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Technische Universität Dresden • Fachrichtung Mathematik

Faserbündel und
Koordinatentransformationen

Bachelorarbeit
zur Erlangung des ersten Hochschulgrades
Bachelor of Science (B.Sc.)

vorgelegt von

Solomon JACOBS

(geboren am 17.09.1994 in Hamburg)

Tag der Einreichung: tt. mm. jjjj

Prof. Dr. Peter Hornung (Institut für Geometrie)


Inhaltsverzeichnis
A. Einführung 3
A.1. Quellen und Ressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

B. Submersionen,Immersionen und Einbettungen 5


B.1. Abbildungen von konstantem Rang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
B.2. Gefaserte Mannigfaltigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
B.3. Satz vom regulären Wert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

C. Mannigfaltigkeiten als G-Räume 10


C.1. Definitionen und Begriffe von G-Mengen . . . . . . . . . . . . . . . . 10
C.2. Äquivariante Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
C.3. Quotienten von Mannigfaltigkeiten durch Gruppenwirkungen . . . . . 14

D. Koordinatentransformationen von Faserbündel 16


D.1. Lokal-triviale Faserungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
D.2. Koordinatenbündel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

E. Hauptfaserbündel und Vektorbündel 25


E.1. Hauptfaserbündel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

F. Anhang 33
F.1. Ergebnisse aus der Differentialgeometrie . . . . . . . . . . . . . . . . 33
F.2. Fortsetzung einiger Resultate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
F.3. Quellcode für Grafiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

G. Literatur 38

2
A. Einführung
Das übergeordnete Ziel dieser Arbeit ist das Konzept eines Hauptfaserbündels einzu-
führen. Der erste Abschnitt dieser Arbeit konzentriert sich auf grundlegende Ergeb-
nisse, die Abbildungen von konstantem Rang betreffen. Zunächst werden gefaserte
Mannigfaltigkeiten eingeführt, die aus zwei Mannigfaltigkeiten, dem Totalraum und
der Basis, und einer Abbildung von dem Totalraum in die Basis besteht. Eine erste
Anwendung wird darin bestehen den Totalraum Dazu beginnen wir mit der allge-
meinen Idee einer gefaserten Mannigfaltigkeit und stellen zunehmend Bedingungen
an die Objekte, die wir betrachten bis wir bei dem spezifischesten Konzept eines
”principle bundlesängelangen. Die erste Anwendung besteht zu zeigen, dass d Diese
werden in den anschließenden Kapitel benötigt, um die Existenz glatter Strukturen
zu sichern. ?? Im letzten Abschnitt wird das Hauptfaserbündels eingeführt. Eine
Reihe von Annahmen werden stillschweigend gemacht. Teilmengen topologischer
Räume werden mit der Teilraumtopologie versehen. Liegt eine Äquivalenzrelation
∼ auf einem topologischen Raum P vor, so versehen wir die Menge der Äquivalenz-
relationen P/∼ mit der Quotiententopologie. 1 Wenn wir eine glatte Struktur einer
Menge angeben, so nehmen wir an, dass diese Menge auch die induzierte Topologie
trägt. Unter der induzierten Topologie wird hierbei die Finaltopologie der Umkehr-
abbildungen der Karten, die zur glatten Struktur gehören, verstanden. Topologische
Räume werden dementsprechend nur mit Karten versehen, die Homöomorphismen
sind. Sprechen wir von der Existenz einer glatten Struktur, so wird immer ange-
nommen, dass diese zu den bereits vorliegenden Strukturen und Topologien passt.
Schreiben wir Mannigfaltigkeit, so ist immer eine glatte Mannigfaltigkeit gemeint, al-
so ein topologischer Hausdorffraum, der das zweite Abzählbarkeitsaxiom erfüllt und
eine glatte Struktur besitzt. Sprechen wir von einer Menge so besitzt diese gewönli-
che auch keine weiteren Strukturen. Wenn ein n−dimensionaler, reeller Vektorraum
V vorliegt, wird dieser als n−dimensionale Mannigfaltigkeit aufgefasst, wobei ein
Atlas von globalen Karten durch die Menge der Isomorphismen zwischen V und Rn
gegeben ist. Diese Karten sind kompatibel mit der Normtopologie von V . Sprechen
wir von einer glatten Abbildung, so sind Bild und Domäne Mannigfaltigkeiten. Sind
G1 und G2 Mannigfaltigkeiten, so ist G1 ×G2 immer mit der Produkttopologie verse-
hen. Die Abbildung pri : G1 ×G2 → Gi mit pri (g1 , g2 ) = gi bezeichnet die Projektion
auf den i-ten Faktor. Ist κ : X → Rn eine glatten Abbildung, so unterscheiden wir
nicht zwischen dem Differential dκx : Tx X → T Rn von κ am Punkt x ∈ X und der
linearen Abbildung
Tx X → Rn , [γ] 7→ (κ ◦ γ)′ (0)
Liegt eine Gruppe (G, ·) vor, so bezeichnen wir die Multiplikation zweier Elemente
g · h mit gh. e bezeichnet das neutrale Element und g −1 das inverse Element von g.

1
Könnte entsprechender Stelle erwähnt werden.

3
A.1. Quellen und Ressourcen
Die Kapitel A und B orientieren sich an [4]. Die Kapitel C und an [2]. Kapitel D
orientiert sich sich zudem an [6].

Hauptfa-
serbündel
Gefaserte Man- Lokal-triviale Koordina-
nigfaltigkeit Faserung tenbündel
Vektorbündel

4
B. Submersionen,Immersionen und
Einbettungen
B.1. Abbildungen von konstantem Rang
Definition B.1.1 (Konstanter Rang). Eine glatte Abbildung F : M → N be-
sitzt konstanten Rang k ∈ N, falls für alle m ∈ M der Rang des Differentials
dFm : Tm M → TF (m) N , d.h. die Dimension des Bildes von dFm , gleich k ist.

Satz B.1.2 (Rangtheorem). Seien M und N Mannigfaltigkeiten der Dimension


m bzw. n. Sei F : M → N eine glatte Abbildung von konstantem Rang k. Dann
existiert für jedes p ∈ M eine Karte (U, κ) von M um p und eine Karte (V, η) von
N um F (p), sodass F (U ) ⊂ V und

η ◦ F ◦ κ−1 : κ(U ) → Rn ,
(η ◦ F ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xk , xk+1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xk , 0, ..., 0).

Beweis. Ein Beweis findet sich beispielsweise in [4, S. 81-82].

Definition B.1.3 (Submersion). Eine glatte Abbildung F : M → N heißt Submer-


sion, falls ihr Differential dFm : Tm M → TF (m) N für alle m ∈ M surjektiv ist.

Definition B.1.4 (Immersion). Eine glatte Abbildung F : M → N heißt Immersi-


on, falls ihr Differential dFm : Tm M → TF (m) N für alle m ∈ M injektiv ist.

Satz B.1.5: Globales Rangtheorem


Sei F : M → N eine glatte Abbildung mit konstantem Rang.

(i) Falls F surjektiv ist, so ist F eine Submersion.


(ii) Falls F injektiv ist, so ist F eine Immersion.
(iii) Falls F bijektiv ist, so ist F ein Diffeomorphismus.

Beweis. Sei m = dim M, n = dim N , und bezeichne k den konstanten Rang von F .
Wir zeigen zunächst (i) durch Widerspruch. Angenommen F sei keine Submersion,
d.h. k < n. Nach dem Rangtheorem existiert für jedes p ∈ M eine Karte (U, κ) von
M um p und eine Karte (V, η) von N um F (p), sodass F (U ) ⊂ V und

η ◦ F ◦ κ−1 : κ(U ) → Rn ,
(η ◦ F ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xk , xk+1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xk , 0, ..., 0).

5
Insbesondere gilt η(F (U )) ⊂ {(x1 , . . . , xn ) ∈ Rn : xk+1 = · · · = xn = 0} und daher
ist η(F (U )) eine Lebesgue-Nullmenge. Da jede offene Überdeckung einer Mannigfal-
tigkeit eine abzählbare Teilüberdeckung besitzt, können wir M mit einer abzählba-
ren Menge von solcher Karten {(Ui , κi )} überdecken, mit korrespondierenden Karten
{(Vi , ηi )}, die F (M ) überdecken. Falls V ∩Vi nicht leer ist, sind die die Kartenwechsel
ηi ◦ η −1 |η(V ∩Vi ) Diffeomorphismen. Aus der Transformationsformel folgt
∫ ∫
L (η(F (Ui ) ∩ V )) =
n
1dL = n
| det(∇(η ◦ ηi−1 )|dL n = 0.
η(F (Ui )∩V ) ηi (F (Ui )∩V )

Aus F (M ) = N folgt, dass η(V ) die Vereinigung abzählbar vieler Lebesgue-Null-


mengen ist, denn
∪ ∪
η(V ) = η(F (M ) ∩ V ) = η( i F (Ui ) ∩ V ) = i η(V ∩ F (Ui )).
Also ist η(V ) eine Lebesgue-Nullmenge. Aber η(V ) ist das Bild einer Kartenumge-
bung und daher offen.
Wir zeigen nun (ii) ebenfalls durch Widerspruch. Angenommen F sei keine Immer-
sion, d.h. k < m. Sei p ∈ M beliebig. Nach dem Rangtheorem existiert eine Karte
(U, κ) von M um p und eine Karte (V, η) von N um F (p), sodass F (U ) ⊂ V
η ◦ F ◦ κ−1 : κ(U ) → Rn ,
(η ◦ F ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xk , xk+1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xk , 0, ..., 0).
Wir wählen x = (x1 , . . . , xm ) ∈ κ(U ) beliebig. Da κ(U ) offen ist, existiert ein ε > 0,
sodass x′ := (x1 , . . . , xm−1 , xm + ε) in κ(U ) liegt. x und x′ haben beide das Bild
(x1 , . . . , xr , 0, . . . , 0) unter η ◦ F ◦ κ−1 . Da η und κ−1 injektiv sind, kann F nicht
injektiv sein.
Wir folgern nun (iii) aus (i) und (ii). Sei F also bijektiv und sei q ∈ N beliebig. Wir
möchten zeigen, dass F −1 in q glatt ist. Nach (i) und (ii) ist n = k = m. Nach dem
Rangtheorem existiert eine Karte (U, κ) von M um F −1 (q) und eine Karte (V, η)
von N um q, sodass F (U ) ⊂ V und
η ◦ F ◦ κ−1 : κ(U ) → Rm , (η ◦ F ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xm ).
Daher gilt η ◦ F ◦ κ−1 = idκ(U ) und η −1 (κ(U )) = F (U ). In den Karten (F (U ), η|F (U ) )
und (U, κ) ist
(κ ◦ F −1 ◦ η|−1
F (U ) ) = idκ(U ) .

Aus q ∈ F (U ) folgt somit, dass F −1 in q glatt ist.

B.2. Gefaserte Mannigfaltigkeiten


Definition B.2.1 (Gefaserte Mannigfaltigkeit). Eine gefaserte Mannigfaltigkeit ist
ein Tupel (E, π, B), bestehend aus einer Mannigfaltigkeit E (Totalraum), einer Man-
nigfaltigkeit B (Basis) und einer surjektiven Submersion π : E → B (Projektion).
Definition B.2.2 (Lokale Schnitte). Sei π : E → B eine glatte Abbildung und
U ⊂ B offen. Dann heißt eine glatte Abbildung σ : U → E lokaler Schnitt von π,
falls die Identität π ◦ σ = idU erfüllt ist.

6
Lemma B.2.3 (Theorem der lokalen Schnitte). Sei π : E → B eine glatte Abbil-
dung. Dann ist π genau dann eine Submersion, falls jedes Element von E im Bild
eines lokalen Schnittes von π liegt. Insbesondere erhalten wir eine hinreichende und
notwendige Bedingung dafür, dass eine glatte, surjektive Abbildung die Projektion
einer gefaserten Mannigfaltigkeit ist.
Beweis. Sei π zunächst eine Submersion. Sei m = dim E, n = dim B und p ∈ E
beliebig. Nach dem Rangtheorem existiert eine Karte (U, κ) von E um p und eine
Karte (V, η) von B um π(p), sodass π(U ) ⊂ V und
η ◦ π ◦ κ−1 : κ(U ) → Rn ,
(B.2.3.∗)
(η ◦ π ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xn , xn+1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xn ).
Wir schreiben (p1 , . . . , pm ) := κ(p). Da κ(U ) eine Umgebung von (p1 , . . . , pm ) ist,
existiert ein ε > 0, sodass
W := {(x1 , . . . , xn , pn+1 , . . . , pm ) ∈ Rm : |x1 − p1 | < ε, . . . , |xn − pn | < ε}
eine Teilmenge von κ(U ) ist. Bezeichne nun O := κ−1 (W ). Wir ziehen nun zwei
Schlüsse aus Gleichung (B.2.3.∗). Zum einen folgt, dass η ◦ π ◦ κ−1 auf W injektiv
und daher ist auch π|κ−1 (W ) = π|O injektiv. Zum anderen ist
(η ◦ π)(O) = (η ◦ π ◦ κ−1 )(W )
= {(x1 , . . . , xn ) ∈ Rn : |x1 − p1 | < ε, . . . , |xn − pn | < ε}
und daher ist π(O) offen. Wir definieren einen lokalen Schnitt σ : π(O) → O durch
σ(x) := (π|O )−1 (x). Dass π(O) offen ist, wurde bereits gezeigt. Per Konstruktion gilt
p ∈ O. Die Identität π ◦ σ = idπ(O) ist offenkundig. Zuletzt folgt die Glattheit von
σ daraus, dass in den Karten (π(O), η|π(O) ) und (U, κ) und für alle (x1 , . . . , xn ) ∈
(η ◦ π)(O)
(κ ◦ σ ◦ η −1 )(x1 , . . . , xn ) = (x1 , . . . , xn , pn+1 , . . . , pm )
gilt.
Sei nun umgekehrt jedes Element von E im Bild eines lokalen Schnittes von π. Für
ein gegebenes p ∈ E, sei x ∈ B und sei U ⊂ B eine offene Umgebung von x, sodass
ein lokaler Schnitt σ : U → E mit σ(x) = p existiert. Die Identität π ◦ σ = idU
impliziert, dass dπp ◦ dσx = idTx B . Also ist dπp surjektiv.
Folgerung B.2.4. Sei π : E → B eine Submersion. Dann ist π offen.
Beweis. Sei W eine offene Teilmenge von E und sei p ∈ W beliebig. Es ist zu zeigen,
dass π(p) eine Umgebung in π(W ) besitzt. Nach Lemma B.2.3 existiert eine offene
Umgebung U ⊂ E von p, auf der ein lokaler Schnitt σ definiert ist und in dessen
Bild p liegt. Per Konstruktion ist π(p) ∈ σ −1 (W ) und da σ stetig, ist σ −1 (W ) offen.
Es bleibt noch zu zeigen, dass σ −1 (W ) ⊂ π(W ). Für jedes x ∈ σ −1 (W ), folgt aus
σ(x) ∈ W auch x = π(σ(x)) ∈ π(W ). Somit ist σ −1 (W ) die gesuchte Umgebung.
Folgerung B.2.5. Sei (E, π, B) eine gefaserte Mannigfaltigkeit. Dann trägt B die
durch π induzierte Quotiententopologie, d.h. U ⊂ B ist genau dann offen, wenn
π −1 (U ) offen ist.
Beweis. Da π stetig ist, folgt aus U ⊂ B offen, dass π −1 (U ) offen ist. Die Surjekti-
vität von π impliziert, dass (π ◦ π −1 )(U ) = U ist. Da nach Folgerung B.2.4 π offen
ist, folgt aus π −1 (U ) offen, dass (π ◦ π −1 )(U ) = U offen ist.

7
B.3. Satz vom regulären Wert
Definition B.3.1 (Einbettung). Eine injektive Immersion F : M → N heißt Ein-
bettung, falls die Abbildung F : M → F (M ) ein Homöomorphismus bezüglich der
von N auf F (M ) induzierten Teilraumtopologie.

Definition B.3.2 (Untermannigfaltigkeit). Sei M eine Mannigfaltigkeit. Eine Teil-


menge A ⊂ M heißt eingebettete Untermannigfaltigkeit von M , falls sie mit einer
glatten Struktur versehen ist, sodass die Inklusionsabbildung ι : A ,→ M eine Ein-
bettung ist.

Bemerkung B.3.3. Die von M auf A induzierte Teilraumtopologie entspricht der


Initialtopologie der Inklusionsabbildung ι : A ,→ M . Somit ist ι : A → A genau
dann ein Homöomorphismus, wenn die Teilraumtopologie von A mit der Topologie
übereinstimmt, die A als Mannigfaltigkeit besitzt.

Lemma B.3.4 (Satz vom regulären Wert). Seien M und N Mannigfaltigkeiten der
Dimension m bzw. n. Sei F : M → N eine Submersion und sei c ∈ F (M ). Dann
ist die Niveaumenge A := F −1 (c) ⊂ M eine eingebettete Untermannigfaltigkeit der
Dimension m − n und es gilt Ta A = ker dFa für alle a ∈ A.

Beweis. Wir konstruieren zunächst einen Atlas auf A. Nach dem Rangtheorem exis-
tiert für jedes a ∈ A eine Karte (U, κ) von M um a und eine Karte (V, η) von N um
F (a), sodass F (U ) ⊂ V und

η ◦ F ◦ κ−1 : κ(U ) → Rn , (η ◦ F ◦ κ−1 )(x1 , . . . , xn , xn+1 , . . . , xm ) = (x1 , . . . , xn ).

Für jede solche Karte (U, κ) von M definieren wir eine Karte (Ũ , κ̃) auf A mit
κ̃ := prm−n ◦ κ und Ũ := U ∩ A, wobei prm−n : Rm → Rm−n die Projektion auf die
(n+1)-ste bis m-te Koordinate bezeichnet. Da F |A konstant ist, sind auch die ersten
n Koordinaten von κ|A konstant. Daher ist κ̃ injektiv und es gilt κ̃−1 (xn+1 , . . . , xm ) =
κ−1 (c1 , . . . , cn , xn+1 , . . . , xm ) für c1 , . . . , cn ∈ R. Ist (θ, W ) eine weitere Karte auf M ,
die eine Karte (θ̃, W̃ ) auf A induziert, so gilt

(θ̃ ◦ κ̃−1 )(xn+1 , . . . , xm ) = (prm−n ◦ θ ◦ κ−1 )(xn+1 , . . . , xm )


= (c1 , . . . , cn , xn+1 , . . . , xm )

und somit ist θ̃◦κ̃−1 glatt. Ferner ist κ(A∩U ∩W ) = {(c1 , . . . , cn )}×Rm−n ∩κ(U ∩W )
offen in {(c1 , . . . , cn )} × Rm−n . Daher ist κ̃(Ũ ∩ W̃ ) = prm−n (κ(A ∩ U ∩ W )) offen.
Es ist noch zu prüfen, dass diese Karten eine hausdorffsche, abzählbare Topologie
induzieren und dass diese Topologie mit der Teilraumtopologie übereinstimmt. Da
die Teilraumtopologie hausdorffsch und abzählbar ist, genügt es prüfen, dass die
zwei Topologien übereinstimmen. Nach B.3.3 genügt es zu zeigen, dass die Inklusion
ι : A ,→ M eine Einbettung ist. Dies folgt unmittelbar aus

κ ◦ ι ◦ κ̃−1 : κ̃(U ) → Rm , (κ ◦ ι ◦ κ̃−1 )(xn+1 , . . . , xm ) = (c1 , . . . , cn , xn+1 , . . . , xm ).

Somit ist A eine Mannigfaltigkeit und ferner eine Untermannigfaltigkeit von M .

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Es bleibt noch zu zeigen, dass Ta A = ker dFa für alle a ∈ A. Sei also v ∈ Ta A beliebig
und γ : (−ε, ε) → A eine Kurve mit v = γ ′ (0). Dann gilt

d d
dFa v = F (γ(t)) = c = 0
dt t=0 dt t=0

und daher Ta A ⊂ ker dFa . Aus

dim Ta A = dim M − dim N = dim ker(dFa ) + rang (dFa ) − dim N = dim ker(dFa )

folgt die Gleichheit.

Folgerung B.3.5. Sei (E, π, B) eine gefaserte Mannigfaltigkeit und sei x ∈ B belie-
big. Die Niveaumenge A := π −1 (x) ist eine eingebettete Untermannigfaltigkeit des
Totalraums E. Ist p ∈ A und ist V ⊂ Tp E ein zu Tp A komplementärer Untervek-
torraum von Tp E, so ist dπp : V → Tx B ein Isomorphismus.

Beweis. Der erste Teil folgt direkt aus dem Satz vom regulären Wert und der
Surjektivität von π. Bezeichne f := dπp . Die kanonische Projektion q : Tp E →
{v + ker f : v ∈ Tp E} ist durch q(v) = v + ker f definiert. Nach dem ersten Iso-
morphiesatz existiert ein Isomorphismus f˜: {v + ker f : v ∈ Tp E} → Tx B, sodass
f = f˜ ◦ q. Es folgt nun, dass f |V = f˜ ◦ q|V ein Isomorphismus ist, da q|V ein
Isomorphismus ist.

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C. Mannigfaltigkeiten als G-Räume
C.1. Definitionen und Begriffe von G-Mengen
Die Begriffe, die in diesem Abschnitt eingeführt werden, sind algebraischer Natur.
Unser Ziel ist es den Bahnenraum P/G zu definieren. Ferner führen wir einige Kon-
zepte ein, die beim Besprechen von Koordinatenbündel hilfreich sein werden.

Definition C.1.1 (G-Räume). Sei P eine Mannigfaltigkeit, G eine Lie-Gruppe.


Man sagt: G wirkt von rechts auf P , falls eine glatte Abbildung

λ : P × G → P, (p, g) 7→ p · g

gegeben ist, für die gilt

(p · h) · g = p · (hg) für alle g, h ∈ G, p ∈ P

sowie
p·e=p für alle p ∈ P
und für das neutrale Element e ∈ G. Die Mannigfaltigkeit P heißt (linker) G-Raum.
Wenn wir eine glatte Wirkung P × G → P betrachten, so setzen wir (ohne weitere
Erwähnung) voraus, dass G eine Lie-Gruppe und P eine Mannigfaltigkeit ist. Analog
definiert man diese Begriffe, falls G von links wirkt.

Bemerkung C.1.2. Die Abbildung (·g) : p ∈ P 7→ p · g ∈ P ist ein Diffeomorphis-


mus mit glatter Umkehrabbildung (·g −1 ).

Definition C.1.3 (G als G-Raum). Eine Lie-Gruppe G wirkt auf sich selbst mittels

θ : G × G → G, θ(h, g) := hg.

Durch diese Abbildung wird G zugleich ein linker und ein rechter G-Raum.

Definition C.1.4. Eine Wirkung P × G → G heißt effektiv, falls für jedes g ∈ G


aus (·g) = idP bereits g = e folgt.

Definition C.1.5. Eine Wirkung P × G → G heißt frei, wenn für jedes Paar
(p, g) ∈ P × G aus p · g = p stets g = e folgt. Folglich ist sie genau dann frei, wenn
für alle g ∈ G die Abbildung (·g) : P → P entweder fixpunktfrei ist oder trivial, d.h.
(·g) = (·e) = idP .

Definition C.1.6 (Homogener Raum). Eine G-Wirkung λ : P × G → P heißt


transitiv, wenn zu jedem Paar (p, q) ∈ P × P ein Element g ∈ G mit p · g = q
existiert. Man sagt auch, dass P ein homogener G-Raum ist.

10
Bemerkung C.1.7. Die in Definition C.1.3 beschriebene Wirkung θ ist transitiv,
da g · (g −1 h) = h bzw. (hg −1 ) · g = h ist. G ist somit ein homogener G-Raum. Ferner
ist θ frei (und daher auch effektiv).

Definition C.1.8 (Bahnenraum). Sei G × P → P eine glatte Wirkung. Wir sagen,


dass zwei Elemente p, q ∈ P äquivalent sind (in Zeichen p ∼ q), falls ein g ∈ G mit
p · g = q existiert. Wir bezeichnen die Äquivalenzklasse von p mit

p · G := {p · g : g ∈ G}.

Man spricht auch von der Bahn von p. Die Menge aller Bahnen

P/G := P/∼ = {p · G : p ∈ P }

wird als Bahnenraum bezeichnet. Die Quotientenabbildung ist gegeben durch die
surjektive Abbildung p : p ∈ P 7→ p · G ∈ P/G.

Definition C.1.9 (Orbitabbildungen). Sei λ : P ×G → P eine glatte Wirkung (von


rechts). Dann heißt die Abbildung

λ(p) : G → P, λ(p) (g) := p · g

Orbitabbildung von p ∈ P .

Bemerkung C.1.10. Das Bild der Orbitabbildung λ(p) ist p · G (man vergleiche
die Definitionen).

C.2. Äquivariante Abbildungen


In diesem Abschnitt zeigen wir, dass die Orbitabbildungen einer freien, glatten Wir-
kung zwar Immersionen, aber im Allgemeinen keine Homöomorphismen sind.

Definition C.2.1 (G-Äquivarianz). Sei G eine Lie-Gruppe, und seien P und P ′


linke G-Räume. Eine Abbildung f : P → P ′ heißt G-äquivariant, falls

f (p · g) = f (p) · g für alle p ∈ P, g ∈ G

gilt, d.h. das Diagramm


·g
P P

f f

P′ ·g P′

kommutiert. Analog definieren wir G-äquivariante Abbildung, falls P und P ′ rechte


G-Räume sind.

11
Beispiel C.2.2. Lineare Abbildungen zwischen C-Vektorräumen sind G-äquivariant
bezüglich der kanonischen Wirkung durch Skalare, wobei G := {z ∈ C : z ̸= 0} die
komplexe, multiplikative Gruppe ist. 0 wurde ausgeschlossen, um eine Gruppe zu
erhalten.

Proposition C.2.3 (Der Rang äquivarianter Abbildungen). Sei f : P → P ′ eine


glatte G-äquivariante Abbildung zwischen zwei G-Räumen P und P ′ . Dann besitzt
f konstanten Rang auf jeder Bahn O ⊂ P , d.h. für alle p, q ∈ O ist der Rang der
linearen Abbildung dfp gleich dem von dfq .
Beweis. Seien p, q ∈ O. Da die Wirkung von G transitiv ist auf der O, existiert
ein g ∈ G mit p · g = q. Aufgrund der Äquivarianz von f , gilt f ◦ (p 7→ p · g) =
(m 7→ m · g) ◦ f . Mit Hilfe der Kettenregel folgt die Kommutativität des folgenden
Diagramms
d(·g)p
Tp P Tq P

dfp dfq

Tf (p) P ′ Tq P ′
d(·g)f (q)

Da (·g) ein Diffeomorphismus ist, sind d(·g)p und d(·g)f (p) Isomorphismen. Somit
folgt, dass der Rang von dfp gleich von dfq ist.
Proposition C.2.4. Sei λ : P × G → P eine glatte, freie Wirkung. Dann ist die
Orbitabbildung λ(p) : G → P eine äquivariante und injektive Immersion.
Beweis. Sei p ∈ P . Die Orbitabbildung λ(p) ist glatt, da λ(p) = λ ◦ (g 7→ (p, g)). Die
Wirkung λ ist frei, insbesondere folgt aus p · g = p · h, dass g = h ist. Das bedeutet
λ(p) ist injektiv. Weiterhin gilt

λ(p) (gh) = p · (gh) = (p · g) · h = λ(p) (g) · h

für alle h, g ∈ G. Somit ist λ(p) äquivariant. Der Bahnenraum von G ist nach C.1.7
gleich {G}. Somit besitzt λ(p) konstanten Rang auf ganz G nach Proposition C.2.3.
Aus B.1.5 folgt die Aussage.
Folgerung C.2.5. Sei λ : G × P → P eine glatte, freie Wirkung und sei das Tu-
pel (P, p, P/G) aus G-Raum, Quotientenabbildung und Bahnenraum eine gefaserte
Mannigfaltigkeit. Dann sind die Orbitabbildungen Diffeomorphismen auf ihr Bild.
Beweis. Sei p ∈ P und λ(p) die zugehörige Orbitabbildung. Nach Folgerung B.3.5
ist das Bild der Orbitabbildung λ(p)

Im λ(p) = p · G = p−1 (p · G)

eine eingebettete Untermannigfaltigkeit in P . Aus Proposition C.2.4 und Satz B.1.5


folgt die Aussage.

12
Beispiel C.2.6 (Kurven mit irrationalem Anstieg im Torus). Sei α ∈ R eine irra-
tionale Zahl und bezeichne S1 = {z ∈ C : |z| = 1} die eindimensionale Sphäre. Wir
T
betrachen die glatte Wirkung von R auf den Torus 2 = S1 × S1 ⊂ C2 , die durch

λ: T2 × R → T2 , (z1 , z2 ) · t := (z1 e2πit , z2 e2πiαt )

gegeben ist. Diese Wirkung ist frei. Aus (z1 , z2 )·t = (z1 , z2 )·s folgt, dass e2πit = e2πis
und e2πiαt = e2πiαs . Dies impliziert, dass t − s ∈ Z und α(t − s) ∈ Z. Da α irrational
ist, folgt t = s. Die Orbitabbildung λ(1,1) ist nach Proposition C.2.4 eine injektive
T T
Immersion. Wir zeigen nun, dass ( 2 , p, 2 /R) keine gefaserte Mannigfaltigkeit ist,
indem wir zeigen, dass λ(1,1) kein Homöomorphismus ist und Folgerung C.2.5 an-
wenden. Nachdem dirichletschen Approximationssatz existiert eine Folge von ganzen
Zahlen (ni , mi )i∈N ⊂ Z2 , sodass |αni − mi | → 0 für i → ∞. Als Teilmenge der ganzen
Zahlen, ist die Folge (ni )i∈N nicht konvergent. Jedoch konvergiert λ(1,1) (ni ) → (1, 1)
für i → ∞, denn
(1,1)
λ (ni ) − (1, 1) = (e2πini , e2πiαni ) − (1, 1) = e2πiαni − 1 = e2πiαni − e2πimi

und die linke Seite konvergiert gegen 0 für i → ∞, denn


2πiαn
e i
− e2πimi ≤ 2π |αni − mi | → 0

für i → ∞ nach Konstruktion.


T
Um sich die Wirkung von R auf 2 zu veranschaulichen, können wir 2 in den R3 T
einbetten. Es ist naheliegend θ und ψ mit Variablen einer Parameterdarstellung eines
Torus zu identifizieren. In Hinblick auf kommende Ausführungen in Beispiel E.1.10
T
ist die Einbettung σ : 2 → R3 , definiert durch
( )
( iθ i(θ+ψ) ) cos(θ) sin(θ) sin(θ + ψ)
σ e ,e := √ ,√ ,√ ,
2 − sin(θ + ψ) 2 − sin(θ + ψ) 2 − sin(θ + ψ)

interessant. Dies ist in Abbildung (C.2.6.a) dargestellt.

Abbildung (C.2.6.a).
√ Einbettung der Menge λ(1,1) ([0, 100]) in den R3 mittels σ. Hier-
bei ist α = ( 2 + 9)/10. Je größer t, desto heller ist λ(1,1) (t) eingefärbt.

13
C.3. Quotienten von Mannigfaltigkeiten durch
Gruppenwirkungen
Das Tupel (P, p, P/G) aus G-Raum, Quotientenabbildung und Bahnenraum ist im
Allgemeinen keine gefaserte Mannigfaltigkeit. Wir wollen eine Bedingung diskutie-
ren, die hinreichend dafür ist, dass (P, p, P/G) eine gefaserte Mannigfaltigkeit ist.
Definition C.3.1 (Eigentliche Wirkungen). Eine glatte Wirkung P × G → G heißt
eigentlich, falls für jede Folge (pi ) in P und jede Folge (gi ) in G mit den Eigen-
schaften, dass sowohl (pi ) als auch (pi · gi ) konvergiert, auch eine Teilfolge von (gi )
konvergiert.
Bemerkung C.3.2. Eine alternative Definition eigentlicher Wirkungen ist üblich.
Eine Wirkung heißt eigentlich, falls die Abbildung (p, g) 7→ (p · g, p) eigentlich ist.
Falls man eine topologische Gruppe betrachtet, die auf einen topologischen Raum
wirkt, und sowohl Gruppe als auch der Raum Hausdorff-Räume sind, die das erste
Abzählbarkeitsaxiom erfüllen, so sind diese Definitionen äquivalent. Eine vollständi-
ge Charakterisierung eigentlicher Wirkungen findet sich in [4, S. 543].
Beispiel C.3.3. Jede glatte Wirkung durch eine kompakte Lie-Gruppe ist eigent-
lich.
Satz C.3.4 (Quotientenmannigfaltigkeiten). Sei G eine Lie-Gruppe, die glatt, frei
und eigentlich auf eine Mannigfaltigkeit P wirkt. Dann ist der Bahnenraum P/G
eine topologische Mannigfaltigkeit der Dimension dim P − dim G und besitzt ei-
ne eindeutige glatte Struktur mit der Eigenschaft, dass die Quotientenabbildung
p : P → P/G eine Submersion ist.
Beweis. Ein Beweis findet sich beispielsweise in [4, S. 544-547].
Wir werden sehen, dass falls die Quotientenabbildung die Projektion einer gefaser-
ten Mannigfaltigkeit ist, sie bereits die Projektion eines G-Hauptfaserbündels ist.
Auf Grundlage dieser Eigenschaft werden wir zeigen, dass Satz C.3.4 eine partielle
Umkehrung besitzt. Im Kontext von Hauptfaserbündeln ist es nicht üblich die Quo-
tientenabbildung und den Bahnenraum explizit zu betrachten. Dies ist der Inhalt
von Lemma C.3.6.
Proposition C.3.5. Sei P × G → P eine Wirkung und π : P → B eine surjektive
Abbildung. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent:

(i) Es gibt eine Bijektion h : P/G → B, sodass h ◦ p = π.


(ii) Für alle p ∈ P ist π −1 (π(p)) = p · G.
(iii) Für alle p, q ∈ P gilt π(p) = π(q) genau dann, wenn ein g ∈ G mit p · g = q
existiert.

Beweis. Dieser einfache Beweis ist in Abschnitt F.2 aufgeführt.


Lemma C.3.6. Sei π : P → B eine surjektive Abbildung von der Mannigfaltigkeit
P in die Menge B und sei P × G → P eine glatte Wirkung (von rechts), sodass
π −1 (π(p)) = p · G für alle p ∈ P gilt. Die folgenden Aussagen sind äquivalent.

14
(i) Es existiert eine glatte Struktur auf P/G, sodass (P, p, P/G) eine gefaserte
Mannigfaltigkeit ist.
(ii) Es existiert eine glatte Struktur auf B, sodass (P, π, B) eine gefaserte Man-
nigfaltigkeit ist.

Skizze. Sei h : P/G → B eine Bijektion, sodass h ◦ p = π (Proposition C.3.5). Die


Abbildung h induziert eine (eindeutige) glatte Struktur auf B bzw. P/G, sodass h
ein Diffeomorphismus ist (durch Komposition von Karten mit h bzw. h−1 ).

15
D. Koordinatentransformationen von
Faserbündel
Dieser Abschnitt orientiert sich an [2]. Die Begriffe Kozykel und Kokette bilden eine
Ausnahme, wir folgen stattdessen der Nomenklautur in [6]. Der Grund dafür liegt
darin, dass die diskutierten Gruppen im Allgemeinen nicht abelsch sind, und wir
daher die Darstellung von Kohomologie vermeiden. Details finden sich in [1].

D.1. Lokal-triviale Faserungen


Definition D.1.1 (Lokal-triviale Faserung). Seien E, B, F Mannigfaltigkeiten. Wei-
terhin sei π : E → B eine glatte, surjektive Abbildung, die lokal trivialisierbar ist,
d.h. für jeden Punkt x ∈ B existiert eine offene Umgebung U zusammen mit einem
Diffeomorphismus ϕ : π −1 (U ) → U × F , für den pr1 ◦ ϕ = π auf π −1 (U ) ist, also das
Diagramm
ϕ
π −1 (U ) U ×F

π pr1
U

kommutiert. Dann bezeichnet man das Tupel (E, π, B; F ) als lokal-triviale Fase-
rung mit dem Fasertyp F . Hierbei ist U × F mit der differenzierbaren Struktur der
Produktmannigfaltigkeit versehen und pr1 : B × F → B bezeichnet die kanonische
Projektion auf den ersten Faktor.
(U, ϕ) heißt lokale Trivialisierung oder Bündelkarte über U , die Mannigfaltigkeit E
heißt Totalraum und die∪Mannigfaltigkeit B heißt Basis. Eine Menge von Bündel-
karten {(Ui , ϕi )}i∈I mit i∈I Ui = B heißt Bündelatlas. Die Abbildung π heißt Pro-
jektion. Wir bezeichnen π −1 (x) als Faser über x oder kurz mit Ex . Allgemeiner
bezeichnen wir mit EV := π −1 (V ) die Menge der Fasern über V ⊂ M . Wir werden
oft die Komposition der kanonischen Projektion pr2 : V × F → F mit einer Bündel-
karte betrachten. Daher vereinbaren wir, dass φ := pr2 ◦ ϕ bzw. φi := pr2 ◦ ϕi , wann
immer wir eine Bündelkarte (U, ϕ) bzw. (Ui , ϕi ) betrachten.
Lemma D.1.2. Seien die Bezeichungen wie in der vorangehenden Definition. Dann
ist φ|Ex : Ex → F ein Diffeomorphismus zwischen Faser und Fasertyp F ist.
Definition D.1.3 (Koordinatentransformation). Sei {(Ui , ϕi )}i∈I ein Bündelatlas
einer lokal-trivialen Faserung mit Fasertyp F . Dann heißt die Abbildung
ϕi ◦ ϕ−1
j : (Ui ∩ Uj ) × F → (Ui ∩ Uj ) × F, (x, v) 7→ (x, (φi ◦ φj |−1
Ex )(v))

16
Bündelkartenwechsel von (Uj , ϕj ) nach (Ui , ϕi ). Die resultierende Abbildung

tij : Ui ∩ Uj → Diff(F ), tij (x) := φi ◦ φj |−1


Ex

heißt Koordinatentransformation, wobei Diff(F ) die Gruppe der Diffeomorphismen


der Mannigfaltigkeit F bezeichnet.
Bemerkung D.1.4. Eine lokal-triviale Faserung mit Fasertyp F bezeichnet Ste-
enrod als Ehresmann-Feldbau-Bündel. Wir folgen hier [2] und sagen lokal-triviale
Faserung. Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen unserer Definition und Steen-
rods. Steenrod fordert die Existenz einer Gruppe G und von Mengen Gx mit gewissen
Eigenschaften. Ausgehend von unserer Definition kann man solche Objekte erhal-
ten, indem man wie folgt vorgeht. Man definiert G als die kleinste Untergruppe von
Diff(F ), die alle Bilder der Koordinatentransformationen enthält. Für alle x ∈ B
setzt man Gx := {v ∈ F 7→ ϕ−1 (x, g(v)) ∈ Ex : g ∈ G}, wobei (U, ϕ) eine beliebige
Bündelkarte um x ∈ U ist. Diese Objekte besitzen die gewünschten Eigenschaften.
Liegt eine lokal-triviale Faserung vor, so erhalten wir insbesondere eine gefaserte
Mannigfaltigkeit. Dies folgt direkt aus dem folgenden Lemma.
Lemma D.1.5 (Existenz lokaler Schnitte). Sei (E, π, B; F ) eine lokal-triviale Fa-
serung und (U, ϕ) eine zugehörige Bündelkarte. Sei p ∈ EU beliebig und bezeichne
v := φ(p) ∈ F . Dann ist die Abbildung

σ : U → EU , σ(x) := ϕ−1 (x, v)

ein lokaler Schnitt von π. Insbesondere liegt jedes Element von E im Bild eines
lokalen Schnittes von π.
Beweis. σ ist glatt, da σ = ϕ−1 ◦ (x 7→ (x, v)). Weiterhin gilt π ◦ σ = π ◦ ϕ−1 ◦ (x 7→
(x, v)) = pr1 ◦ (x 7→ (x, v)) = idU . Der zweite Teil folgt daraus, dass E von Mengen
der Form EU überdeckt wird.
Folgerung D.1.6. Ist (E, π, B; F ) eine lokal-triviale Faserung, so ist (E, π, B) eine
gefaserte Mannigfaltigkeit.
Beweis. Es ist nur zu zeigen, dass π eine Submersion ist. Dies folgt direkt aus
Lemma B.2.3 und Lemma D.1.5.
Bemerkung D.1.7. Resultiert eine gefaserte Mannigfaltigkeit (E, π, B) aus einer
lokal-trivialen Faserung (E, π, B; F ), so sind die Fasern π −1 (x) nach Lemma D.1.2
zueinander diffeomorph. Für beliebige gefaserte Mannigfaltigkeit ist dies nicht der
Fall. Sei beispielsweise F = S1 und p ∈ E beliebig. Dann ist (E \ {p}, π|E\{p} , B)
eine gefaserte Mannigfaltigkeit. Jedoch ist die Faser Eπ(p) nach dem Entfernen von p
nicht abgeschlossen, und daher nicht diffeomorph S1 . Insbesondere ist π|E\{p} nicht
lokal-trivialisierbar.
Beispiel D.1.8 (Tangentialbündel). Sei X eine n−dimensionale Mannigfaltigkeit.
Wir betrachten die disjunkte Vereinigung aller Tangentialräume von X

˙
T X := {x} × Tx X.
x∈X

17
Es handelt sich um eine Menge parametrisierter Vektorräume zusammen mit einer
Abbildung π : T X → X mit π(x, v) := x. Wir können T X als Totalraum einer
lokal-trivialen Faserung auffassen, sodass π die natürliche Projektion ist. Zunächst
versehen wir T X mit einer Topologie und einer differenzierbaren Struktur, sodass
wir eine 2n−dimensionale Mannigfaltigkeit erhalten. Für jede Karte (U, κ) von X
definieren wir eine Karte auf π −1 (U ) ⊂ T X durch

e : π −1 (U ) → κ (U ) × Rn ,
κ e(x, v) := (κ(x), dκx (v)),
κ

wobei das Bild von dκx : Tx X → Tκ(x) Rn auf die kanonische Weise mit Rn identi-
fiziert wurde. Wir prüfen die Bedingungen von Lemma F.1.1. Die Abbildung κ e=
e(π −1 (U )) = κ(U )×Rn ,
(κ, dκ) ist injektiv, da κ und dκ jeweils injektiv sind. Es gilt κ
da dκx ein Isomorphismus ist. Somit folgt aus der Offenheit von κ(U ), dass das Bild
von κ e offen ist. Ist nun (V, η) eine weitere Karte auf X, so ist der Kartenwechsel
zwischen (π −1 (U ), κ
e) und (π −1 (V ), ηe) gegeben durch

κ(U ∩ V ) × Rn → η(U ∩ V ) × Rn , (x, v) 7→ ((η ◦ κ−1 )(x), d(η ◦ κ−1 )x (v)).

Die Kartenwechsel sind somit glatte Abbildungen zwischen offenen Mengen. Sei nun
{(Ui , κi )}i∈I einen Atlas von X und {(π −1 (Ui ), κei )}i∈I die soeben definierten Karten
von T X. X wird durch abzählbar viele Kartengebiete {Uj }j∈J überdeckt, und so wird
auch T X durch abzählbar viele {π −1 (Uj )}j∈J überdeckt. Seien (x, v), (y, w) ∈ T X
mit (x, v) ̸= (y, w) beliebig. Gilt x gleich y, so liegen (x, v) und (y, w) bereits in einem
Kartengebiet. Ist x verschieden von y, so folgt aus der Hausdorff-Eigenschaft von
X, dass Kartengebiete U, V ⊂ X existieren, sodass x ∈ U , y ∈ V und U ∩ V = ∅.
Dann sind die Teilmengen π −1 (U ), π −1 (V ) ⊂ T X Kartengebiete von T X, sodass
x ∈ π −1 (U ), y ∈ π −1 (V ) und π −1 (U ) ∩ π −1 (V ) = ∅ gilt. Aus dem Kartenlemma
folgt, dass T X eine Mannigfaltigkeit ist.
Wir zeigen nun, dass (T X, π, X; Rn ) eine lokal-triviale Faserung ist. Um eine lokale
Trivialisierung ϕ von π zu erhalten, modifizieren wir eine Karte (π −1 (U ), κ e) wie
folgt.
ϕ : π −1 (U ) → U × Rn , ϕ(x, v) := (x, dκx (v))
Wir stellen ϕ in der Karte (π −1 (U ), κ
e) und in der Karte (U × Rn , κ × idRn ) dar und
erhalten

e−1 )(x, v) = (κ × idRn ) ◦ ϕ(κ−1 (x), (dκ)−1


((κ × idRn ) ◦ ϕ ◦ κ κ(x) (v))

= (κ × idRn )(κ−1 (x), v)


= (x, v).

e−1 )(x, v) = idκ(U )×Rn . Daher ist ϕ ein Diffeomorphismus.


Also gilt ((κ × idRn ) ◦ ϕ ◦ κ
Weiterhin gilt pr1 ◦ ϕ = π und daher ist π glatt. Da π offenkundig surjektiv ist,
ist damit alles gezeigt. Die lokal-triviale Faserung (T X, π, X; Rn ) heißt Tangential-
bündel.
Im vorangehenden Beispiel wurde aus dem Atlas des Totalraums ein Bündelatlas
konstruiert. Im Folgenden beginnen wir mit einem Bündelatlas und konstruieren
einen Atlas für den Totalraum.

18
Definition D.1.9. Seien B und F Mannigfaltigkeiten und π : E → B eine sur-
jektive Abbildung von einer Menge E nach B. Ist U ⊂ B eine offene Menge und
ϕ : π −1 (U ) → U × F eine bijektive Abbildung mit pr1 ◦ ϕ = π auf π −1 (U ), so nen-
nen wir (U, ϕ) formale Bündelkarte von E. Eine Familie {(Ui , ϕi )}i∈I von formalen
Bündelkarten von E (bezüglich π) heißt formaler Bündelatlas von E, falls

(i) {Ui }i∈I ist eine Überdeckung von B.


(ii) Für alle i, j ∈ I mit Ui ∩ Uj ̸= ∅, ist die Abbildung ϕi ◦ ϕ−1
j : (Ui ∩ Uj ) × F →
(Ui ∩ Uj ) × F glatt.

Satz D.1.10. Seien B und F Mannigfaltigkeiten und π : E → B eine surjekti-


ve Abbildung von einer Menge E nach B. Weiterhin sei {(Ui , ϕi )}i∈I ein formaler
Bündelatlas von E bzgl. π. Dann ist E auf eindeutige Weise eine Mannigfaltigkeit,
sodass (E, π, B; F ) eine lokal-triviale Faserung ist und die Abbildungen {(Ui , ϕi )}i∈I
Bündelkarten sind.
Beweis. Für jede Karte (W, κ) auf B × F und für alle i ∈ I mit (Ui × F ) ∩ W ̸= ∅,
bezeichnen wir W̃i := ϕ−1
i (W ∩ (Ui × F )) ⊂ E und definieren eine Karte auf E durch

κ̃i : W̃i → κ((Ui × F ) ∩ W ), κ̃i (p) = (ϕ ◦ κ)(p). (D.1.10.∗)

Wir prüfen, dass die Bedingungen in Lemma F.1.1 erfüllt sind. Als Komposition
injektiver Abbildungen ist auch κ̃i injektiv. Sei (V, η) eine weitere Karte auf M und
(Ṽj , η̃j ) eine zugehörige Karte auf E. Der Kartenwechsel

η̃j ◦ κ̃−1 −1 −1
i = η ◦ ϕj ◦ ϕi ◦ κi : κ̃i (W̃i ∩ Ṽj ) → η̃j (W̃i ∩ Ṽj )

ist glatt. Ferner ist

ϕi (W̃i ∩ Ṽj ) =ϕi (ϕ−1 −1


i (W ∩ (Ui × F )) ∩ ϕj (V ∩ (Uj × F )))
=ϕi (ϕi−1 (W ∩ (Ui × F )) ∩ ϕ−1 −1
j (V ∩ (Uj × F )) ∩ π (Ui ))
=ϕi (ϕ−1 −1
i (W ∩ (Ui × F )) ∩ ϕj (V ∩ ((Ui ∩ Uj ) × F )))
=W ∩ (Ui × F ) ∩ (ϕj ◦ ϕ−1 −1
i ) (V ∩ ((Ui ∩ Uj ) × F )),

der Durchschnitt offener Mengen, denn ϕj ◦ ϕ−1


i ist stetig. Also ist

κ̃i (W̃i ∩ Ṽj ) = κ(ϕi (W̃i ∩ Ṽj )

offen. Seien p, q ∈ E beliebige, paarweise verschiedene Elemente in E. Falls p, q ∈


π −1 (Ui ) für ein i ∈ I gilt, so sind ϕi (p) und ϕi (q) paarweise verschieden. Da B ×
F ein Hausdorffraum ist, existieren disjunkte Kartengebiete W und V auf B ×
F mit ϕi (p) ∈ W und ϕi (q) ∈ V . Dann sind W̃i und Ṽi disjunkte Kartengebiete
auf E mit p ∈ W̃i und q ∈ Ṽi . Falls kein solches i ∈ I existiert, so sind zwei
beliebige Kartengebiete W̃i und Ṽj auf E mit p ∈ W̃i und q ∈ Ṽj disjunkt. Die
Menge π −1 (Ui ) ⊂ E wird durch abzählbar viele Kartengebiete überdeckt, denn
abzählbar viele Kartengebiete überdecken Ui × F ⊂ B × F . Wiederum überdecken
abzählbar viele π −1 (Ui ) den Totalraum E, da M durch abzählbar viele Ui überdeckt
wird. Somit ist E nach Lemma F.1.1 eine Mannigfaltigkeit.

19
Aus lokalen Darstellung von ϕi in Karten κ und κ̃i folgt, dass ϕi ein Diffeomorphis-
mus ist. Weiterhin ist pr1 ◦ ϕi = π auf π −1 (Ui ) und somit ist auch π glatt. Daher ist
(E, π, B; F ) eine lokal-triviale Faserung.
Sei nun E eine Mannigfaltigkeit, sodass (E, π, B; F ) eine lokal-triviale Faserung
ist und die Abbildungen {(Ui , ϕi )}i∈I Bündelkarten sind. Dann ist die in Glei-
chung (D.1.10.∗) definierte Abbildung κ̃i eine Komposition injektiver, glatter Ab-
bildungen und ihr Bild κ(Ui ∩ W ) ist offen, d.h. (κ̃i , W̃i ) ist eine Karte. Erneutes
Anwenden von Lemma F.1.1 liefert die Eindeutigkeit der glatten Struktur auf E.
Definition D.1.11. Sei X eine Mannigfaltigkeit und G eine Lie-Gruppe. Ein Sys-
tem von Koordinatentransformationen auf X mit Werten in G ist eine offene Über-
deckung {Ui }i∈I von X zusammen mit einer Familie {gij } glatter Abbildungen
gij : Ui ∩ Uj → G, sodass

gij (x)gjk (x) = gik (x) für alle x ∈ Ui ∩ Uj ∩ Uk . (D.1.11.†)

Dabei ist gij : Ui ∩ Uj → G definiert, wann immer i, j ∈ I mit Ui ∩ Uj =


̸ ∅. Wir
sprechen verkürzend von einem G-System {gij } auf {Ui }i∈I .
Bemerkung D.1.12. Gelegentlich werden die Bedingungen

gii (x) = e für alle x ∈ Ui

und
gij (x)gji (x) = e für alle x ∈ Ui ∩ Uj
gestellt. Die erste Bedingung folgt leicht mit i = j = k. Ebenso leicht folgt die zweite
Bedingung mit i = k und der ersten Bedingung.

Satz D.1.13: Konstruktionstheorem


Seien B und F Mannigfaltigkeiten und sei G eine Lie-Gruppe, die von links
auf F wirkt. Für jede offene Überdeckung {Ui }i∈I von B und jedes G-System
{gij } auf {Ui }i∈I existiert eine lokal-triviale Faserung (E, π, B; F ), zusammen
mit einem Bündelatlas {(Ui , ϕi )}i∈I , sodass

(ϕi ◦ ϕ−1
j )(x, v) = (x, gij (x) · v) für alle x ∈ Ui ∩ Uj und für alle v ∈ F.

Beweis. Wir betrachten die disjunkte Vereinigung der trivialen Faserungen Ui × F .



˙
T := {i} × Ui × F
i∈I

Wir definieren eine Relation auf T durch

(j, x, v) ∼ (i, x, gij (x) · v) für alle x ∈ Ui ∩ Uj und für alle v ∈ F.

Aufgrund von D.1.11.† ist diese Relation transitiv. Ferner ist sie reflexiv bzw. sym-
metrisch aufgrund der ersten bzw. zweiten Bedingung aus Bemerkung D.1.12. Es
handelt sich also um eine Äquivalenzrelation, deren Äquivalenzklassen E := T /∼

20
dem Totalraum der lokal-trivialen Faserung entsprechen werden. Die Äquivalenz-
klasse von (i, x, v) bezeichnen wir mit [i, x, v]. Als Vereinigung von lokal-trivialen
Faserungen ist T mit einer Projektion versehen, bezüglich der ∼ eine Kongruenzre-
lation ist. Somit erhalten wir eine wohldefinierte Projektion auf E durch

π : E → B, π([i, x, v]) = x.

Wir können nun einen formalen Bündelatlas konstruieren. Die Abbildung

ϕi : π −1 (Ui ) → Ui × F, ϕi ([j, x, v]) = (x, gij (x) · v)

ist wohldefiniert mit Umkehrabbildung ϕ−1


i (x, v) = [i, x, v]. Der Bündelkartenwech-
sel

ϕj ◦ ϕ−1
i : (Ui ∩ Uj ) × F → (Ui ∩ Uj ) × F, (ϕj ◦ ϕ−1
i )(x, v) = (x, gji (x) · v)

von (Ui , ϕi ) nach (Uj , ϕj ) ist glatt. Aus Satz D.1.10 folgt, dass (E, π, B; F ) eine
lokal-triviale Faserung ist.
Definition D.1.14 (Isomorphie). Ein Isomorphismus der lokal-trivialen Faserung
(E, π, B; F ) in die lokal-triviale Faserung (E ′ , π ′ , B ′ ; F ′ ) ist ein Paar (H, h), be-
stehend aus zwei Diffeomorphismen H : E→E ′ und h : B → B ′ , sodass h◦π = π ′ ◦H,
also das Diagramm
H
E E′
π π′
B B′
h

kommutiert. Wir sagen (E, π, B; F ) und (E ′ , π ′ , B ′ ; F ′ ) sind als lokal-triviale Fase-


rungen isomorph.

D.2. Koordinatenbündel
Die in Bemerkung D.1.4 beschriebene Gruppe G ist im Allgemeinen keine endlich-
dimensionale Mannigfaltigkeit. Wir führen daher eine Definition ein, die Steenrod
in [6] wie folgt beschreibt: It is necessary to weave G and its topology into the

definition of the bundle. “
Definition D.2.1 (G-Koordinatenbündel). Sei λ : G × F → F eine glatte, effektive
Wirkung (von links). Ein (G, λ)-Koordinatenbündel ist eine eine lokal-triviale Fase-
rung B mit Fasertyp F zusammen mit einem Bündelatlas {(Ui , ϕi )}i∈I und einem
G-System {gij } auf {Ui }i∈I , sodass

(ϕi ◦ ϕ−1
j )(x, v) = (x, gij (x) · v) für alle x ∈ Ui ∩ Uj und für alle v ∈ F. (D.2.1.‡)

Wir sagen der Bündelatlas {(Ui , ϕi )}i∈I ist ein (G, λ)-Atlas und die Lie-Gruppe G
ist eine Strukturgruppe der lokal-trivialen Faserung B. Falls es nicht notwendig ist G
oder λ zu bezeichnen, schreiben wir G-Koordinatenbündel oder Koordinatenbündel.

21
Bemerkung D.2.2. Sei {gij′ } eine Familie von glatten Abbildungen gij′ : Ui ∩ Uj →
G, sodass D.2.1.‡ erfüllt ist. Dann {gij′ } ist ein G-System auf {Ui }i∈I .
Definition D.2.3. Ein Isomorphismus von dem (G, λ)-Koordinatenbündel B =
(E, π, B; F ) in das (G, λ)-Koordinatenbündel B′ = (E ′ , π ′ , B; F ) ist eine Abbildung
H : E → E ′ , sodass gilt:

(i) (H, idB ) ist ein Isomorphismus der lokal-trivialen Faserungen B und B′ .
(ii) Es existieren Morphismus-Transformationen, d.h. für alle i ∈ I, k ∈ I ′ mit
Ui ∩ Uk′ ̸= ∅ existieren glatte Abbildungen hki : Ui ∩ Uk′ → G, sodass gilt

(ϕ′k ◦ H ◦ ϕ−1 ′
i )(x, v) = (x, hki (x) · v) für alle x ∈ Ui ∩ Uk und für alle v ∈ F,

wobei {(Ui , ϕi )}i∈I bzw. {(Ui′ , ϕ′i )}i∈I ein (G, λ)-Atlas von B bzw. B′ ist.

Wir sagen, dass B und B′ äquivalent sind.


Lemma D.2.4. Zwei (G, λ)-Koordinatenbündel (E, π, B; F ) mit G-System {gij }
auf {Ui }i∈I und (E ′ , π ′ , B; F ) mit G-System {gkl

} auf {Ui′ }k∈I ′ sind genau dann
äquivalent, wenn für alle i ∈ I, k ∈ I ′ mit Ui ∩ Uk′ ̸= ∅ eine glatte Abbildung
hki : Ui ∩ Uk′ → G existiert, sodass für alle j ∈ I und l ∈ I ′

hki (x) = hkj (x)gji (x) für alle x ∈ Ui ∩ Uj ∩ Uk′ und


′ (D.2.4.§)
hlj (x) = glk (x)hkj (x) für alle x ∈ Uj ∩ Uk′ ∩ Ul′

gilt.
Beweis. Sei H : E → E ′ ein Isomorphismus der Koordinatenbündel (E, π, B; F ) und
(E ′ , π ′ , B; F ). Seien hki : Ui ∩ Uk′ → G die zugehörigen Morphismus-Transformatio-
nen. Sei x ∈ Ui ∩ Uj ∩ Uk′ ∩ Ul′ und v ∈ F beliebig. Dann gilt

(x, hki (x) · v) = (ϕ′k ◦ H ◦ ϕ−1


i )(x, v)
= (ϕk ◦ H ◦ ϕj ◦ ϕj ◦ ϕ−1
′ −1
i )(x, v)
= (ϕk′−1 ◦ H ◦ ϕj )(x, gji (x) · v) = (x, hkj (x)gji (x) · v).

Da v ∈ F beliebig und λ effektiv ist, folgt die erste Identität in D.2.4.§. Das Vorgehen
für die zweite Idenität ist analog.
Sei nun eine Familie glatter Abbildungen hki : Ui ∩ Uk′ → G gegeben, sodass die
Identitäten in D.2.4.§ erfüllt sind. Wir definieren eine Familie glatter Abbildungen
Hki : EUi ∩Uk′ → EUi ∩Uk′ durch

Hki (p) := ϕ′−1


k (x, hki (x) · (pr2 ◦ ϕi )(p)),

wobei x := π(p) ist. Aus (π ′ ◦ ϕ′−1 ′


k )(x, v) = x, folgt π ◦ Hki = π. Ferner gilt

Hki (p) = ϕk′−1 (x, hkj (x)gji (x) · φi (p))


= ϕk′−1 (x, hkj (x) · φj (p)) = Hkj (p)
= ϕ′−1 ′
l (x, glk (x)hkj (x) · φj (p)) = Hlj (p).

22
Die Abbildungen der Familie {Hki } stimmen also auf gemeinsamen Definitionsbe-
reichen überein. Da die Definitionsbereiche von {Hki } offen sind und E überdecken,
erhalten wir eine glatte Abbildung H : E → E ′ . Zudem gilt die Identität π ′ ◦ H = π,
da sie für {Hki } gilt. Um eine Umkehrabbildung zu H zu konstruieren, beobachten
wir, dass aus D.2.4.§ auch

hkj (x)−1 = hlj (x)−1 glk



(x) für alle x ∈ Uj ∩ Uk′ ∩ Ul′ und
hkj (x) = gji (x)hki (x)−1
−1
für alle x ∈ Ui ∩ Uj ∩ Uk′

folgt. Nach dem vorangehenden Abschnitt des Beweises definiert die Familie von
Abbildungen
h′ik : Uk′ ∩ Ui → G, h′ik (x) := h−1
ki (x)

eine glatte Abbildung H ′ : E ′ → E. Einsetzen der Definitionen zeigt Hki ◦ Hik



=
′ ′ −1
idE ′ ′ und Hik ◦ Hki = idEU ∩U ′ , also auch H = H .
Ui ∩U i k
k

Lemma D.2.5. Die Existenz von Familien glatter Abbildungen {hki }, die die Iden-
titäten in D.2.4.§ erfüllen, definiert eine Äquivalenzrelation auf den Systemen von
Koordinatensystemen auf B mit Werten in G.
Skizze. Reflexivität folgt mit hij := gij . Symmetrie wurde im Beweis von Lem-
ma D.2.4 gezeigt. Die Transitivität folgt mit h′′mi (x) := h′mk (x)hki (x). Diese Defini-
tion ist von k ∈ I ′ unabhängig, da hki (x)hli (x)−1 = glk

(x) = h′mk (x)−1 h′ml (x).
Lemma D.2.6. Isomorphie definiert eine Äquivalenzrelation auf den (G, λ)-Koor-
dinatenbündeln vom Fasertyp F über der Basis B.
Beweis. Dies folgt direkt aus Lemma D.2.4 und Lemma D.2.5.
Bemerkung D.2.7. Man hätte die Reflexivität und Transitivität in Lemma D.2.6
auch zeigen können, indem man verifiziert, dass sowohl die Identitätsabbildung des
Totalraums und als auch die Komposition von Isomorphismen Isomorphismen sind.
Dass die Umkehrabbildung eines Isomorphismus ein Isomorphismus ist (Symmetrie),
folgt aus dem Beweis von Lemma D.2.4.
Definition D.2.8 (Faserbündel). Zwei äquivalente Koordinatenbündel heißen strikt
äquivalent, wenn sie denselben Totalraum E besitzen und idE ein Isomorphismus von
Koordinatenbündeln ist. Ein Faserbündel ist eine Äquivalenzklasse strikt äquivalen-
ter Koordinatenbündel.
Bemerkung D.2.9. Zwei (G, λ)-Koordinatenbündel sind genau dann strikt äquiva-
lent, wenn sie zu derselben lokal-trivialen Faserung gehören und für alle i ∈ I, k ∈ I ′
mit Ui ∩ Uk′ ̸= ∅ glatte Abbildungen hki : Ui ∩ Uk′ → G existieren, sodass gilt

(ϕ′k ◦ ϕ−1
i )(x, v) = (x, hki (x) · v) für alle x ∈ Ui ∩ Uk′ für alle v ∈ F,

wobei {(Ui , ϕi )}i∈I und {(Ui′ , ϕ′i )}i∈I die jeweiligen Bündelatlanten sind. Das bedeu-
tet je zwei Koordinatenbündel sind genau strikt äquivalent, wenn die Vereinigung
ihrer Bündelatlanten wieder ein Bündelatlas eines (G, λ)-Koordinatenbündels ist.

23
Satz D.2.10
Sei B eine Mannigfaltigkeit und λ : G × F → F eine glatte, effektive Wirkung
(von links). Dann definiert das Zuordnen eines (G, λ)-Koordinatenbündels mit
Fasertyp F zu seinem System von Koordinatentransformationen eine bijektive
Korrespondenz zwischen den Äquivalenzklassen von (G, λ)-Koordinatenbündeln
über B mit Fasertyp F und den Äquivalenzklassen von Systemen von Koordi-
natentransformationen auf B mit Werten in G.

Beweis. Es ist offenkundig, dass jedem Koordinatenbündel ein System von Koordi-
natentransformationen zugeordnet werden kann. Aus Satz D.1.13 folgt, dass zu je-
dem System von Koordinatentransformationen ein zugehöriges Koordinatenbündel
existiert. Aufgrund von Lemma D.2.5 folgt, dass diese Zuordnung von Repräsen-
tanten von Äquivalenzklassen eine wohldefinierte Zuordnung von Äquivalenzklassen
liefert.
Bemerkung D.2.11. Dieser Satz reduziert das Klassifikationsproblem für Koor-
dinatenbündel darauf Systeme von Koordinatentransformationen zu klassifizieren.
Letzteres ist nicht abhänging von Faser, Totalraum oder von der Wirkung auf die
Faser.
Definition D.2.12. Sei (E, π, B; F ) ein (G, λ)-Koordinatenbündel mit G-System
{gij } auf {Ui }i∈I . Sei θ : G × G → G die in C.1.3 definierte Wirkung (von links).
Das zu (E, π, B; F ) assoziierte Hauptfaserbündel ist das (G, θ)-Koordinatenbündel
vom Fasertyp G mit Basis B und G-System {gij } auf {Ui }i∈I , das in Satz D.1.13
konstruierte wurde. Wir sagen zwei G-Koordinatenbündel sind assoziiert, wenn ihre
assoziierten Hauptfaserbündel äquivalent sind.
Bemerkung D.2.13. Zwei (G, λ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp F über der Ba-
sis B sind genau dann äquivalent, wenn sie zueinander assoziiert sind. Ein Koordi-
natenbündel und sein assoziiertes Hauptfaserbündel sind zueinander assoziiert.
Beweis. Nach Lemma D.2.4 genügt es Systeme von Koordinatentransformationen
zu betrachten. Die Aussagen folgen daraus, dass das Koordinatensystem eines Ko-
ordinatenbündels und seines assoziierten Hauptfaserbündels übereinstimmen.

24
E. Hauptfaserbündel und
Vektorbündel
E.1. Hauptfaserbündel
Definition E.1.1 (Hauptfaserbündel). Sei G eine Lie-Gruppe. Eine lokal-triviale
Faserung (P, π, B; G) zusammen mit einer Wirkung P × G → P (von rechts) heißt
G-Hauptfaserbündel über B, falls

(i) G wirkt frei auf P , sodass die Bahnen der Wirkung genau die Fasern von P
sind, d.h. π −1 (π(p)) = p · G für alle p ∈ P .
(ii) Es existiert ein Bündelatlas {(Ui , ϕi )} aus G-äquivarianten Bündelkarten, d.h.
ϕi (p · g) = ϕi (p) · g für alle p ∈ π −1 (Ui ) und g ∈ G, wobei G auf Ui × G durch
(u, h) · g = (u, hg) wirkt.

Satz E.1.2. Für jedes G-Hauptfaserbündel zusammen mit einem zugehörigen Bün-
delatlas existiert ein G-System, sodass das G-Hauptfaserbündel zusammen mit dem
Bündelatlas und dem G-System ein (G, θ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp G ist.
Umgekehrt existiert für jedes (G, θ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp G eine eindeu-
tige Wirkung der Lie-Gruppe G auf den Totalraum, sodass dieses Koordinatenbündel
zusammen mit der Wirkung ein G-Hauptfaserbündel ist.
Beweis. Sei ein G-Hauptfaserbündel gegeben und sei {(Ui , ϕi )} ein zugehöriger Bün-
delatlas aus G-äquivarianten Bündelkarten. Da die Wirkung θ effektiv ist, bleibt nur
zu zeigen, dass die Bündelkartenwechsel durch ein G-System auf {Ui } gegeben sind.
Für alle i, j ∈ I mit Ui ∩ Uj ̸= ∅, definiere

gij (x) := (φi ◦ ϕ−1


j )(x, e).

Dann gilt

(ϕi ◦ ϕ−1 −1
j )(x, g) = (ϕi ◦ ϕj )(x, e) · g = (x, gij (x)) · g = (x, gij (x) · g)

für alle g ∈ G, x ∈ Ui ∩ Uj . Aus Bemerkung D.2.2 folgt, dass {gij } ein G-System ist.
Sei nun ein (G, θ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp G gegeben. Bezeichne {(Ui , ϕi )}
den (G, θ)-Atlas und P den Totalraum. Die Bedingung, dass eine Bündelkarte ϕi
bezüglich λ äquivariant ist, ist zu

λ(ϕ−1 −1
i (x, h), g) = ϕi (x, hg) für alle g, h ∈ G, x ∈ Ui

äquivalent. Da die rechte Seite von λ unabhängig ist und der Totalraum durch
Bündelkartengebiete überdeckt wird, folgt dass höchstens eine Wirkung existiert,

25
sodass die Bündelkarten äquivariant sind. Wir definieren λ durch die Bedingung
äquivariante Bündelkarten zu erhalten, d.h.

λ : P × G → G, λ(p, g) := ϕ−1
i (x, φi (p)g),

wobei x := π(p) und (Ui , ϕi ) eine Bündelkarte um x ∈ Ui . Sei (Uj , ϕj ) eine weitere
Bündelkarte um x. Für alle g ∈ G gilt

ϕ−1 −1 −1
i (x, φi (p)g) = ϕj (x, gij (x)φi (p)g) = ϕj (x, φj (p)g),

d.h. λ ist wohldefiniert. Die Wirkung ist frei, da die Wirkung θ nach C.1.7 frei ist.
Zuletzt zeigen, wir dass die Bahnen der Wirkung genau die Fasern von P sind,
indem (iii) in Proposition C.3.5 prüfen. Seien p, q ∈ P mit π(p) = π(q). Definiere
g := φi (p)−1 φj (q). Dann ist λ(p, g) = q. Ist umgekehrt λ(p, g) = q, dann folgt
π(p) = π(q) aus π ◦ ϕ−1i = pr1 .

Satz E.1.3. Zwei (G, θ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp G sind genau dann strikt
äquivalent, wenn sie im Sinne von Satz E.1.2 das gleiche G-Hauptfaserbündel sind,
d.h. die Wirkung auf ihren Totalraum stimmt überein.
Beweis. Seien zwei (G, θ)-Koordinatenbündel mit Fasertyp G gegeben, die als G-
Hauptfaserbündel gleich sind. Offenkundig sind die Koordinatenbündel als lokal-tri-
viale Faserung gleich. Ferner ist die Vereinigung zweier Bündelatlanten aus Bündel-
karten, die äquivariant bezüglich derselben Wirkung sind, erneut ein Bündelatlas aus
äquivarianten Karten, daher ist ihre Vereinigung nach Satz E.1.2 der Bündelatlas
eines (G, θ)-Koordinatenbündels. Nach Bemerkung D.2.9 sind die Koordinatenbün-
del strikt äquivalent. Seien nun zwei strikt äquivalente Koordinatenbündel gegeben.
Dann ist die Vereinigung ihrer Bündelatlanten ein Bündelatlas eines Koordinaten-
bündels. Nach Satz E.1.2 existiert eine Wirkung, bezüglich der die Bündelkarten
beider Hauptfaserbündel äquivariant sind. Da diese Bedingung die Wirkungen ein-
deutig definiert, folgt dass die Wirkungen übereinstimmen.
Definition E.1.4 (Triviale Hauptfaserbündel). Ein G-Hauptfaserbündel heißt trivi-
al, es einen Bündelatlas besitzt, bestehend aus einer einzigen äquivarianten Bündel-
karte.
Lemma E.1.5. Sei π : P → B eine glatte, surjektive Abbildung und sei λ : P ×G →
P eine glatte und freie Wirkung (von rechts), sodass π −1 (π(p)) = p · G für alle p ∈ P
gilt. Sei ferner σ : U → P ein lokaler Schnitt von π. Dann ist die Abbildung

ϕ : π −1 (U ) → U × G, ϕ(p) := (π(p), ((λ(p) )−1 ◦ σ ◦ π)(p))

ein G-äquivarianter Diffeomorphismus, wobei λ(p) die zu λ zugehörige Orbitabbil-


dung.
Skizze. Die Umkehrabbildung von ϕ ist für alle (x, g) ∈ U × G durch ϕ−1 (x, g) =
σ(x) · g gegeben. Diese Umkehrabbildung ist offenkundig bijektiv, glatt und äqui-
variant. Es bleibt also nur zeigen, dass ϕ glatt ist. Nach Satz B.1.5 genügt es zu

26
prüfen, dass ϕ−1 konstanten Rang besitzt. Durch Identifikation von T(x,g) (U × G)
mit Tx U ⊕ Tg G folgt für alle (v1 , v2 ) ∈ T(x,g) (U × G)

dϕ−1 (v1 , v2 ) = d(λ ◦ (σ × idG ))(v1 , v1 ) = d((·g) ◦ σ)(v1 ) + dλ(σ(x)) (v2 ).


Wir wissen bereits, dass (·g) und λ(σ(x)) Immersionen sind, denn erstere Abbildung
ist ein Diffeomorphismus und letztere Abbildung wurde in Proposition C.2.4 be-
trachtet. Auch σ ist eine Immersion, da π ◦ σ = idU . Daher folgt aus
im (d((·g) ◦ σ))x ∩ im (dλ(σ(x)) )g = {0}, (E.1.5.∗)
dass dϕ−1
(x,g) injektiv ist. Daher zeigen wir nun Gleichung (E.1.5.∗). Es gilt

ker dπϕ−1 (x,g) ∩ im (d((·g) ◦ σ))x = {0},


da (π ◦ (·g) ◦ σ) = idU . Da π ◦ λ(σ(x)) eine konstante Abbildung ist, gilt
im (dλ(σ(x)) )g ⊂ ker dπϕ−1 (x,g) ,
was wiederum zusammen mit der vorangehenden Überlegung Gleichung (E.1.5.∗)
impliziert. Wir haben somit gezeigt, dass ϕ−1 , und daher auch ϕ, ein äquivarianter
Diffeomorphismus ist.
Folgerung E.1.6. Ein G-Hauptfaserbündel ist genau dann trivial, wenn es einen
Schnitt zulässt, der auf der gesamten Basis definiert ist.
Beweis. Nach Lemma D.1.5 liefert eine Bündelkarte, die auf der ganzen Basis defi-
niert ist, den gesuchten Schnitt. Nach Lemma E.1.5 liefert ein Schnitt, der auf der
ganzen Basis definiert ist Bündelkarte, die auf der ganzen Basis definiert ist.

Satz E.1.7: Charakterisierung von Hauptfaserbündeln


Sei π : P → B eine surjektive Abbildung von der Mannigfaltigkeit P in die Men-
ge B und sei P × G → P eine glatte Wirkung (von rechts), sodass π −1 (π(p)) =
p · G für alle p ∈ P gilt. Dann sind äquivalent.

(i) (P, π, B; G) ist ein G-Hauptfaserbündel über B.


(ii) Die Wirkung durch G ist frei und eigentlich.
(iii) (P, π, B) eine gefaserte Mannigfaltigkeit und die Wirkung durch G ist frei.
(iv) Es existiert eine offene Überdeckung {Ui }i∈I von B mit lokalen Schnitten
σi : Ui → P und die Wirkung durch G ist frei.

Beweis. (i) =⇒ (ii). Sei (pn ) eine konvergente Folge in P und (gn ) eine Folge in G,
mit der Eigenschaft, dass (pn ·gn ) konvergiert. Es ist zu zeigen, dass eine Teilfolge von
(gn ) konvergiert. Es existiert eine offene Umgebung U um π(lim pn ) und eine auf U
definierte äquivariante Bündelkarte ϕ : PU → U × G. Da lim pn in der offenen Menge
PU = π −1 (U ) liegt, darf ohne Einschränkung auch pn ∈ PU angenommen werden.
Es gilt ϕ(pn ) = (π(pn ), hn ) für geeignete hn ∈ G. Da ϕ ein Diffeomorphismus, gilt
insbesondere, dass (hn ) konvergiert. Auch die Folge von (hn · gn ) konvergiert, denn
(π(pn ), hn gn ) = (π(pn ), hn ) · gn = ϕ(pn ) · gn = ϕ(pn · gn ),

27
und die rechte Seite konvergiert. Es folgt, dass gn = (hn )−1 (hn gn ) aufgrund der
Stetigkeit der Gruppenoperationen konvergiert.
(ii) =⇒ (iii). Nach Satz C.3.4 existiert eine glatte Struktur auf P/G, sodass
(P, p, P/G) eine gefaserte Mannigfaltigkeit ist. Aus Lemma C.3.6 folgt, dass eine
glatte Struktur auf B existiert, sodass (P, π, B) eine gefaserte Mannigfaltigkeit ist.
(iii) =⇒ (iv). Für jeden Punkt p ∈ P existiert nach Lemma B.2.3 ein lokaler
Schnitt, in dessen Bild p liegt. Die Definitionsbereiche dieser Schnitte überdecken
P , da π surjektiv ist.
(iv) =⇒ (i). Dies folgt unmittelbar aus Lemma E.1.5.
Folgerung E.1.8 (Quotientenmannigfaltigkeiten; erneut). Sei G eine Lie-Gruppe,
die glatt und frei auf eine Mannigfaltigkeit P wirkt. Dann sind die folgenden Aus-
sagen äquivalent
(i) G wirkt eigentlich.
(ii) Der Bahnenraum P/G ist eine topologische Mannigfaltigkeit und besitzt eine
glatte Struktur mit der Eigenschaft, dass die Quotientenabbildung p : P →
P/G eine Submersion ist.
Beweis. Wir zeigen nur, dass (i) =⇒ (ii). Die Quotientenabbildung p ist surjektiv
und es gilt p−1 (p(p)) = p · G für alle p ∈ P . Die Aussage daraus, dass Satz E.1.7 aus
frei und eigentlich folgt, dass eine gefaserte Mannigfaltigkeit vorliegt.
Folgerung E.1.9. Sei (P, π, B; G) ein G-Hauptfaserbündel. Dann ist (P, p, P/G; G)
ein G-Hauptfaserbündel. Ferner sind (P, π, B; G) und (P, p, P/G; G) isomorph als
lokal-triviale Faserungen.
Beweis. Die Quotientenabbildung p ist surjektiv und es gilt p−1 (p(p)) = p · G für
alle p ∈ P . Daher ist (P, p, P/G; G) ein G-Hauptfaserbündel nach Satz E.1.7. Nach
Proposition C.3.5 gibt es eine Bijektion h : P/G → B, sodass h ◦ p = π. Sei Ui ⊂ B
offen und σ : Ui → P ein lokaler Schnitt von p. Dann folgt aus h|Ui = π ◦ p, dass
h auf Ui glatt ist. Da eine offene Überdeckung {Ui } von P/G existiert mit lokalen
Schnitten σi : Ui → P von p, ist h glatt. Analog verfährt man mit lokalen Schnitten
von π, um zu zeigen, dass h−1 glatt ist. Somit ist das Paar (idP , h) ein Isomorphismus
von lokal-trivialen Faserungen.
Beispiel E.1.10 (Hopf-Faserung). Wir betrachten die dreidimensionale Sphäre
{ }
S3 = (z1 , z2 ) ∈ C2 : |z1 |2 + |z2 |2 = 1

als Teilmenge der komplexen Zahlen C2 . Durch Einschränken der komplexen Multi-
plikation auf die eindimensionale Sphäre

S1 = {λ ∈ C : |λ| = 1}

erhält man die Kreisgruppe. In Beispiel C.2.2 haben wir die Wirkung der komplexen
Skalare auf den Vektorraum C2 betrachtet und die folgende Wirkung ist daran
angelehnt. S1 wirkt (von rechts) auf S3 durch

(z1 , z2 ) · λ = (z1 λ, z2 λ),

28
wobei λ ∈ S1 und (z1 , z2 ) ∈ S3 . Diese Wirkung ist frei, da aus (w1 , w2 ) = (z1 , z2 ) · λ
auch λ = w1 /z1 = w2 /z2 ∈ S1 folgt (sofern die Quotienten wohldefiniert sind; einer
der beiden ist aber immer gegeben). Ferner ist sie eigentlich, da S1 kompakt ist.
Die Basis ist der komplexe projektive Raum CP 1 , also die Menge der eindimensio-
nalen Untervektorräume des C2 . Wir bezeichnen den durch (z1 , z2 ) ∈ S3 erzeugten
Untervektorraum mit den homogenen Koordinaten [z1 : z2 ]. Mittles dieser homoge-
nen Koordinaten lässt sich die natürliche Projektion wie folgt ausdrücken.

π : S3 → CP 1 , π(z1 , z2 ) := [z1 : z2 ]

Wir erhalten ein S1 -Hauptfaserbündel (S3 , π, CP 1 ; S1 ) mit dem Namen Hopf-Fase-


rung. Sie ist benannt nach Heinz Hopf. Hopf zeigte 1931, dass die Homotopiegrup-
pe der zweidimensionalen Späre nicht trivial ist [3]. Dies gelang ihm, nachdem er
beobachtete, dass die Fasern der S3 paarweise miteinander verschlungen sind [5].
Wir wollen versuchen die Fasern (und ihre Verschlingungen) zu visualisieren. Da-
zu führen ein Modell für die S3 und ein Modell für den CP 1 ein. Details sind in
Beispiel F.2.1 ausgeführt. Um die S3 zu visualisieren, verwenden wir die Einpunkt-
Kompaktifizierung des R3 und die stereographische Projektion σ : S3 → R̂3 . Mittles
dieses Modells stellen wir uns die S3 vor als den R3 zusammen mit einem Punkt
∞, dem man sich annähert, je weiter man sich vom Ursprung entfernt. Eine Faser
der S3 entspricht einem Kreis oder einer Gerade, da die stereographische Projektion
kreistreu ist. Der CP 1 ist diffeomorph zur zweidimensionalen Sphäre

S2 = {(w, c) ∈ C × R : |w|2 + c2 = 1.}

Wir identifizieren [0 : 1] ∈ CP 1 mit dem Nordpol. Weitere Terminologie adaptieren


wir entsprechend (unter Berücksichtigung des Diffeomorphismus f : S2 → CP 1 , der
in Beispiel F.2.1 beschrieben wird). Die Faser S3[1:0] die über dem Südpol [1 : 0] ∈ CP 1
projezieren wir auf den Einheitskreis E, der in der xy-Ebene liegt, d.h.

σ(S3[1:0] ) = E := {(x, y, 0) ∈ R3 : x2 + y 2 = 1} ⊂ R̂3 .

Die Faser S3[0:1] wird auf die z-Achse projeziert, d.h.

σ(S3[0:1] ) = {(0, 0, z) ∈ R3 : z ∈ R} ∪ {∞} ⊂ R̂3 .

Dies ist in (E.1.10.a) dargestellt. Um die verbleibenden Fasern von S3 zu visualisieren


betrachten wir zunächst keine einzelnen Fasern, sondern die Menge der Fasern, die
dem Äquator des CP 1

U := {[1 : w] ∈ CP 1 : |w| = 1} ⊂ CP 1

zugehörig sind. Die Menge dieser Fasern


{ }
1
SU = (z1 , z2 ) ∈ S : |z1 | = |z2 | =
3 3 2 2
2

heißt Clifford-Torus. Dies ist in Abbildung (E.1.10.b) dargestellt. Versieht man die
S3 mit der Standardmetrik, so ist S3U eine Minimalfläche. Weiterhin sind auch die

29
Bilder von S3U unter den Isometrien der S3 Minimalflächen und werden ebenfalls
als Clifford-Tori bezeichnet. Die Lawson-Vermutung besagt, dass jeder eingebettete
Torus, der zugleich eine Minimalfläche ist, ein Clifford-Torus ist. Der Beweis der
Vermutung war für mehr als 40 Jahre ein offenes Problem, bis es schließlich Simon
Brendle 2012 löste. Jede Höhe c ∈ (−1, 1) korrespondiert zu einem Breitenkreis des
CP 1 √ √
{[ 1 − c : eiψ 1 + c] ∈ CP 1 : ψ ∈ [0, 2π]}.
Jeder Breitenkreis wird auf einen Torus projeziert. Genauer wird ein Breitenkreis
der Höhe c ∈ (−1, 1) auf eine Menge von Punkten projeziert, die von einem festen
Kreis mit Radius Rc den Abstand rc besitzen, wobei
√ √
2 1+c
Rc = und rc = .
1−c 1−c
Betrachtet man eine Schar von Breitenkreisen, deren Höhe sich dem Nordpol an-
nähert (c ↑ 1), so erhält man eine Schar anwachsender Tori. Lässt man sie dagegen
sich dem Südpol annähern (c ↓ −1), schrumpfen sie gegen den Einheitskreis E.
Auf diese Weise wird der R3 , abgesehen vom Einheitskreis E und der z-Achse, in
disjunkte Tori zerlegt. Dies ist in Abbildung (E.1.10.c) dargestellt. Wir überlegen
nun wie die projezierten Fasern in Tori eingebettetet sind. Durch jeden Punkt eines
Torus gehen vier Kreise. Zwei dieser Kreise entstehen paarweise durch Schneiden
des Torus mit einer doppeltberührenden Ebene (siehe Abbildung (E.1.10.c)). Sie
heißen Villarceau-Kreise und auf jeweils einen dieser wird die Faser projeziert. Um
dies einzusehen, müssen wir bedenken, dass nicht nur ein Torus selbst, sondern auch
alle auf ihn projezierten Fasern sich dem Einheitskreis E bzw. der z-Achse stetig an-
nähern. Daher liegen die Projektionen der Fasern fast flach in der xy-Ebene, wenn
rc und Rc − 1 sehr klein, und richten sich auf, je größer die beiden werden. Dies ist
in Abbildung (E.1.10.d) dargestellt.
Zuletzt veranschaulichen wir, dass die S3 lokal-trivial ist. und wir versuchen nun
die Hopf-Faserung in diesem Sinne zu interpretieren. Wir benötigen zunächst eine
offene, genügend kleine“ Teilmenge der Basis CP 1 , bezüglich der wir die Hopf-

Faserung lokal-trivial ist. Es stellt sich heraus, dass die offene Menge CP 1 \ {[1 : 0]}
klein genug ist. Nach Satz E.1.7 (iii) ist die Existenz einer Bündelkarte zur Existenz
eines Schnittes äquivalent. Wir möchten daher eine Menge des R̂3 auswählen, die aus
jedem der ausgezeichneten Villarceau-Kreise genau ein Element enthält, und zudem
zu U diffeomorph ist. Eine solche Menge ist durch die Einheitsscheibe

D := {(x, y, 0) ∈ R3 : x2 + y 2 < 1} ⊂ R̂3

gegeben. Sie ist diffeomorph zu S2 \ {(0, 1)} und somit auch zu CP 1 \ {[1 : 0]}. Jede
der projezierten Fasern durchstößt D in genau einem Punkt. Daher ist (CP 1 \ {[1 :
0]}) × S1 diffeomorph zu R̂3 \ E. Wir erhalten weitere lokale Schnitte der Hopf-
Faserung, indem wir D glatt entlang der Villarceau-Kreise verformen. Könnte man
zu D einen Punkt p ∈ E hinzufügen, sodass D ∪ {p} zu S2 diffeomorph, so wäre die
Hopf-Faserung trivial.

30
Abbildung (E.1.10.a).

(i) Nord- und Südpol der S2 , entspricht Bild (ii) S3[0:1] und S3[1:0] unter der stereographi-
von Va ⊂ CP 1 unter f −1 schen Projektion σ

Abbildung (E.1.10.b).

(i) Teilmenge des Äquators der S2 , ent- (ii) Teilmenge eines Clifford-Torus S3Vb un-
spricht Bild von Vb ⊂ CP 1 unter f −1 ter der stereographischen Projektion σ

31
Abbildung (E.1.10.c).

(i) Teilmenge einiger Breitenkreise der S2 , (ii) Bild von S3Vc ⊂ S3 unter der stereogra-
entspricht Bild von Vc ⊂ CP 1 unter f −1 phischen Projektion σ

Abbildung (E.1.10.d).

(i) Teilmenge des Nullmeridians der S2 , ent- (ii) Bild von S3Vd ⊂ S3 unter der stereogra-
spricht Bild von Vd ⊂ CP 1 unter f −1 phischen Projektion σ

32
F. Anhang
F.1. Ergebnisse aus der Differentialgeometrie
Lemma F.1.1 (Kartenlemma). Sei M eine Menge, und sei {Ui }i∈I eine Familie
von Teilmengen von M , zusammen mit Karten κi : Ui → Rn , sodass die folgenden
Eigenschaften gelten.

(i) Für alle i ∈ I ist κi injektiv.


(ii) Für alle i, j ∈ I sind die Mengen κi (Ui ∩ Uj ) und κj (Ui ∩ Uj ) offen in Rn .
(iii) Für alle i, j ∈ I mit Ui ∩ Uj ̸= ∅, ist die Abbildung κj ◦ κ−1i : κi (Ui ∩ Uj ) →
κj (Ui ∩ Uj ) glatt.
(iv) Abzählbar viele Ui überdecken M .
(v) Für zwei paarweise verschiedene Elemente p, q ∈ M , existiert ein Ui mit p, q ∈
Ui oder zwei disjunkte Mengen Ui , Uj mit p ∈ Ui und q ∈ Uj .

Dann ist M auf eindeutige Weise eine Mannigfaltigkeit, sodass die Abbildungen
{(Ui , κi )}i∈I Karten sind.

F.2. Fortsetzung einiger Resultate


Beispiel F.2.1 (Fortsetzung von Beispiel E.1.10). An dieser Stelle führen wir eine
ausführlichere Diskussion zweier geometrischer Modelle, ein Modell für den CP 1 und
ein Modell für die S3 .
Zunächst wird vorgestellt wie der CP 1 mit der zweidimensionalen Sphäre

S2 = {(w, c) ∈ C × R : |w|2 + c2 = 1}

identifiziert werden kann. Ein Diffeomorphismus f : S2 → CP 1 ist definiert durch

f (0, 1) := [0 : 1] und f (w, c) := [1 : w/(1 − c)]

für alle (w, c) ̸= (0, 1).


Als nächstes sollen die Elemente von S3f (w,c) in Abhängigkeit von (w, c) ausgedrückt
werden. Für jedes Element (w, c) ∈ S2 gilt
{( √ √ ) }
1 − c 1 + c
S3f (w,c) = π −1 (f (w, c)) = eiθ , ei(θ+ψ) :θ∈R ,
2 2

wobei ψ := arg(w) das Argument des komplexen Zahl w bezeichnet. Wir betrachten
zuerst den Fall (w, c) ̸= (0, 1). Es gilt (z1 , z2 ) ∈ π −1 ([1 : w/(1 − c)]) genau dann,

33
wenn z2 = z1 w/(1 − c). Daraus folgt
|w|2 1 + c2
1 = |z1 |2 + |z2 |2 = |z1 |2 + |z1 |2
= |z 1 |2
+ |z1 |2
(1 − c) 2 (1 − c) 2

1 + c 1 − c 1 + c 2
= |z1 |2 + |z1 |2 = |z1 |2 + |z1 |2 = |z1 |2 .
1−c 1−c 1−c 1−c

Durch Division mit 2/(1 − c) und Wurzelziehen erhalten wir |z1 | = (1 − c)/2. Aus
1−c 1+c
|z2 |2 = 1 − |z1 |2 = 1 − =
2 2
√ √
folgt, dass |z2 | = (1 + c)/2. Für geeignetes θ ∈ R, gilt z1 = eiθ (1 − c)/2.
√ Zudem
i(θ+ψ)
gilt arg(z2 ) = arg(z1 w). Mit ψ := arg(w) erhalten wir z2 = e (1 + c)/2.
Wir beschreiben noch die verbliebene Faser. Sie befindet sich über [0 : 1] ∈ CP 1
beziehungsweise nach der Anwendung des Diffeomorphismus f −1 über dem Nordpol
der S2 −Sphäre (0, 1). Es gilt
π −1 ([0 : 1]) = {(0, z2 ) ∈ C2 : |z2 | = 1} ⊂ S3 .
Mit√den vorangehenden Bezeichungen √ folgt für √(w, c) = (0, 1), dass wir z1 = 0 =
e iθ
(1 − c)/2 und z2 = e iθ
(1 + 1)/2 = e i(θ+ψ)
(1 + c)/2 schreiben können.
Um die S zu visualisieren, führen wir die stereographische Projektion σ : S3 → R̂3
3

und ihr Bild, die Einpunkt-Kompaktifizierung R̂3 des R3 ein. Die Abbildung σ ist für
(z1 , z2 ) ∈ S3 \ {(0, i)} durch
( )
Re(z1 ) Im(z1 ) Re(z2 )
σ(z1 , z2 ) := , , .
1 − Im(z2 ) 1 − Im(z2 ) 1 − Im(z2 )
definiert. Die Einschränkung von σ auf S3 \ {(0, i)} ist ein Homöomorphismus zwi-
schen S3 \ {(0, i)} und R3 . Aus diesem Grund definieren wir R̂3 := R3 ∪ {∞} und
σ(0, i) := ∞, sodass σ zu einem Homöomorphismus auf ganz S3 wird. Betrachtet
man das Bild der oben konstruierten Faserelemente, so erhält man
(√ √ )
1 − c iθ 1 + c i(θ+ψ)
σ e , e
2 2
( √ √ √ )
1 − c cos(θ) 1 − c sin(θ) 1 + c cos(θ + ψ)
= √ √ ,√ √ ,√ √ .
2 − 1 + c sin(θ + ψ) 2 − 1 + c sin(θ + ψ) 2 − 1 + c sin(θ + ψ)
(F.2.1.∗)
Auf dieser Grundlage wurden interaktive Grafiken erstellt. Ausschnitte des Quell-
codes finden sich in Abschnitt F.3. Es wurden die Mengen

Va ={[1 : 0], [0 : 1]} ⊂ CP 1



Vb ={[1 : eiψ ] ∈ CP 1 : ψ = , j = 0, 1, . . . , 50}
25
√ √ 2k − 9
Vc ={[ 1 − c : eiψ 1 + c] ∈ CP 1 : ψ ∈ [0, π], c = , k = 0, 1, . . . , 6}
10
√ √ 3k
Vd ={[ 1 − c : 1 + c] ∈ CP 1 : c = , k = 0, 1, . . . , 20}
40
sowie die darüberliegenden Fasern PVa , PVb , PVc und PVd dargestellt.

34
Beweis. Wir zeigen, (i) =⇒ (ii) =⇒ (iii) =⇒ (i).
Sei also (i) erfüllt. Dann gilt für alle p, q ∈ P

q ∈ π −1 (π(p)) ⇐⇒ π(p) = π(q)


⇐⇒ (h ◦ p)(p) = (h ◦ p)(q)
⇐⇒ p(p) = p(q)
⇐⇒ q ∈ p · G.

Sei (ii) erfüllt. Dann gilt für alle p, q ∈ P

π(p) = π(q) ⇐⇒ q ∈ π −1 (π(p))


⇐⇒ q ∈ p · G
⇐⇒ Es gibt ein g ∈ G mit p · g = q.

Sei (iii) erfüllt. Wir definieren h durch h ◦ p = π, d.h.

h : P/G → B, h(p · G) := π(p).

Aus (iii) folgt, dass h wohldefiniert und injektiv ist. Da π surjektiv ist, ist auch h
surjektiv.

35
F.3. Quellcode für Grafiken
library ('rgl ')
library (' misc3d ')
library (' sphereplot ')

# Parameterdarstellungen hergeleitet in Gleichung (F.2.1.∗)


fx = function (θ,ψ,c) {
sqrt (1 -c)* cos (θ)/( sqrt (2) - sqrt (1+ c)* sin (θ+ψ))}
fy = function (θ,ψ,c) {
sqrt (1 -c)* sin (θ)/( sqrt (2) - sqrt (1+ c)* sin (θ+ψ))}
fz = function (θ,ψ,c) {
sqrt (1+ c)* cos (θ+ψ)/( sqrt (2) - sqrt (1+ c)* sin (θ+ψ))}

parameterCurve = function (θ,ψ,c) {


cbind (fx(θ,ψ,c),fy(θ,ψ,c),fz(θ,ψ,c ))}

# Anzahl der dargestellten Punkte pro Kurve


resolution = 300

# Beispiel I
cT = c( -0.9 , -0.7 , -0.5 , -0.3 , -0.1 ,0.1 ,0 .3)
Time = length (cT)
ColorT = rainbow ( Time )

open3d ()
for (t in 1: Time ){
c = cT [t]
parametric3d (fx = function (θ,ψ) fx(θ,ψ,c),
fy = function (θ,ψ) fy(θ,ψ,c),
fz = function (θ,ψ) fz(θ,ψ,c),
u = seq (0 ,2*pi , length.out = resolution ),
v = seq (0 ,1*pi , length.out = resolution ),
engine = " rgl ",
color = ColorT [t],
add = T,
alpha = 1)
}

# Bespiel II
Time = 51
ColorT = rainbow ( Time )
anglesθ = seq (0 ,2*pi , length.out = resolution )
anglesψ = seq (0 ,2*pi , length.out = Time )

open3d ()

36
for (t in 1: Time ){
curve = parameterCurve ( anglesθ, anglesψ[t] ,0)
plot3d ( curve , type = 'l',
col = ColorT [t],
lwd = 3,
add = T)
}

37
G. Literatur
[1] N. Addington. Fiber Bundles and Non-Abelian Cohomology. Apr. 2007. url:
http : / / http : / / www . asc . tuwien . ac . at / ~herfort / SEMINAR / SS09 /
nonabelian_cohomology_fiber_bundles.pdf (abgerufen am 31. 08. 2018).
[2] H. Baum. Eichfeldtheorie. Eine Einführung in die Differentialgeometrie auf
Faserbündeln. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, 2014.
[3] H. Hopf. „Über die Abbildungen der dreidimensionalen Sphäre auf die Kugel-
fläche“. In: Math. Ann. 104.1 (1931), S. 637–665.
[4] J. M. Lee. Introduction to smooth manifolds. 2. Auflage. Bd. 218. Graduate
Texts in Mathematics. Springer, New York, 2013.
[5] H. Samelson. „π3 (S 2 ), H. Hopf, W. K. Clifford, F. Klein“. In: History of topology.
North-Holland, Amsterdam, 1999, S. 575–578.
[6] N. Steenrod. The topology of fibre bundles. Bd. 14. Princeton Landmarks in
Mathematics. Nachdruck der Auflage aus dem Jahr 1957. Princeton University
Press, Princeton, NJ, 1999.

38
Erklärung
Hiermit erkläre ich, dass ich die am tt. mm. jjjj eingereichte Bachelorarbeit zum
Thema Faserbündel und Koordinatentransformationen unter Betreuung von Prof.
Dr. Peter Hornung selbstständig erarbeitet, verfasst und Zitate kenntlich gemacht
habe. Andere als die angegebenen Hilfsmittel wurden von mir nicht benutzt.

Dresden, tt. mm. jjjj Unterschrift