Das Glashaus Energiewende – eine kostspielige Utopie

Ulrich Wolff Februar 2013 Vorgeschichte Nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges gelang im geteilten Deutschland der Start in ein Wirtschaftswunder. Die wichtige Grundlage des Wachstums war Strom, den zunächst die deutsche Steinkohle lieferte. Der Strombedarf stieg zeitweise jährlich um 5 bis 10 % und stieg besonders stark in Süddeutschland als Voraussetzung und Folge der erfolgreichen Industrialisierung. Zur Deckung des wachsenden Bedarfes bot sich um 1960 an, Erdöl und Steinkohle zur Verstromung in küstennahen Kraftwerken zu importieren und den Strom dann über neue Stromleitungen in den Süden des Landes zu transportieren. Das „Atom for Peace“ Programm der USA lieferte unerwartet eine Alternative: Die Errichtung von Kernkraftwerken am jeweiligen Ort des Strombedarfes machte sowohl den Import von Kohle und Erdöl als auch die Installation teurer Stromleitungen überflüssig. Diese Lösung war konkurrenzlos und bekam daher den Zuschlag aller Beteiligten in Bevölkerung, Politik und Wirtschaft. Eine erste Bestätigung der Richtigkeit dieser Entscheidung folgte bereits wenige Jahre später mit einem dramatischen Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt. Dieser „Strom-Mix“ aus etwa 60% Kohle, 30% Kernenergie, 5% Erdgas, 3% Wasserkraft und 2% sonstige Quellen sicherte eine zuverlässige Stromversorgung zu einem Preis, der im Jahr 2000 11 Cent/kWh betrug. (Der Nachbar Frankreich hatte sich für einen Strom-Mix aus 80% Kernenergie, 15% Wasserkraft, 5% sonstige Quellen entschieden mit einem Strompreis von12,2 Cent/kWh im Jahr 2010.) Der politische Eingriff: Im Jahr 2000 begann der politische Eingriff in den Strom-Mix in Deutschland Wirkung zu zeigen, Bild 1. Die Kosten einer vorrangigen Zwangseinspeisung von Strom aus Windkraft und Photovoltaik verbunden mit einer für 20 Jahre garantierten Vergütung an die Investoren zahlen seither die Bürger. Die Zahlung erfolgt zum Teil sichtbar mit der Stromrechnung zum Teil enthalten im Preis der Waren und Dienstleistungen entrichtet. Noch bleibt ein kleiner Teil des wichtigen Exportes - auch mit Rücksicht auf Arbeitsplätze - von den Mehrkosten verschont. Eine gesicherte zuverlässige Stromversorgung kann nur dann fortgesetzt werden, wenn die erforderliche Summe der Nennleistungen der Kraftwerke, die mit Kohle, Kernenergie, Erdgas, Wasserkraft, Biomasse und Hausmüll betrieben werden, unverändert weiter mit etwa 85 GW verfügbar bleibt. Der sog. „Ökostrom“ kann selbst mit einer 2012 erreichten Nennleistung von 60 GW kein einziges dieser Kraftwerke ersetzen. Die Einspeisung des Ökostroms verdrängt lediglich deren Strom. In den Braunkohle- und Kernkraftwerken werden zwar Brennstoffkosten von etwa 1 bis 2 Cent/kWh des jeweils ersetzten Stroms eingespart, jedoch entsteht als Folge der erzwungenen geringeren Auslastung der Kraftwerke gegenläufig ein Verlust von mehr als 3 Cent/kWh für den verdrängten Strom.

 

Wenn eine Stilllegung der Zwangseinspeisung betroffenen Werke wegen fehlender Wirtschaftlichkeit verhindert werden soll, muss dieses Defizit der Einnahmen ebenfalls vom Stromverbraucher bezahlt werden. Diese Notwendigkeit ist bekanntlich für einige moderne Gaskraftwerke bereits eingetreten. Alle direkten und indirekten Kosten, die durch den Ökostrom selbst anfallen, addieren sich ebenfalls auf den ursprünglichen Strompreis.

Bild 1: Strom-Mix der Bruttostromerzeugung in Deutschland Strom aus Kohle und Kernenergie wird seit dem Jahr 2000 zunehmend verdrängt. Der Erdgasanteil an der Verstromung steigt dagegen marginal an. Nach der Naturkatastrophe in Fukushima wird (in einer unbegründeten Panikreaktion) die Hälfte der deutschen Kernkraftwerke zu Lasten der Reserve für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit vom Netz genommen. Eine weitere Reduktion der gesicherten Kraftwerksleistung würde Stromabschaltungen zur Folge haben.

Bild 2, Bruttostromverbrauch Deutschlands und Anteil des sog. Ökostroms.

 

Der jährliche Strombedarf (Bild 2) ist seit 1990 um etwa 10% angestiegen und bewegt sich gegenwärtig um 600 TWh. In der sog. „erneuerbaren Energie“ ist auch die Wasserkraft mit einem seit 1990 unveränderten Beitrag enthalten. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise bis zum Jahr 2012 (gegenläufig zur Preisentwicklung in Frankreich) mehr als verdoppelt (Bild 3).    

           1980         1985        1990    1995         2000        2005         2010         2015        2020 

Bild 3: Strompreise im internationalen Vergleich. Ursache für diese Preisexplosion ist der politische Eingriff in den Strom-Mix verbunden mit einer überhöhten Besteuerung der Nutzung von Energie. Die NAEB Hochrechnung der Preisentwicklung über das Jahr 2012 hinaus zeigt die leicht prüfbaren weiteren Auswirkungen der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in Verbindung mit dem technisch irrealen Ziel, den Beitrag des sog. Ökostroms zur Stromversorgung auf 80% zu erhöhen. http://de.scribd.com/doc/116255658/Die‐Energiewende‐in‐Deutschland‐Trauerspiel‐ oder‐Komodie Fazit: Entscheidungen über Investitionen in der Stromversorgung haben eine Reichweite von 50 bis 100 Jahren. Das gilt für Wasserkraft ebenso, wie für Kernkraftwerke. Für die Eingriffe in den im Jahr 2000 existierenden gesicherten Strom-Mix findet sich auch heute keine rationale Rechtfertigung. Der Feldversuch Energiewende ist dagegen Beweis, dass Planung und Realisierung der Stromversorgung nicht als politischer Spielball funktioniert, sondern nur wenn es, so wie z. B. der Bau von Kraftfahrzeugen oder das Backen von Brot ein „Primat“ von Industrie und Handwerk bleibt.

 

Die Heilung der verfahrenen Situation erfordert unverzüglich einschneidende Korrekturen. Jede Verzögerung vergrößert die schädlichen Folgen. Die Heilung kann nur gelingen durch eine Rückkehr zu den Kriterien, die im Konsens aller Beteiligten in Deutschland galten und noch heute in der Welt außerhalb Deutschlands weiterhin sorgfältig beachtet werden: „Ökostrom“ ist Nischentechnik. Auch der Betrieb bereits existierende Anlagen reduziert die Versorgungssicherheit und erhöht den Strompreis nachhaltig. Wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist daher ihre Abschaltung in Verbindung mit einer Entschädigung der durch Gesetz und Vertrag fehlgeleiteten Investoren. Kernenergie kann in Deutschland nur durch Kohle und/oder Erdgas ersetzt werden und auch erst dann, wenn vorlaufend Ersatzkraftwerke errichtet und ins Stromnetz eingebunden worden sind. Mit Blick auf die Sicherheit der Stromversorgung ist es daher zumindest fahrlässig, auch weiter auf die Nutzung der abgeschalteten 8 Kernkraftwerke zu verzichten.