion T ’. B7
(2) [GK und LK]  Geben Sie an und be­
gründen Sie, zu welchem Zeitpunkt des
Zeitintervalls [0;120] der Betrag der
Abb. 2
Abkühlungsgeschwindigkeit maximal  
ist. B6
(3) [GK und LK]  Der Graph der Funktion T ’ und die t -Achse schließen im
Inter­vall [0 ; 120] ein Flächenstück ein.
Berechnen Sie den Flächeninhalt dieses Flächenstücks und interpretieren Sie
die Bedeutung dieses Flächeninhalts im Sachzusammenhang. C2
(4) [GK]  Ermitteln Sie die mittlere Abkühlungsgeschwindigkeit des Körpers
während der ersten 120 Sekunden des Abkühlungsvorgangs. A4

Im Leistungskurs war die Teilaufgabe (1) allgemein zu lösen:


Die Abbildung 2 zeigt den zeitlichen Verlauf der Abkühlungsgeschwindig- 
keit T ’ des Körpers K1. Allgemein hat die Funktion T ’ die Gleichung  
T ’ (t) = – k · (​T0​ ​ – ​TR​ ​ ) · ​e ​– k · t​, t ≥ 0.
(1) [LK]  Zeigen Sie, dass T ’ (t) für t ≥ 0 proportional zur Differenz zwischen der
momentanen Temperatur T (t) eines Körpers und der Raumtemperatur ​TR​ ​ ist.
d) (1) [GK und LK]  Bestimmen Sie die mittlere Änderungsrate der Abkühlungs­
geschwindigkeit T ’ des Körpers während der ersten 120 Sekunden des
Abkühlungsvorgangs. 
[Zur Kontrolle:  Der gesuchte Wert ist ungefähr 0,00466 °C/​s ​2​.]
(2) Ermitteln Sie den Zeitpunkt des Abkühlungsvorgangs, zu dem die momen-
tane Änderungsrate der Abkühlungsgeschwindigkeit des Körpers den Wert
der mittleren Änderungsrate seiner Abkühlungsgeschwindigkeit aus (1) hat.
e) [LK]  Ein zweiter Körper K2 mit der Abkühlungskonstante ​k ​2​ = 0,006 ​s ​– 1​ wurde
ebenfalls auf 100 °C erhitzt. Seine Abkühlung in demselben Raum mit der
Raumtemperatur ​TR​ ​ = 20 °C hat schon 120 Sekunden früher begonnen als die
Abkühlung des Körpers K1. B4
(1) Bestimmen Sie die Temperatur, die der Körper K2 zum Zeitpunkt t = 0 hat, wenn
die Abkühlung des Körpers K1 beginnt. 
[Zur Kontrolle: Die gesuchte Temperatur ist ungefähr 59 °C.]
(2) Ermitteln Sie den Zeitpunkt t > 0, zu dem die beiden Körper K1 und K2 dieselbe
Temperatur haben, und begründen Sie die Existenz des gesuchten Zeitpunkts.

Lösungen
a) (1) Der Graph ist streng monoton fallend und linksgekrümmt: Die Temperatur des
Körpers nimmt ausgehend von ​T0​ ​ = 100 °C ständig ab. Die Temperaturabnahme
[pro Sekunde] wird mit zunehmender Zeit [bzw. abnehmender Temperatur]  
immer geringer.
   Original-Abituraufgaben

(2) Einsetzen ergibt:  T (120) = 20 + (100 – 20) · ​e ​– 0,01 · 120​ ≈ 44,1 [°C]. 


Der Körper ist auf etwa 44,1 °C abgekühlt.
(3) Die Temperatur nähert sich für wachsendes t asymptotisch der Raumtemperatur ​
T​ R​ = 20 °C:    
​ lim 
​ T (t) = ​   
lim 
​ (20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​) = 20 [°C].
t → ∞ t → ∞

In der Praxis nimmt der Körper nach endlicher Zeit die Raumtemperatur an.
b) (1) Erste Möglichkeit: Den Term als Differenz von Werten einer Stammfunktion iden­
tifizieren: Man formt den Term so um, wie man es bei der Anwendung des Haupt-
satzes der Differenzial- und Integralrechnung (vgl. C1 ) in umgekehrter Reihen­
folge gewohnt ist:
1   ​  
​ ______ 1   ​  
· (20 · (​t ​2​ – ​t ​1​) – 8000 · (​e ​– 0,01 · ​t​ ​​ – ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​)) = ​ ______ · [20 · t – 8000 · ​e ​– 0,01 · t​] 
​t ​2​
 ​​t​  ​.​ 
 2  1

(​t ​2​ – ​t ​1​) (​t ​2​ – ​t ​1​)  1

In der eckigen Klammer steht eine Stammfunktion der in Teilaufgabe a) gegebenen
Funktion T – dies weisen wir durch Ableiten nach: 
(20 · t – 8000 · ​e​ – 0,01 · t​)’ = 20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​ = T (t).
Damit ist gezeigt, dass für den betrachteten Körper gilt:
​t ​2​

​ _____ 1   ​  
​t​ ​ – ​t​ ​
· ​∫ ​T
​    (t) d t​ = ​ ______
1   ​  
· (20 · (​t ​2​ – ​t ​1​) – 8000 · (​e ​– 0,01 · ​t​ ​​ – ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​))  2  1

2 1
​t​ 1​
(​t ​2​ – ​t ​1​)

Zweite Möglichkeit: Bestimmen einer Stammfunktion und des Mittelwerts:

( ∫  )
​t ​2​ ​t ​2​ ​t ​2​ ​t ​2​

​ _____ 1   ​  
​t2​ ​ – ​t1​ ​
· ​  ​T ∫ 
​   (t) d t​ = ​ _____ 1   ​  
​t2​ ​ – ​t1​ ​
∫ 
· ​  ​(​  20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​) d t​ = ​ _____ 1   ​  
​t2​ ​ – ​t1​ ​
· ​ ​  ​2
​  0 d t​ + ​  ​8 ∫ 
​  0 · ​e ​– 0,01 · t​ d t​  ​
​t ​1​ ​t ​1​ ​t ​1​ ​t ​1​

= ​ ______ 1   ​   ​t ​2​


· [20 · t – 8000 · ​e ​– 0,01 · t​] 
(​t ​2​ – ​t ​1​)  ​​t​ 1​ ​ 

= ​ _____ 1   ​  · (20 · ​t ​2​ – 8000 · ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​ – 20 · ​t ​1​ + 8000 · ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​)


 2  1

​t​ ​ – ​t​ ​
2 1

= ​ _____ 1   ​  · (20 · (​t ​2​ – ​t ​1​) – 8000 · (​e ​– 0,01 · ​t​ ​​ – ​e ​– 0,01 · ​t​ ​​)).


 2  1

​t​ ​ – ​t​ ​
2 1

(2) Einsetzen von ​t​ 1​ = 0 und ​t ​2​ = 120 ergibt: 


1   ​  
​ ____ · (20 · 120 – 8000 · (​e ​– 1, 2​ – 1)) ≈ 66,6.
120
Die mittlere Temperatur beträgt ungefähr 66,6 °C.
(3) Der Graph von T ist im Intervall [​t ​1​ ; ​t ​2​ ], 0 ≤ ​t ​1​ < ​t ​2​ , linksgekrümmt (vgl. Teil­
aufgabe a) (1)). Er verläuft daher unterhalb der Intervallsekante. Das in diesem
Intervall zwischen ihm und der t-Achse liegende Flächenstück hat somit einen
kleineren Flächeninhalt als das Trapez mit den Eckpunkten (​t ​1​ | 0), (​t ​2​ | 0), (​t ​1​ | T (​t ​1​)),  
(​t ​2​ | T(​t ​2​)):
​t ​2​ ​t ​2​
T (​t​ ​) + T(​t​ ​) T (​t​ ​) + T(​t​ ​)
​∫  ​T
​   (t) d t​ < ​ __________
 1
 
 2
  · (​t ​2​ – ​t ​1​) ⇒ ​ _____
​   1   ​  
​t​ ​ – ​t​ ​
· ​∫ ​T
​    (t) d t​ < ​ __________
 1
 
 2
​. 
 
​t ​1​
2  2  1
​t ​1​
2

c) (1) Der Graph von T ’ in Abbildung 2 ist streng monoton steigend; daher ist der Graph
von T linksgekrümmt. Der Graph von T ’ in Abbildung 2 verläuft unterhalb der
t-Achse, d. h. T ’ (t) < 0 für alle t ≥ 0; daher ist der Graph von T streng monoton
fallend.
Analysis 



(2) Da der Graph von T ’ im Intervall 0 ≤ x ≤ 120 streng monoton steigt, liegt das
Minimum von T ’ am linken Rand des Intervalls. Da T ’ (t) negativ ist, bedeutet dies,
dass der Betrag von T ’ am linken Rand maximal ist.
Formaler Nachweis, dass der Graph von T ’ streng monoton steigend ist: Für die
Ableitung von T ’ gilt: T ’’ (t) = 0,008 · ​e ​– 0,01 · t​, also für alle t ≥ 0 gilt: T ’’ (t) > 0;
hieraus folgt dann die strenge Monotonie des Graphen von T ’.
(3) Der Flächeninhalt des zwischen dem Graphen von T und der t-Achse eingeschlos-
senen Flächenstücks ist

|  |
120

A = ​ ​∫ ​  ​T ’ (t) d t​ ​ = ​| [T (t)]​120
  |​ ≈ ​| 44,1 – 100 |​ = 55,9 [°C].
0  ​  
 
0

Dieser Flächeninhalt gibt den Betrag der Temperaturabnahme des Körpers im


Zeitintervall [0 ; 120] an.
(4) Die mittlere Abkühlungsgeschwindigkeit des Körpers im Zeitintervall [0 ; 120] ist
T (120) – T (0)
20 + 80 · ​e​ ​ – 100  – 1, 2
​ ___________
     _______________
  ​ = ​       ​ ≈ – 0,466 [°C/s].
 
120 – 0 120

Lösung der LK-Teilaufgabe:


(1) T (t) = ​TR​ ​ + (​T0​ ​ – ​TR​ ​ ) · ​e ​– k · t​ ⇔ (​T0​ ​ – ​TR​ ​ ) · ​e ​– k · t​ = T (t) – ​TR​ ​ . Mit T ’ (t) = – k · (​T0​ ​ – ​TR​ ​ ) · ​e ​– k · t​
folgt T ’ (t) = – k · (T (t) – ​TR​ ​ ), also die gesuchte Proportionalität.
d) (1) Die mittlere Änderungsrate der Abkühlungsgeschwindigkeit im Zeitintervall
[0 ; 120] beträgt
T ’ (120) – T ’ (0) – 0,01 · 80 · ​e ​– 1, 2​ + 0,01 · 80 · ​e0​ ​
​ ____________
  
    _______________________
​ = ​     
    ​ ≈ 0,004 66 [°C/​s2​ ​].
120 – 0 120

(2) Die momentane Änderungsrate der Abkühlungsgeschwindigkeit ist die Ab­


leitung T ’’ der Funktion T ’ mit der Gleichung T ’’ (t) = 0,008 · ​e ​– 0,01 · t​, t ≥ 0. 
Der gesuchte Zeitpunkt t ergibt sich aus dem Ansatz T ’’ (t) = 0,004 66:
0,008 · ​e ​– 0,01 · t​ = 0,004 66 ⇔ ​e ​– 0,01 · t​ = 0,5825
⇔ – 0,01 · t = ln 0,5825
⇔ t ≈ 54,04.
Nach ungefähr 54 s ist die momentane  
Änderungsrate der Abkühlungsgeschwindig- 
keit des Körpers genau so groß wie die  
mittlere Änderungsrate innerhalb der ersten  
120 Sekunden des Abkühlungsvorgangs.

e) (1) Die gesuchte Temperatur des Körpers K2 nach einer Abkühlungszeit von 120 s ist ​
T​ 2​ (120) = 20 + 80 · ​e ​– 0,006 · 120​ = 20 + 80 · ​e ​– 0,72​ ≈ 58,9 [°C].
(2) Die Temperatur des Körpers K2 kann beschrieben werden durch die Funktion ​T2​ ​
mit der Gleichung ​T2​ ​ (t) = 20 + 80 · ​e ​– 0,006 (t + 120)​, die Temperatur des Körpers K1 wie
bisher durch die Funktion T mit der Gleichung T (t) = 20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​.
​T​ 2​ (t) = T (t) ⇔ 20 + 80 · ​e ​– 0,006 (t + 120)​ = 20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​
⇔ – 0,006 · (t + 120) = – 0,1 · t
⇔ t = 180.
   Original-Abituraufgaben

Drei Minuten, nachdem K1, bzw. fünf  


Minuten, nachdem K2 beginnt, sich
abzukühlen, haben die beiden Körper  
die gleiche Temperatur. 
[Es kann auch mit dem Ansatz  
20 + (59 – 20) · ​e​ – 0,006 t)​ ≈ 20 + 80 · ​e ​– 0,01 · t​
auf der Basis des Kontrollergebnisses
gearbeitet werden.] 
Begründung der Existenz des gesuchten
Zeitpunkts: 
Der Körper K2 hat eine kleinere Abküh-
lungskonstante und zum Zeitpunkt t = 0
eine geringere Temperatur [​T2​ ​ (0) ≈ 59 °C]
als der Körper K1 [T (0) = 100 °C].

Aufgabe B    Analysis
Gegeben sind die beiden Funktionen f und g
mit den Gleichungen f (x) = 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​, x ∈ R,
und g (x) = ​x3​ ​ · ​e ​– x​, x ∈ R. Die Graphen der
beiden Funktionen sind in der Abbildung 1
dargestellt.

a) (1) [GK]  Untersuchen Sie den Verlauf  


der Graphen von f und g für  
x → – ∞. E3
(2) Begründen Sie, dass die Graphen  
den richtigen Funktionstermen Abb. 1
zu­ge­ordnet wurden.
b) (1) [GK und LK]  Berechnen Sie die Koordinaten der Schnittpunkte der Graphen
von f und g. B4
(2) [GK und LK]  Zeigen Sie, dass bei einer der Schnittstellen das Maximum von
g liegt. Hierbei dürfen Sie g ’’ (x) = (​x3​ ​ – 6 ​x2​ ​ + 6 x) · ​e ​– x​ ohne Nachweis
verwenden. B6   E3
[Zur Kontrolle:  g ’ (x) = (– ​x3​ ​ + 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​]
(3) [GK] In Abbildung 2 ist der Graph
der Ableitungsfunktion f ’ darge- 
stellt. B7   E3
Prüfen Sie mit Hilfe der Zeichnung,
ob der Schnittpunkt aus b (2) ein
Wendepunkt des Graphen von f ist.

Abb. 2
Analysis 



c) (1) [GK und LK]  Bestimmen Sie die Stelle ​x ​D​ aus dem Intervall [0 ; 3], an der sich
die Funktionswerte von f__und g am stärksten unterscheiden. B6
[Zur Kontrolle:  ​x ​D​ = 3 – ​√ 3 ​] 
(2) [GK]  Geben Sie die Differenz der betreffenden Funktionswerte an.
(3) [LK]  Zeigen Sie: An den Stellen, an denen sich die Funktionswerte zweier
beliebiger differenzierbarer Funktionen am stärksten unterscheiden, sind die
Tangenten parallel. A1   A3

d) (1) [LK]  Zeigen Sie, dass g eine Stammfunktion der durch d (x) = f (x) – g (x)
gegebenen Differenzfunktion d ist. C1
(2) Ermitteln Sie den Flächeninhalt A des von den Graphen von f und g im
Intervall [0 ; 3] eingeschlossenen Flächenstücks. C2

e) [GK]  Es gibt eine Parallele zur y-Achse mit der Gleichung x = u, 0 < u < 3, die
das Flächenstück aus Teilaufgabe d) (2) halbiert.
(1) Weisen Sie nach, dass für dieses u gilt:  g (u) ≈ 0,672.
(2) Ermitteln Sie einen Näherungswert für u.
f) [LK]  Mit einer ganzrationalen Funktion h lassen sich f und g verallgemeinern zu ​
f​h​ (x) = h ’ (x) · ​e ​– x​, x ∈ R, und ​g ​h​ (x) = h (x) · ​e ​– x​, x ∈ R.
(1) Zeigen Sie, dass ​g ​h​ eine Stammfunktion der Differenzfunktion ​dh​ ​ mit der
Gleichung ​dh​ ​ (x) = ​fh​ ​ (x) – ​g ​h​ (x), x ∈ R, ist. A2   C1
(2) Zeigen Sie, dass sich die Graphen der Funktionen ​fh​ ​ und ​g ​h​ an den Stellen
schneiden, an denen der Graph der Funktion ​g ​h​ die Steigung 0 hat.
g) [LK]  Für die eingangs definierten Funktionen f und g (mit f (x) = 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​,  
g (x) = ​x​3​· ​e ​– x​) sei die Funktion d die Differenzfunktion der Funktionen f und g.
Nach c) (1) ist die Funk­tion g eine Stammfunktion von d. C6

Bestimmen Sie das Integral ​∫  ​  ​d (x) d x​ und interpretieren Sie den Wert des Integrals.
0

h) [LK]  Sei h eine ganzrationale Funktion.


Die Funktion ​g ​h​ habe die Gleichung ​
g​h​ (x) = h (x) · ​e ​– x​, x ∈ R.
(1) Die Funktion ​G ​h​ mit der Gleichung  
​G ​h​ (x) = – [h (x) + h ’ (x) + h ’’ (x)  
+ h ’’’ (x)] · ​e ​– x​
sei eine Stammfunktion von ​g​ h​.
Ermitteln Sie, welche Folgerung sich
daraus für den Grad der ganzratio-
nalen Funktion h ergibt. A2   C1
(2) In Abbildung 3 ist der Graph  
einer Beispielfunktion ​g​ h​ abge- 
bildet. B6   B7
Skizzieren Sie in dasselbe Koor­
dinatensystem den Graphen einer Abb. 3
Stammfunktion ​G ​h​ von ​g ​h​ und
erklären Sie Ihre Vorgehensweise.
   Original-Abituraufgaben

Lösungen
a) (1) Graph von f:     
​ lim ​ 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​ = ∞,  da     
x → – ∞
​ lim ​ 3 ​x2​ ​ = ∞  und     
x → – ∞
​ lim ​ ​e​ – x​ = ∞.
x → – ∞

   
Graph von g:  ​ lim 
x → – ∞
​ ​x​3​ · ​e ​– x​ = – ∞,  da     
​ lim ​ ​x​3​ = – ∞  und     
x → – ∞
​ lim ​ ​e​ – x​ = ∞.
x → – ∞

(2) Aus dem Funktionsterm von f lässt sich erkennen, dass der Graph von f höchstens
zwei Extrempunkte hat. Da diese in der Abbildung zu erkennen sind, kann sich der
angedeutete Verlauf für x → – ∞ nicht mehr ändern und entspricht der Überlegung
aus (1).
Aus dem Funktionsterm von g lässt sich erkennen, dass der Graph von g höchstens
drei Extrempunkte hat. In der Abbildung sind ein Extrempunkt und ein Sattelpunkt
zu erkennen. Da die Ableitungsfunktion bei dem Sattelpunkt eine doppelte Null-
stelle haben muss, kann sich der angedeutete Verlauf für x → – ∞ nicht mehr
ändern und entspricht der Überlegung aus (1).

b) (1) f (x) = g (x) ⇔ 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​ = ​x3​ ​ · ​e ​– x​ ⇔ ​e ​– x​ · (3 ​x2​ ​ – ​x3​ ​) = 0 ⇔ ​e ​– x​ · ​x2​ ​ · (3 – x) = 0 


⇔ x = 0 ∨ x = 3 (da ​e ​– x​ ≠ 0 für alle x ∈ R). 
Also schneiden sich die Graphen in den Punkten ​S ​1​ (0 | 0) und ​S ​2​ (3 | 27 ​e ​– 3​).
(2) g’ (x) = (​x​3​)’ · ​e ​– x​ + ​x3​ ​ · (​e ​– x​)’ = 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​ – ​x3​ ​ · ​e ​– x​ = (3 ​x2​ ​ – ​x3​ ​) · ​e ​– x​ = ​e ​– x​ · ​x2​ ​ · (3 – x)
Notwendige Bedingung:  g’ (x) = 0 ⇔ x = 0 ∨ x = 3  (vgl. (1)).
Hinreichende Bedingung:
Alternative 1:  Untersuchung mithilfe der 2. Ableitung
g’’ (x) = (6 x – 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​ + (3 ​x2​ ​ – ​x3​ ​) · ​e ​– x​ · (– 1) = (​x3​ ​ – 6 ​x2​ ​ + 6 x) · ​e ​– x​  
= x · (​x2​ ​ – 6 x + 6) · ​e ​– x​.
g’’ (0) = 0 – das Kriterium mit der 2. Ableitung ist nicht anwendbar!
g’’ (3) = 3 · (9 – 18 + 6) · ​e ​– 3​ = – 9 · ​e ​– 3​ < 0,
also liegt an der Stelle x = 3 ein lokales Maximum vor und ​S ​2​ (3 | 27 ​e ​– 3​) ist Hoch-
punkt von g.
Alternative 2:  Untersuchung von g’ (x) auf Vorzeichenwechsel

Intervall Vorzeichen von g’ (x): Monotonie:


​ ​ – x​ · ​x2​ ​ · (3 – x)
e Graph ist streng monton
x < 0 (+) · (+) · (+) = (+) steigend
0 < x < 3 (+) · (+) · (+) = (+) steigend
x > 3 (+) · (+) ·  (–) = (–) fallend

Da an der Stelle x = 0 kein VZW der 1. Ableitung vorliegt, kann dort keine Extrem-
stelle sein. An der Stelle x = 3 liegt ein Maximum vor, weil der Graph dort sein
Monotonieverhalten ändert (von steigend zu fallend).
(3) Zu untersuchen ist, ob an der Stelle des Maximums von g eine Wendestelle von f
vorliegt. Notwendige Bedingung hierfür wäre: f ’’ (3) = 0, d. h., die Steigung von f ’
an der Stelle x = 3 ist gleich null.
An dem Graphen von f’ kann man ablesen, dass f’(3) negativ ist; also kann dort
keine Wendestelle vorliegen.
Rechnerischer Nachweis: 
f ’ (x) = (6 x – 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​;  f ’’ (x) = (6 – 6 x – 6 x + 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​ = (6 – 12 x + 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​;  
f ’’ (3) = (6 – 36 + 27) · ​e ​– 3​ = – 3 · ​e ​– 3​ < 0.
Analysis 



c) (1) d (x) = f (x) – g (x) = (3 ​x2​ ​ – ​x3​ ​) · ​e ​– x,​


d ’ (x) = (6 x – 3 ​x2​ ​ – 3 ​x2​ ​ + ​x3​ ​) · ​e ​– x​ = (​x3​ ​ – 6 ​x2​ ​ + 6 x) · ​e ​– x​,
d ’’ (x) = (3 ​x2​ ​ – 12 x + 6 – ​x3​ ​ + 6 ​x2​ ​ – 6 x) · ​e ​– x​ = (– ​x3​ ​ + 9 ​x2​ ​ – 18 x + 6) · ​e ​– x​.
Gesucht ist das lokale Maximum von d im Intervall [0 ; 3]; dies ist auch das absolute
Maximum, da sich die Graphen der beiden Funktionen in x = 0 und in x = 3
schneiden, d. h. dort Nullstellen der Differenzfunktion vorliegen.
Notwendige Bedingung:
d ’ (x) = 0 ⇔ ​x3​ ​ – 6 ​x__
​ ​ + 6 x = 0 ⇔ x · (​x2​ ​ – 6 x + 6) = 0 ⇔ x = 0 ∨ ​
2
__ x2​ ​ – 6 x + 6 = 0  
⇔ x = 0 ∨ x = 3 – ​√ 3 ​ ≈ 1,27 ∨ x = 3 + ​
  √ 3 ​ ≈ 4,73
 
Da an der Stelle x = 0 eine Nullstelle
der Differenzfunktion vorliegt (also
die Differenz gleich null ist),
__ entfällt
x = 0. Die Stelle x = 3 + ​√ 3 ​ entfällt
 
ebenfalls, da sie nicht im betrach­
teten Intervall liegt; dort ist die
Differenz negativ.

Hinreichende Bedingung:
Alternative 1: 
__ Untersuchung mithilfe der 2. Ableitung __
d ’’ (3 – ​√ 3 ​) ≈ d 
  ’’ (1,27) ≈ – 1,236 < 0 ⇒ d hat an der Stelle x = 3 – ​√ 3 ​ ein
  lokales
Maximum.
Alternative 2:  Untersuchung von d ’ (x) auf Vorzeichenwechsel

Intervall Vorzeichen von Monotonie:


d ’ (x) = x · (​x2​ ​ – 6 x + 6) · ​e ​– x​ Graph ist streng monton
__
0 < x < 3 – ​√ 3 ​  d ’ (1) = 1 · 1 · ​e ​– 1​ > 0 steigend
__ __
3 – ​√ 3 ​ < x < 3 + ​
  √ 3 ​  d ’ (2) = 2 · (– 2) · ​e​ ​ < 0
 – 2
fallend
__
Da der Graph der Differenzfunktion d an der Stelle x = 3 – ​√ 3 ​ sein   Monotonie­
verhalten ändert (von steigend zu fallend), liegt dort ein lokales Maximum vor.
__
(2) Die Differenz der betreffenden Funktionswerte ist d (3 – ​√ 3 ​) ≈ 0,784.  
__
(3) Es gilt: d __’ (3 – ​√ 3 ​) = 0.
  __ Da d ’ (x) = f ’ (x) – g __ ’ (x) (nach __ Differenzregel, vgl. A1 ), gilt:
f ’ (3 – ​√ 3 ​) – g 
  ’ (3 – ​√ 3 ​) = 0,
  also f ’ (3 – ​√ 3 ​) = g 
  ’ (3 – ​√ 3 ​),
 
d. h. die Tangentensteigungen sind gleich, die Tangenten also zueinander parallel.
d) (1) Zu zeigen ist g ’ (x) = d (x), aus Teilaufgabe b) ist bekannt, dass  
g ’ (x) = (– ​x3​ ​ + 3 ​x2​ ​) · ​e ​– x​ ist.  
Somit gilt g ’ (x) = 3 ​x2​ ​ · ​e ​– x​ – ​x3​ ​ · ​e ​– x​ = f (x) – g (x) = d (x).
3

(2) A = ​∫ ​d
​    (x) d x​ = [g (x)]​ 30​ = 27 · ​
   e ​– 3​ ≈ 1,344.
0
3

e) (1) In d) (2) wurde gezeigt:  A = ​∫ ​d


​    (x) d x​ = [g (x)]​ 30​ = 27 · ​
   e ​– 3​ ≈ 1,344.
0 u

Gesucht ist das u, 0 < u < 3, für das gilt:  ∫ ​    (x) d x​ = ​ ___


​  ​d 27  – 3
  ​ · ​e​ ​ ≈ 0,672:
0
2
u

∫ 
​  ​ ​d (x) d x​ = [g (x)]​u 0 ​ = g (u) – g (0) = g (u),
  also g (u) ≈ 0,672, (da g (0) = 0).
0
10   Original-Abituraufgaben

(2) In Abbildung 1 lässt sich zum Wert  


g (u) ≈ 0,672 näherungsweise die
Stelle u ≈ 1,4 ermitteln. 
[Einen genaueren Wert (u ≈ 1,394 )
erhält man z. B. durch Probieren mit
dem Taschenrechner.]

Vergrößerte Grafik
f) (1) Nach Produkt- und Kettenregel gilt für die Ableitung von ​g h’​ ​ :
​g h’​ ​ (x) = h ’ (x) · ​e ​– x​ + h (x) · (​e ​– x​)’ = h ’ (x) · ​e ​– x​ – h (x) · ​e ​– x​ = ​fh​ ​ (x) – ​g ​h​ (x).
(2) In (1) wurde gezeigt: ​g h’​ ​ (x) = ​fh​ ​ (x) – ​g ​h​ (x), also gilt:
​g h’​ ​ (x) = 0 ⇔ ​fh​ ​ (x) – ​g ​h​ (x) = 0 ⇔ ​fh​ ​ (x) = ​g ​h​ (x).
g) Nach c) (1) ist die Funktion g mit der Gleichung g (x) = ​x3​ ​ · ​e ​– x​ eine Stammfunktion  
von d.
k k

​∫  ​d
​   (x) d x​ = ​∫ ​  ​(3 ​x2​ ​ – ​x3​ ​) · ​e ​– x​ d x​ = [​x3​ ​ · ​e ​– x​] k0​   ​ = ​k3​ ​ · ​e ​– k​.
0 0

Grenzwertbildung liefert ​    ​ ​k​3​ · ​e ​– k​ = 0.


lim 
k → ∞

Der Inhalt der Fläche zwischen dem


Graphen von f und dem Graphen  
von g im Intervall [0 ; 3] ist genauso
groß wie der Inhalt des nach rechts
unbegrenzten Flächenstücks zwischen
den Graphen von f und g.

h) (1) Nach Voraussetzung ist ​G ​h​ eine Stammfunktion für ​g ​h​ , d. h., es gilt:
​G’​  h​ ( x) = ​g  ​h​ ( x).
Nach Produkt- und Kettenregel ergibt sich für die Ableitung ​Gh’​ ​ (x):
​G’​  h​ ( x) =  – [h’ (x) + h’’ (x) + h’’’ (x) + h’’’’ (x)] · ​e ​ ​ + [h (x) + h’ (x) + h’’ (x) + h’’’ (x)] · ​e ​ ​ 
 – x  – x

= [h (x) – h’’’’ (x)] · ​e​ ​.
 – x

Die Bedingung ​Gh’​ ​ (x) = ​g ​h​ (x) bedeutet:  [h (x) – h’’’’ (x)] · ​e ​– x​ = h (x) · ​e ​– x​.


Dies ist nur dann richtig, wenn für alle x ∈ R gilt:
h’’’’ (x) = 0 (konstante Funktion mit Wert 0)
.
Da h eine ganzrationale Funktion sein soll, bedeutet dies: 
h’’’ ist eine konstante Funktion, h’’ eine lineare Funktion, h’ eine quadratische
Funktion und daher h eine kubische Funktion, also eine ganzrationale Funktion
3. Grades. Die Bedingung gilt erst recht, wenn h „nur“ eine quadratische, lineare
oder konstante Funktion ist.
Analysis 

11

(2) Zwischen dem Graphen einer Funktion und dem Graphen einer Stammfunktion
bestehen folgende Zusammenhänge:

Graph von ​g ​h​ Graph von ​G ​h​


verläuft oberhalb der x-Achse  streng monton steigend 
(hier:  x < – 1; 0 < x < 2)
verläuft unterhalb der x-Achse  streng monoton fallend 
(hier:  – 1 < x < 0; x > 2)
Nullstelle  Stelle mit horizontaler Tangente 
(hier:  x = – 1; x = 0; x = 2)
Nullstelle mit Vorzeichenwechsel von + nach –  lokales Maximum 
(hier:  x = 0)
Nullstelle mit Vorzeichenwechsel von – nach +  lokales Minimum 
(hier:  x = – 1; x = 2)
lokales Minimum  (hier:  x ≈– 0,7; x ≈ 3,9) R-L-Wendestelle
lokales Maximum  (hier:  x ≈ 0,8) L-R-Wendestelle
streng monoton steigend  linksgekrümmt 
(hier:  – 0,7 < x < 0,8; x > 3,9)
streng monoton fallend  rechtsgekrümmt 
(hier:  x < – 0,7; 0,8 < x < 3,9)
12   Original-Abituraufgaben

Aufgabe C    Analytische Geometrie


Die deutsche Künstlerin Isa Genzken arbeitet
unter anderem mit geometrischen Formen
und Maßstabsverschiebungen. Auf der etwas
geneigten Fläche vor der Bielefelder Stadt-
halle steht ihre Skulptur „Spiegel“. Die
Skulptur besteht aus einem Rahmen und
zwei teleskopartigen Stützen. Im Folgenden
wird lediglich der vereinfachte geometrische
Sachverhalt der Skulptur behandelt.
Die Punkte A (– 5 | 6 | 34), B (15 | 6 | 34) und
C (15 | – 2 | 2) bilden drei Ecken des Rahmens.
Die Koordinaten sind in Metern angegeben,
die dritte Koordinate beschreibt Höhen­
meter.
Angenommen, jemand würde erwägen, in
den Rahmen eine Spiegelfläche einzusetzen.

a) [GK]  Die Ebene ​E​ABC​ enthält die Punkte A,


B und C, sie würde die Spiegelfläche der
Skulptur enthalten.
(1) Erstellen Sie eine Gleichung von ​EA​ BC​ in Parameterform und berechnen Sie,
ob der Punkt D(– 5 | – 2 | 2) in ​EA​ BC​ liegt. G3
(2) Zeigen Sie, dass das Dreieck ABC rechtwinklig ist. F2
(3) Untersuchen Sie, ob eine Spiegelflächengröße von 650 ​m2​ ​ für den recht­
eckigen Rahmen ABCD ausreichen würde.
(4) Erklären Sie, mit welchen Schwierigkeiten bei einer entsprechenden Ver­
spiegelung zu rechnen wäre.
b) Die geneigte Fläche F, auf der die Skulptur steht, hat die Ebenengleichung 
F : 0 · x + y + 6 · z = 10.
(1) [LK]  Begründen Sie im Kontext, warum der Punkt D in der Ebene ​EA​ BC​ liegen
muss. Berechnen Sie eine Gleichung von ​EA​ BC​ in Koordinatenform. Berechnen
Sie dann, ob die Punkte ​D1​ ​ (6 | 2 | 2) und ​D2​ ​ (5 | 5 | 2,5) in dieser Ebene liegen. G4
(2) [LK]  Der Spiegel soll rechtwinklig sein. F1
Begründen Sie, warum der in (1) bestimmte Punkt D nicht korrekt ist, und
bestimmen Sie den Punkt D, so dass ABCD ein Rechteck ist.
(3) Erklären Sie, was es bedeutet, dass bei der Ebenengleichung von F der
Koeffizient vor x null ist. G4
(4) Der untere Rand des Rahmens liegt auf der Schnittgeraden der Ebenen ​EA​ BC​
und F. G5
Leiten Sie eine Gleichung der Schnittgeraden der Ebenen ​EA​ BC​ und F her.
(5) Überprüfen Sie, ob der Punkt D aus Teilaufgabe a) in der Ebene F liegt. G4

c) Eine Stütze beginnt im Punkt ​S​1​ (11 | 22 | – 2), hat die Richtung des Vektors
_
​›
(  )
​v ​ = ​
  0
​   ​ 
   – 4 
9
   ​ und endet im Befestigungspunkt ​T1​ ​ am Rahmen.

(1) [GK und LK]  Bestimmen Sie rechnerisch die Koordinaten von ​T1​ ​ und be­
rechnen Sie die Länge der Stütze. [Zur Kontrolle:  ​T1​ ​ (11 | 6 | 34)] G5
Geometrie/Matrizen 

13

(2) [GK]  Die obere Rahmenkante müsste zwischen den Befestigungspunkten ​T1​ ​
und ​T2​ ​ vor Einsetzen der Spiegelfläche verstärkt werden. Der Befestigungs-
punkt ​T2​ ​ soll ebenso weit von A entfernt sein wie ​T1​ ​ von B. 
Ermitteln Sie die Koordinaten von ​T2​ ​ und den Abstand zwischen ​T1​ ​ und ​T2​ ​ . F3
(3) [LK]  Bestimmen Sie den Winkel, in dem die Stütze auf die Ebene ​EA​ BC​ trifft. H1

d) Auf dem Photo ist nicht genau zu erkennen, wo der Punkt ​S2​ ​ für die zweite
Stütze liegt.
Nehmen Sie an, dass ​S2​ ​ (– 1 | – 1 | 2) ist.
(1) [GK und LK]  Beurteilen Sie, ob ​S1​ ​ und ​S2​ ​ auf verschiedenen Seiten des
Spiegels liegen, und bestimmen Sie, welcher der beiden Befestigungspunkte
näher an ​EA​ BC​ liegt. G1
(2) [LK]  Bestimmen Sie den Abstand von ​S2​ ​ zu ​EA​ BC​ . H3
(3) [LK]  Zur besseren Stabilität könnte die Stütze ​T2​ ​ ​S​2​ auch auf die andere Seite
des Spiegels gestellt werden. G7
Ermitteln Sie die Koordinaten des Spiegelpunktes ​S ’​  2​ , der durch Spiegelung
von ​S2​ ​ an ​EA​ BC​ entsteht. 
[Zur Kontrolle:  ​S ’​  2​ ( – 1 |  –  2,88 |  2 ,47)] 
Prüfen Sie, ob ​S ’​  2​ als Befestigungspunkt einer Stütze geeignet ist.

Lösungen
a) (1) Aus den Koordinaten der Punkte A, B, C kann man auf vielfältige Weise eine
Parameterdarstellung gewinnen, z. B. durch
_
​› ​___›
​x ​ = ​   
​___›
   OA​ + r · ​   
​___›
AB​ + s · ​
AC​ = ​
– 5
 
   ​ 
(  ) ( 
15 + 5
   
6  ​   ​ + r · ​    
34
​  6 – 6 
34 – 34
 
​  
 
15 + 5
  
​ + s · ​    ) (  ) (  ) (  ) (  )
​– 2 – 6 
2 – 34
 ​  
– 5
 
​ = ​  
20
 
​ 6  ​   ​ + r · ​ ​ 
34 0
  
0  ​   ​ + s · ​   
20
​ – 8 
– 32
 ​  
 ​.

Gesucht ist die Lösung des Gleichungssystems


– 5
 
​  
34
(  ) (  ) (  ) (  ) (  ) (  ) (  )
20
 
​ 6  ​   ​ + r · ​  
  
​0  ​   ​ + s · ​   
0
20
​ – 8 
– 32
 ​  
– 5
 
 ​ = ​ – 2 
 
2
20
 
​  ​   ​ ⇔ r · ​  
  
​0  ​   ​ + s · ​   
0
20
​ – 8 
– 32
 ​  
  
 ​ = ​   
0
​ – 8 
– 32
  ​  
 ​


r + s = 0
   
⇔ ​   
​ s = 1 
s = 1
| |  |
r = – 1
  
​ ⇔ ​  
 ​  
  ​s = 1 
s = 1
 ​  
 
s = 1 | 
​ r = – 1 ​  
​ ⇔ ​ ​, |
d. h., der Punkt D liegt in der durch A, B, C bestimmten Ebene.
(2) Mithilfe des Skalarprodukts ist zu prüfen, ob zwei der drei Seiten AB, BC, CA
zueinander senkrecht stehen:
​___›
​AB​ = ​     
20
(  )
  ​___›
​0  ​   ​,  BC​ = ​
0
​      
  
(  )
0
​ – 8 
– 32
  ​  
​___›
 ​,  CA​ = ​
​      
– 20
  
(  )
​ 8  ​  
32
  ​.

20
(  ) (  ) 0
_​ __› _​ __›      _​ __› _​ __›
Offensichtlich gilt: ​AB​   ∗ ​AB​ = ​     ​0  ​   ​ ∗ ​   
​ – 8   ​ = 0, also gilt: ​AB​   ⊥ ​BC​  
  ​   .
0 – 32
Das Dreieck ABC ist also rechtwinklig und der rechte Winkel liegt bei B.
​___› ​___› ____________
​   |​ = 20 und ​| BC​ 
(3) Mit ​| AB​  ​   |​ = ​√ (– 8​)2​ ​ + (32​   )2​ ​ ​ ≈ 32,98 ist die Rechtecksfläche ​A ​R​  
ca. 20 m · 32,98 m = 659,6 ​m2​ ​ groß. Für die Spiegelfläche werden also mehr als
650 ​m2​ ​ benötigt.
(4) Die Stahlstützen der Skulptur würden zum einen durch die Masse der Spiegelfläche
belastet. Eine weitere Belastung wäre durch den großen Windwiderstand einer
derartigen Spiegelfläche gegeben.
14   Original-Abituraufgaben

b) (1) Eine Ebene ist durch Angabe von drei Punkten vollständig festgelegt. D muss in ​EA​ BC​
liegen, damit der Rahmen eine ebene Figur bildet und nicht „schief“ ist.
Um aus der Parameterdarstellung für die
​_›
Ebene eine Koordinatengleichung zu
entwickeln, muss ein Normalenvektor ​n ​ bestimmt
   werden, d. h., es muss gelten:
​_› 20
 
​n ​   ⊥ ​   (  ) ​_›
​0  ​   ​ und ​n ​   ⊥ ​    (  )
  20
​ – 8   ​  
 ​. Offensichtlich erfüllt ​n ​ = ​ (  ) ​_›   0
​  4  ​  
      ​ diese Bedingung.

(  ) (  )
0 – 32 – 1
​_› ​_›
​E​ABC​ : ​n ​   ∗ ​x ​ = ​
    
 
– 1
0  ​x1​ ​ ​_› ​_›
 ​ ∗ ​  ​ 
​  4  ​   (  ) (  )
​x2​​  ​​ = ​n ​   ∗ ​a ​ = ​
​x3​ ​
    
 
– 1
0 – 5
 
 ​ ∗ ​  
​  4  ​   ​ 6  ​   ​ = 10, also ist
34
​E​ABC​ : 4 y – 1 z = – 10 eine Koordinatengleichung für die Ebene.
Einsetzen der Koordinaten der Punkte ​D1​ ​ und ​D2​ ​ ergibt:
​D​1​ (– 6 | – 2 | 2): 4 · (– 2) – 2 = – 8 + 2 = 10, d. h. ​D1​ ​ liegt in der Ebene.
​D​2​ (– 5 | – 5 | 2,5): 4 · (–5) – 2,5 ≠ 10, d. h. ​D2​ ​ liegt nicht in der Ebene.


​___› ​___›
(2) Es gilt ​DA​   · ​DC​ = ​
   ​  
1
 
(  ) (  )
20
 
8  ​   ​ · ​ ​ 
0  ​   ​ = 20 ≠ 0. ABCD ist nicht rechtwinklig.

(  ) (  ) (  )
32 0
​__› ​__› ​___› – 5
     0 – 5
 
Aus der Rechteckeigenschaft folgt:  ​x​D ​​ = ​   ​x​A ​​ + ​
  BC​ = ​ ​ 6  ​   ​ + ​   
     ​ – 8 
  ​  
 ​ = ​  
​  ​   ​.
– 2 
34 – 32 2

(3) Wenn der Koeffizienten von x gleich null ist, bedeutet dies, dass man für x be­
liebige Zahlen einsetzen kann; daher liegen die x-Achse und die Ebene F parallel
zueinander.
(4) Gemeinsame Punkte von ​EA​ BC​ und F müssen beide Gleichungen der Ebenen erfül-
len. Die in a) bestimmte Parameterdarstellung der Ebene ​EA​ BC​ kann notiert werden
in der Form: 
x = – 5 + 20 r + 20 s;  y = 6 – 8 s;  z = 34 – 32 s.
Eingesetzt in die Koordinatengleichung der Ebene F ergibt: 
y + 6 z = (6 – 8 s) + 6 · (34 – 32 s) = 10 ⇔ 6 – 8 s + 204 – 192 s = 10  
⇔ – 200 s = – 200 ⇔ s = 1.

​_›
Eingesetzt in ​EA​ BC​ ergibt sich:  g : ​x ​ = ​
    
– 5
  20
 
​ 6  ​   ​ + r · ​  
34
(  ) (  ) (  ) (  ) (  )
  
​0  ​   ​ + ​   
0
0
​ – 8 
– 32
  ​  
– 5
 
 ​ = ​ – 2 
20
 
​  ​   ​ + r · ​  
 
2
​0  ​   ​.
0

(5) Punktprobe: Einsetzen der Koordinaten von D (– 5 | – 2 | 2) in die Koordinaten­


gleichung y + 6 z = 10: – 2 + 6 · 2 = 10, d. h. D ∈ F.

​_›
c) (1) Gerade längs der Stütze 1:  ​g​1​: ​x ​ = ​​
​_› ​_›
   x ​​ ​S ​ ​​ + r · ​v ​ = ​
1
    
11
 
(  )  
​ 22  ​  ​ + r · ​  
– 2
0
(  )
​   ​ 
– 4 
9
   ​  (r ∈ R).

– 5
(  ) 20
(  )
​_› ​_› _​ __›    
Gerade durch A und B:  ​gA​ B​: ​x ​ = ​​
   x ​​ A  ​ + s · ​AB​ = ​      ​ 6  ​   ​ + s · ​  
​0  ​   ​  (s ∈ R).
34 0
Bestimmung des Schnittpunkts:
11
 
​   (  ) (  ) (  ) (  ) | 
 
​ 22  ​  ​ + r · ​  
– 2
0
​   ​ 
– 4 
9
– 5
 
   ​ = ​  
20
 
​ 6  ​   ​ + s · ​  
34 0
– 20 s = – 16
    
​0  ​   ​ ⇔ ​    
​ – 4 r = – 16
  
  
9 r = 36
 ​   | | 
s = 0,8
   
​ ⇔ ​   
​ r = 4 
r = 4
 ​  
  |
​  r = 4 
s = 0,8 | 
​ ⇔ ​  ​  
​. |
Einsetzen in eine der beiden Parameterdarstellungen:
11
 
​ ​   (  ) (  ) (  )
  0
22  ​  ​ + 4 · ​ – 4 
– 2
​   ​ 
 
9
11
 
   ​ = ​ ​ 
– 5
 
6 ​   ​  bzw.  ​ ​ 
34
(  ) 20
 
6  ​   ​ + 0,8 · ​ ​ 
34 0
(  ) (  ) 11
 
0  ​   ​ = ​ ​ 6 ​   ​,
34
also ​T1​ ​ (11 | 6 | 34).
Geometrie/Matrizen 

15

Die Länge der Stütze ist


11
 
​| ​S1​ ​ ​T​1​ |​ = ​​   | (  ) (  ) (  ) | |  (  ) |
  0
​ 22  ​  ​ + 4 · ​ – 4 
– 2
​   ​ 
 
9
11
 
   ​ – ​  
  0
​ 22  ​  ​ ​ = ​4 · ​ – 4 
– 2
​   ​ 
 
9
________
   ​ ​ = 4 · ​√ 16 + 81 ​ ≈ 39,4.
 


​___› ​_›
(  ) (  ) (  )
​_› 11
 
(2) ​​BT​​ 1  ​ = ​​x ​​ ​T  ​ ​​ – ​​x ​​ B  ​ = ​ ​ 
1
– 5
 
6 ​   ​ – ​  
34
– 4
 
​ 6  ​   ​ = ​  
34 0
​_›
2
​_›
(  ) (  )
4
 
​ 0  ​   ​, dann ist ​​x ​​ ​T  ​ ​​ = ​​x ​​ A  ​ + ​ 0 
– 1
 
​  ​   ​ = ​ ​ 
0
6  ​   ​.
34
____
​​T1​ ​ ​T​ 2​​ = ​
     
   
(  ) (  )
– 1 – 11
​ 6 – 6 
34 – 34
 ​  
 
– 12
  
​ = ​ ​   0  ​   ​, der Abstand beträgt also 12 m.
0


​__›
(3) ​w​ = ​
  0
​   ​ 
   – 4 
 
1
(  ) ​__› ​_›
   ​ steht senkrecht auf ​EA​ BC​ . ​w​ und ​
   v ​ stehen
   zueinander im Winkel


  0
​ – 4 
​   ​ 
 
9
a = arccos ​ _________
___
(  ) (  )
 

___
0
   ​ ∗ ​ – 4 
​   ​ 
 
1
   ​
 ​ = arccos ​ 
  ___25 
________ ___ ​  
≈ 52,0°.
​√ 97 ​  · ​√ 17 ​  ​√ 97 ​  · ​√ 17 ​ 

d) (1) Betrachtet man die Gerade vom Punkt ​S1​ ​ aus in Richtung ​S2​ ​ , dann schneidet diese
die Ebene ​EA​ BC​ . Am Wert des Parameters kann man ablesen, wo ​S2​ ​ liegt: 
​S​1​ (11 | 22 | – 2);  ​S2​ ​ (– 1 | – 1 | 2);  ​EA​ BC​ : 4 y – 1 z = – 10;


​_›
g : ​x ​ = ​
    
11
 
(  ) (     
​ 22  ​  ​ + t · ​    
– 2
– 1 – 1
​ – 1 – 22 
2 – (– 2)
 
​  
11
 
​ = ​  
) (  ) (  ) – 12
  
​ 22  ​  ​ + t · ​   
– 2
​  ​   ​
– 23 
4

Für den Schnittpunkt X der Geraden mit der Ebene ​EA​ BC​ gilt: 
25
4 · (22 – 23 t) – (– 2 + 4 t) = – 10 ⇔ 88 – 92 t + 2 – 4 t = – 10 ⇔ 96 t = 100 ⇔ t = ​ ___  ​. 
24
25
Da ​ ___  ​ > 1, liegt der Schnittpunkt X
24
der Gerade mit der Ebene von ​S1​ ​
aus gesehen hinter ​S​2​ , d. h., ​S1​ ​ und ​
S​2​ liegen auf der „glei­chen Seite“
der Ebene (genauer: im gleichen
Halbraum). ​S2​ ​ liegt ­dabei näher an
der Ebene als ​S1​ ​ , vgl. Skizze.
(2) Zu bestimmen ist die Länge des Lotes von ​S2​ ​ auf die Ebene ​EA​ BC​ .
Das Lot kann mithilfe des Normalenvektors beschrieben werden durch:


_
​›
I : ​x ​ = ​
    
– 1
 
(  ) (  )
 
​  ​   ​ + t · ​  
– 1 
2
0
​  4  ​  
– 1
 ​

Den Fußpunkt L des Lotes (= Schnittpunkt der Lotgerade mit der Ebene) erhalten
wir aus: 
4  ​, 
4 · (– 1 + 4 t) – (2 – t) = – 10 ⇔ – 4 + 16 t – 2 + t = – 10 ⇔ 17 t = – 4 ⇔ t = – ​ ___
17
(  |  17 | 17 )
33 ___
also L ​ – 1​– ​ ___ 38
  ​  ​ ​    ​  ​.

​| ​S2​ ​ L |​ = ​ ___


17 (  )
  0
​ 4  ​  ​ · ​​ ​  
– 1
| (  ) |
 ​ ​ = ​ ___
4  ​   17
___
4  ​  · ​√ 17 ​ = ​ 
  ____

4   ​  ≈ 0,97.
___
​  17 ​ 

Alternativ kann man den Abstand mithilfe der in H3 angegeben Formel bestimmen:

4   ​  
Abstand (​S​2​ , ​EA​ BC​ ) = ​ ____
___
– 1
 
· ​ ​ – 1 
​√ 17 ​  2   ( (  ) (  ))
  0
​  ​   ​ ∗ ​ ​  
4  ​  
– 1
4   ​  ≈ 0,97.
 ​  ​ + 10 = ​ ____
___
√ 17 ​ 

16   Original-Abituraufgaben


​___›
2 2
_​ __›
(3) ​​x  ​’S​​  ​​ = ​
​  ​x ​ ​S​  ​​ + 2 · ​ 
​  (  ) (  ) (  ) (  )
4   ​  
____
___ 1   ​  
· ​ ____
___
​√ 17 ​  ​√ 17 ​  1
 
· ​  
0
​   ​ 
– 4 
– 1
 
   ​ = ​ – 1 
2
8  
​  ​   ​ + ​ ___
17
0
  ​  · ​ – 4 
​   ​ 
1
   – 1
   ​ ≈ ​ – 2,88 
​ 
  
2,47
  ​  
 ​.

Die Höhe von F aus Teilaufgabe b) zu vorgegebenem x = – 1 und y = – 2,88 beträgt
10 + 2,882
z = ​ _________
   ​ ≈ 2,147 < 2,47.
 
6

Also liegt der Spiegelpunkt über der Ebene F und ist somit über der Erdoberfläche
und als Befestigungspunkt ungeeignet.

Aufgabe D    Übergangsmatrizen
Bei der Aufzucht von Rindern unterscheidet man zwischen Neugeborenen (N), einjährigen
Kälbern (K) und geschlechtsreifen erwachsenen Tieren (E), den Kühen und Bullen (min­
destens zweijährig). Um eine Rinderherde wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben, muss
man Kenntnisse über die Anzahl der Geburten, der Todesfälle und der Entnahmen durch
Schlachtung oder Verkauf haben. Zudem muss die Verteilung der Herde in den drei
Altersstufen (N, K, E) bekannt sein.
In der hier betrachteten Rinderherde werden die Übergänge zwischen den Altersstufen
innerhalb eines Jahres durch die folgende Matrix A angegeben:
          von:  N    K  E
N
 
nach: ​ 
E
  
K  ​   A = ​ 0,75 
​   

0  
    
 ​
0  
 ​  
0    
0 0,8 0,8
0,4
 ​   
)
​ 0  ​  
 ​

a) [GK und LK]  Stellen Sie die Entwicklung der Rinderherde durch einen Über-
gangsgraphen dar. J1   J2
Beschreiben Sie die biologische Bedeutung des Matrixelementes ​a1​ 3​ = 0,4 und
bestimmen Sie den Anteil der erwachsenen Tiere (E), die nach einem Jahr in der
Rinderherde verblieben sind, sowie den Anteil der Neugeborenen, die das
Erwachsenenstadium erreichen.
b) [GK und LK]  Zurzeit befinden sich 40 Neugeborene, 150 Kälber und 100 Er-
wachsene in der Herde.
Berechnen Sie die Verteilung auf die drei Altersstufen in der Herde für das
nächste und das übernächste Jahr. J2
Bestimmen Sie die Verteilung auf die drei Altersstufen für das vergangene Jahr. J4

c) [GK]  Untersuchen Sie, ob es bei den in der Matrix A gegebenen Übergangs­


verhältnissen eine Verteilung auf die Altersstufen in der Rinderherde gibt, die
sich im Folgejahr wiederholt. J3

d) [LK]  Der Züchter sucht eine Strategie, durch Verkauf von Kälbern in die Ent­
wicklung der Herde so einzugreifen, dass eine konstante Verteilung der Tiere in
der Rinderherde gewährleistet ist. J5
Ermitteln Sie dazu den Anteil der Kälber, die jedes Jahr zusätzlich verkauft
werden sollen. 
Bestimmen Sie eine dazu passende Anfangsverteilung.
Geometrie/Matrizen 

17

e) Durch eine Krankheit überleben in einem Jahr nur 50 % der Neugeborenen.
Dadurch verändert sich in diesem Jahr die Übergangsmatrix zu


 

0  
B = ​ ​ 0,5 
0 0,4
   ​   ​  
0    
0 0,8 0,8
 
 ​   
​ 0  ​  
 ​.
)
(1) [GK]  Berechnen Sie die Verteilung in der Herde nach einem Krankheits- und
einem normalen Jahr, ausgehend von der Anfangsverteilung im Aufgaben- 
teil b).
(2) [LK]  Ermitteln Sie, ausgehend von der Anfangsverteilung im Aufgabenteil b),
wie viele Tiere nach einem Krankheitsjahr in den verschiedenen Alters­stufen
gekauft bzw. verkauft werden müssen, damit nach einem Jahr mit normaler
Neugeborenenrate der Anfangsbestand wieder erreicht wird. J4

f) [GK]  Bestimmen Sie die Matrix C = A · B und beschreiben Sie exemplarisch,  
wie man auf die Matrixelemente der neuen Matrix C kommt. J2
Interpretieren Sie die Komponenten von C im Sachzusammenhang. 
Begründen Sie rechnerisch, dass es relevant ist, ob die Krankheit im ersten oder
im zweiten Jahr auftritt.

Lösungen
a) Das Matrixelement ​a​ 13​ = 0,4 („von E nach N“)
gibt die Geburtenrate in der Rinderherde an,
d. h., 40 % der erwachsenen Tiere bekommen
innerhalb eines Jahres Nachwuchs. 
Das Matrixelement ​a​ 33​ = 0,8 („von E nach E“)
gibt den Anteil der in der Herde ver­blei­ben­
den erwachsenen Tiere an, d. h., 80 % der
­erwachsenen Tiere bleiben in der Herde. 
Es erreichen 0,75 · 0,8 = 0,6 = 60 % der Neugeborenen das Erwachsenenstadium.


  
  
0  
    
​   ​
b) ​ 0,75 
0  
 ​  
0    
0 0,8 0,8 100
0,4    
 ​   
​ 0  ​  
) (  ) (  ) ( 
40
 ​ · ​ ​ 150 
   
    40
​  ​ = ​ ​    
30 
200
 
  
​  ​  ​   
0  
​   ​
) (  ) (  )
    
0,75 
0  
0    
 ​  
0,4    
 ​   
0 0,8 0,8 200
​ 0  ​  
40
 ​ · ​ ​    
30  
    80
​  ​ = ​ ​    
30 
184
 
​  ​

Damit sind es im nächsten Jahr 40 neugeborene Tiere, 30 Kälber und 200 erwachsene
Tiere, im darauffolgenden Jahr sind es entsprechend 80, 30 und 184. 
Um zu erschließen, wie die Bestände im Vorjahr waren, muss das Gleichungssystem
  

0  
​ 0,75 
​       
 ​
0  
 ​  
0    
0 0,8 0,8 z
0,4  
 ​   
​ 0  ​  
) (  ) (  )
x    40
 ​ · ​ ​ y  ​   ​ = ​ ​   
150 
100
 
​  ​

gelöst werden:

|  | |  |
       0,4 z = 40
       z = 100
   
​      
​ 
      ​ ​ ⇔ ​x = 200 
  
   0,75 x = 150 ​ 
     
 ​ ​.
0,8 y + 0,8 z = 100 y = 25 
Damit waren im vergangenen Jahr 200 neugeborene Tiere, 25 Kälber und 100 erwach-
sene Tiere in der Herde. 
Hinweis:  Im Prinzip könnte dieses Gleichungssystem auch mithilfe der inversen Matrix
gelöst werden. Da die Übergangsmatrix aber sehr viele Nullen enthält, bietet sich
dieser Weg hier nicht an.
18   Original-Abituraufgaben

c) Gesucht ist ein Fixvektor, d. h. ein Bestandsvektor, der das Gleichungssystem erfüllt:
  
   ( 
0  
​ 0,75 
​   
 ​  
0 0,4
 ​  
0    
0 0,8 0,8 z
  x
 ​   
​ 0  ​  
 
 ​ · ​  
) (  ) (  ) x
 
​y  ​   ​ = ​  
​y  ​   ​,
z

|  | |  | |  | |  |
     0,4 z = x
         0,4 z = x 
       0,4 z = x
    x = 0
  
​         ​ ​ ⇔ ​      
​      0,75 x = y ​ 0,75 · 0,4 z = y   
  
  
     ​ ​ ⇔ ​   
​0,3 z = y  ​ ⇔ ​  
 ​   ​y = 0  ​  
​.
0,8 y + 0,8 z = z         0,8 y = 0,2 z      4 y = z z = 0
Damit wiederholt sich die Verteilung in der Rinderherde nur dann, wenn es keine
Rinderherde gibt, d. h., es gibt also keine Verteilung auf die Altersstufen in der Rinder-
herde, die sich im Folgejahr wiederholt.

d) Eine neue Übergangsquote „von K zu E“ ist gesucht sowie eine Verteilung, die sich
nicht ändert.


  
​   
Ansatz:  ​   
0 0

 ​  
0,75 
  0,4
 ​0 
  x
  ​    
0 a 0,8 z
​ 0  ​  
 
 ​ · ​  
) (  ) (  )
x
 
​y  ​   ​ = ​  
​y  ​   ​.
z
Lösung des Gleichungssystems:

|  | |  | |  |
     0,4 z = x
         0,4 z = x 
       0,4 z = x    
    
​         ​ ​ ⇔ ​      
 ​     0,75 x = y ​ 0,75 · 0,4 z = y   
  
     ​ ​ ⇔ ​    
​0,3 z = y   
      ​ ​.
a y + 0,8 z = z        a y = 0,2 z     a y = 0,2 z

Das Gleichungssystem hat nur dann eine von (0 | 0 | 0) verschiedene Lösung, wenn die
zweite und dritte Gleichung übereinstimmen: 
0,3 z = y ∧ a y = 0,2 z ⇔ 0,6 z = 2 y ∧ 0,6 z = 3 a y,  also  2 = 3 a, d. h. a = 2/3.
Wählt man z = t, dann lassen sich die Lösungen des Gleichungssystems wie folgt
mithilfe einer Parameterdarstellung beschreiben: (0,4 t | 0,3 t | t). 
Da es sich um Tier-Anzahlen handelt, kommen nur Vielfache in Frage, die auf natürliche
Zahlen führen, beispielsweise (4 | 3 | 10), (8 | 6 | 20), …, (40 | 30 | 100) usw.
e) (1) Zunächst muss der Startvektor mit der neuen Übergangsmatrix multipliziert
werden:
 
​  
0  
0,5 

0  
​    ​   ​  
0    
0 0,8 0,8 100
0,4    
 ​   
​ 0  ​  
40
 ​ · ​ ​   
150 
) (  ) (  )
 
    40
​  ​ = ​ ​    
20 
200
 
​  ​,

und dann (es muss ja nach dem Krankheitsjahr noch ein Normaljahr folgen) der
neue Bestandsvektor mit der bisherigen Matrix A:
  
  
0  
​ 0,75 
​   
 ​  
 ​  

0  
0    
0,4    
 ​   
0 0,8 0,8 200
​ 0  ​  
40
 ​ · ​ ​    
20  
) (  ) (  )
    80
​  ​ = ​ ​    
30 
176
 
​  ​.

Alternativ kann man (gemäß Assoziativgesetz der Multiplikation) auch zunächst die
beiden Matrizen miteinander multiplizieren:


  
   ( 
0  
​   ​
    
A · B = ​ 0,75 
0 0,4
 ​  
0    
0 0,8 0,8
   
 ​   
​ 0  ​  
0  
 ​ · ​ 0,5 
) (  0  
​    ​   ​  
 
0 0,8 0,8
0    
0,4
 ​   
) ( 
​ 0  ​  
 
 ​ = ​  
0 0,32
​  0    
   0,32
 ​    
​ 0   
0,4 0,64 0,64
 
  
​    
)
​0,3 ​  
 ​,

und dann
 
​  
0   
​  0    

0,32   
 ​    
​ 0   
 
0,4 0,64 0,64 100
0,32    
​0,3 ​  
​    
40
 ​ · ​ ​ 150 
    ) (  ) (  )
    80
​  ​ = ​ ​    
30 
176
 
​  ​.

Damit erhält man nach einem Krankheits- und einem normalen Jahr eine Verteilung
von 80 Neugeborenen, 30 Kälbern und 176 erwachsenen Rindern in der Herde.
Geometrie/Matrizen 

19

(2) Wie in (1) berechnet wurde, ist der Bestand nach einem Krankheitsjahr gegeben
durch:
  0  
​ ​ 0,5 

0  
   ​   ​  
0    
0,4    
 ​   
0 0,8 0,8 100
​ 0  ​  
) (  ) (  )
40
 ​ · ​ ​ 150 
   
    40
​  ​ = ​ ​    
20 
200
 
​  ​.

Wenn nach einem Normaljahr dann wieder der Anfangsbestand aus 40 Neu­
geborenen, 150 Kälber und 100 erwachsenen Tieren erreicht werden soll, müsste
der Bestand durch Kauf bzw. Verkauf so verändert werden, dass das folgende
Gleichungssystem erfüllt ist:
  0  
​ 0,5 
(  0  
​    ​   ​  
0    
0 0,8 0,8 z
0,4  
 ​   
​ 0  ​  
) (  ) (  )
x
 ​ · ​  
   40
​y  ​   ​ = ​ ​ 150 
   
100
​  ​.

Hinweis:  Im Prinzip könnte dieses Gleichungssystem auch mithilfe der inversen


Matrix gelöst werden. Da die Übergangsmatrix aber sehr viele Nullen enthält,
bietet sich dieser Weg hier nicht an.
Lösung dieses Gleichungssystems:

|  | |  | |  |
     0,4 z = 40 
                z = 100
        z = 100
   
​​            ​ ​ ⇔ ​       
      0,75 x = 150 ​ 
              x = 200 ​ ​ ⇔ ​x = 200 
​ 
     
 ​ ​.
0,8 y + 0,8 z = 100 0,8 y + 0,8 · 100 = 100 y = 25 

Da nach dem Krankheitsjahr z = 200 erwachsene Rinder vorhanden sind, müssen
100 verkauft werden.
Um auf x = 200 Neugeborene zu kommen, müssen 160 hinzugekauft werden.
Damit die Anzahl der Kälber y = 25 beträgt, müssen noch 5 hinzugekauft werden.

f) Es gilt (vgl. Lösung e) (1)):


  
C = A · B = ​   
0  
​   ​
    
0,75 
( 0  
 ​  
0    
0 0,8 0,8
0,4  
 ​   
​ 0  ​  
 ​ · ​  
) ( 
0  
​   ​
0  
    ​  
0,5  0    
0 0,8 0,8
0,4
 ​   
​ 0  ​  
) ( 
 
 ​ = ​  
0   
​  0    
0,32   
 ​    
​ 0   
0,4 0,64 0,64
 
0,32
​0,3 ​  
​      ​.
)
Man erhält beispielsweise das Element ​c​13​ = 0,32 in C = A · B als Produktsumme der
1. Zeile von A mit der 3. Spalte von B.
C enthält die Übergangsquoten nach einem Krankheits- und einem normalen Jahr.
Folgt ein Krankheitsjahr auf ein normales Jahr, dann muss die Reihenfolge der Matrizen
geändert werden:


 

0  
0,5 
0 0,8 0,8
0  
​    ​   ​  
B · A = ​   0    
 ​   
) ( 
0,4   
​ 0  ​  
0  
 ​ · ​ 0,75 
​   ​
       
0  
 ​  
0    
0 0,8 0,8
0,4
 ​   
) ( 
​ 0  ​  
  0   
 ​ = ​ ​  
0    
0,32   
 ​    
​ 0   
0,6 0,64 0,64
 
0,32
)
​0,2 ​  
​      ​.

Da diese Matrix nicht mit der Matrix C übereinstimmt, ist klar, dass es relevant ist, ob
die Krankheit im ersten oder zweiten Jahr auftritt. Man kann dies auch durch Vergleich
der Bestandsvektoren ablesen:
 

0   
​ ​  
0    
0,32   
 ​    
​ 0   
 
0,6 0,64 0,64 100
0,32    
​0,2 ​  
​    
) (  ) (  )
40
 ​ · ​ ​   
150   
    80
​  ​ = ​ ​    
20 
184
 
​  ​.
20   Original-Abituraufgaben

Aufgabe E    Stochastik
Bei der Produktion von Kunststoffverpackungen entsteht zum Teil Ware minderer Qualität.
An der Maschine ​M1​ ​ , an der Plastikflaschen hergestellt werden, beträgt dieser Anteil
erfahrungsgemäß 5 %. Zur Qualitätsüberprüfung werden der Tagesproduktion von
12 000 Flaschen Stichproben im Umfang von 10 bis 100 Flaschen entnommen.
Die Zufallsgröße X sei die Anzahl der fehlerhaften Flaschen in einer Stichprobe vom
Umfang n. Im Folgenden soll davon ausgegangen werden, dass X binomialverteilt ist.

a) (1) [GK]  Geben Sie an, unter welchen Voraussetzungen die Annahme, dass X
binomialverteilt ist, gerechtfertigt ist. L2
(2) Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeiten für folgende Ereignisse:
​E​1​ :  Von 15 entnommenen Flaschen sind genau 3 fehlerhaft.
​E​2​ :  Von 50 entnommenen Flaschen sind genau 45 ohne Fehler.
​E​3​ :  Von 100 entnommenen Flaschen sind mindestens 12 fehlerhaft.
​E​4​ :  [LK]  Von 10 entnommenen Flaschen sind nur die ersten beiden fehlerhaft.
(3) Befindet sich in einer Stichprobe von 10 Flaschen mindestens eine fehler-
hafte Flasche, dann werden in einer zweiten Stichprobe 6 weitere Flaschen
entnommen. 
Im anderen Fall entfällt die zweite Stichprobe. 
Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass bei diesem Verfahren insgesamt
genau 2 fehlerhafte Flaschen entnommen werden.
b) [GK und LK]  Bestimmen Sie die Anzahl von Flaschen, die höchstens entnommen
werden dürfen, um mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 60 % keine
fehlerhaften Flaschen in der Stichprobe zu erhalten. L4

c) [GK]  Der Fabrikant trifft mit einem Großhändler folgende Vereinbarung: 


Die Flaschen werden in Kartons zu je 100 Stück verpackt. Sind in einem Karton
mehr als 10 Flaschen fehlerhaft, so darf er zurückgegeben werden.
(1) Berechnen Sie den zu erwartenden Anteil der zurückgegebenen Kartons. L2
(2) Im Interesse der Kundenfreundlichkeit möchte der Fabrikant eine neue
Liefer­bedingung einführen: Die Anzahl der fehlerhaften Flaschen, ab der ein
Karton zurückgegeben werden kann, soll daher möglichst klein sein.
Andererseits soll die Lieferbedingung so gewählt werden, dass der zu
erwartende Anteil der zurück­gegebenen Kartons bei höchstens 3 % liegt.
Ermitteln Sie eine Lieferbedingung, die beiden Bedingungen gerecht wird.
d) [GK]  Ein anderer Großhändler vermutet, dass sich die Qualität der Flaschen
verschlechtert hat, der Anteil der fehlerhaften Flaschen also größer als 5 % ist. 
Bevor der Kunde die Ware reklamiert und gegebenenfalls zurückschickt, möchte
er seine Vermutung durch ein geeignetes Testverfahren untermauern, indem er
eine Stichprobe im Umfang von 300 Flaschen aus einer großen Warensendung
zufällig entnimmt.
(1) Entwickeln Sie Kriterien für einen Test zur Hypothese ​H​0​ : p ≤ 0,05 für a = 1 %
mit Annahme- und Verwerfungsbereich sowie eine Entscheidungsregel. M4
[Für eine binomialverteilte Zufallsgröße X mit Standardabweichung σ > 3
gilt näherungsweise: P (μ – 2,33 σ ≤ X ≤ μ + 2,33 σ) ≈ 0,98.] L5
(2) Beurteilen Sie die Bedeutung der Fehler der 1. und 2. Art aus Sicht des
Großhändlers. M2
Stochastik 

21

e) [LK]  An der Maschine ​M​ 2​ beträgt der Anteil fehlerhafter Flaschen 20 %. Von
diesen Flaschen werden jeweils 2000 auf einer Palette verpackt. Diese Paletten
werden dann als 2. Wahl deklariert. Versehentlich wurden zahlreiche Paletten
falsch etikettiert, sodass sie äußerlich von solchen mit Flaschen von Maschine ​M ​1​
nicht unterschieden werden können. M5
Der Verkaufsleiter meint, dass man eine möglicherweise falsch etikettierte Palette
als 1. Wahl ansehen sollte, sofern sie nicht aufgrund eines Testes abgelehnt
werden muss. 
Um eine begründete Aussage über den Inhalt machen zu können, wird folgende
Entscheidungsregel für einen Test aufgestellt: Sind auf einer Palette von  
100 getesteten Flaschen höchstens k Flaschen (0 ≤ k ≤ 100) fehlerhaft, dann
muss der Inhalt der getesteten Palette als 1. Wahl angesehen werden. Ansonsten
wird er als 2. Wahl eingestuft und als solche dem Kunden zu einem relativ
günstigen Preis angeboten werden.
(1) Es sei k = 13. 
Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeiten für die Fehler 1. und 2. Art auf der
Grundlage der oben formulierten Entscheidungsregel und interpretieren Sie
beide Fehler und ihre Konsequenzen aus der Sicht des Fabrikanten. M2
(2) Zeigen Sie, dass für k = 10 der Unterschied zwischen den Wahrscheinlich-
keiten für die Fehler 1. und 2. Art minimal ist.
f) [LK]  Ein Großhändler benötigt für eine Veranstaltung 1000 fehlerfreie Flaschen.
In einer Sonderaktion verkauft die Firma Kartons mit je 100 Flaschen 1. Wahl
(Flaschen, die an der Maschine ​M ​1​ hergestellt und richtig etikettiert werden) für
29,90 € je Karton. L5
(1) Bestimmen Sie die Anzahl der Kartons, die der Großhändler mindestens
bestellen muss, damit er mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99 %
genügend fehlerfreie Flaschen erhält. 
[Für eine binomialverteilte Zufallsgröße X mit Standardabweichung σ > 3
gilt näherungsweise: P(μ – 2,33 σ ≤ X ≤ μ + 2,33 σ) ≈ 0,98.]
Dem Großhändler wird ein alternatives Angebot unterbreitet: Ein Karton mit
200 Flaschen 2. Wahl kostet 49,90 €. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig
herausgegriffene Flasche fehlerhaft ist, liegt bei 20 %.
(2) Entscheiden Sie, ob dieses Angebot unter denselben Bedingungen wie in (1)
für den Großhändler preiswerter ist.

Lösungen
a) (1) Die Zufallsgröße X kann als binomialverteilt angesehen werden, wenn die im Text
angegebenen 5 % nicht im Sinne einer relativen Häufigkeit gedeutet werden,
sondern als Wahrscheinlichkeit. Jede einzelne Flasche muss also – unabhängig
davon, ob die zuvor produzierten Flaschen fehlerhaft waren oder nicht – mit einer
Wahrscheinlichkeit von 5 % fehlerhaft sein.
(2) Ereignis ​E1​ ​ :  X ist binomialverteilt mit n = 15 und p = 0,05.
Bestimmen der Wahrscheinlichkeit mithilfe der Bernoulli-Formel:
(  ) ​ 15 ​  ​ · 0,0​53​ ​ · 0,9​512
P (​E1​ ​) = P (X = 3) = ​
3
​ ​ ≈ 0,0307
22   Original-Abituraufgaben

Ereignis ​E2​ ​ :  Genau 45 sind ohne Fehler ist gleichbedeutend mit ​E2​ ​ : Genau 5 sind
fehlerhaft. 
X ist binomialverteilt mit n = 50 und p = 0,05. 
Bestimmen der Wahrscheinlichkeit mithilfe der Bernoulli-Formel:

5 (  )
​ 50 ​  ​ · 0,0​55​ ​ · 0,9​545
P (​E2​ ​) = P (X = 5) = ​ ​ ​ ≈ 0,0658.
Bestimmen der Wahrscheinlichkeit mithilfe der Tabelle mit kumulierten Wahrschein-
lichkeiten: 
P (X = 5) = P (X ≤ 5) – P (X ≤ 4) = 0,9622 – 0,8964 = 0,0658.
Ereignis ​E3​ ​ :  Mindestens 12 sind fehlerhaft. 
Gegenereignis:  Höchstens 11 sind fehlerhaft. 
X ist binomialverteilt mit n = 100 und p = 0,05. 
Bestimmen der Wahrscheinlichkeit mithilfe der Tabelle mit kumulierten Wahrschein-
lichkeiten: 
P (X ≥ 12) = 1 – P (X ≤ 11) = 1 – 0,9957 = 0,0043.
Ereignis ​E​4​ :  Nur die ersten beiden sind fehlerhaft. 
Hier ist die Reihenfolge zu beachten: erst zwei fehlerhafte, dann 8 fehlerfreie
Flaschen: 
P (​E​4​ ) = 0,0​52​ ​ · 0,9​58​ ​ ≈ 0,0017.
(3) Es werden genau 2 fehlerhafte Flaschen entnommen, wenn entweder in der ersten
und in der zweiten Stichprobe jeweils eine Flasche fehlerhaft ist oder in der ersten
Stichprobe zwei Flaschen fehlerhaft sind und in der zweiten keine. 
Wenn X die Anzahl der fehlerhaften Flaschen in der ersten Stichprobe bezeichnet
und Y die Anzahl der fehlerhaften Flaschen in der zweiten, dann gilt:
(  )
P (X = 1) = ​
1 (  )
​ 10 ​  ​ · 0,05 · 0,9​59​ ​ = 0,3151,  P (X = 2) = ​
​ 10 ​  ​ · 0,0​52​ ​ · 0,9​58​ ​ = 0,0746,
2
P (Y = 0) = 0,9​5​6​ = 0,7351  und  P (Y = 1) = ​
1 (  )
​ 6 ​   ​ · 0,05 · 0,9​55​ ​ = 0,2321.
0,3151 · 0,2321 + 0,0746 · 0,7351 ≈ 0,128
Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist 12,8 %.

b) X:  Anzahl der fehlerhaften Flaschen


n muss so bestimmt werden, dass P (X = 0) ≥ 0,6.
Da P (X = 0) = 0,9​5n​ ​, muss die Ungleichung 0,9​5n​ ​ ≥ 0,6 gelöst werden.
Lösung der Ungleichung durch systematisches Probieren: 
Man legt eine Wertetabelle für die Funktion f mit f (x) = 0,9​5x​​ an und sucht den
größten ganzzahligen Exponenten, für den die Bedingung erfüllt ist:

x 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
f (x) 0,95 0,903 0,857 0,815 0,774 0,735 0,698 0,663 0,630 0,599

Lösung der Ungleichung durch Logarithmieren:


P (X = 0) ≥ 0,6 ⇔ 0,9​5n​ ​ ≥ 0,6 ⇔ ln (0,9​5n​ ​) ≥ ln (0,6) ⇔ n · ln (0,95) ≥ ln (0,6)
ln (0,6)
⇔ n ≤ ​ _______ 
 ​  
[≈ 9,96]
ln (0,95)
[Hinweis:  ln (0,95) < 0, deshalb wird das Ungleichheitszeichen umgekehrt.]
Wenn weniger als 10 Flaschen entnommen werden, ist die Wahrscheinlichkeit dafür,
dass darunter eine fehlerhafte Flasche ist, größer als 60 %.
Stochastik 

23

c) (1) Wenn X die Anzahl der fehlerhaften Flaschen in der Stichprobe bezeichnet, dann ist
X näherungsweise binomialverteilt mit n = 100 und p = 0,05. 
Der Tabelle entnimmt man: 
P (X > 10) = 1 – P (X ≤ 10) = 1 – 0,9885 = 0,0115. 
Der Anteil zurückgegebener Packungen liegt daher bei ca. 1,2 %.
(2) Wenn X die Anzahl der fehlerhaften Flaschen in der Stichprobe bezeichnet, dann ist
X näherungsweise binomialverteilt mit n = 100 und p = 0,05. 
Gesucht ist diejenige Anzahl k fehlerhafter Flaschen, sodass P (X > k) ≤ 0,03. 
Einen solchen Wert entnimmt man der Tabelle mit kumulierten Wahrscheinlich-
keiten:

k P (X ≤ k) P (X > k) = 1 – P (X ≤ k)
 7 0,8720 0,1280
 8 0,9369 0,0631 > 0,03
 9 0,9718 0,0282 < 0,03
10 0,9885 0,0115

Die Lieferbedingung wird abgeändert zu: Sind in einem Karton mehr als 9 fehler-
hafte Flaschen, so darf er zurückgegeben werden.
d) Der Großhändler vermutet, dass sich die Qualität der Flaschen verschlechtert hat,  
d. h., dass für den Anteil p fehlerhafter Flaschen gilt: p > 0,05. Um diese Vermutung zu
überprüfen, testet er die Hypothese p ≤ 0,05, denn wenn in der Stichprobe signifikante
Abweichungen nach oben gefunden werden, kann die getestete Hypothese p ≤ 0,05
verworfen und die gegenteilige Hypothese, also die Vermutung p > 0,05, für richtig
angesehen werden (indirekte Strategie des Hypothesentests).
(1) Zunächst betrachtet man die Binomialverteilung mit n = 300 und p = 0,05.
_______________
Für n = 300 und p = 0,05 ist: μ = 15 und σ = ​√ 300 · 0,05 · 0,95 ​ ≈ 3,775 > 3, 
  
d. h., die Laplace-Bedingung ist erfüllt.
Der Hinweis in der Aufgabenstellung, dass P (μ – 2,33 σ ≤ X ≤ μ + 2,33 σ) ≈ 0,98
wird dahingehend genutzt, dass wegen der Gültigkeit der Laplace-Bedingung die
Wahrscheinlichkeit für die Enden der Verteilung, also X < μ – 2,33 σ bzw.  
X > μ + 2,33 σ als ungefähr gleich 1 % angesetzt werden kann. Insbesondere gilt
also: 
P (X > μ + 2,33 σ) = P (X > 15 + 2,33 · 3,775) = P (X > 23,80) ≈ 0,01.
Für p = 0,05 kommt es nur mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1 % zu Ergebnis-
sen, die oberhalb von 23 liegen. Für größere Anteile p ist dies erst recht erfüllt.
Die Entscheidungsregel lautet: Verwirf die Hypothese p ≤ 0,05, wenn mehr als  
23 fehlerhafte Flaschen in der Stichprobe gefunden werden.
Der Verwerfungsbereich der Hypothese p ≤ 0,05 ist daher V = {24, 25, …, 300},  
der Annahmebereich A = {0, 1, …, 23}.
(2) Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn eine wahre Hypothese verworfen wird, d. h.,
werden in einer Stichprobe aus Flaschen erster Wahl mindestens 24 fehlerhafte
Flaschen entdeckt, obwohl p ≤ 0,05 ist, geht der Großhändler davon aus, dass die
Ware von minderer Qualität ist, und er reklamiert fälschlicherweise.
24   Original-Abituraufgaben

Dies führt in der Regel für den Großhändler zu wirtschaftlichen Nachteilen  


(u. a. Übernahme der Versandkosten, Zeitverlust). 
Ein Fehler 2. Art liegt vor, wenn eine falsche Hypothese angenommen wird. 
Konsequenz ist, dass der Großhändler die Ware nicht reklamiert, obwohl sie von
minderer Qualität ist. Die wirtschaftlichen Nachteile für den Kunden sind ein zu
hoher Kaufpreis und eventuell Reklamationen beim Weiterverkauf der Ware an
Einzelhändler.
e) (1) Aufgrund der Situationsbeschreibung handelt es sich hier um einen Alternativtest
mit den beiden alternativen Erfolgswahrscheinlichkeiten ​p ​1​ = 0,05 bzw. ​p ​2​ = 0,20.
Als Entscheidungsregel ist vorgegeben: Verwirf die Hypothese ​p ​1​ = 0,05, falls mehr
als 13 fehlerhafte Flaschen in der Stichprobe gefunden werden, d. h., die Hypothe-
se ​p ​1​ = 0,05 wird getestet und es gilt: 
V = {14, 15, …, 100},  A = {0, 1, …, 13}.
Fehler 1. Art: Die Hypothese ist richtig, wird aber wegen des Stichproben­
ergebnisses, das im Verwerfungsbereich liegt, verworfen. Die Wahrscheinlichkeit
hierfür ist (gemäß der Tabelle mit kumulierten Wahrscheinlichkeiten für n = 100, ​
p​ 1​ = 0,05): 
α = ​P​p​ ​ ​ = 0,05​ (X > 13) = 1 – ​P​p​ ​ ​ = 0,05​ (X ≤ 13) = 0,0005.
 1  1

Fehler 2. Art: Die Hypothese ist falsch, aber das Stichprobenergebnis liegt im
Annahmebereich der Hypothese. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist:  
β = ​P​p​ ​ ​ = 0,2​ (X ≤ 13) = 0,0469.
 2

Der Fehler der 1. Art bedeutet, dass eine Palette mit Flaschen aus der Maschine ​M ​1​
fälschlich als 2. Wahl deklariert wird. Die Firma verkauft also Qualitätsware zu
einem zu niedrigen Preis. 
Der Fehler der 2. Art bedeutet, dass eine Palette mit Flaschen aus der Maschine ​M ​2​
fälschlich als 1. Wahl deklariert wird. In diesem Fall muss die Firma mit Reklama­
tionen durch die Kunden rechnen.
(2) Analog ergibt sich:

a = ​P​p​ ​ ​ = 0,05​ (X > k)
k  1
β = ​P​p​ ​ ​ = 0,2​ (X ≤ k) Unterschied
= 1 – ​P​p​ ​ ​ = 0,05​ (X > k)
 1
 2

13 0,0005 0,0469 0,0464


12 0,0015 0,0253 0,0238
11 0,0043 0,0126 0,0083
10 0,0115 0,0057 0,0058
 9 0,0282 0,0023 0,0259

Der Unterschied ist für k = 10 minimal.


f) X: Anzahl der fehlerfreien Flaschen mit p = 0,95.
(1) Gesucht ist die Anzahl n, für die gilt, dass μ – 2,33 σ ≥ 1000, denn
P (X ≥ μ – 2,33 σ) ≈ 0,99.
Nach Aufgabenstellung genügt es jedoch, für n in 100er-Schritten zu überprüfen,
ob die Bedingung erfüllt ist:  ________________
n = 1100: 1100 · 0,95 – 2,33 ​√ 1100 · 0,95 · 0,05 ​ ≈ 1028,16 > 1000.
  
Stochastik 

25

Für n = 1100 ist die Bedingung erfüllt, d. h., 11 Kartons müssen gekauft werden. 
Zusatz:  Um das kleinste n zu bestimmen, für das die Bedingung erfüllt ist,__könnte
____________
der Funktionsterm f (n) = 0,95 n – 2,33 ​√ n · 0,95 · 0,05 ​ = 0,95 n – 0,5078 ​
   √ n ​ unter-
 
sucht werden, z. B. mithilfe einer Wertetabelle:

n 1020 1040 1060 1080 1070 1071


f (n) 952,8 971,6 990,5 1009,3 999,9 1000,8

(2) Analog zu (1) ist X binomialverteilt mit den Parametern n und p = 0,8. 
Gesucht ist die kleinste durch 200 teilbare Zahl n mit der Eigenschaft, dass
___________
μ – 2,33 σ > 1000, wobei μ = n · p und √
σ = ​  
n · p · (1 – p) ​ sowie
_____________    σ > 3. 
σ > 3 ist für n ≥ 1000 wegen σ = ​√ 1000 · 0,8 · 0,2 ​ ≈ 12,65
   auf jeden Fall erfüllt;  
es ist also zu prüfen, ob μ – 2,33 σ > 1000. 
Für n = 1200 gilt μ = 1200 · 0,8 = 960. Die Bedingung ist also nicht erfüllt. 
_____________
Für n = 1400 gilt μ = 1400 · 0,8 = 1120 und σ = ​√ 1400 · 0,8 · 0,2 ​ ≈ 14,97,
    
d. h. μ – 2,33 σ ≈ 1120 – 2,33 · 14,97 = 1085,13. Die Bedingung ist also erfüllt.  
Der Großhändler muss mindestens 7 Kartons bestellen. 
Wenn der Großhändler das alternative Angebot annimmt, hat er demnach  
Kosten in Höhe von 7 · 49,90 € = 349,30 €. Das ist mehr, als er für das erste
Angebot zahlen müsste, denn für das erste Angebot liegen die Kosten bei
11 · 29,90 € = 328,90 €.

Aufgabe F    Stochastik
Im Dezember 2008 veröffentlichte das ZDF im Politbarometer das Ergebnis einer Umfrage
der Forschungsgruppe Wahlen unter 1268 Wahlberechtigten:
Erwarten Sie, dass 2009 für Sie persönlich im Hinblick auf 2008 ein besseres, unverändertes
oder schlechteres Jahr sein wird?

Quelle: ZDF Politbarometer


Hinweis:  2 % der Befragten sind in ihrer Erwartung für das neue Jahr unentschlossen.
Dieser Anteil wurde in der ZDF-Grafik nicht abgebildet.

a) Die Zufallsgröße X beschreibt die Anzahl der Befragten in der Umfrage, die ein
besseres Jahr erwarten.
(1) [GK und LK]  Geben Sie an, unter welchen Voraussetzungen die Binomial­
verteilung eine gute Näherung an die Verteilung von X ist. L2
26   Original-Abituraufgaben

Es wird angenommen, dass der wirkliche Anteil der Personen in der Bevölkerung
gleich der relativen Häufigkeit in der Umfrage ist.
(2) [GK]  Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass in einer Stichprobe
von 15 befragten Personen. L2
i)   genau 3 Personen ein besseres Jahr erwarten,
ii)  mindestens 1 Person ein besseres Jahr erwartet.
(3) [LK]  Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass von 100 zufällig
ausgesuchten Personen mindestens 18 ein besseres Jahr erwarten. L1   L8
(4) [LK]  Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass von 1000 zufällig
ausgesuchten Personen mindestens 210 und höchstens 230 Personen ein
besseres Jahr erwarten. L1   L8

b) [GK]  Der tatsächliche Anteil aller Wahlberechtigten, die kein besseres Jahr
erwarten, sei nun gleich 80 %. Man befragt 50 zufällig ausgesuchte Perso- 
nen. L1   L2
(1) Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass genau 40 Personen kein
besseres Jahr erwarten.
(2) Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die relative Häufigkeit der
Personen, die kein besseres Jahr erwarten, mindestens 75 % und höchstens
85 % beträgt.
c) [GK und LK]  Der tatsächliche Anteil aller Wahlberechtigten, die ein besseres Jahr
erwarten, sei gleich 20 %. N1   N2
Bestimmen Sie das 95 %-Konfidenzintervall und prüfen Sie, ob das Ergebnis der
Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter 1268 Personen ​( __
n ​ = 22 % )​ mit
​ X
einem wirklichen Anteil von 20 % verträglich ist. Beschreiben Sie die Bedeutung
der Sicherheitswahrscheinlichkeit.
d) (1) [GK]  Ermitteln Sie näherungsweise die Anzahl der Personen, die man
mindestens befragen muss, damit sich der Anteil der Personen in der
Stichprobe, die ein besseres Jahr erwarten, vom wirklichen Anteil p = 0,2 mit
einer Wahrscheinlichkeit von 90 % um höchstens d = 0,03 unterscheidet. N3
(2) Beschreiben und begründen Sie durch eine kurze Rechnung, wie sich der
notwendige Stichprobenumfang ändert, wenn man
i)   nur die Sicherheitswahrscheinlichkeit,
ii)  nur die Abweichung d verändert.
e) [LK]  Die Forschungsgruppe Wahlen war daran interessiert, die Umfrage so
anzulegen, dass sie damit möglichst sichere Aussagen über die Gesamtbevölke-
rung treffen kann. N3
(1) Ermitteln Sie, um welchen Betrag sich der Anteil pessimistischer Bürger in
der Umfrage unter 1268 Wahlberechtigten bei einer Sicherheitswahrschein-
lichkeit von 90 % höchstens vom (unbekannten) wirklichen Anteil p ∈ [0;1]
pessimistischer Bürger in der Gesamtbevölkerung unterscheidet.
(2) Beschreiben Sie, wie sich diese Abweichung ändert, wenn der Stichproben-
umfang verändert wird, und begründen Sie Ihre Aussage mit einer Rechnung.
Stochastik 

27

Lösungen
a) (1) Für jede befragte Person gibt es zwei mögliche Antworten (besseres Jahr oder  
kein besseres Jahr). Die „Erfolgswahrscheinlichkeit“ ist von Person zu Person gleich,  
d. h., die Grundgesamtheit muss groß sein im Vergleich zum Stichprobenumfang
und die befragten Personen müssen in ihrer Einschätzung unabhängig voneinander
sein.
(2) Die Zufallsgröße X ist binomialverteilt mit n = 15 und p = 0,22;

3(  )
​ 15 ​  ​ · 0,2​23​ ​ · 0,7​812
i)   P (X = 3) = ​ ​ ​ ≈ 0,2457,
ii)  P (X ≥ 1) = 1 – P (X = 0) = 1 – 0,7​815 ​ ​ ≈ 0,9759.
______
(3) Hier ist n = 100 und p = 0,22, also μ = 22 und σ = ​√ 17,16 ​ ≈ 4,14 > 3   
(also die Laplace-Bedingung erfüllt), sodass die Näherungsformeln von Moivre und
Laplace angewandt werden können:
P (X ≥ 18) = 1 – P (X ≤ 17) = 1 – Φ ​ ___________
​  ______  ( 
17 – 22 + 0,5
  ​  
​√ 17,16 ​  )
​ = 1 – Φ (– 1,0863) ≈ 0,862.
______
(4) Hier ist n = 1000 und p = 0,22, also μ = 220 und σ = ​√ 171,6 ​ ≈ 13,1 > 3. 
 
Mithilfe der Näherungsformeln von Moivre und Laplace ergibt sich:
​  ( 
230 – 220 + 0,5
P (210 ≤ X ≤ 230) ≈ Φ ​ _____________
______  
 
​√ 171,6 ​ 
​   ​  ) (  230 – 220 – 0,5
​ – Φ ​ _____________
______  
 
​√ 171,6 ​ 
​   )
​ ≈ Φ (0,8016) – Φ (– 0,8016)

= 2 · Φ (0,8016) – 1 ≈ 0,577.
b) Die Zufallsgröße Y beschreibt die Anzahl der Personen in der Stichprobe, die kein
besseres Jahr erwarten. Y ist binomialverteilt mit n = 50 und p = 0,8;
(1) ​P​ p = 0,8​ (Y = 40) = ​Pp = 0,2
​  ​ (X = 10) = P (X ≤ 10) – P (X ≤ 9) ≈ 0,140,
(2) ​P​ p = 0,8​ ​( 0,75 ≤ ​ __
n ​ ≤ 0,85 )​ = ​Pp = 0,8
Y ​  ​ (50 · 0,75 ≤ Y ≤ 50 · 0,85)
   = ​Pp = 0,8
​  ​ (37,5 ≤ Y ≤ 42,5) = ​Pp = 0,8
​  ​ (38 ≤ Y ≤ 42)
   = ​Pp = 0,2
​  ​ (8 ≤ X ≤ 12) = P (X ≤ 12) – P (X ≤ 7) ≈ 0,624.
c) Eigentlich muss nur geprüft werden, ob das Ergebnis in der Stichprobe ​( __
n ​ = 0,22 )​
​ X
verträglich ist mit dem Anteil p = 0,2 in der Gesamtheit.
Für n = 1268 und p = 0,2 ergibt sich: Mit einer_______
Wahrscheinlichkeit von ca._______
95 % liegt

0,2 · 0,8
der Anteil der Erfolge im Intervall 0,2 – 1,96 · ​ ​ _______
   √  1268
 __ X
​ ​ ≤ ​ 
 
n √  1268
0,2 · 0,8
 ​ ≤ 0,2 + 1,96 · ​ _______
​    ​ ​ 

X X
also 0,2 – 0,022 ≤ ​ __ __
n ​ ≤ 0,2 + 0,022, d. h. 0,178 ≤ ​ n ​ ≤ 0,222.
X
Ein Stichprobenergebnis von ​ __
n ​ = 0,22 ist also verträglich mit p = 0,2, da es in der
95 %-Umgebung der zugrunde liegenden Erfolgswahrscheinlichkeit liegt.
Bedeutung der Sicherheitswahrscheinlichkeit: Bei einer großen Anzahl von Stichproben
X σ
liegt in etwa 95 % aller Fälle die relative Häufigkeit ​ __ __
n ​ in der 1,96 ​ n ​ -Umgebung von p.
Da in der Aufgabenstellung ausdrücklich die Bestimmung eines 95 %-Konfidenz­
intervalls gefordert ist, wird ein anderer Lösungsweg erwartet:
X
Gegeben ist der Anteil ​ __
n ​ = 0,22 in einer Stichprobe vom Umfang n = 1268. Gesucht
σ
sind alle Erfolgswahrscheinlichkeiten p, in deren 1,96 ​ __
n ​ -Umgebung dieser Anteil  
X
__
​ n ​ = 0,22 liegt.
28   Original-Abituraufgaben

X
Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 95 % unterscheidet sich der Anteil ​ __
n ​ in der
σ
__
Stichprobe um höchstens 1,96 ​ n ​  vom (unbekannten) Anteil p in der Gesamtheit,
________

p · (1 – p)
d. h., mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 95 % gilt:  |​ p – 0,22 |​ ≤ 1,96 · ​ ________
​     √  1268
​ ​. 
 

Quadrieren der zugehörigen Gleichung führt zu:


p · (1 – p)
(p – 0,22​)​2​ = 1,9​62​ ​ · ​ ________
     weiter zu
​ und
1268
​p​2​ – 0,44 p + 0,0484 = 0,003 0296 5 p – 0,003 029 65 ​p2​ ​
⇔ 1,003 029 65 ​p2​ ​ – 0,443 029 65 p = – 0,004 84
⇔ ​p2​ ​ – 0,441 691 48 p = – 0,048 253 81
⇔ (p – 0,220 845 74​)​2​ = 0,000 519 03
⇔ p = 0,2208 – 0,0228 ∨ p = 0,2208 + 0,0228
⇔ p = 0,1980 ∨ p = 0,2436.
Damit erhalten wir das 95 %-Konfidenzintervall:  0,1980 ≤ p ≤ 0,2436.
Da eine Erfolgswahrscheinlichkeit von p = 0,2 in diesem Intervall enthalten ist,  
X
ist  der  Anteil  ​ __
n ​ = 0,22  in  der  Stichprobe  verträglich  mit  p = 0,2.
d) (1) Bei der Sicherheitswahrscheinlichkeit von 90 % gilt für die Abweichung der

n ​ vom wirklichen Anteil p:  |​ ​ n ​ – p |​ ≤ 1,64 ​ n ​.


X X σ
relativen Häufigkeit ​ __ __ __

σ
Wenn 1,64 ​ __
n ​  ≤ 0,03, dann ist die Forderung in 90 % der Fälle erfüllt.
__________
σ
1,64 ​ __ √ 
n · p · (1 – p)
__________
n ​  = 1,64 · ​ ​  n  ​ ​ ≤ 0,03 ⇔ 1,6​
 
  
0,2 · 0,8
42​ ​ ​ _______
n    ​ ≤ 0,0​
  32​ ​
1,6​42​ ​
⇔ n ≥ ​ _____2 ​  
0,2 · 0,8 ≈ 478,15.
0,0​3​ ​
Bei einem Stichprobenumfang von mindestens 479 Personen unterscheidet sich die
relative Häufigkeit vom wirklichen Anteil um höchstens 3 % (Sicherheitswahrschein-
lichkeit 90 %).
(2) i) Die Genauigkeit der Schätzung für p ist nur mit einer gewissen Wahrscheinlich-
keit einzuhalten. Soll diese zunehmen, so muss bei vorgeschriebener Genauigkeit
der Stichprobenumfang zunehmen – und umgekehrt. 
Analog zu (1): Mit wachsender Sicherheitswahrscheinlichkeit steigt auch c und
​c​ ​ 2
damit n ≥ ​ _____  2 ​  
0,2 · 0,8.
0,0​3​ ​

ii) Je kleiner die vorgegebene Abweichung d ist, desto größer ist der notwendige
Umfang n der Stichprobe (genauer: Der notwendige Stichprobenumfang wächst
mit umgekehrt proportional zum Quadrat der Abweichung d).
e) (1) Bei der Sicherheitswahrscheinlichkeit von 90 % gilt für die Abweichung der rela-
tiven Häufigkeit ​ __ Y
n ​ vom _________
wirklichen Anteil p:
1,64 ​√ p · (1 – p) ​  _________
​| ​ n ​ – p |​ ≤ 1,64 ​ n ​ = ​ 
Y
__ σ _____________
__ _____      √
​ = 0,046 ​  p · (1 – p) ​  .
________ ​√ 1268 ​ 
Da ​√ p · (1 – p) ​ maximal
  ist, falls p = 0,5, gilt:  |​ __
​ n ​ – p |​ ≤ 1,64 ​ __
Y σ
n ​ ≤ 0,046 · 0,5 = 0,023
Der wirkliche Anteil unterscheidet sich von der relativen Häufigkeit der Umfrage
höchstens um 2,3 %. _______________ __
​√ n · 0,5 · (1 – 0,5) ​
______________    0,5 ​√ n ​  ____
0,82
(2) Die Abweichung d = 1,64 ​         ​ = 1,64 ​ _____
    ​ = ​ 
  __  ​ 
 
n n√ ​  n ​ 
wird mit wachsendem Nenner zunehmend kleiner.