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I.

Faktoren erweiterter Sicherheit
3. Risiken, Konflikte und neue Kriegsbilder

Johannes Varwick/Martin Schmid

Das neue Strategische Konzept der NATO-Allianz
Welche Folgen hat der Kampf gegen die neuen Bedrohungsformen für Deutschland?

Die NATO will sich mit ihrem im November 2010 unter dem Titel „Aktives Engagement, Moderne Verteidigung“ beschlossenen Strategischen Konzept effektiv mit neuen Fähigkeiten und neuen Partnern gegen neue Bedrohungen in einer sich wandelnden Welt einstellen.1 Als Kernaufgabe wird die Wahrung der Freiheit und der Sicherheit der Mitgliedstaaten mit politischen und militärischen Mitteln in den drei Bereichen o o o kollektive Verteidigung (collective defence), Krisenmanagement (crisis management) und kooperative Sicherheit (cooperative security) genannt.

Unter Bezug auf Artikel 5 des NATO-Vertrages wird erklärt, dass die NATO-Mitglieder einander beistehen und sich gegen eine Aggression oder gegen aufkommende Sicherheitsherausforderungen gemeinsam verteidigen, wenn diese die fundamentale Sicherheit einzelner Alliierter oder der Allianz als Ganzes berühren. (Ausgabe 3/2012) Auch wenn die Gefahr eines konventionellen Angriffs auf das NATO-Gebiet als gering eingeschätzt wird, halte das Sicherheitsumfeld eine Reihe von Herausforderungen bereit. Genannt werden Verbreitung ballistischer Raketen und von Nuklearwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen, Terrorismus einschließlich der Verfügungsgewalt von Terrorgruppen über nukleare, chemische, biologische oder radiologische Fähigkeiten, Instabilitäten an den NATO-Grenzen, Angriffe auf die Informationstechnologie einzelner Staaten oder des Bündnisses (cyber attacks). Zudem wird ausgeführt, dass alle Staaten in wachsendem Maße auf offene und zuverlässige Kommunikations-, Transport- und Transitwege angewiesen seien und der internationale Handel, Energiesicherheit und Wohlstand davon abhinge.

Active Engagement, Modern Defence. Strategic Concept for the Defence and Security of the Members of the North Atlantic Treaty Organisation Adopted by Heads of State and Government in Lisbon, http://www.nato.int/cps/en/natolive/official_texts_68580.htm (2.1.2012). 1

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Versucht man, die Aussagen aus dem Text in die jahrelange Debatte um die Richtung des Bündnisses einzuordnen, so ist festzuhalten, dass die Allianz die klassische Bündnisverteidigung keineswegs aufgibt, sich künftig aber verstärkt um neuere Bedrohungen kümmern will. Dazu zählen Themen wie Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Energiesicherheit, die Sicherung von Handelswegen und die Abwehr von Cyberangriffen. Bereits im Frühjahr 2010 hatte die NATO in ihrem Brüsseler Hauptquartier eine „Abteilung für aufkommende Sicherheitsrisiken“ (Emerging Security Challenges Division / ESCD) eingerichtet. Mit der ESCD, die am 1. August 2010 ihre Arbeit aufnahm, soll die Expertise zusammengefasst werden, die sich zuvor auf die verschiedenen Divisionen im NATO-Hauptquartier verteilte. Die ESCD bearbeitet ein breites thematisches Spektrum mit ihren fünf Sektionen Cyber-Abwehr, Terrorismusbekämpfung, Energie-Sicherheit, Nicht-Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und Strategischer Analyse.2

An den Beispielen Cyber-Abwehr, Terrorismusbekämpfung und Energie-Sicherheit sollen in der folgenden Analyse die Verknüpfungen zwischen den NATO-Akteuren und den deutschen Akteuren in diesen Themenbereichen aufgezeigt werden. Dabei soll untersucht werden, in welchem Maße die NATO dabei als Impulsgeber auftritt und einen Mehrwert gegenüber ihren Mitgliedsstaaten besitzt und welche Probleme auftreten könnten.

Generell lassen sich die genannten Sicherheitsrisiken nicht immer klar voneinander abgrenzen. Darüber hinaus stehen sie mit vielen weiteren Herausforderungen in Zusammenhang, wie etwa dem Klimawandel, gescheiterten Staaten und weltweiter Armut, deren Bewältigung nicht von der NATO gewährleistet werden kann. In einer Zeit, in der konventionelle Bedrohungen für viele NATO-Staaten an Bedeutung verlieren, können die neuen Sicherheitsrisiken für die Allianz eine Möglichkeit darstellen, die NATO mit einer neuen Existenzbegründung zu untermauern. Allerdings stellen die neuen Sicherheitsrisiken Bedrohungen dar, vor denen man die eigene Bevölkerung nicht komplett schützen kann. Zudem ist die kollektive Betroffenheit nicht so einheitlich wie bei konventionellen Bedrohungen und insofern ist der Bündniszusammenhalt bei diesen Themen eine besondere Herausforderung.
Ein Jahr nach ihrer Einrichtung hat die ESCD eine Personalstärke von etwa 60 Mitarbeitern erreicht. Im Vergleich dazu hatten die "Defence Policy and Planning Division", die "Political Affairs and Security Policy Division" und die "Operations Divison" zu diesem Zeitpunkt jeweils eine Personalstärke von ca. 80 Mitarbeitern.
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Cyber Security ist ein weltweites Problem. Von 2006 bis Oktober 2011 zählte das „Center for Strategic and International Studies“ weltweit 84 bedeutende CyberVorfälle. Das Defence Policy and Planning Committee befasst sich auch mit Cyber-Angriffen. sowohl für die Strukturen der NATO.org/publication/cyber-events-2006 (20.2011). und bezieht notfalls auch den Nordatlantikrat mit ein. falls diese eine politische Dimension erreichen. http://csis. von denen der Großteil auch NATO-Staaten betraf. Das Defence Policy and Planning Committee beaufsichtigt diesen Prozess und ist zusammen mit dem Consultation. ausgehend von einer Vielzahl potentieller Angreifer mit einem ebenfalls großen Spektrum potentieller Ziele. die im Frühjahr 2007 das öffentliche Leben in Estland für mehrere Tage massiv beeinträchtigt hatten. So kann ein CyberVgl. 3 3 .Cyber-Sicherheit-Aktivitäten der NATO Die massiven Cyber-Angriffe. Command and Control Board für die Zusammenführung der Ergebnisse zuständig. James Andrew Lewis: Cyber Events Since 2006. Letztere wurde mit einem Aktionsplan zur Umsetzung verbunden. Quelle: NCIRC NATO An dessen kontinuierlicher Ausarbeitung ist eine Vielzahl an Akteuren innerhalb der NATO-Strukturen beteiligt.3 Mit dem neuen Strategischen Konzept werden Cyber-Angriffe als zunehmende Gefahr für die Stabilität. als auch die der Streitkräfte der Bündnispartner. den Wohlstand und die Sicherheit in den NATO-Staaten eingeschätzt. Das Volumen der Angriffe ist weltweit um 93 Prozent gestiegen. das täglich wächst. deren Auswirkungen die Größenordnung von konventionellen Angriffen erreichen können. Darauf aufbauend beschlossen die NATO-Verteidigungsminister im März 2011 ein Cyber Defence Concept und im Juni 2011 eine neue NATO Policy on Cyber Defence.12. verdeutlichen den wachsenden Stellenwert dieser neuartigen Bedrohung. der detailliert spezifische Aufgaben auflistet.

militärische und technische Instanzen. dessen 4 . auf Wunsch eines NATO-Mitglieds. um präventiv die Aufrechterhaltung der NATO-Kernaufgaben – kollektive Verteidigung und Krisenmanagement – zu gewährleisten.Angriff. in den die CyberAbwehr voll integriert werden soll. Um bei einem Cyber-Angriff auf einen oder mehrere Bündnispartner koordiniert Beistand leisten zu können.und Informationssysteme der NATO. So behält sich die NATO vor. Wichtiger Schritt war dabei 2008 die Gründung der NATO Cyber Defence Management Authority (NCDMA) im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Die NATO würde auf Anfrage die Mitgliedsstaaten beim Erreichen dieser Mindeststandards unterstützen. die in den vergangenen Jahren aber fortschreitend zusammengefasst. beziehungsweise koordiniert oder verknüpft wurden. die mit der NATO verbunden sind. gewisse Mindeststandards erfüllen. Im Detail fokussiert sich die Cyber Policy aber primär auf den Schutz der Kommunikations. bei denen auch Cyber-Aspekte involviert sind. Innerhalb der NATO verteilen sich die Zuständigkeiten der Cyber-Sicherheit auf verschiedene politische. Dies zeigt. sollen die Fähigkeiten der NATO in diesem Bereich ausgebaut werden. muss aber nicht zwangsläufig Auslöser des Bündnisfalles nach Artikel 5 sein. dass alle nationalen Netzwerke. Um diesen Schutz sicherzustellen. wird die NATO Konsultationsmechanismen. um zu gewährleisten. Verschiedene Memoranda Of Understanding (MoU) zwischen den verschiedenen nationalen Cyber-Abwehr-Behörden und der NATO sollen dies erleichtern. Ausfallsicherheit und Nicht-Duplikation folgen. so dass sich Cyber-Abwehr nicht allein auf die Reaktion auf Cyber-Angriffe beschränkt. flexibel auf Krisen reagieren zu können. dass Cyber-Abwehr nicht getrennt vom NATO Krisenmanagement gesehen werden kann. Laut NATO Cyber-Abwehr Policy hängt jegliche kollektive Abwehrmaßnahme vom Nordatlantikrat ab. Grundsätzlich sollen Maßnahmen der NATO Cyber-Abwehr den Prinzipien Prävention. Die Mitgliedsstaaten können auch beim Schutz von kritischer Infrastruktur im zivilen Bereich auf die Expertise der NATO zurückgreifen. zum Beispiel im Rahmen des NATO Defence Planning Process (NDPP). zu Konsultationen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrages führen. Frühwarnsysteme. Ebenso sollen Aspekte der Cyber-Abwehr in alle NATO-Missionen. Situationsbewusstsein und Informationsaustausch zwischen den Bündnispartner fördern und ausbauen. aber auch in nationale Verteidigungsrahmen integriert werden.

der Information Assurance Branch und vor allem auch der seit 2003 existierenden NATO Computer Incident Response Capability (NCIRC).Aufgabe es war. Dieses Zentrum ist verantwortlich für die Führung der Cyber Threat Assessment Cell“ des NATO Office of Security. Cyber-Abwehr innerhalb der NATO-Strukturen zu koordinieren und die bestehenden Cyber-Netzwerke in ein zentral geführtes System zu überführen. 5 . relevante Datenbanken führt und Trainings zum Thema anbietet. welches Cyber-Abwehr-Aktivitäten innerhalb der NATO und zwischen NATO und anderen Einrichtungen und Partnern koordinieren soll. auf Cyber-Vorfälle zu reagieren und betroffenen Mitgliedstaaten Unterstützung zu leisten. Es unterhält auch mehrere schnelle Einsatzteams (so genannte Rapid-Reaction Teams). NATO-Personal zusammensetzt. ohne aber selbst ausführende Kompetenzen in diesem Bereich zu besitzen. Das NCDMA wurde 2011 durch das Cyber Defence Management Board (CDMB) ersetzt. Quelle: NATO Dort ist auch das Cyber Defence Coordination and Support Centre angesiedelt. die die Fähigkeiten besitzen. mit Cyber-Abwehr betrautem. welches seit 2006 neben Informationssicherung auch operationelle. Seit 2008 sollen jährlich stattfindende Übungen zur Cyber-Abwehr die Routine der geschaffenen Instanzen fördern. welches sich aus führendem. technische und wissenschaftliche Unterstützung bereitstellt sowie Kontakt zu Computer Emergency Response Teams hält. Dieses Board soll auch Mitgliedstaaten über alle Aspekte der CyberAbwehr Rat geben und Schutzmaßnahmen auf Anfrage koordinieren. Letztere beinhaltet auch das wichtige NCIRC Technical Centre. Unterzeichnung eines MoU zur Zusammenarbeit von NATO und Estland in der Cyber Abwehr im April 2010 in Tallinn.

heißt das nicht automatisch. Ebenso ist unter NATO-Mitgliedern teils umstritten. dass innerhalb der NATO neben Außen. Trotz voranschreitender Vereinheitlichung und Koordinierung im Bereich der CyberAbwehr. allen voran auf das BMI und das Bundesministerium der 6 . welcher rechtliche Stellenwert CyberAngriffen in Zukunft eingeräumt werden soll. die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen NATO. Entwicklung von Konzepten und ähnlichem sollen die Fähigkeiten. Eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich der Cyber-Abwehr auf NATO-Ebene. So trägt das deutsche Verteidigungsministerium derzeit 60 000 Euro pro Jahr zum Budget des Zentrums bei. da Beschlüsse nicht immer auch umgesetzt werden. das Deutschland im Rahmen der NATO-Cyber-Abwehr beisteuern kann. NATO-Staaten und Partnern im Bereich der Cyber-Abwehr verbessert werden. die sich allein auf Bundesebene auf verschiedene Bundesministerien und das Bundeskanzleramt. mit dem die NATO auch in anderen Bereichen konfrontiert ist: Auch wenn die bisherigen Maßnahmen zur Cyber-Abwehr von den NATO-Staaten einstimmig gebilligt wurden.Darüber hinaus gibt es seit 2008 das NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (NATO CCD COE) in Tallinn. Durch Analysen. Eine Herausforderung wird folglich sein.und Verteidigungsministern unter Umständen auch andere Ressortchefs hinzugezogen werden müssten. welches ebenfalls einen Beitrag zur verbesserten Cyber-Abwehr der NATO leisten soll. Hinzu kommt ein Problem. Forschung. da beispielsweise auf deutscher Seite das Bundesministerium des Inneren (BMI) federführend für die Cyber-Sicherheit verantwortlich ist. würde unter anderem das Problem mit sich bringen. Durch die bereits bestehende deutsch-schweizerische Zusammenarbeit versucht Deutschland. eine Partnerschaft des Exzellenzzentrums mit der Schweiz mit aufzubauen. Deutschland ist eine von zehn so genannten Sponsoring-Nationen des Cyber Exzellenzzentrums. Fortbildungen. wie sich diese Einheiten und Strukturen gegen organisationsinterne Trägheit durchsetzten und in der Praxis etablieren werden. ob noch weitere Spannungslinien zwischen den NATO-Staaten bezüglich der Cyber-Abwehr bestehen. So wird erst die Implementierung der Cyber Policy zeigen. sind weiterhin eine große Zahl an Akteuren daran beteiligt. dass in allen Bereichen Konsens herrscht. Wie auch bei der NATO verteilen sich auf deutscher Seite die Aktivitäten im Bereich der Cyber-Abwehr auf verschiedene Einrichtungen. die Bundeswehr stellt den Chef des Stabes und zwei weitere Mitarbeiter. Ein Blick nach Deutschland mag das Potential aufzeigen. wie sie etwa von Estland favorisiert wird.

So können Erfahrungen der Bundeswehr in diesem Bereich auch nicht uneingeschränkt mit anderen Bundesministerien geteilt werden. 7 . HansPeter Friedrich eröffnet am 16. So wird in der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland zwar die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen hervorgehoben. Das seit April 2011 im Einsatz befindliche Nationale Cyber-Abwehrzentrum untersteht dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und somit dem BMI.Verteidigung. „die die Mitgliedstaaten freiwillig auch für zivile Kritische Infrastrukturen übernehmen können. dass viele Maßnahmen im Bereich der Cyber-Abwehr vertraulich gehandhabt werden und Details nicht öffentlich zugänglich sind. Foto: BMI/Schaaf Ein grundsätzliches Problem für die Zusammenarbeit mit der NATO im Bereich der Cyber-Abwehr sind die verzweigten Kompetenzen innerhalb Deutschlands. was daran liegen mag. Bundesinnenminister Dr. Konkrete Maßnahmen fehlen aber. Allerdings könnte dies ein Anzeichen für Koordinationsmängel zwischen Bundesregierung und der NATO in Sachen Cyber-Abwehr sein. Berlin 2011. wie im neuen strategischen Konzept der NATO vorgesehen“4. Juni 2011 das Nationale Cyber-Abwehrzentrum in Bonn. dass die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland wenige Monate vor der NATO Policy on Cyber Defence veröffentlicht wurde. Nicht nur deswegen gestaltet sich eine umfassende Untersuchung der deutschen Aktivitäten zur Cyber-Abwehr im Bezug auf die NATO schwierig. In der Cyber-Sicherheitsstrategie des Bundesinnenministeriums für Deutschland vom Februar 2011 wird das Engagement der NATO „zugunsten einheitlicher Sicherheitsstandards“ befürwortet. Daneben gibt es ebenfalls seit Anfang 2011 den Nationalen Cyber4 Bundesministerium des Inneren: Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland. Mithilfe des Zentrums soll auf Cyber-Angriffe schneller reagiert und das Krisenmanagement optimiert werden. Generell gilt. die NATO wird aber nur als eine von vielen aufgezählt.

. Innerhalb der Bundeswehr sind im Bereich der Cyber-Aktivitäten vor allem die seit 2009 existierenden Computer-Netzwerk-Operations-Kräfte (CNO) zu nennen.“7 Herausforderung bei der Koordination der Cyber-Abwehr innerhalb Deutschlands stellen die verschiedenen horizontalen und vertikalen Zuständigkeiten dar. 8 . Die in Rheinbach angesiedelte Einheit untersteht dabei dem Kommando Strategische Aufklärung. wie es in der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland heißt. Ob die Bundeswehr für den Cyber-Raum auch offensive Fähigkeiten aufbaut. des Streitkräfteunterstützungskommandos und des Militärischen Abschirmdienst nicht im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum vertreten. Bundeswirtschafts. allerdings sieht sie „ausgehend von den in der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland beschriebenen Maßnahmen zur Abwehr von Cyber-Angriffen [. sowie die Bundesländer. 7 Deutscher Bundestag (2011): Drucksache 17/6971. aber auch der bereits erwähnten NATO Computer Incident Response Capability. Laut Bundesregierung sollen die CNO-Kräfte Fähigkeiten zum Wirken im Cyber-Raum bereitstellen. „Die Schaffung gemeinsamer Fähigkeiten für Cyber-Angriffe ist nicht beabsichtigt. noch dementiert. Deutscher Bundestag (2011): Drucksache 17/6989.Sicherheitsrat der Bundesregierung. das BMI. in dem das Bundeskanzleramt. im Rahmen des verfassungsgemäßen Auftrags der Bundeswehr. aber auch Wirtschaftsvertreter als assoziierte Mitglieder.“6 Auch werden durch die NATO Cyber Policy keine zusätzlichen Kapazitäten in Deutschland aufgebaut.und das Bundesfinanzministerium vertreten sind.. das Bundesjustiz-. die teils 5 6 Vgl.5 Die CNO-Kräfte sind im Gegensatz zu Vertretern vom Bundesamt für FInformationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr. Letzteres ist dem Zentrum für Informationstechnik der Bundeswehr zugeordnet und kooperiert mit entsprechenden Einrichtungen in Partnerländern. Deutscher Bundestag (2011): Drucksache 17/6971.] keinen Anwendungsfall des Parlamentsbeteiligungsgesetzes. Die IT-Systeme der Bundeswehr sollen vor allem von der IT-Sicherheitsorganisation der Bundeswehr und dem Computer Emergency Response Team der Bundeswehr geschützt werden. wird von der Bundesregierung öffentlich weder direkt bestätigt. das Auswärtige Amt. das Bundesverteidigungsministerium (BMVg). um „übergreifenden Politikansätze für Cyber-Sicherheit“ zu koordinieren. Die beteiligten Akteure sind an einer Vielzahl nationaler Projekte im Bereich der Cyber-Sicherheit beteiligt.

Olympische Spiele.) ihre Kapazitäten an. was sich nicht nur in der Ausrufung des Bündnisfalles nach Artikel 5 widerspiegelte. dass auf deutscher Seite die Cyber-Abwehr-Kapazitäten weiterhin quantitativ und qualitativ ausgebaut werden. um konstruktiv an der Weiterentwicklung der NATO-Cyber-Abwehr teilhaben zu können. was auf bilateraler Ebene nur mit massiv höherem Koordinierungsaufwand möglich wäre. Die NATO bietet den Mitgliedsstaaten beispielsweise zur Sicherung von öffentlichen Großereignissen (NATO-Ministertreffen. Auch verfassungsrechtliche Bedenken sollten auf deutscher Seite vollständig geklärt sein. Hierbei sind vor allem die Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit. aber teils auch im Schutz vor Wirtschaftsspionage. Deutsches Personal in den NATO-Einrichtungen kann dabei sicherlich ein fördernder Faktor sein. 9 . Da sich die Cyber-Sicherheitsstrukturen sowohl auf NATO-Ebene. sondern auch in allen Abschlusserklärungen der NATO-Gipfel und dem neuen Strategischen Konzept. dass von Anfang an gemeinsame technische und strukturelle Standards und Arbeitskulturen geschaffen werden. um den verschiedenen Ebenen der Herausforderung durch heimische und auswärtige Terroristen gerecht zu werden. Allerdings gilt es abzuwarten. wie sich die neu geschaffenen nationalen Einrichtungen etablieren werden und wie Koordinationsanstrengungen in der Praxis wirken. wie etwa AWACS-Flugzeuge oder Teile des multinationalen NATO ABC-AbwehrBataillons. Grundsätzlich bietet die enge Kooperation im NATO-Rahmen den Vorteil. als auch in Deutschland noch im Aufbau befinden. bevor man im Bereich der Cyber-Abwehr intensiver auf NATOEbene kooperiert. die etwa im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit liegen. die eine eng verzahnte Kooperation massiv erleichtern. bietet dies die Chance. sowie zwischen Militär. aus Erfahrungen der Partnerländer im Bereich der Cyber-Sicherheit zu profitieren zu können. wobei es wichtig ist. Durch die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Cyber-Abwehr wird Deutschland aber sicher wertvolle Beiträge zur Cyber-Abwehr der NATO leisten können. Geheimdiensten und Polizei zu nennen. zum Beispiel der CyberSicherheitsrat.auch verschiedene Zielsetzungen verfolgen. Die NATO-Terrorismusbekämpfung Terrorismusbekämpfung hat seit den Anschlägen vom 11. etc. September 2001 für die NATO einen hohen Stellenwert. In der Praxis wurden neben der Operation Active Endeavour (OAE) im Mittelmeer eine Reihe von Kapazitäten und organisatorischen Anpassungen geschaffen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen. Dies zeigt. Es arbeitet in Deutschland beispielsweise mit dem 2004 gegründeten Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zusammen. dass auch auf deutscher Ebene viele 10 . Das EADRCC besitzt ein dauerhaftes Mandat. um die Bevölkerung bei Angriffen mit Massenvernichtungswaffen besser zu schützen. Quelle: NATO Neben diesen präventiven Maßnahmen hat die NATO auch Kapazitäten geschaffen. Ein den grenzübergreifenden Verkehr betreffendes MoU soll dabei für weitere Flexibilität sorgen. Bereits 1998 wurde im NATO-Hauptquartier ein Euro-Atlantic Disaster Response Coordination Centre (EADRCC. welches seit 2001 einen Überblick über den Bestand an zivilen und militärischen Fähigkeiten (inklusive ABC-Abwehr) hält.Mit hohen Datenmengen. Euro-atlantisches Koordinierungszentrum für Katastrophenhilfe) geschaffen. Unfällen und Naturkatastrophen zu reagieren.und Partnerstaaten bereit gestellt werden können. die im Falle eines terroristischen Anschlags Mitglieds. Auf dem NATO-Gipfel in Prag 2002 wurde auch ein Civil Emergency Planning Action Plan angenommen. die das NATO AWACS System sammelt. im Falle eines terroristischen Anschlages auf nationale Anfrage ABC-Abwehrkapazitäten einzusetzen und organisiert darüber hinaus praktische Übungen zum Katastrophenmanagement. etwa zur besseren Warnung der Bevölkerung. was besonders bei länderübergreifenden Katastrophen von Vorteil sein kann. dt. Mindeststandards und weiterer Koordinationsmechanismen im Falle von ABC-Unfällen und Angriffen. wie etwa nicht-bindende Richtlinien. um auf die Folgen von terroristischen Anschlägen. Auch wenn dies primär in nationaler Verantwortung liegt. bietet das schon seit den 1950er Jahren bestehende Civil Emergency Planning Committee (CEPC) Koordinierungshilfe. Der Schutz von kritischer Infrastruktur bleibt aber weiterhin in nationaler Verantwortung. trägt die Nato zur Terrorbekämpfung im Rahmen von Operation Active Endeavour bei.

Die einzelnen Projekte werden dabei federführend von einzelnen NATO-Staaten geleitet. aber auch Maßnahmen gegen Sprengfallen und ABC-Waffen. Seit Oktober 2004 wurde die Operation Active Endeavour zunehmend zu einem auf Informationen und Geheimdienstauswertungen gestütztem Betrieb. um primär technische Lösungen zu finden und um die Effekte von terroristischen Anschlägen abzuschwächen. Darüber hinaus unterstützt die NATO auch die Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien. Flugzeugen und Helikoptern. reconnaissance. Andere Projekte behandeln beispielsweise den Schutz von Häfen und kritischer Infrastruktur. So erreichte die bereits beim Prag-Gipfel 2002 beschlossene ABC-Abwehr Task Force. 11 . Aufklärung. IRSTA). Deutschland war das zweite Land. Zivilisten und kritische Infrastruktur zu schützen. mithilfe dessen Systeme zur Frühwarnung und Erkennung terroristischer Aktivitäten entwickelt werden sollen. surveillance and target acquisition. Von den momentan zehn Projekten leitet Deutschland das Technologie-Projekt zur Nachrichtengewinnung. Ein Netzwerk von mehreren hundert zivilen Experten aus den nationalen Verwaltungen und der Industrie komplementiert das Krisenmanagement-System der NATO. um eigene Truppen. Beobachtung und Zielerfassung (Technologies for intelligence. 2004 volle Einsetzbarkeit. Die NATO-Exzellenzzentren in Tschechien (ABC-Abwehr) und der Türkei (TerrorismusAbwehr) unterstützen die NATO bei den oben beschriebenen Tätigkeiten. um auf ABC-Angriffe reagieren zu können. bestehend aus dem ABCAbwehr-Bataillon und einem gemeinsamen ABC-Bewertungsteam.Koordinationsinstanzen noch relativ jung sind. welches die rotierende Führung übernommen hatte. die der Terrorismus-Abwehr dienen. Quelle: NATO/Klaus-Dietmar Gabbert Beim NATO-Gipfel 2004 in Istanbul wurde ein Arbeitsprogramm zur TerrorismusAbwehr verabschiedet. Gerade letzterer Bedrohung wird besondere Beachtung gewidmet.

Die Zeiten. diese Maßnahmen in eine umfassende NATO-Politik zu Terrorabwehr einzufügen. beziehungsweise acht unterstützenden NATO-Mitgliedern dieser beiden Exzellenzzentren. Wirtschaftlichkeit) in das Zentrum politischer Aufmerksamkeit gerückt sind. Partner sind dabei andere Staaten aus den verschiedenen NATO-Kooperationsformaten. September 2001 findet innerhalb der NATO ein institutionalisierter Informationsaustausch zwischen Vertretern militärischer und ziviler Geheimdienste statt.und Sicherheitspolitik verstanden und vermehrt unter einem strategischen Blickwinkel gesehen.und Weiterbildung des NATO-Personals. kann auch eine „Versicherheitlichung“ (Securitization) des energiepolitischen Diskurses konstatiert werden. wissenschaftliche Einrichtungen.beispielsweise mit Expertise und Forschungsprojekten. andere internationale Organisationen. aber auch nationale Behörden. Vielmehr wird heute Energiepolitik als Teil der Außen. Deutschland ist dabei eines von elf. Bei der Terrorismus-Abwehr ist die Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der NATO generell von großer Bedeutung. Zur besseren Koordinierung würde sich anbieten. in denen Rohstoffe wie Öl und Gas vorwiegend als wirtschaftliche Güter betrachtet wurden. Neben NATO-Einrichtungen wie der NATO School in Oberammergau oder dem NATO Defence College in Rom sind dieses Zentren auch wichtiges Element für die fachspezifische Aus. Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. sowie Akteure der Privatwirtschaft. Die Industrieländer sind von einer sicheren Energieversorgung abhängig. um auch in diesem Feld die Anti-Terror-Kooperation zwischen NATO-Staaten und Partnern zu verbessern. sind vorbei. wie zum Beispiel das Fraunhofer Institut. Versorgungssicherheit ist Teil der NATOSicherheitsinteressen. Die 12 . Quelle: NATO Die NATO und das Thema Energie-Sicherheit Seitdem Fragen der Energiepolitik in ihren verschiedenen Facetten (Versorgungssicherheit. Umweltaspekte.

Operative Folgen für die NATO-Planungen hatte dieses Bekenntnis jedoch nicht. 9 Dort heißt es etwa “NATO ships are also systematically carry out preparatory route surveys in choke points (formed by narrow waterways and straits) as well as important passages and harbors throughout the Mediterranean” (http://www. Punkt 45. antiwestliche Energieallianzen. Bereits das strategische Konzept vom April 1999 wies darauf hin. Sicherheitsrisiken durch eine Verschiebung oder Verknappung der globalen Energieträgerströme aufgrund rasanter Nachfragesteigerungen unter anderem in China und Indien.und Regierungschefs am 29.int/cps/en/SIDD31B42F077245C82/natolive/topics_49208. „Konsultationen über die unmittelbarsten Risiken zur Energiesicherheit aufzunehmen. Daher erteilten die Staats. Bisher gibt es zudem keine NATO-Operation.11.1. Energieversorgung im Visier des internationalen Terrorismus. globale Umweltprobleme durch den Verbrauch fossiler Energieträger. Allerdings nennt die NATO auf ihrer Internetseite die seit Oktober 2001 laufende Operation Active Endeavour in diesem Kontext.nato. Erklärung von Riga.8 Die Aussagen im neuen Strategischen Konzept sind ebenfalls sehr allgemein gehalten und eine operative NATO-Energiesicherheitspolitik ist bisher nicht erkennbar.2012).9 Auch die Anti-Piraten-Mission Operation Ocean Shield ließe sich durchaus in diesem Kontext sehen. 8 13 . So erklärte etwa Treffen des Nordatlantikrats auf Ebene der Staats.Stichworte hierfür sind vielschichtig: politische Instabilität in zahlreichen Förderregionen fossiler Energieträger.htm?selectedLocale=en. 2.und Regierungschefs der Allianz im November 2006 den Auftrag. gezielte Störung der Energieversorgung. dass die Sicherheitsinteressen des Bündnisses auch durch die Unterbrechung lebenswichtiger Ressourcen tangiert werden könnten. beschäftigt sich auch die NATO zunehmend mit diesem Themenkomplex. die offiziell mit dem Thema Energiesicherheit begründet wird. Wenn sicherheitspolitische Aspekte bei Fragen der Energiepolitik in zunehmendem Maße eine Rolle spielen. dann sind auch die sicherheitspolitischen Organisationen gefordert. in denen die NATO zur Gewährleistung der Sicherheitsinteressen ihrer Mitglieder einen Mehrwert einbringen und auf entsprechendes Ersuchen nationale und internationale Anstrengungen unterstützen kann“.2006. Neben den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. dass 65 Prozent des in Westeuropa verbrauchten Öls und Erdgases durch das Mittelmeer transportiert würden. Rohstoffe als strategische Waffen nichtdemokratischer Problemstaaten. um die Bereiche zu definieren. wenn darauf hingewiesen wird.

html (2. Quelle: NATO/US Navy/Leonardo Carrillo) Die NATO ist also gefordert. dass sie die Arbeit anderer Organisationen nicht duplizieren.der Staatsminister im Auswärtigen Amt.und Versorgungswege und damit der Energie. bei denen die NATO beim Thema Energiesicherheit eine Rolle spielen könnte: Zum Einen besteht ein gewisser Bedarf für die NATO darin.2012).1.und Rohstoffsicherheit. Werner Hoyer. im November 2011: „Der Kampf gegen die Piraterie am Horn von Afrika […] hat die Durchsetzung humanitärer Hilfe für die notleidende Bevölkerung in Somalia zur Hauptaufgabe. Grundsätze im Umgang mit strategischen Fragen der Energiesicherheit zu entwickeln. sondern vielmehr einen echten Mehrwert schaffen soll. Besondere Bedeutung beim Transport von Rohöl haben die Seewege. Beide Einsätze dienen aber gleichzeitig auch der Sicherung strategisch wichtiger und leicht zu gefährdender Handels. dass bisher wenig in operativen Details über Schutz von Energieressourcen und ihren Transportwegen nachgedacht wird und jenseits von einzelnen Staaten keine internationale Organisation oder institutionalisierte Kooperationsmechanismen für diese Fragen bereit stehen. Es sind zwei Bereiche. Der Straße von Hormus (zwischen Oman und Iran) und der Straße von Malakka (zwischen Malaysia und http://www.10 Im Rahmen der Operation Active Endeavour überwachen NATO-Schiffe im Mittelmeer die Schifffahrt zum Schutz vor terroristischen Aktivitäten. Etwa zwei Drittel des weltweiten Öltransports werden durch Tanker über See abgewickelt. Sie sollte sich dabei von dem Gedanken leiten lassen. 10 14 . da Piraten auch derartige Transporte angreifen“.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2011/111108_Hoyer_Berliner_Sicherheitskonferenz.auswaertigesamt.

über die fast 40 Prozent des Transportes laufen. ist vorübergehender Art. Dabei muss man nicht so weit gehen wie der Direktor des Washingtoner Instituts für Sicherheitsstudien. dass die NATO nationale intelligence koordiniert und allen Mitgliedstaaten diese Informationen zugänglich macht. 12 So etwa Gal Luft in einem Streitgespräch mit Christophe Paillard: Sollte die NATO eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Sicherheit der Energieversorgung spielen? In: NATO Review 1/2007. dass Interventionen in Ölförderländern. Herausforderung für eine neue Sicherheitspolitik?. dass „das neue Sicherheitsumfeld bedeutet. sind nicht weniger anfällig. in: Streitkräfte und Strategien vom 10. nahezu vorprogrammiert sind. So wäre denkbar.und dem Suez-Kanal besondere Bedeutung zu. Keines der Probleme. Die Sicherung der Seewege und der Pipelines könnten also zwei Bereiche sein. der über die Rolle von Streitkräften bei der Sicherung der Energieversorgung nachdenkt und argumentiert. insbesondere im Persischen Golf. Die Kosten der militärischen Sicherung der Energieimporte betragen in den USA nach Expertenschätzungen seit etlichen Jahren mindestens ein Drittel der USMilitärausgaben. Frankreich und die Niederlande – während des Krieges zwischen Iran und Irak (1980-1988) im Rahmen der Operation Earnest Will (1987-1988) am Schutz des Tankerverkehrs im Persischen Golf beteiligt. Pipelines. In allen genannten Fällen könnten terroristische Anschläge erhebliche Auswirkungen auf die Energieversorgung haben. in denen die NATO einen positiven Beitrag leisten könnte.Indonesien) kommt dabei neben dem Panama. welche die Weltwirtschaft durch Angriffe auf unsere Energieversorgung lahm legen wollen. Marineaktivitäten entlang strategisch wichtigen Meerengen und Terrorabwehroperationen gegen ÖlDschihadisten.“12 Vgl. Ottfried Nassauer: Der Ruf nach Energiesicherheit. die Kontrolle über die Erdölressourcen. zu erhalten und dies mit allen erforderlichen Mitteln – einschließlich militärischer – zu gewährleisten. denen sich die internationale Energiewirtschaft gegenübersieht. und die Herausforderung hinsichtlich der Sicherheit der Energieversorgung wird im Laufe der Zeit wahrscheinlich nur noch weiter zunehmen. So haben sich einzelne NATO-Staaten – insbesondere Großbritannien. März 2007. Operative Möglichkeiten für die Allianz bestehen auch in Fragen der Informationsgewinnung und Aufklärung.11 Für die militärische Sicherung von Energie gibt es aus der jüngeren Geschichte bereits einige Präzedenzfälle. Für die USA ist es seit langen Jahren ein vitales Interesse. 11 15 . Nachdem in diesem Zusammenhang1987 eine US-Fregatte von irakischer Seite angegriffen wurde – vermeintlich aus Versehen – . wurde dieser Schutz noch verstärkt.

Der Außendruck. Zum anderen befindet sich die NATO in einem vielschichtigen Dilemma. in dem internationale Solidarität für den Fall einer Unterbrechung lebenswichtiger Energielieferungen organisiert wird. Zum einen sind zahlreiche Staaten der Auffassung. ist alles in allem eher unwahrscheinlich. Fragen der Energieinfrastruktursicherheit stärker bei den PfP-Ausbildungsprogrammen zu berücksichtigen. Allerdings konnte sich keiner der anderen NATO-Staaten für diesen Vorschlag begeistern.Ein zweiter Bereich könnte sein. Der polnische Vorschlag zielte auf eine Beistandsklausel im Falle bedrohter Energiesicherheit und die Schaffung von gemeinsamen Öl. Der NATO Russland Rat tagt in Sochi/Russland. Hier wäre auch denkbar. der „Westen“ wolle sich Ressourcen militärisch sichern und anderen Akteuren angesichts einer absehbaren Verknappung lebenswichtiger Energieträger/Rohstoffe den Zugang zu diesen verweigern. Denn damit könne der Eindruck entstehen. ist 16 . dem zahlreiche wichtige energieproduzierende Staaten wie etwa Kasachstan und Turkmenistan angehören. dass es ein falsches Signal aussenden würde.und Gasreservoirs ab. eine Art „Energie-NATO“ zu gründen. die Allianz stärker als politisches Gremium zu nutzen. Quelle: NATO Dass allerdings die NATO tatsächlich in absehbarer Zeit eine wichtige Rolle bei der Energiesicherheit einnehmen wird. Bessere Chancen bestehen hinsichtlich der politischen Abstimmung im Rahmen des NATO-Programms Partnership for Peace (PfP). So hatte Polen unter dem Eindruck des russischukrainischen Gaskonflikts im Winter 2005/06 vorgeschlagen. wenn sich ein Militärbündnis wie die NATO mit solchen Fragen beschäftigen würde. Hier könnte zum Beispiel über Gemeinschaftsprojekte zum Bau von Pipelines unter NATOBeteiligung nachgedacht werden. der vier Jahrzehnte lang ein wichtiges Bindeglied zwischen den Mitgliedstaaten war.

Johannes Varwick: Das neue strategische Konzept der NATO. der „Westen“ wolle seine Rohstoffe und Energiezufuhr zunehmend militärisch sichern und sein nicht globalisierungstaugliches Wohlstands. Fazit Das neue Strategische Konzept hat das.weggefallen und die Ausweitung des Aktionsradius des Bündnisses und die Suche nach neuen Themen – die die Allianz noch nicht zum Weltpolizisten. dass eine automatische Reaktion der NATO wie im Falle einer Verletzung der territorialen Integrität des Bündnisgebietes nicht denkbar wäre. Zweitens kann auf dieser Basis über eine praktische Rolle der Allianz bei der Sicherung und Stabilisierung der Energielieferungen nachgedacht werden. bei der Energiepolitik im Sinne eines erweiterten Sicherheitsbegriffes so umgesteuert wird.und Energieverbrauchsmodell konfrontativ sichern. was die Allianz faktisch seit Längerem macht. in denen nicht exklusiv als westlicher Club über Fragen der Energiesicherheit beraten wird und bei denen nicht der Eindruck erweckt wird. Es spricht einiges dafür. Drittens bleibt es allerdings notwendig. der NATO-Staaten politische Gremien geschaffen werden.13 Denn die neuen Sicherheitsprobleme sind derart vielschichtig. dass dies sogar ein grundsätzlicher Trend des Bündnisses ist: zunehmend lockere Analyseplattform für eine breite Palette an sicherheitspolitischen Themen statt eindimensionales Militärbündnis zur operativen Gestaltung konkreter sicherheitspolitischer Szenarien. sehr wohl aber zu einem globalen Ordnungsfaktor macht – stellt bei jedem einzelnen Einsatz eine enorme Herausforderung für die strategische Konsensbildung dar. Man könnte diese neue NATO auch eine „Sowohl-alsauch-Allianz“ nennen. in: Aus Politik und Zeitgeschichte (50) 2010. Vielmehr heißt es in dem Vgl. S. 13 17 . eine energiepolitische Revolution in Gang zu setzen. 23-30. kodifiziert und auf eine zumindest formal allseits akzeptierte Grundlage gestellt. dass die Abwehr gegen neue Bedrohungen – wie von etlichen Mitgliedstaaten im Vorfeld vertreten – unter den Artikel 5 des NATO-Vertrags fällt. In dem neuen Konzept ist daher ausdrücklich und durchaus folgerichtig nicht mehr davon die Rede. als das Investitionen in Energiespartechnologien und erneuerbare Energien sowie Diversifizierung der Energieträger als strategische Investitionen zur Vermeidung einer militärischen Konfliktformation betrachtet werden. Insgesamt lassen sich drei Schlussfolgerungen aus der Argumentation ableiten: Erstens sollten unter der Beteiligung der NATO bzw.

Gerade für kleine NATO-Staaten bieten sich durch die beschriebenen NATO-Aktivitäten große Chancen. Dies ist nicht allein auf die Tatsache zurückzuführen. sind ihre Zukunftsperspektiven unklar und die lang anhaltenden Diskussionen über ihre Daseinsberechtigung nicht beendet.“14 Der Bezug zu Artikel 4 zeigt aber sichtbar an. Dies ist auch bei den neuen Sicherheitsrisiken nicht anders. 5. Dies ist besonders wichtig. wie in Artikel 4 des NATO-Vertrags festgelegt ist. politische Unabhängigkeit und Sicherheit der Mitglieder betrifft. Obwohl die NATO derzeit in so vielen Missionen gleichzeitig engagiert ist wie nie zuvor. dass der Verbindlichkeitsgrad nicht mit dem des Artikels 5 („ein bewaffneter Angriff gegen einen wird als Angriff auf alle gesehen“) vergleichbar ist. Aufgrund des Konsensprinzips innerhalb der NATO stellen alle Neuausrichtungen der Allianz aber meist nur den kleinsten gemeinsamen Nenner ihrer Mitglieder dar. dass sie neue Aufgabenfelder erschließt. ihre Anstrengungen im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken auszubauen. sich im vollen Umfang auf das große Spektrum der neuen Sicherheitsbedrohungen ausreichend vorzubereiten. so dass auch andere internationale Organisationen in diesem Bereich bedeutende Kompetenzen besitzen. Für die Zukunft der NATO ist es von erheblicher Bedeutung. die für ihre Mitglieder einen sicherheitspolitischen Mehrwert bringen. da sie alleine kaum in der Lage wären. dass die Verantwortlichen von Cyber-Angriffen und terroristischen Anschlägen nicht immer zweifelsfrei identifiziert werden können. da neben den Kapazitäten zur Abwehr auch die vorausschauende Analyse und der Informationsaustausch von großer Bedeutung sind.Konzept deutlich: „Die NATO bleibt das einzigartige und notwendige Forum für Konsultationen in allen Fragen. 18 . in Verteidigung zu investieren. Da es im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken aber besonders auf Koordinierungsaufgaben für die NATO 14 Strategisches Konzept 2010. dass die NATO versucht. die die territoriale Integrität. Aber auch Deutschland wird davon profitieren können. da der Großteil der NATO-Partner aufgrund der Wirtschafts. Im Gegensatz zu ihrer Rolle als Anbieter kollektiver Verteidigung besitzt die NATO darüber hinaus im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken kein allgemein anerkanntes Monopol. Mit Blick auf das absehbare Ende des gemeinsamen Afghanistan-Einsatzes der NATO-Partner im Jahr 2014 ist zu erwarten.und Schuldenkrise immer weniger bereit ist. So bestehen zwischen den NATO-Mitgliedern bei den neuen Sicherheitsrisiken noch größere Unterschiede bezüglich der Gefährdungsperzeption und der für notwendig erachteten Reaktionen. Ziff.

da viele Kompetenzen durch den Föderalismus auch auf eine große Zahl an Akteuren verteilt sind.und Wirtschaftsressort. könnte Deutschland seine Erfahrungen in diesem Bereich einbringen. einen Mehrwert für ihre Mitglieder zu schaffen. Dipl.und Außenministerebene um die Teilhabe von anderen Ministerien erweitern. Neben staatlichen Akteuren ist auch eine Kooperation mit dem privaten Sektor wichtig. Jahrgang 1968. wie überzeugt und ambitioniert sich ihre Mitgliedsstaaten dafür einsetzen. Durch eine fortschreitende Intensivierung der Kooperation in den Bereichen Cyber-Abwehr.. Terrorismusbekämpfung und Energie-Sicherheit müsste die NATO unter Umständen auch die bisher traditionellen Arbeitsabläufe auf Verteidigungsminister. Insgesamt wird die künftige Bedeutung der NATO im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken davon abhängen.A. in diesem Kontext Informationen – besonders auch vertrauliche – auszutauschen. Stiftungen und internationalen Organisationen.. Jahrgang 1985. Er berät Bundesministerien.-Soz. da es im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken weniger auf harte militärische Kapazitäten und stattdessen mehr auf Koordination zwischen den Mitgliedern ankommt. Zudem kommt es auf die Bereitschaft an. Dr. Auch die Bedrohungen werden im zunehmenden Maße von nicht-staatlichen Akteuren ausgehen. ist seit 2011 Doktorand an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Autoren Prof. 19 . Martin Schmid. M. Johannes Varwick. die NATO als Koordinator aufzubauen. wie etwa Software-Unternehmen oder Energie-Konzerne.ankommt. ist seit Oktober 2009 Professor für Politische Wissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor absolvierte er ein deutschfranzösisches Doppeldiplom-Studium der Politikwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster und am Institut d’Etudes Politiques (IEP) in Lille/F sowie einen Master in EU International Relations and Diplomacy Studies am College of Europe in Brügge. wie etwa dem Innen. Im Gegensatz zur konventionellen und nuklearen Kollektivverteidigung wird es im Bereich der neuen Sicherheitsrisiken für die NATO schwerer werden. Wiss.

int/cps/en/natolive/75747. Tackling new Security Challenges. Johannes Varwick. Hinweise NATO Centres of Excellence www. Das neue strategische Konzept der NATO.htm. Warum die NATO jetzt handeln muss.nato. 278-282. NATO. in: Aus Politik und Zeitgeschichte (50) 2010. NATO Defending against cyber attacks www. 23-30. Beyond the Deterrence Paradigm. Brüssel 2011 (NATO briefings). NATO and Emerging Security Challenges. 96-100.nato.nato. S.int/cps/en/natolive/76706.int/cps/en/natolive/topics_68372. S. Michael Rühle. in: American Foreign Policy Interests (6) 2011.int/cps/en/SID-D31B42F077245C82/natolive/topics_49208.htm?selectedLocale=en 20 .html NATO's role in energy security www.nato.htm. Energie und Sicherheit. NATO and the fight against terrorism http://www. S. in: Internationale Politik (2) 2011.Literatur Michael Rühle.